Der Duisburger Gerd Hennig – Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 2

Unlängst habe ich begonnen, die Erinnerungen von FIFA-Schiedsrichter Gerd Hennig zu sichten. “Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter” hat Gerd Hennig seine Erinnerungen genannt. Ein großer Packen Papier liegt nun bei mir zu Hause – Handschriftliches und Ausdrucke. Nur nach und nach werde ich diese Erinnerungen bearbeiten können und hier in loser Folge veröffentlichen. Heute geht es um Bundesligaalltag der 1970er Jahre aus Sicht des Schiedsrichters.

Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 2
Von Gerd Hennig

Wenn ich heute die Art und Weise meiner Spielleitung charakterisieren müsste, würde ich mich als äußerst konsequenten, aber großzügigen Unparteiischen bezeichnen. Ich ließ das Spiel gerne laufen, bevorzugte die Vorteilsregelung, um dadurch den Ablauf flüssiger zu gestalten. Sowohl bei den Spielern als auch bei den Zuschauern kam das gut an. Niemand möchte ein Spiel ständig unterbrochen sehen. Meine Stärke war mein Laufvermögen, denn selbst falsche Entscheidungen werden aus unmittelbare Nähe eher akzeptiert als richtige Entscheidungen, die aus der Distanz getroffen werden. Ein Pfiff auf große Entfernung stößt meist auf Kritik. Oft wird gesagt: „Wie will der das aus der Ferne überhaupt gesehen haben.“ Deshalb werden die Wahrnehmungen in der Nähe von Spielern und Zuschauern besser aufgenommen.

Um in der Nähe zu sein, bedarf es einer vorzüglichen Kondition, die man sich selbst erarbeiten muss. Wer mich näher kennt, weiß, dass ich nie einen Trainingsabend der Schiedsrichter versäumt habe und dazu noch zwei- bis dreimal in der Woche bei Wind und Wetter ein intensives Lauftraining absolviert habe. Der innere „Schweinehund“ musste halt besiegt werden. Das wirkte sich sowohl bei der Spielleitung als auch bei den jährlichen Leistungsüberprüfungen äußerst positiv aus.

In diesen Zusammenhang passt auch, dass ich sehr wenige persönliche Strafen ausgesprochen habe. In 161 Spielen der Bundesliga habe ich nur drei Platzverweise aussprechen müssen. Die betroffenen Spieler waren Gerd Regitz von Borussia Neukirchen, Gert Trinklein von Eintracht Frankfurt und Jupp Kapellmann vom FC Bayern München. Während bei den ersten beiden Feldverweisen Foulspiel der Grund war, lag bei Jupp Kapellmann klares Nachtreten im mittleren Bereich des Spielfelds vor. So kam es zu einer Sportgerichtsverhandlung beim DFB in Frankfurt, wo Robert Schwan und Uli Hoeneß als Vertreter der Münchner zugegen waren.

Bei der geschätzten Zahl von etwa 200 Verwarnungen und späteren gelben Karten sind mir ein paar Spieler besonders in Erinnerung geblieben. Zunächst fällt mir Horst-Dieter Höttges von Werder Bremen ein, der sich zu Beginn eines jeden Spiels durch übermäßiges Foulspiel beim jeweiligen Gegenspieler Respekt verschaffen wollte. Nach der erfolgten Verwarnung spielte er dann lammfromm weiter und ließ sich nichts mehr zuschulden kommen, so dass wir nach dem Spiel gemeinsam ein Bier mit  Aquavit trinken konnten und uns friedlich voneinander trennten. Jürgen Grabowski von Eintracht Frankfurt und Paul Breitner vom FC Bayern München gehörten zu den Spielern, die ständig neben oder hinter einem herliefen, um durch Meckereien und Kritisieren den normalen Ablauf zu stören. Erst nach einer gelben Karte herrschte Ruhe, aber ohne diese unliebsamen Gegebenheiten ging es bei diesen Akteuren nicht.

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