Zu früh aufs schöne Spiel gehofft

Ich war meiner Zeit voraus und jetzt habe ich schlechte Laune. Die ersten 25 Minuten des Spiels vom MSV Duisburg gegen Arminia Bielefel haben mich Hoffnung als Wirklichkeit empfinden lassen. Mir war nicht klar, wie sehr ich einen schön herausgespielten Sieg vermisse, wie sehr ich einmal wieder sehen möchte, dass das meiste von dem gelingt, was die Mannschaft sich vornimmt. Eigentlich versuche ich immer, mich mit Dingen, die ich nicht ändern kann, einzurichten, so auch mit dem Leistungsvermögen des MSV Duisburg. Momentan aber bin ich mit mir und dem MSV eindeutig noch nicht im Einklang.

25 Minuten lang ließ der MSV Duisburg dem Gegner kaum einen Meter Raum auf dem Spielfeld. Es wurde gut kombiniert, wenn auch wenig torgefährlich. Das sorgte mich aber nicht, weil Ziel dieser Kombination ja die zwei letzten Pässe sind, die Spieler dann so frei vor dem Torwart auftauchen lassen, dass kein Zweifel mehr am erfolgreichen Abschluss bleiben kann. Was eben nicht immer geschehen kann, was aber angesichts der sicheren Kombinationen geschehen konnte. Ich sorgte mich nicht, weil die Arminia gegen dieses Kombinationsspiel nur wenige Mittel in der Defensive fand und für jede Offensivbemühung die Sorge viel zu groß war, diese Defensvie zu entblößen. Und dann gelang diese eine Kombination, bei der Tim Albutat in zentraler Position steil in den freien Raum der Abwehrkette spielte, wohin Kevin Wolze wunderbar durchgelaufen war. Der legte quer auf den mitgelaufenen Kingsley Onuegbu, der den Ball im leeren Tor einschob. Es war ein wunderbar heraus gespieltes Tor, das Versprechen, so dachte ich, auf einen großen Sieg. Die Mannschaft wollte sofort nachlegen. Für den Moment wurde der Druck hoch gehalten. Die Angst der Arminia war bis auf die Ränge zu spüren.

Ganz selten war der Ball auch einmal in der Duisburger Hälfte, gar im Duisburger Strafraum, und dort wurde die Wendung des Spiels eingeleitet durch eine vielleicht einminütige Slapstick-Einlage, an der wahrscheinlich die Hälfte der Mannschaft beteiligt war. Vielleicht lässt mich meine Enttäuschung aber auch übertreiben. Fast jeder durfte mal ran und zeigen, wie komisch es aussieht, wenn Körper und Materie mit Eigenleben, nämlich der Ball, sich begegnen. Luftlöcher wurden getreten. Die „heiße Kartoffel“ Ball titschte wild hin und her, der einfache Pass misslang. Es fehlten nur noch die übereinander purzelnden Spieler, zum großen Haufen im Strafraum  geschichtet. Die Mannschaft fand das anscheinend weniger belustigend als beängstigend, denn fortan war die Verwirrung groß. Der Ausgleich fiel nahezu sofort als Kopfballtor nach einer Ecke.

Dieser Ausgleich enttäuschte nicht nur uns Zuschauer, auch die Spieler waren offensichtlich geknickt und hatten Mühe diesen Rückschlag wegzustecken. Bis zum Halbzeitpfiff blieb dafür nicht mehr viel Zeit. Sie mühten sich, gut wurde das Spiel nicht mehr. Über die zweite Halbzeit muss eigentlich kaum mehr etwas gesagt werden. Enis Hajri kam ins Spiel und wusste zunächst nur ungefähr, wo seine Position im Mannschaftsgefüge war. Verständlicherweise, selbst wenn er schon die ein und andere Trainingseinheit mitgemacht haben sollte. Das sichere Zusammenspiel braucht etwas mehr Zeit. Sein Herumirren beim Ausrichten der Defensive beunruhigte uns etwas. Der Arminia fehlten die Mi,ttel diese offensichtliche Schwachstelle auszunutzen.

Deshalb kommt zur Enttäuschung auch Beunruhigung, wenn dieser Spieler trotz des offensichtlichen Risikos von Gino Lettieri eingewechselt wird und er deshalb keine klar bessere Leistung zeigen kann als die Spieler, die die Vorbereitung mitgemacht haben. Was sagt uns das über die Kaderentwicklung? Welche Unzufriedenheiten sind von nun an zu moderieren? Solche Fragen gehen mir nun auch noch durch den Kopf. Meine Zuversicht ist doch etwas getrübt, weil nur Erfolg Druck von diesen Kann-Bruchstellen des Kaders nimmt. Rolf Feltscher übrigens hatte es auf seiner Position einfacher, seine Verpflichtung zu rechtfertigen.

Die Angst vor Fehlern war beiden Mannschaften in der zweiten Halbzeit anzumerken. Hinzu kam, dass für Kingsley Onuegbu kein offensiver Spieler mehr eingewechselt werden konnte. Die Spieler rotierten, und Steffen Bohl ist auf dem Weg zum Idealfußballer der Gegenwart des MSV. Ein idealer Spieler muss sich heute ja bekannterweise auf allen Positionen einer Mannschaft heimisch fühlen können. Steffen Bohl bewies das gestern in Mittelfeld, Abwehrreihe und Sturm. Ein Siegtor erwartete ich aber nur noch durch Zufall, das planvolle Spiel bot keinerlei Hoffnung. Eher noch war ein Tor der Arminia zu befürchten gewesen, die etwas mehr Zug zum Tor zeigten, aber eigentlich auch zu schlecht spielten, um wirklich Angst zu wecken. Den überraschenden Lattenschuss kurz vor Spielende übersehe ich dabei geflissentlich. Ich lass  die Worte hier nun ausplätschern wie gestern das Spiel ausplätscherte. Der Schlusspfiff kam irgendwann und schickte mich sowie die Freunde mit unserer enttäuschten Hoffnung auf den schönen Sieg nach Hause.

Bleibt noch die PK nach dem Spiel sowie die Stimmen von Kingsley Onuegbu und Enis Hajri:

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