Der Blitz- folgt immer noch die Freezetabelle

Schön, wenn der Fußball uns Geschichten gibt, aus denen wir für das Leben lernen können. Schlecht, wenn der MSV Duisburg Held jener Art Parabel ist, deren Moral aus fehlgeleitetem Handeln des Helden geschlossen wird. Wenn ich höre und lese, wie fast alle Beteiligten vollkommen ratlos davor stehen, wie das Ausgleichstor des VfB Stuttgart zum 1:1 im Spiel gegen den MSV Duisburg gefallen ist, bekomme ich den leisen Verdacht, irgendetwas hat da ins Spiel eingegriffen.

Mag es der eine Schicksal nennen, mag der andere an ein höheres Wesen denken, ab der 34. Minute scheint es oder jemand ziemlich ärgerlich über leichtfertiges Selbstlob und Anflüge von Hochmut gewesen zu sein, als sich zu viele nicht über eine Momentaufnahme still freuten, sondern das länger feierten, was ohne andauernde Bedeutung ist. Für das Aufbrausen in der Nordkurve von „Spitzenreiter, Spitzenreiter“ hätte es ja wahrscheinlich noch Verständnis gegeben, aber als Stadionsprecher Stefan Leiwen auch noch meinte,  die Werbeeinblendug der Blitztabelle kommentieren zu müssen und einen historischen Moment aus dieser flüchtigen nichtssagenden Blitztabellenführerschaft zu machen, war es mit Sicherheit vorbei.

Diese voreilige Selbstbeweihräucherung hat eine Strafe verdient, wird jemand oder etwas gegrummelt haben, den knalle ich gleich mal sofort den Ausgleich vor ihren Blitztabellenführerlatz. Am besten in der 64. Minute, dann gibt es noch genügend Zeit, in der der MSV Duisburg und seine Anhänger sich erst noch vor dem Rückstand fürchten können. Wenn dann noch die Enttäuschung in den Schlussminuten über eine vergebene große Chance auf den Siegtreffer hinzukommt, sollten die ihre Lektion wohl lernen. So erkäre ich mir, warum der VfB-Trainer Jürgen Kramny auf der Pressekonferenz erstaunt bemerkt:  Da ging einfach ’ne Riesentür auf. Ich weiß nicht, wie das entstanden ist.“ Gino Lettieri weiß wenige Minuten später auch von nichts und muss sich das Ganze noch einmal ansehen. Tim Albutat weiß nichts nach dem Spiel gegenüber ZebraTV. Und auch Eric Hajri hat laut WAZ/NRZ nichts gesehen, geschweige denn, dass wir auf den Rängen etwas begriffen hätten. Plötzlich lief ein Stürmer vom VfB alleine auf Michael Ratajczak zu. Es blieb nicht einmal wirklich Zeit für die Hoffnung auf eine Rettungstat von Ratajczak.

Denke ich noch einmal zurück, kann diese Ratlosigkeit allerdings auch dadurch verursacht sein, dass bis zu diesem einen Angriff der VfB Stuttgart dem Tor des MSV Duisburg nicht gefährlich nahe gekommen war. Besonders die erste Halbzeit wirkte wahrscheinlich noch nach, in der die Stuttgarter sich weit zurück gezogen hatten und nicht ernsthaft versuchten, ein Tor zu erzielen. Der MSV kontrollierte das Spiel, ohne sich große Chancen zu erarbeiten. Dennoch konnten wir darauf hoffen, dass bei dieser Überlegenheit, ohne den Hauch eines gefährlichen Konterspiels des Gegners, irgendwann das Führungstor fallen könnte. Es gab ja hin und wieder auch die ruhenden Bälle. So einen Freistoß aus dem rechten Halbfeld konnte Steffen Bohl schließlich in der 34. Minute ins Tor köpfen. Leider folgte dem kein zweites Tor. In der ersten Halbzeit war das noch kaum möglich, als beide Mannschaften trotz des Tores ihre anfängliche Taktik einfach weiter spielten, als sei nichts geschehen.

Aber zu Beginn der zweiten Halbzeit wurde klar, die Stuttgarter agierten nun offensiver, entsprechend gab es auch für den MSV mehr Raum für deren Angriffspiel. Doch dazu hätten diese Angriffe schneller vorgetragen werden müssen. Das wurden sie nicht oft genug, auch weil diese Art Spiel nicht das Spiel von Kingsley Onuegbu ist. Ich hätte Michael Gardawski gerne früher für ihn eingewechselt gesehen. Nicht weil Kingsley Onuegbu zu schlecht gespielt hat, sondern weil seine Art Ballbehauptung, die in der ersten Halbzeit noch notwendig war, nun so wirkte, als würde sie  das Offensivspiel bremsen. Überhaupt blieb das Zusammenspiel im letzten Angriffsdrittel einiges schuldig. Viel zu oft wurde ein Pass zu wenig gespielt, viel zu oft wurde der freie Mann auf dem Flügel oder halbrechts und -links übersehen und der Weg durch die Mitte gewählt. Das war ein grundsätzliches Problem der Spielanlage und lässt sich, so meine ich, nicht auf die fehlende Übersicht eines einzigen Spielers beschränken.

Das Unentschieden haben sich die Stuttgarter verdient. Aus dem zweimaligen Spitzenreiter der Blitztabelle ist ein Tabellenfünfter geworden mit zwei Punkten Rückstand auf den Tabellenführer. Vier weitere Mannschaften haben wie der MSV 24 Punkte. Preußen Münster auf Platz 8 hat 21 Punkte. Momentan sieht es so aus, als werden sich noch recht lange viele Mannschaften Hoffnung auf den Aufstieg machen. Momentan ist es ratsam Blitztabellen nicht sonderlich ernst zu nehmen. Wir sollten besser darauf hoffen, dass uns am letzten Spieltag die Moral von dieser Geschichte noch etwas bringt und wir dann die Freezetabelle mit vollkommener Berechtigung richtig feiern können.

Bleibt noch die oben erwähnte Ratlosigkeit über den Ausgleich auf der PK sowie bei Tim Albutat und Steffen Bohl.

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