Ein Sieg ohne Wenn, Dann und Aber

Bislang weiß ich nicht, wieso der MSV Duisburg im Spiel gegen den VfL Osnabrück in Auswärtstrikots gespielt hat. Wenn ich recht überlege, möchte ich eigentlich nur einen Grund hören: Die Mannschaftsbetreuer des VfL waren so schusselig und haben sich beim Griff zum Trikotsatz vertan, die Auswärtstrikots zu heiß gewaschen oder ähnliche auswärtstrikotverhindernde Dinge getan. Dann hätte die 3:0-Niederlage vom Samstag auch eine moralische Seite, und sie könnte erzieherisch wirken. Eine Mannschaft, die sich anmaßt im  Zebraimitat  dort aufzulaufen, wo echte Zebras zu Hause sind, wird unweigerlich verlieren. Das klingt doch besser, als wenn ich von einem Zeichen des Aberglaubens beim MSV Duisburg ausgehe. Endlich mit  jenen Trikots der Saison auch zu Hause schaffen, was auswärts schon gelang? So früh schon in der Saison bei den sportlich Aktiven der Geist von Peter Neururer? Man musste ja zu Spielbeginn fürchten, die vielen schottischen Fans bei uns in der Kurve könnten zur falschen Mannschaft halten.

Diese Sorge wurde uns schnell genommen. Wer in der Heimkurve steht, hält zur richtigen Mannschaft. Auch die Schotten bangten in der ersten Halbzeit bei zwei, drei Angriffen des VfL, auch wenn es dabei aus dem Spiel heraus nur ansatzweise bedrohlich für Michael Ratajczak wurde. Gefährlicher wirkten die Osnabrücker Eckstöße. Das Spiel war zunächst ausgeglichen, und auch der MSV Duisburg erarbeitete sich Torchancen. Ein Pfostenschuss von Michael Gardawski wurde sogar zur größten Möglichkeit des Spiels.

Die Atmosphäre auf dem Spielfeld war von der ersten Minute an hitziger als in anderen Spielen, und der Schiedsrichter Robert Kampka fand keine vernüftige Linie, um diese Grundaggressivität der Spieler ins Fußballerische zu kanalisieren. Er setzte auf die einfachen Pfiffe jeglichen Körperkontakts und der taktischen Fouls. Woraus die Spieler den verständlichen Schluss zogen, sich öfter als sonst fallen zu lassen. Uns nervte das zusehends, und der Schiedsrichter kann sich glücklich schätzen, dass der MSV Duisburg ihn mit dem Sieg vor dem Unmut der Zuschauer bewahrt hat.

Trotz der frühen verletzungsbedingten Auswechselung von Steffen Bohl begann ich allmählich auf ein Tor zu hoffen, weil die Zebras für mich etwas besser kombinierten als ihr lilaweißes Imitat. Auch die gefährlichen Eckstöße der Osnabrücker wurden sicherer abgewehrt. Zudem fügte sich Kevin Scheidhauer ins Spiel der Mannschaft bruchlos ein. Immer wieder mal war seine Dynamik zu erkennen, gab es einen Antritt, ohne dass er den Ball erhielt. Aber wir sind ja gewohnt uns die Möglichkeiten auszumalen. Wenn, dann – das Leidmotiv eines Fanlebens.

Doch diese Sprints von Kevin Scheidhauer waren tatsächlich Probeläufe für die Premiere in der 44. Minute, sein erstes Tor für den MSV Duisburg gleich im ersten Spiel. Im Fünfmeterraum stand er dort, wo ein Stürmer stehen muss, wenn über den linken Flügel so gespielt wird, wie es besser nicht gelingen kann. Ein steiler Pass von Zlatko Janjic auf den nach innen ziehenden Sascha Dum, der an der Torauslinie mit dem Ball weiter Richtung Strafraum zog und flach hineingab. Wenn der Durchbruch über den Flügel gelingt, dann ist innen Kevin Scheidhauer zur Stelle. Das war die Wirklichkeit!

So einer 1:0-Halbzeitführung vertraut kein MSV-Anhänger bei normalem Verstand, selbst wenn ein Gegner wie der VfL Osnabrück keinen zusätzlichen Druck entfalten kann und nur weiter spielt wie bis dahin. Misstrauisch beäugten wir daher das Geschehen zu Beginn der zweiten Halbzeit. Eigentlich schien es so, als wolle der MSV dieses Spiel tatsächlich gewinnen. Ich dagegen war mehr damit beschäftigt, mir auszumalen, wie ich den möglichen Ausgleich mit meinen Hoffnungen auf das Unaussprechliche vereinbaren könnte. Irgendwie war mir das Hier und Jetzt abhanden gekommen, und ich bin froh, dass es den Spielern nicht so ging. Die waren ganz und gar im Hier und Jetzt, machten klar, wir bleiben torgefährlich und dämmten so die Angriffsbemühungen des VfL ein.

Ein wenig mehr Sicherheit brachte mir das Kopfballtor von Sascha Dum nach einem Eckstoß in der 66. Minute. Nun begann ich zu rechnen, ab wann ein Anschlusstor allenfalls noch zum Unentschieden reichen würde. Doch erstaunlicherweise fiel dieses Anschlusstor nicht. Natürlich war das eigentlich nicht erstaunlich, weil die Osnabrücker weder aus dem Spiel heraus dem Duisburger Tor nahe kamen, noch dass ihre Eck- und Freistöße weiter torgefährlich waren. Aber ein MSV-Anhänger bei normalem Verstand und einer 2:0-Führung, siehe oben. Die Osnabrücker wirkten schließlich nicht so, als hätten sie aufgegeben, selbst wenn die Räume für Konter deshalb größer waren. So ein Konter führte mein Denken und die Gegenwart des Fußballspiels schließlich wieder endgültig zusammen. Nico Klotz erzielte das 3:0, und diese Führung in der 84. Minute gegen eine Mannschaft wie den VfL Osnabrück brauchte keine Planspiele mehr, wie das Ergebnis mit der Hoffnung auf das Unaussprechliche zusammenpassen könnte. Das passte ohne Wenn, Dann und Aber.

 

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2 Responses to “Ein Sieg ohne Wenn, Dann und Aber”


  1. 1 Ceo51 8. September 2014 um 10:48

    Danke für die von mir in allen Einzelheiten nachzuvollziehende Schilderung!

    Wenn ich mit die letzten 20 Minuten eines MSV-Spiels vorstelle, so ist mein Innenleben bei einer Führung geprägt von innerer Unruhe in Erwartung des glücklich machenden Schlusspfiffs. Wenn denn wirklich kein Gegentor mehr fällt… .

    Andererseits, und das ist in mir noch nicht restlos geklärt und eigentlich widersinnig, geht es mir bei einem Rückstand in den besagten 20 Minuten eigentlich besser, weil ich jede MSV-Aktion mit Hoffnung begleite und diese zittrige Unruhe keinen Raum hat.

    Nach dem Schlusspfiff ist die Welt dann wieder gerichtet und ich weiß, nach welchem Erebnis es mir besser geht… .

  2. 2 Kees Jaratz 9. September 2014 um 06:17

    Eigentlich kann man doch sagen, wenn wir ins Stadion gehen, machen wir die größte Selbsterfahrungsgruppe Duisburgs auf 😉


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