Welche Geschichten wollen Sportjournalisten von Leichtathleten?

Gerade finden die Leichtathletik-Europameisterschaften statt, und die Speerwerferin Linda Stahl hat gute Aussichten auf eine Medaille. Die Süddeutsche Zeitung hat gestern ein Interview mit ihr veröffentlicht, das online nicht zu lesen ist. In diesem Interview wird deutlich, Linda Stahl steht quer zu den üblichen Wahrnehmungsmustern im Sportbetrieb. Im Grunde versuchen ja alle Sportarten in der Sparte  Unterhaltungskultur neben dem Fußball ein kleines Plätzchen zu finden. Linda Stahl ist zu der dazu nötigen Anpassung, nämlich der Ökonomisierung der eigenen Identität nicht bereit.

So wird sie am Ende des Interviews gefragt, ob sie ihren EM-Titel besser hätte vermarkten können. Implizit wird durch die Frage der Sportlerin Verantwortung für marktkonformes Verhalten auferlegt. Unausgesprochen steht dahinter, die Selbstvermarktung ist ein erstrebenswertes Ziel und wenn diese Vermarktung nicht gelingt, hat der Sportler etwas vernachlässigt, gar falsch gemacht. Wahrscheinlich ist das so nicht beabsichtigt. Die Frage folgt einfach der Selbstverständlichkeit unserer Tage, in jedem Bereich unserer Gesellschaft das Geld zum Maßstab aller Dinge zu machen. Linda Stahl ficht das nicht an.

So langen ihre Erfolge als Speerwerferin nur in engen Grenzen, um in dieser Unterhaltungsbranche Sport wahrgenommen zu werden. Sie kommt zu dem Schluss, ihre Biografie sei zu unspektakulär, um für eine breite Öffentlichkeit von Interesse zu sein. Die Berichterstattung über weniger populäre Bereiche der Unterhaltungsbranche Sport sucht gerne das klischierte Erzählmuster für den sportlichen Erfolg. Das führt sie  nebenbei noch vor.

Ich habe auch nichts für die breite Öffentlichkeit anzubieten. Wir waren bei Olympia 2012 bei der Pressekonferenz nach meiner Bronze-Medaille. Und ich habe erzählt, ich würde studieren und so. Und irgendein Journalist hat dann zu einem anderen gesagt: Was machen wir denn jetzt mit der Stahl? Kein kaputtes Elternhaus. Hat studiert. Total langweilig, Ach, die lassen wir einfach weg. Mein Trainer saß daneben. Aber ich bin nicht bereit, mir was auszudenken, damit ich doch in die Zeitung komme.

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