Archiv für August 2014

Eil *** Fortuna Köln tritt Samstag in Aue an – Wer spielt in Köln?

Wie die Hamburger Tageszeitung Die Welt exklusiv meldet, tritt Fortuna Köln für den Namensvetter aus Düsseldorf am Samstag in Aue an. Hamburg scheint als Sitz der Redaktion zu weit entfernt, als dass den Sportjournalisten die Brisanz dieser Meldung eine größere Berichterstattung wert ist.

2014-08-29_Fortuna_Koeln_in_aueWenn die Düsseldorfer und Kölner Verantwortlichen diese im deutschen Fußball einmalige Notmaßnahme so früh in der Saison durchführen, scheinen die Nerven blank zu liegen angesichts des mäßigen Saisonstarts zweier Vereine in ihren jeweiligen Ligen.

Betroffen von diesem Mannschaftstausch sind  auch die Fußballer des MSV Duisburg, die nun noch nicht wissen, gegen welche Mannschaft sie am Samstag im Südstadion spielen werden. Es liegt nahe, dass Fortuna Düsseldorf stattdessen gegen die Zebras um Punkte für Fortuna Köln spielt. Andererseits ist aus gut unterrichteten Kölner Kreisen zu hören, dass die  Vereinsverantwortlichen vor diesem einfachen Tausch zurückgeschreckt sind, weil sie in dem Fall eine hohe Niederlage befürchten. Ein Unentschieden erhofften sie sich schon für ihren Freundschaftsdienst.

Zu früh aufs schöne Spiel gehofft

Ich war meiner Zeit voraus und jetzt habe ich schlechte Laune. Die ersten 25 Minuten des Spiels vom MSV Duisburg gegen Arminia Bielefel haben mich Hoffnung als Wirklichkeit empfinden lassen. Mir war nicht klar, wie sehr ich einen schön herausgespielten Sieg vermisse, wie sehr ich einmal wieder sehen möchte, dass das meiste von dem gelingt, was die Mannschaft sich vornimmt. Eigentlich versuche ich immer, mich mit Dingen, die ich nicht ändern kann, einzurichten, so auch mit dem Leistungsvermögen des MSV Duisburg. Momentan aber bin ich mit mir und dem MSV eindeutig noch nicht im Einklang.

25 Minuten lang ließ der MSV Duisburg dem Gegner kaum einen Meter Raum auf dem Spielfeld. Es wurde gut kombiniert, wenn auch wenig torgefährlich. Das sorgte mich aber nicht, weil Ziel dieser Kombination ja die zwei letzten Pässe sind, die Spieler dann so frei vor dem Torwart auftauchen lassen, dass kein Zweifel mehr am erfolgreichen Abschluss bleiben kann. Was eben nicht immer geschehen kann, was aber angesichts der sicheren Kombinationen geschehen konnte. Ich sorgte mich nicht, weil die Arminia gegen dieses Kombinationsspiel nur wenige Mittel in der Defensive fand und für jede Offensivbemühung die Sorge viel zu groß war, diese Defensvie zu entblößen. Und dann gelang diese eine Kombination, bei der Tim Albutat in zentraler Position steil in den freien Raum der Abwehrkette spielte, wohin Kevin Wolze wunderbar durchgelaufen war. Der legte quer auf den mitgelaufenen Kingsley Onuegbu, der den Ball im leeren Tor einschob. Es war ein wunderbar heraus gespieltes Tor, das Versprechen, so dachte ich, auf einen großen Sieg. Die Mannschaft wollte sofort nachlegen. Für den Moment wurde der Druck hoch gehalten. Die Angst der Arminia war bis auf die Ränge zu spüren.

Ganz selten war der Ball auch einmal in der Duisburger Hälfte, gar im Duisburger Strafraum, und dort wurde die Wendung des Spiels eingeleitet durch eine vielleicht einminütige Slapstick-Einlage, an der wahrscheinlich die Hälfte der Mannschaft beteiligt war. Vielleicht lässt mich meine Enttäuschung aber auch übertreiben. Fast jeder durfte mal ran und zeigen, wie komisch es aussieht, wenn Körper und Materie mit Eigenleben, nämlich der Ball, sich begegnen. Luftlöcher wurden getreten. Die „heiße Kartoffel“ Ball titschte wild hin und her, der einfache Pass misslang. Es fehlten nur noch die übereinander purzelnden Spieler, zum großen Haufen im Strafraum  geschichtet. Die Mannschaft fand das anscheinend weniger belustigend als beängstigend, denn fortan war die Verwirrung groß. Der Ausgleich fiel nahezu sofort als Kopfballtor nach einer Ecke.

Dieser Ausgleich enttäuschte nicht nur uns Zuschauer, auch die Spieler waren offensichtlich geknickt und hatten Mühe diesen Rückschlag wegzustecken. Bis zum Halbzeitpfiff blieb dafür nicht mehr viel Zeit. Sie mühten sich, gut wurde das Spiel nicht mehr. Über die zweite Halbzeit muss eigentlich kaum mehr etwas gesagt werden. Enis Hajri kam ins Spiel und wusste zunächst nur ungefähr, wo seine Position im Mannschaftsgefüge war. Verständlicherweise, selbst wenn er schon die ein und andere Trainingseinheit mitgemacht haben sollte. Das sichere Zusammenspiel braucht etwas mehr Zeit. Sein Herumirren beim Ausrichten der Defensive beunruhigte uns etwas. Der Arminia fehlten die Mi,ttel diese offensichtliche Schwachstelle auszunutzen.

