Zwei auf einen Wochenendstreich

Wenn demnächst die Verantwortlichen vom MSV Duisburg auch noch den dieses Mal spielfreien Samstag für ein drittes Pokalspiel nutzen, muss auf jeden Fall ein T-Shirt mit Aufdruck her. Weitere Siege natürlich vorausgesetzt. Drei auf einen Wochenendstreich! So ähnlich stelle ich mir die Botschaft dann vor. Beim Aufwärmen vor allen Spielen stets zu tragen. Es soll ja schon mal einen Handwerker der Modebranche gegeben haben, der sich mit einem ähnlichen Spruch auf einer Schärpe Respekt und den Ruf der Unbesiegbarkeit erwarb. Eine Prinzessin gab es am Ende obendrein.

Im Ligaalltag könnte so ein Ruf der Unbesiegbarkeit dann von einigem Nutzen sein. Denn die Heimspiele des Ligaalltags werden wieder schwerer als das DFB-Pokalspiel zu bewältigen sein, und dennoch dürfen wir die Hochstimmung nach dem 1:0-Sieg gegen den 1. FC Nürnberg weiter genießen. Und natürlich dürfen wir uns über den 9:0-Pflichtsieg im Niederrheinpokal gegen den Duisburger FV 08 freuen. Zwar hat es in der letzten Saison den Sieg gegen RB Leipzig gegeben, bei dem schon euphorische Siegesfreude überschwappte, doch mit diesem Pokalsieg gibt es für mich zum ersten Mal wieder auch Leichtigkeit mit dem MSV Duisburg, steckt in dem Sieg mehr Zukunft als notwendige Pflicht. In gewisser Weise macht dieser Sieg frei. Erst mit diesem Sieg werden all die Gefahren und Bedrohungen des letzten Jahres abgeschüttelt. Erst dieser Sieg weist nach vorne, ohne an die Beschwernisse der Vergangenheit gekettet zu sein.

Dabei kann ich mich an kein Fußballspiel erinnern, in dem der Ball so selten in Tornähe kam und ich dennoch von einem guten Spiel des MSV Duisburg schreibe. Die einzigen zwei wirklichen Torchancen hatte der MSV Duisburg. Eine davon war der Elfmeter, den Zlatko Janjic sicher verwandelte. Während des ganzen Spiels bekamen die Nürnberger den Ball nicht ein eiziges Mal gefährlich auf das Tor. Was uns auf dem Stehplatz natürlich dennoch keineswegs gelassen machte. So richtig trauen wollten wir dem sicheren Spiel des MSV Duisburg nicht. Dazu spielte der MSV Duisburg uns in der zweiten Halbzeit nach vorne nicht ambitioniert genug. Das war natürlich zum einen der großen Laufarbeit während der ersten Halbzeit geschuldet, zum anderen hieß es im Zweifelsfall, Defensive zuerst, keinerlei Risiko eingehen. Das Offensivspiel blieb so in der zweiten Halbzeit mehr oder weniger unberücksichtigt, aber keineswegs zufällig. Das Spiel lief kontrolliert und nach Plan.

Dafür war in der ersten Halbzeit ein MSV Duisburg zu sehen gewesen, der jegliches Nürnberger Spiel im Keim erstickte. So früh und ausdauernd wurde der Spielaufbau der Nürnberger gestört, dass wir darin das große Selbstbewusstsein dieser Mannschaft erkennen. Die Zebras zeigten von Anbeginn an, dass sie sich ebenbürtig fühlen. Vor allem aber konnten sie mehr als nur das Spiel des Gegners zerstören. Sie schalteten schnell um, ließen den Ball laufen und erarbeiteten sich so die einzigen zwei wirklichen Torchancen des Spiels. Hätte Zlatko Janjic den perfekt ausgespielten Konter kurz vor der Halbzeitpause zielsicherer in eine der beiden Torecken geköpft statt in die Tormitte, hätten wir vollends entspannt dem Schlusspfiff entgegen gesehen. So aber blieben die Zweifel, weil in der zweiten Halbzeit der Zufall dem 1. FC Nürnberg hätte zugute kommen können.

Dieser Zufall war die einzige Hoffnung der Nürnberger. Sie waren hilflos in ihrem Bemühen in Tornähe zu kommen. Wann habe ich so etwas einmal vom Gegner schreiben können? Das Angriffsspiel mit Kingsley Onuegbu wirkt übrigens manchmal wie ein taktischer Kompromiss. Als Anspielstation ist er unverzichtbar, beim schnellen Umschalten aber fehlt ihm natürlich die Schnelligkeit und steile Pässe in den Strafraum erreicht er niemals. Zwei, dreimal waren solche Pässe die eigentlich folgerichtigen Pässe, für die der Mannschaft momentan der Spieler fehlt. So lange dieser Kompromiss einer derart überlegenen Spielkontrolle dient, soll er mir recht sein.

Aber eines ist klar, obwohl der MSV Duisburg mit dem 1:0-Pokalsieg gegen den 1. FC Nürnberg seinen Ruhm sehr viel klarer begründete  als der zu Beginn erwähnte Modehandwerker mit dem Fliegenmord den seinen, kann auch die Fußballmannschaft in den kommenden Wochen etwas von dessen Gewitztheit bei der Lösung kommender Aufgaben gebrauchen. Keine Frage, dem MSV Duisburg gelang ein großartiger Pokalsieg, doch im Alltag der Liga wird er nur im ersten Moment des Spiels etwas wert sein. Wenn in so einer frühen Phase des Spiels der MSV nicht in Führung gehen kann, müssen originelle Lösungen für den Spielaufbau in zweiten Halbzeiten her. Wie immer ist dann die große Frage, wie die Ordnung der Defensive bewahren und zugleich den Druck der Offensive erhöhen? Aber für die Prinzessin des MSV, den Aufstieg, wird Gino Lettieri doch bestimmt was Gutes einfallen. 

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