Ach, die Erwartungen

Was können Erinnerungen schön sein. Guter, alter Ronny ging mir durch den Kopf, als ich diese Reporter-Stimme hörte. Was haben wir schon manch schönes Spiel vom MSV Duisburg in Chemnitz gemeinsam durchlebt, Ronny und ich. Eines genau genommen. Und was wusste Ronny, der damals mit einem Kollegen dauerplauderte, nicht alles über Chemnitz zu erzählen. So viele Sachen wusste er, dass er gar nicht mehr vom Spiel sprechen konnte, wenn im Hintergrund die Zuschauer aufstöhnten und ich um Aufklärung flehen wollte, was da denn nun im Spiel geschah. An diesem Problem hat der MDR offensichtlich gearbeitet. Er weiß um die spielunabhängigen Qualitäten seiner Reporter und steckte Ronny deshalb anscheinend in eine nahezu schalldichte Sprecherkabine, damit er ohne Stadionatmosphäre noch viel freier in der Gegend herumquatschen kann.

Aber ich bin ungerecht. So viel habe ich dieses Mal gar nicht von der Spielreportage hören können. Vielleicht hat er ja doch keinen Hörspieltext gelesen. Vielleicht hat er, sobald ich nicht hinhörte, ein wirkliches Fußballspiel kommentiert? Ich weiß es eigentlich nicht, und das liegt nur an meinen Erwartungen. Die lassen mich ungerecht werden und machen es mir schwer, das torlose Unentschieden des MSV Duisburg beim Chemnitzer FC ausreichend zu würdigen. Mein Kopf sagt: ein gutes Ergebnis. Auswärts bei einer Mannschaft in sehr guter Form kein Tor hinzunehmen und sogar die Aussicht auf einen Sieg gehabt zu haben, damit dürfen wir zufrieden sein. Und dann kommt mein Bauch daher und sagt nur: denk an Ronny. Schon bin ich enttäuscht, dass es nicht zum Sieg gereicht hat und mein Verein mich nicht deutlicher der Zukunft näher gebracht hat, in der wir den Reportagestil Ronny Maiwalds wieder ganz dem Osten überlassen können. Jede Region hat eben ihre lokalen Vorlieben, die nicht überall geteilt werden müssen.

Ich komme also aus dieser gemischten Stimmung nicht richtig raus. Ein Urteil über das Spiel selbst kann ich mir nicht erlauben und bin zurückgeworfen auf das reine Ergebnis im Verhältnis zu meinen Erwartungen an die Saison. Ich muss zugeben, ich möchte in dieser Saison das bislang Unaussprechliche feiern können. Meine Sorge vor Enttäuschung ist entsprechend größer, als ich gedacht habe. Nimmt mir das Spiel der Mannschaft meine Sorgen? Anscheinend kristallisiert sich die stabilere Defensive ebenso heraus wie die momentan weiterhin unsichere Chancenverwertung. Das hilft bei den Sorgen also auch nicht weiter. Mein Kopf sagt, alles im Plan. Mein Bauch sagt, vier Punkte mehr, das wäre doch so viel schöner. Ach, die Erwartungen.

 

 

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5 Responses to “Ach, die Erwartungen”


  1. 1 watsoncrick 26. August 2014 um 12:59

    Ich kann Dir, wenn es sein muss eidesstattlich, versichern, dass es auch im „Osten“ Menschen gibt, die den Reportagestil von Ronny Maiwald und Konsorten ebenso seltsam finden wie Du. Aber ich erlege mir Zurückhaltung auf, denn ich möchte nichts zerstören, vor allem keine zementierten Weltbilder.

    • 2 Kees Jaratz 26. August 2014 um 13:30

      In diesen Räumen braucht es niemals Zurückhaltung, wenn es um die Beschreibung der Wirlichkeit geht. Auf den hier flatternden Fahnen steht nicht nur groß MSV Duisburg sondern auch Aufklärung. Zementierte Weltbilder wirst du also hier nicht finden. Danke deshalb für den Hinweis! Und viel Erfolg, wannimmer ihr die ein oder andere Hörerstimme beim MDR loswerdet.

  2. 3 watsoncrick 26. August 2014 um 17:06

    Ich hätte es ja gut sein lassen, muss jetzt aber doch noch mal fragen: Die „flatternden … Fahnen der Auflärung“, das ist Ironie, oder?

    „… in der wir den Reportagestil Ronny Maiwalds wieder ganz dem Osten überlassen können. Jede Region hat eben ihre lokalen Vorlieben, die nicht überall geteilt werden müssen.“

    Ich lese da keine Aufklärung, ich lese da nichts weiter als eine pauschale Zuschreibung. War bestimmt ein Schenkelklopfer am Stammtisch.

    • 4 Kees Jaratz 26. August 2014 um 19:36

      Anscheinend habe ich dich nicht überzeugen können, andererseits hast du nur einen kleinen Ausschnitt des Schreibens gelesen.

      ich frage mich gerade, ob ich umgekehrt das Ganze so ernst nehmen würde und die Reporter-Kritik so in eins setzte mit meiner Identität. Als Kölner werde ich auch mit jeglichem Karneval identifziert, ohne es vollends zu sein, als Duisburger bin ich auch manchmal der Ruhrpott-Proll ohne es ganz zu sein.

      Ich versuche jedenfalls solche pauschalen Zuschreibungen mehr mit Humor zu nehmen, wobei ich einen Schenkelklopfer übrigens nicht erkenne. . Für mich beschreibt dieser Hinweis nur eine Tatsache, nämlich dass der MDR diesen Reporter beschäftigt und das Sendegebiet sich im Osten befindet und solange der Sender der Region ihn weiterbeschäftigt, lässt sich so eine pauschale Zuschreibung schon mal vornehmen.

      Genauso schreibe ich über Bayern, über Norddeutsche oder über Westfalen.


  1. 1 #Link11: Der Untergang des Fußballs | Fokus Fussball Trackback zu 26. September 2016 um 08:17

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