Deshalb kommt zur Enttäuschung auch Beunruhigung, wenn dieser Spieler trotz des offensichtlichen Risikos von Gino Lettieri eingewechselt wird und er deshalb keine klar bessere Leistung zeigen kann als die Spieler, die die Vorbereitung mitgemacht haben. Was sagt uns das über die Kaderentwicklung? Welche Unzufriedenheiten sind von nun an zu moderieren? Solche Fragen gehen mir nun auch noch durch den Kopf. Meine Zuversicht ist doch etwas getrübt, weil nur Erfolg Druck von diesen Kann-Bruchstellen des Kaders nimmt. Rolf Feltscher übrigens hatte es auf seiner Position einfacher, seine Verpflichtung zu rechtfertigen.

Die Angst vor Fehlern war beiden Mannschaften in der zweiten Halbzeit anzumerken. Hinzu kam, dass für Kingsley Onuegbu kein offensiver Spieler mehr eingewechselt werden konnte. Die Spieler rotierten, und Steffen Bohl ist auf dem Weg zum Idealfußballer der Gegenwart des MSV. Ein idealer Spieler muss sich heute ja bekannterweise auf allen Positionen einer Mannschaft heimisch fühlen können. Steffen Bohl bewies das gestern in Mittelfeld, Abwehrreihe und Sturm. Ein Siegtor erwartete ich aber nur noch durch Zufall, das planvolle Spiel bot keinerlei Hoffnung. Eher noch war ein Tor der Arminia zu befürchten gewesen, die etwas mehr Zug zum Tor zeigten, aber eigentlich auch zu schlecht spielten, um wirklich Angst zu wecken. Den überraschenden Lattenschuss kurz vor Spielende übersehe ich dabei geflissentlich. Ich lass  die Worte hier nun ausplätschern wie gestern das Spiel ausplätscherte. Der Schlusspfiff kam irgendwann und schickte mich sowie die Freunde mit unserer enttäuschten Hoffnung auf den schönen Sieg nach Hause.

Bleibt noch die PK nach dem Spiel sowie die Stimmen von Kingsley Onuegbu und Enis Hajri:

Ach, die Erwartungen

Was können Erinnerungen schön sein. Guter, alter Ronny ging mir durch den Kopf, als ich diese Reporter-Stimme hörte. Was haben wir schon manch schönes Spiel vom MSV Duisburg in Chemnitz gemeinsam durchlebt, Ronny und ich. Eines genau genommen. Und was wusste Ronny, der damals mit einem Kollegen dauerplauderte, nicht alles über Chemnitz zu erzählen. So viele Sachen wusste er, dass er gar nicht mehr vom Spiel sprechen konnte, wenn im Hintergrund die Zuschauer aufstöhnten und ich um Aufklärung flehen wollte, was da denn nun im Spiel geschah. An diesem Problem hat der MDR offensichtlich gearbeitet. Er weiß um die spielunabhängigen Qualitäten seiner Reporter und steckte Ronny deshalb anscheinend in eine nahezu schalldichte Sprecherkabine, damit er ohne Stadionatmosphäre noch viel freier in der Gegend herumquatschen kann.

Aber ich bin ungerecht. So viel habe ich dieses Mal gar nicht von der Spielreportage hören können. Vielleicht hat er ja doch keinen Hörspieltext gelesen. Vielleicht hat er, sobald ich nicht hinhörte, ein wirkliches Fußballspiel kommentiert? Ich weiß es eigentlich nicht, und das liegt nur an meinen Erwartungen. Die lassen mich ungerecht werden und machen es mir schwer, das torlose Unentschieden des MSV Duisburg beim Chemnitzer FC ausreichend zu würdigen. Mein Kopf sagt: ein gutes Ergebnis. Auswärts bei einer Mannschaft in sehr guter Form kein Tor hinzunehmen und sogar die Aussicht auf einen Sieg gehabt zu haben, damit dürfen wir zufrieden sein. Und dann kommt mein Bauch daher und sagt nur: denk an Ronny. Schon bin ich enttäuscht, dass es nicht zum Sieg gereicht hat und mein Verein mich nicht deutlicher der Zukunft näher gebracht hat, in der wir den Reportagestil Ronny Maiwalds wieder ganz dem Osten überlassen können. Jede Region hat eben ihre lokalen Vorlieben, die nicht überall geteilt werden müssen.

Ich komme also aus dieser gemischten Stimmung nicht richtig raus. Ein Urteil über das Spiel selbst kann ich mir nicht erlauben und bin zurückgeworfen auf das reine Ergebnis im Verhältnis zu meinen Erwartungen an die Saison. Ich muss zugeben, ich möchte in dieser Saison das bislang Unaussprechliche feiern können. Meine Sorge vor Enttäuschung ist entsprechend größer, als ich gedacht habe. Nimmt mir das Spiel der Mannschaft meine Sorgen? Anscheinend kristallisiert sich die stabilere Defensive ebenso heraus wie die momentan weiterhin unsichere Chancenverwertung. Das hilft bei den Sorgen also auch nicht weiter. Mein Kopf sagt, alles im Plan. Mein Bauch sagt, vier Punkte mehr, das wäre doch so viel schöner. Ach, die Erwartungen.

