Das Freitagsgleichgewicht der 3. Liga

Wenn in einer Liga jeder jeden schlagen kann, könnten vielleicht einmal an einem Spieltag die Kräfte aller Vereine perfekt ausbalanciert sein. Die Welt der 3. Liga  zeigte sich dann für einen Moment in einem harmonischen Gleichgewicht, dem wegen seiner vollkommenen Schönheit zugleich der Schrecken dauerhaften Stillstands innewohnte. Beim oberflächlichen Blick nur auf die Ergebnisse brachte der Freitagabend einen Vorgeschmack auf solch einen Spieltag. Drei Spiele, dreimal ein 1:1-Unentschieden. Was für ein Sinnbild für die Ausgeglichenheit der 3. Liga, obgleich die Tabelle die Standardwarnformel der Trainer vor den Spielen allmählich Lügen straft.  Schließlich hat diese Tabelle inzwischen ein erkennbares Oben und  Unten mit dem 9. Platz und den von Erfurt erspielten 15 Punkten als Grenzlinie.

Stillstand droht dieser Drittligawelt außerdem keineswegs. Dazu gibt es in der Mannschaft und bei Gino Lettieri zu viel Unzufriedenheit mit dem 1:1-Unentschieden des MSV Duisburg bei der SpVgg Unterhaching.  Es war ein glückliches Ergebnis, so wird es übereinstimmend auf Seiten des MSV gewertet. So ist es auch von den  mitgereisten Anhängern im MSVPortal zu lesen. Etwas verdienter klingt es, wenn man den Spielbericht beim Kicker liest. Bilder gab es für uns alle nur im nachhinein, selbst am Ticker war ich nicht dabei. So machte mir weniger der späte Zeitpunkt des Ausgleichs in der Nachspielzeit deutlich, wie sehr der MSV und wir mit diesem einen Punkt zufrieden sein können. Das waren eben vielmehr die Worte von Gino Lettieri auf der Pressekonferenz nach dem Spiel und die von Zlatko Janjic gegenüber Zebra-TV.

Gerade Zlatko Janjic macht deutlich, wie unangenehm sich das Spiel entwickelt haben muss für die Spieler des MSV Duisburg. Die Mannschaft habe keinen Zugriff auf das Spiel gefunden. Immer dem Ball vergeblich hinterherzulaufen und dennoch weiter an sich zu glauben, das zeugt von einem intakten Selbstbewusstsein der Mannschaft, die dennoch auf dem Boden der Tatsachen bleibt. So stimmt es mich geradezu hoffnungsfroh, dass so spät der Ausgleich gelingt. Ein weiteres Mosaiksteinchen für Stabilität und Selbstvertrauen. Was für ein sehenswertes Freistoßtor von Zlatko Janjic. Welch lang verschüttete Wörter krame ich inzwischen wieder hervor. Neulich das „Spitzenspiel“, nun die „Torgefahr bei Freistößen“: Bislang geht es für den MSV Duisburg in die richtige Richtung weiter.

Für meine vollkommene Zufriedenheit fehlt nur noch die Nachbetrachtung von Gino Lettieri, mit der er mir erklärt, warum Kingsley Onuegbu anstelle von Kevin Scheidhauer in der Startelf stand. Andererseits kann ich mir gut vorstellen, dass er es nicht so deutlich sagen kann, wenn er damit etwa Onuegbu auch bei Laune halten wollte. Das alleine sollte es aber nicht gewesen sein.

Ich habe übrigens nichts gegen Lokalpatriotismus – egal wo in Deutschland. Wenn so ein Lokalpatriotismus die eigene Weltsicht aber derart überhöht und mit kompletter Ignoranz oder Herabwürdigung des anderens paart, wie es der Kommentator des Bayerischen Rundfunks gemacht hat, sind Provinzialismus und selbstgerechte Engstirnigkeit nicht fern. Das Tor von Zlatko Janjic lohnt den Spielbericht aber allemal.

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