Auswärtssieg durch gewiefte Taktik

Was war das für eine gewiefte Taktik des MSV Duisburg beim Auswärtsspiel gegen den FC Hansa Rostock! Eine Halbzeit lang wurde der Gegner mit vorgeblicher Hilflosigkeit in vollkommene Sicherheit gewiegt, damit er in den zweiten 45 Minuten durch eine Übermacht auf allen Positionen überrollt werden konnte. Der FC Hansa Rostock wurde vom MSV Duisburg  psychisch zermalmt und mit Tempofußball auseinander genommen. Die Mannschaft von Hansa wusste nicht, was mit ihr geschah. Gerade eben noch schien sie alle Last der letzten Wochen abschütteln zu können, und schon in den ersten Minuten nach Wiederanpfiff war die hochkriechende Unsicherheit zu bemerken. Diese Spielweise hatten sie nicht mehr vom MSV Duisburg erwartet. Ich gebe zu, auch meine Zuversicht in der Halbzeitpause war eher so eine Art Pfeifen im Twitter-Walde.

2014-09-27-twitterhalbzeit_msvAls Zlatko Janjic nach dem 1:0-Rückstand schon früh ausgewechselt werden musste, begann ich mich zu sorgen. In dieser Saison war er es meist, der wenn überhaupt für überraschende Momente im Angriffsspiel sorgte, wenn das Spiel  statisch war. Und so ein statisches Spiel erwartete ich nach der anfänglich schlechten Leistung des MSV  für die zweite Halbzeit, eine Rostocker Mannschaft, die defensiv sicher stehen würde und dem MSV den Ball überließ. Tatsächlich überließen die Rostocker dem MSV Duisburg den Ball, aber das geschah häufig so früh in der eigenen Hälfte und zwangsweise, dass diese Defensive immer wieder in höchste Bedrängnis geriet.

In diesem Spiel waren die Ambitionen von Gino Lettieri und dem MSV Duisburg klar zu erkennen. Im Grunde folgt Gino Lettieri einem Ideal des gegenwärtigen Fußballs, wenn er viele der Spieler auf unterschiedlichen Positionen spielen lässt und so während eines Spiels taktische Umstellungen vornimmt. Diese Flexibilität ist für den höherklassigen Fußball normal. In der 3. Liga aber besitzen die Spieler oft nicht gut genug technische Qualitäten für solche umfangreichen Anforderungen. Beim MSV Duisburg werden sie nun allmählich gut genug.

Der Ausgleich durch Kevin Wolzes Freistoß war das deutliche Zeichen, dieses Spiel kann auch ohne die Kunstschüsse von Zlatko Janjic gewonnen werden. Die Zebras merkten ihre Chance und erspielten sich regelmäßig Möglichkeiten. Den Rostockern fehlte für die Torgefahr inzwischen die Kraft. Zwar kamen sie hin und wieder an den Strafraum des MSV, dort aber waren einzelne Spieler auf sich allein gestellt, hingegen der MSV bis in den Strafraum hinein mit vier, fünf Spielern marschierte. Mit Kombinationen über drei Stationen wurde das Mittelfeld überbrückt. Frühes Pressing in Strafraumnähe oder Balleroberung im Mittelfeld samt anschließendem Konter führten zur Torgefahr. Der Führungstreffer schien eine Frage der Zeit zu sein. Nico Klotz erzielte ihn als Belohnung für seine unermüdliche Laufleistung.

Auch wenn die Rostocker nicht mehr wirklich gefährlich vor das Duisburger Tor kamen, hätte mich ein früheres drittes Tor doch mehr beruhigt. Dieses dritte Tor fiel erst in der Nachspielzeit nach einem Konter aus der eigenen Hälfte heraus. Natürlich gilt der Beifall auch hier wieder Nico Klotz. Dennoch möchte ich zudem den Blick auf Kevin Scheidhauer lenken, der den Konter fast am eigenen Strafraum mit einleitete und ihn dann mitläuft, um bereit zu sein für den möglichen Querpass oder den vielleicht seitlich vom Torwart abgewehrten Ball. Er wäre da gewesen. Das macht die eigentliche Qualität dieser Mannschaft in der zweiten Halbzeit aus. Dem ballbesitzenden Spieler haben seine Mitspieler immer wieder Mann mehrere Möglichkeiten des Abspiels eröffnet. Die Rostocker konnten sich oft nicht sicher sein, wohin ein Pass gespielt wird oder gar eine 1:1-Situation gesucht wird. Diese Variabilität brachte den MSV Duisburg auf den 2. Tabellenplatz.

Angesichts dieser Leistung des MSV Duisburg sage ich vorsichtig, perspektivisch gesehen ist der Umzug unseres Sohnes nach Münster eine Zwischenstation für ihn und für meine Auswärtsfahrtpläne. In dieser Saison ist mir eine  Übernachtungsmöglichkeit in Münster ganz recht, danach gibts dann hoffentlich nur noch die üblichen Elternbesuche. Es sei denn, die Preußen haben auch weiter was Größeres vor. Bis er seinen Plänen gemäß dann nach Berlin oder Hamburg umzieht, gibt es ja in den nächsten zwei Jahren noch den Sohn der Freunde, der zwei Tage zuvor nach Nürnberg gezogen ist. Auch er hat mir seine Gastfreundschaft schon angeboten.

Die Pressekonferenz nach dem Spiel sowie die Stimmen von Kevin Wolze und Nico Klotz:

Der längste der Spielberichte beim MDR

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