 

 

Zwei auf einen Wochenendstreich

Wenn demnächst die Verantwortlichen vom MSV Duisburg auch noch den dieses Mal spielfreien Samstag für ein drittes Pokalspiel nutzen, muss auf jeden Fall ein T-Shirt mit Aufdruck her. Weitere Siege natürlich vorausgesetzt. Drei auf einen Wochenendstreich! So ähnlich stelle ich mir die Botschaft dann vor. Beim Aufwärmen vor allen Spielen stets zu tragen. Es soll ja schon mal einen Handwerker der Modebranche gegeben haben, der sich mit einem ähnlichen Spruch auf einer Schärpe Respekt und den Ruf der Unbesiegbarkeit erwarb. Eine Prinzessin gab es am Ende obendrein.

Im Ligaalltag könnte so ein Ruf der Unbesiegbarkeit dann von einigem Nutzen sein. Denn die Heimspiele des Ligaalltags werden wieder schwerer als das DFB-Pokalspiel zu bewältigen sein, und dennoch dürfen wir die Hochstimmung nach dem 1:0-Sieg gegen den 1. FC Nürnberg weiter genießen. Und natürlich dürfen wir uns über den 9:0-Pflichtsieg im Niederrheinpokal gegen den Duisburger FV 08 freuen. Zwar hat es in der letzten Saison den Sieg gegen RB Leipzig gegeben, bei dem schon euphorische Siegesfreude überschwappte, doch mit diesem Pokalsieg gibt es für mich zum ersten Mal wieder auch Leichtigkeit mit dem MSV Duisburg, steckt in dem Sieg mehr Zukunft als notwendige Pflicht. In gewisser Weise macht dieser Sieg frei. Erst mit diesem Sieg werden all die Gefahren und Bedrohungen des letzten Jahres abgeschüttelt. Erst dieser Sieg weist nach vorne, ohne an die Beschwernisse der Vergangenheit gekettet zu sein.

Dabei kann ich mich an kein Fußballspiel erinnern, in dem der Ball so selten in Tornähe kam und ich dennoch von einem guten Spiel des MSV Duisburg schreibe. Die einzigen zwei wirklichen Torchancen hatte der MSV Duisburg. Eine davon war der Elfmeter, den Zlatko Janjic sicher verwandelte. Während des ganzen Spiels bekamen die Nürnberger den Ball nicht ein eiziges Mal gefährlich auf das Tor. Was uns auf dem Stehplatz natürlich dennoch keineswegs gelassen machte. So richtig trauen wollten wir dem sicheren Spiel des MSV Duisburg nicht. Dazu spielte der MSV Duisburg uns in der zweiten Halbzeit nach vorne nicht ambitioniert genug. Das war natürlich zum einen der großen Laufarbeit während der ersten Halbzeit geschuldet, zum anderen hieß es im Zweifelsfall, Defensive zuerst, keinerlei Risiko eingehen. Das Offensivspiel blieb so in der zweiten Halbzeit mehr oder weniger unberücksichtigt, aber keineswegs zufällig. Das Spiel lief kontrolliert und nach Plan.

Dafür war in der ersten Halbzeit ein MSV Duisburg zu sehen gewesen, der jegliches Nürnberger Spiel im Keim erstickte. So früh und ausdauernd wurde der Spielaufbau der Nürnberger gestört, dass wir darin das große Selbstbewusstsein dieser Mannschaft erkennen. Die Zebras zeigten von Anbeginn an, dass sie sich ebenbürtig fühlen. Vor allem aber konnten sie mehr als nur das Spiel des Gegners zerstören. Sie schalteten schnell um, ließen den Ball laufen und erarbeiteten sich so die einzigen zwei wirklichen Torchancen des Spiels. Hätte Zlatko Janjic den perfekt ausgespielten Konter kurz vor der Halbzeitpause zielsicherer in eine der beiden Torecken geköpft statt in die Tormitte, hätten wir vollends entspannt dem Schlusspfiff entgegen gesehen. So aber blieben die Zweifel, weil in der zweiten Halbzeit der Zufall dem 1. FC Nürnberg hätte zugute kommen können.

Dieser Zufall war die einzige Hoffnung der Nürnberger. Sie waren hilflos in ihrem Bemühen in Tornähe zu kommen. Wann habe ich so etwas einmal vom Gegner schreiben können? Das Angriffsspiel mit Kingsley Onuegbu wirkt übrigens manchmal wie ein taktischer Kompromiss. Als Anspielstation ist er unverzichtbar, beim schnellen Umschalten aber fehlt ihm natürlich die Schnelligkeit und steile Pässe in den Strafraum erreicht er niemals. Zwei, dreimal waren solche Pässe die eigentlich folgerichtigen Pässe, für die der Mannschaft momentan der Spieler fehlt. So lange dieser Kompromiss einer derart überlegenen Spielkontrolle dient, soll er mir recht sein.

Aber eines ist klar, obwohl der MSV Duisburg mit dem 1:0-Pokalsieg gegen den 1. FC Nürnberg seinen Ruhm sehr viel klarer begründete  als der zu Beginn erwähnte Modehandwerker mit dem Fliegenmord den seinen, kann auch die Fußballmannschaft in den kommenden Wochen etwas von dessen Gewitztheit bei der Lösung kommender Aufgaben gebrauchen. Keine Frage, dem MSV Duisburg gelang ein großartiger Pokalsieg, doch im Alltag der Liga wird er nur im ersten Moment des Spiels etwas wert sein. Wenn in so einer frühen Phase des Spiels der MSV nicht in Führung gehen kann, müssen originelle Lösungen für den Spielaufbau in zweiten Halbzeiten her. Wie immer ist dann die große Frage, wie die Ordnung der Defensive bewahren und zugleich den Druck der Offensive erhöhen? Aber für die Prinzessin des MSV, den Aufstieg, wird Gino Lettieri doch bestimmt was Gutes einfallen. 

Clubfans United fragt – Kees Jaratz antwortet

Das müssten mal die Bremer oder Münchner Anhänger beantworten. Strahlte Valérien Ismaël schon als Spieler nach Niederlagen eine solch grimmige Entschlossenheit aus? Wenn man den Trainer des 1. FC Nürnberg  in der Pressekonferenz seines Vereins vor dem heutigen Pokalspiel gegen den MSV Duisburg sieht, möchte ich als Journalist eigentlich nur ganz vorsichtig Fragen stellen, auch wenn ich mir seiner Höflichkeit sicher sein könnte.
 
 
Nur gut, dass solche Entschlossenheit nicht zwangsläufig auf die Spieler übergeht. Warten wir also ab, wie das, laut Dennis Grote, „Riesenbonus“-Spiel sich heute Abend entwickelt. Gegenüber den Pokalspielen der letzten Jahre nehme ich das Spiel jedenfalls sehr viel weniger wichtig. Der Erfolg in der Liga ist in dieser Saison ungleich bedeutsamer als in den Spielzeiten der jüngsten Vergangenheit. Jedes Zeichen für die weitere Stabilität der Mannschaft würde mich dementsprechend heute fast genauso froh stimmen wie ein Sieg. Fast, wohlgemerkt.
 Gestern konnte ich mich auch mal wieder als Botschafter in Sachen MSV-Fantum für regionsverbindendes Verständnis einsetzen. Alexander Endl von dem Online-Magazin Clubfans United hatte ein paar Fragen per E-Mail rübergeschickt. Seine einleitenden Worte zum Beitrag bei Clubfans United zeigen, die Anhänger des 1. FC Nürnberg hegen eine Liga höher momentan ähnliche Hoffnungen und Zweifel wie wir in Duisburg. Hier also meine Antworten auf seine Fragen; kommentiert drüben, wenn ihr bei der Einschätzung zur Lage beim MSV anderer Meinung seid.
 
[Clubfans United] Hallo Ralf, wir begrüßen Dich in unserer Interview-Reihe „Von Fan zu Fan“. Wie im Vorfeld schon mal angesprochen – und vielleicht nochmal für die Leser als Zusammenfassung – geht es bei unseren Interviews weniger um das Tagesgeschäft Fußball, sondern wir nehmen die Gelegenheit des Aufeinandertreffens unserer Vereine wahr, um euch Fans in den anderen Farben ein wenig näher kennenzulernen. Daher auch meine erste Frage: Wie wird man eigentlich Fan des MSV Duisburg und was macht den Reiz des Vereines aus?
 Zunächst mal gehöre ich ja einer Generation an, für die es noch recht wahrscheinlich war, sich vom Verein der eigenen Heimatstadt begeistern zu lassen. Allerdings hielt sich das in Grenzen bei einem Siebenjährigen, als er mit seiner Mutter und deren Cousin zum ersten Mal im Stadion war. Der MSV gegen den 1. FC Kaiserslautern. So ein Fußballspiel konnte ganz schön langweilig sein. Richtig begeistert war ich erst nach der Grundschule, als ich in der fünften Klasse neuen Freunden begegnete, mit denen ich dann samstags ins Stadion ging. In die Gerade, wo damals 1972 im Wedaustadion die Stimmung gemacht wurde – in den Mob, so hieß die „Kurve“ damals. Seitdem gehört der MSV zu meinem Leben. Und der Reiz, soll man über Gefühle weiter nachdenken? Wir passen gut zueinander, der MSV und ich. Jeder macht das, was ihm am meisten Spaß macht. Ich stehe auf dem Rang, guck zu und schreibe. Der Verein kümmert sich um den Sport. Und all die Jahre hoffe ich immer wieder, wir verändern uns nicht so sehr, dass wir uns nichts mehr zu sagen haben.

[Clubfans United] Du hast ein „Zebrastreifenblog“ – wie kam das, was passiert da und was liest man als Fan des MSV sonst so regelmäßig im Netz?

Begonnen habe ich den Blog, weil ich ein Medium abseits meines beruflichen Schreibens brauchte. Es gab ein paar Dinge, über die ich schreiben wollte, für die mir als Journalist oder Autor niemand Geld geben wollte. Ich wollte diesen Worten aber dennoch die Chance auf Öffentlichkeit geben. Das war zunächst nicht der Fußball oder der MSV als grundsätzliches Thema, ich wollte den Fußball nur zur roten Linie dieses Mediums machen. Mir ging es damals wie heute um Leben und Kultur im Ruhrgebiet und speziell Duisburg, das sich unter anderem auch beim Fußball ausdrückt. Darüber hinaus ist der Fußball in dieser Gesellschaft so wichtig geworden, dass mit ihm weitere Themen zu erzählen sind, seien es Fragen der Identität, seien es Diskussionen über Politik und Gewalt.

Was das Lesen angeht, bin ich einerseits eine Art Junkie, egal was an mir vorbeitreibt, es wird gelesen, da folge ich Links bei Twitter, Facebook oder der Link11 von Fokus Fußball. Das sind die Online-Ableger der klassischen Print-Medien. Das kann aber auch was völlig Abseitiges sein, Zufälliges. Andererseits habe ich viel zu wenig Zeit. Ich weiß, das geht fast allen so.

[Clubfans United] Und du bist ja auch Buchautor, wie kam es dazu?

Ganz pragmatisch. Ich verdiene mit Schreiben mein Geld – schon seit einer Zeit, als Texte von freien Autoren noch per Brief in die Redaktionen geschickt wurden, also lange vor dem Bloggen, und wenn ein Verlag eine Buchidee aufgreift, mache ich das Buch. 111 Fußballorte im Ruhrgebiet zu erzählen, war dann natürlich eine Herzensangelegenheit, wenn auch der Titel durch die Buchreihe bedingt etwas in die Irre führt. Gesehen haben muss man all diese Orte nicht unbedingt, doch die Geschichten dazu, die sind erzählenswert, zumal ich damit ein kleines Mosaiksteinchen zur Pott-Identität beitragen wollte.
 [Clubfans United] Zum Verein: Duisburg gilt bei uns (neben Aachen) so bisschen als Schreckgespenst. Schreckgespenst im Sinne der griechischen Mytologie des Ikarus: Zu hoch hinaus gewollt, sich die Flügel/Finger verbrannt und dann tief gestürzt. Wann immer bei uns einer rund um den Verein fordert, doch endlich mal den Stadionneubau anzugehen, zieht man Duisburg und Aachen aus der Tasche. Kann man das so einfach auf den Punkt bringen? Oder war das in Duisburg eine ganz besondere Situation?
  Natürlich gibt es in jeder Stadt Besonderheiten, auf die hier einzugehen zu weit führen würde. Grundsätzlich ist es aber bei der Erfüllung des Stadionstraums nicht anders als beim Häuslebau. Die Finanzierung des Baus braucht Spielraum für die Krisen des Lebens. Wenn ich die Baufinanzierung so knapp kalkuliere, dass kein Spielraum für die schlechten Zeit bleibt oder es keine Vertragsklauseln zur Anpassung an schlechte Zeiten gibt, braucht man sehr, sehr viel Glück, damit alles gut geht. Es ist ja ganz einfach, wenn die monatlichen Belastungen durch den Bau so hoch sind, dass die Einnahmen niemals zurückgehen dürfen, wird ein Abstieg mehr als nur die sportliche Enttäuschung. Der Abstieg ist dann die Finanzkatastrophe, die wie bei allen Hasardeur-Geschäften noch weiter vorangetrieben wird dadurch, dass im Moment der Katastrophe noch einmal alles auf eine Karte gesetzt wird. Das Risiko wird noch einmal erhöht, denn bei den anwachsenden Schulden kommt es auf einige wenige Millionen mehr auch nicht mehr an.
 [Clubfans United] Ihr seid nun im zweiten Jahr in Liga 3 – wie scheiße (sorry) fühlt sich das an, für einen Verein, der als Meidericher SV ähnlich wie der 1. FC Nürnberg eigentlich zum Bundesliga-Establishment gehören müsste? Gewöhnt man sich daran? Oder hat man mit seiner Vergangenheit längst abgeschlossen? (Was auch hier in Franken manchem gar nicht mal schlecht täte…)
  Nein, an die 3. Liga sind wir nicht gewöhnt. Ich hoffe natürlich, dass wir uns auch nicht daran gewöhnen müssen. Bundesliga-Establishement ist allerdings weit entfernt und ich glaube auch nicht, dass die meisten Zuschauer in Duisburg sich als Anhänger eines eigentlich zur Bundesliga gehörenden Vereins verstehen. Was nicht bedeutet, dass wir davon träumen, irgendwann mal wieder dahin zu kommen. Wir wären aber erstmal ganz zufrieden, wieder in die Zweite Liga aufzusteigen. Dennoch bringt gerade die Vergangenheit dem Verein Kraft für die Gegenwart. Es gibt eine Rückbesinnung auf die Tradition des Meidericher Spielvereins, auf den Stolz durch die Bindung an Arbeiter- und Stadtkultur. Daraus schöpft der Verein nach der großen Krise des letzten Sommers gerade große Kraft.
 [Clubfans United] Ihr hattet sogar noch in Liga 3 regelmäßig über 10.000 Zuschauer – wie leidensfähig ist eigentlich der Zebrafan?
  Es gibt tatsächlich diesen Stamm von etwa 10.000 Zuschauern, die bei stabilen Zweitligaverhältnissen kommen. Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Stamm in der 3. Liga dauerhaft hielte. Die MSV-Fans sind in Teilen ein sehr kritisches Publikum, das hin und wieder auch spielerische Momente einer Mannschaft sehen möchte, solange kein klares Erfolgsnahziel wie der Aufstieg oder ein Kampf gegen den Abstieg vorhanden ist. Das Niveau der 3. Liga reicht da nicht aus, obwohl wir alle natürlich sehr leidensfähig sind, was aber, so glaube ich, für die meisten Anhänger von Vereinen in der Größenordnung wie dem MSV gilt.
 [Clubfans United] Der Club zählt u.a. Richard von Weizsäcker zu seinen Fans (angeblich), beim MSV sagt man das Jürgen Hingsen nach (die Älteren werden sich erinnern). Auch Atze Schröder soll sich zu den Zebras bekennen. Ist der MSV noch irgendwie „Kult“? Was würdest du als besonders liebenswert, bemerkenswert oder kurios rund um den MSV bezeichnen?
 Da der Verein in den letzten Jahrzehnten doch eine sehr wechselvolle Geschichte erlebt hatte, komme ich noch einmal auf den letzten Sommer zurück, der eine Rückbesinnung auf notwendige Werte eines Fußballvereins wie dem MSV mit sich brachte. Verein und Anhänger sind auf eine Weise zusammen gerückt, wie es seit Jahren nicht mehr der Fall war. Natürlich liegt das auch am Personalwechsel beim MSV Duisburg, wo nun Menschen Verantwortung tragen, die ihre Visionen aus der Basis dieses Vereins heraus schöpfen und nicht aus irgendwelchen Hochglanzfantasien, die das Unterhaltungsprodukt Fußball ständig im TV präsentiert. Es gib nun ein deutliches Wissen der Verantwortlichen, dass ein Verein wie der MSV Duisburg seine Zuschauer nicht ganz so sehr als Kunden begreifen kann wie ein Erstligist im oberen Drittel der Tabelle. Als Fußballzuschauer steckt man ja in äußerst widersprüchlichen Verhältnissen zwischen Anhängerschaft und Kunde-Sein, das einem Verein bewusst sein muss. Aber auch das führt hier zu weit.
 [Clubfans United] Wie würdest du euer (Fan-)Verhältnis zum Club beschreiben? Und dein ganz persönliches?
Auf den reinen Sport bezogen fällt mir jetzt auf Anhieb keine wirkliche Besonderheit ein. Für einige hier liegt allerdings eure Fanfreundschaft mit den Schalkern schwer im Magen, nach dem Motto der Freund unserer Feinde ist auch unser Feind. Ich bin da nicht so sehr im Thema. Für mich war Nürberg in der Ära von Roth das Beispiel, wie jemand lange braucht, um zu erkennen, dass im Fußball auch andere Fähigkeiten gebraucht werden, als nur die, die einen Unternehmer groß gemacht haben. Als Walter Hellmich sich in Duisburg zum Alleinherrscher aufschwang, hatte ich kurze Zeit die Hoffnung, er könne ähnliche Einsichten gewinnen wie Roth, der ja irgendwann dann doch sich aus den sportlichen Belangen endlich raushielt. Diese Hoffnung wurde aber schnell enttäuscht. Und Roth hatte im Gegensatz zu Hellmich – so weit ich weiß –  wenigstens keine direkten wirtschaftlichen Interessen am Verein. Das war doch mehr die alte Schiene über den Fußball mit den wichtigen Menschen der Region die Kontakte pflegen?
 [Clubfans United] Der Club hat gerade sein Derby mit 1:5 verloren. Die letzten beiden Jahre schied man zuverlässig in Runde 1 gegen unterklassige Gegner aus. Duisburg hat ein Heimspiel. Also: Alles außer ein Sieg der Zebras wäre eine Überraschung. Oder? (Die Ironie daran nehmen wir da ganz zu unseren Lasten)
  Wenn du das so sagst, passt das zu meinem jetzigen Empfinden. Ich mag gerade keine Überraschungen. Ich hatte in der letzten Zeit genug davon. Ich möchte Normalität. Wird aber dennoch schwierig. Die Defensive der Mannschaft ist noch nicht die Beste. Da greift noch nicht alles ineinander, um es mit Gino Lettieri zu sagen, es geht nicht nur um die Abwehrreihe. Es geht um das Defensivverhalten im Ganzen. Ihr werde also wahrscheinlich die ein oder andere Chance erhalten, bei der ich dann nur auf Abschlussschwäche eurer Angreifer setzen kann. Dem MSV gelingen ja kurioserweise trotz ebenfalls noch vorhandenem Schwächen in der Offensive regelmäßig Tore. Also, schauen wir mal.
[Clubfans United] Wir bedanken uns schon mal für das Interview. Hat uns gefreut Dich und damit stellvertretend die Zebrafans ein wenig kennen zu lernen. Dir gehört auch das letzte Wort – also wenn du Oma grüßen willst, der Liga den Kampf ansagen oder den Weltfrieden ausrufen, dann hast du jetzt die Chance!
  Das mach ich ganz kurz, ich sag auch danke für euer Interesse und wünsche den Clubfans United mehr Erfolg als der Mannschaft, für die euer Herz im Pokalspiel schlägt.
 

Saisonbeginn verlangt weiterhin beruhigende Lettieri-Worte

Für die meisten von euch liegt diese Unruhe schon drei Wochen zurück, diese leichte Nervosität vor dem Spiel, obwohl es bis zum Anpfiff noch mehr als 24 Stunden sind. Das ist die typische Unruhe nach längerer fußballloser Zeit. Sicher, sie war nicht ganz fußballlos, aber für den richtigen Fußball, den des MSV Duisburg, blieb in den letzten Wochen nicht nur des Urlaubs wegen nicht viel Platz in meinem Leben. Die Unruhe fühlt sich gut an. Ein Zeichen für die hoffentlich bald entspannteren Tage. Ihr seht, alles eine Frage der Perspektive. Es gibt unangenehmere Dinge im Leben als das übliche Zweifeln am Erfolg des MSV, die Sorge vor Enttäuschungen und die Hoffnung auf das Unaussprechliche. Wenn ich mich darauf freue, scheint es mir einigermaßen gut zu gehen.

Da wir Menschen aber volller Widersprüche stecken, sollen diese Zweifel nur nicht allzu groß werden. So kleine, niedliche Zweifel wären schön, solche bei denen ich insgeheim längst weiß, mit ihnen mache ich mir die Vorgeschichte zum Happy End nur ein wenig spannender. Einige andere Menschen in Duisburg scheinen übrigens auch zu zweifeln. Journalisten gehören mit Sicherheit dazu, wie auf der Pressekonferenz vor dem Pokalspiel gegen den 1. FC Nürnberg erkennbar wird. Gino Lettieri ist doch sehr damit beschäftigt, den Bogen über das Pokalspiel hinaus zu spannen hin zu Themen wie der Stimmung in der Mannschaft. Immer wieder wird in seinen Antworten deutlich, dass in den Fragen etwas mitgeschwungen haben muss, was über den Anlass der Pressekonferenz hinausging. So macht Gino Lettieri hier eine kurze, wenn auch scherzhafte Anmerkung über die finanzielle Bedeutung des Pokals, und urteilt  dort grundsätzlich über die Leistung der Mannschaft gegen Halle. Die Erwartungen vor der Saison hängen angesichts des durchschnittlichen Saisonbeginn in der PK-Luft.

Auch ein Pokalsieg wird diese grundsätzliche Stimmung nicht ändern. Die Liga ist dieses Mal sehr viel wichtiger, als dass der Pokal allzu sehr in den Vordergrund rücken kann. Es sei denn, morgen beginnt eine etwas längere Nebengeschichte der Saison. Wollen wir es hoffen.

In Groningen erweisen sich übrigens gerade mal wieder Fußballerworte als Gewäsch. Vor knapp 14 Tagen noch las ich auf der Seite des FC Groningen , dass Filip Kostic sich voll und ganz für seinen Verein einsetzen werde, auch wenn er ständig in den Schlagzeilen stände. Das klang gut, auch wenn es am Anfang kurz einschränkend hieß, natürlich wolle er einmal bei einem größeren Verein spielen. Fanberuhigung war anscheinend angesagt, bis die Verhandlungen mit dem VfB Stuttgart endgültig über die Bühne gebracht waren. Natürlich lässt sich sagen, mit keinem Wort wird etwas falsches erzählt. Doch führen solche beruhigenden Worte noch vor der Saison unweigerlich zu Enttäuschungen auf Fanseite.  Komisches Gewerbe, dieser Fußball.

Welche Geschichten wollen Sportjournalisten von Leichtathleten?

Gerade finden die Leichtathletik-Europameisterschaften statt, und die Speerwerferin Linda Stahl hat gute Aussichten auf eine Medaille. Die Süddeutsche Zeitung hat gestern ein Interview mit ihr veröffentlicht, das online nicht zu lesen ist. In diesem Interview wird deutlich, Linda Stahl steht quer zu den üblichen Wahrnehmungsmustern im Sportbetrieb. Im Grunde versuchen ja alle Sportarten in der Sparte  Unterhaltungskultur neben dem Fußball ein kleines Plätzchen zu finden. Linda Stahl ist zu der dazu nötigen Anpassung, nämlich der Ökonomisierung der eigenen Identität nicht bereit.

So wird sie am Ende des Interviews gefragt, ob sie ihren EM-Titel besser hätte vermarkten können. Implizit wird durch die Frage der Sportlerin Verantwortung für marktkonformes Verhalten auferlegt. Unausgesprochen steht dahinter, die Selbstvermarktung ist ein erstrebenswertes Ziel und wenn diese Vermarktung nicht gelingt, hat der Sportler etwas vernachlässigt, gar falsch gemacht. Wahrscheinlich ist das so nicht beabsichtigt. Die Frage folgt einfach der Selbstverständlichkeit unserer Tage, in jedem Bereich unserer Gesellschaft das Geld zum Maßstab aller Dinge zu machen. Linda Stahl ficht das nicht an.

So langen ihre Erfolge als Speerwerferin nur in engen Grenzen, um in dieser Unterhaltungsbranche Sport wahrgenommen zu werden. Sie kommt zu dem Schluss, ihre Biografie sei zu unspektakulär, um für eine breite Öffentlichkeit von Interesse zu sein. Die Berichterstattung über weniger populäre Bereiche der Unterhaltungsbranche Sport sucht gerne das klischierte Erzählmuster für den sportlichen Erfolg. Das führt sie  nebenbei noch vor.

Ich habe auch nichts für die breite Öffentlichkeit anzubieten. Wir waren bei Olympia 2012 bei der Pressekonferenz nach meiner Bronze-Medaille. Und ich habe erzählt, ich würde studieren und so. Und irgendein Journalist hat dann zu einem anderen gesagt: Was machen wir denn jetzt mit der Stahl? Kein kaputtes Elternhaus. Hat studiert. Total langweilig, Ach, die lassen wir einfach weg. Mein Trainer saß daneben. Aber ich bin nicht bereit, mir was auszudenken, damit ich doch in die Zeitung komme.

Die schönsten Fußballtorten der Welt – Folge XXII – Real Madrid

Mit freundlicher Unterstützung von „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben musspräsentiert der Zebrastreifenblog in loser Reihe die schönsten Fußballtorten der Welt.

 

Wenn Toni Kroos zum ersten Mal im Trikot von Real Madrid unter weltweiter Beachtung aufläuft und  er mit seinem neuen Verein den UEFA-Supercup durch einen 2:o-Sieg über den FC Sevilla erringt, ist das wahrlich eine der schönsten Fußballtorten der Welt wert. Zumal uns die eigentümliche Bedeutung dieser Trophäe dadurch besonders in Erinnerung gebracht wird, dass die Konditorenkunst für diesen Kuchen im US-amerikanischen Georgia zu Hause ist, in jenem Land, wo das Showbusiness zur höchsten Vollendung gebracht wurde. Schließlich schillert das Sportliche in solcher Art Wettbewerb im Licht der Jahrmarktsensation. There´s no business like showbusiness, und wir schaun zumindest kurz vorbei.

 

Immer noch drei Punkte über Soll

Es ist immer leicht, das Beste aus den Dingen zu machen, wenn man sie gar nicht genau gesehen hat. So war ich in Amsterdam trotz meiner Hoffnung auf einen Sieg des MSV Duisburg gegen den Halleschen FC nicht sonderlich enttäuscht über das 1:1 im Heimspiel. Warum soll ich es mir auch schwer machen? Laut SC-Paderborn-Fahrtenbuch zum Aufstieg immer noch drei Punkte über Soll. Nach dem Abpfiff habe ich also begonnen, Meinungen zum Spiel zu lesen, ich habe den Spielbericht vom MDR  gesehen und summte kurze Zeit später mit guter Laune wieder die Hymne Amsterdams, Aan de Amsterdamse Grachten. In der Version von Wim Sonneveld wurde sie in den Niederlanden am populärsten. Den aber lässt youtube in Deutschland nur in folgendem Clip als Hintergrund durch die Filter. Dennoch: Wer mal ausprobieren will, wie sich gute Laune in Amsterdam anfühlt, bitte schön.

Gönnt sie mir, die gute Laune, wenn ihr euch schon über die Leistung der Mannschaft geärgert haben solltet. Die Saison beginnt nicht als stete Steigerung auf ein spielerisches Niveau, das keine Zweifel am Saisonausgang lässt. Die Mannschaft muss sich weiter entwickeln. Das wissen die Spieler selbst, und unter den Zuschauern gibt es nicht wenige, die genügend Grundlagen für solch eine Entwicklung sehen. Die Lage ist also nicht eindeutig. Das sind wir in Duisburg nun seit ein paar Jahren gewöhnt. Ich kann die Spieler momentan aber auch besonders gut verstehen, weil es mir und dem MSV Duisburg ganz ähnlich geht. Der Verein und ich, wir mussten die Saison beginnen, im Wissen um Schwächen bei der Vorbereitung. Wir setzen beide auf Entwicklung, und dennoch müssen wir manchmal präsenter sein, als es uns derzeit eigentlich möglich ist.

So plingte vor dem Spiel gegen den Halleschen FC von der Mitteldeutschen Zeitung eine E-Mail im Postkasten. Antworten zum MSV sollte ich geben. Ich gab meine fehlende Vorbereitung sowie Entwicklungsrückstand zu bedenken. Dann antwortete ich schnell in der Meinung, ich gäbe eine Grundlage, von der aus ein eigener Text entstände. Doch einen Tag später las ich das „Interview“ in der Mitteldeutschen Zeitung. Ob ich die Standardsituationen in den Fragen nach der gegenwärtigen Lage beim MSV einigermaßen gelöst habe, müsst ihr selbst beurteilen. Bei den spielerischen Momenten jedenfalls, den Fragen nach den Neuverpflichtungen und Abgängen, fühlte ich mich auf sehr dünnem Eis und suchte den sicheren Pass mit dem Namen Grote oder den Verlegenheitspass mit dem Namen Schnellhardt. Die Frage nach den Abgängen knüppelte ich weg und löste so angesichts des Zeitdrucks vorübergehende Gedächtnisschwächen. Ihr seht mit dem Blick hinter die Kulissen des Lokaljournalismus nicht nur, wie Wirklichkeit entsteht, sondern ihr erhaltet auch einen Hinweis darauf, dass Entwicklung Zeit braucht.

Beim Pokalspiel gegen den 1. FC Nürnberg werde ich in dieser Saison den nächsten großen Entwicklungsschritt machen und endlich zum ersten Mal wieder im Stadion sein. Für dieses Spiel habe ich mir viel vorgenommen. Eines hat meine Saisonvorbereitung nämlich ergeben. In den Niederlanden konnten in den Städten während meiner Anwesenheit jeweils Heimsiege gefeiert werden, letztes Wochenende Groningen, dieses Wochenende Amsterdam, Ajax schlägt Vitesse Arnheim im ersten Spiel der diesjährigen Erstligasaison in den Niederlanden mit 4:1, wie ihr in dem youtube-Clip sehen könnt. Ich hoffe, von nun an kann ich in der eigenen Stadt meinen Ruf als Heimsieggarant untermauern.

Dans le port d’Amsterdam

Dans le port d‘ Amsterdam gibt es heute einen, von dessen Träumereien Jaques Brel seinerzeit nicht hat singen können. Da draußen sitzen aber bestimmt ein paar Filmspezialisten, die ihm eine Strophe ins Konzert basteln könnten über Kees, der an die Arena denkt und auf einen Sieg gegen Halle hofft. Träumerei ist das noch nicht ganz, aber Bier boive ich ja auch noch, nur nicht ganz so viel wie des marins. Also, auf geht´s Zebras.


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