Ein großes Pokalspiel ohne glückliches Ende für den MSV

Heute morgen bin ich immer noch völlig erschöpft, nachdem für die lange Anspannung beim Pokalspiel des MSV Duisburg gegen den 1. FC Köln die Nacht viel zu kurz gewesen ist. Meine innere Leere aber füllen langsam die Worte. Gestern Abend noch habe ich mir nicht vorstellen können, einen einzigen Satz über das Spiel schreiben zu können.

Ich hatte das Elfmeterschießen gefürchtet und offensichtlich nicht nur ich. Mit Beginn dieses Elfmeterschießens schien das gesamte Stadion mit Ausnahme der Gästeblöcke wie gelähmt. Es war still geworden. Es gab nur noch Hoffnung und nicht mehr das Vertrauen auf das eigene Können. Wenn es uns auf den Rängen schon so geht, müssen Fußballspieler besondere Fähigkeiten haben, sich völlig aus der Gegenwart herauszuziehen in eine eigene Welt. Das gelang Dennis Grote und Zlatko Janjic nicht. Sie besaßen wie wir nur noch Hoffnung und waren sich ihres Schussvermögens nicht mehr sicher. Dem MSV Duisburg erging es gestern wie den Essenern im Niederrheinpokal. Auch die Essener mussten beim Elfmeterschießen auf die Gästekurve zulaufen. Auch die Essener spürten von jetzt auf gleich die ungeheure Last, dass dieses Weiterkommen im Pokal nur noch von wenigen völlig freien Schüssen abhängt. Auch die Essener hatten während des Spiels den klassenhöheren Gegner MSV an den Rand der Niederlage gebracht. So viel Einsatz war vergeblich geleistet worden, und nun hing alles von den freien Schüssen ab. Ich habe mir die ersten beiden Elfmeter vom MSV Duisburg nicht ansehen können. Für mich wie für die ersten beiden Schützen war dieses Elfmeterschießen zu viel.

Der MSV Duisburg hat dem 1. FC Köln ein offenes Spiel geliefert. Von Anpfiff an zeigte diese Mannschaft, dass sie sich zutraut dem zwei Klassen höher spielenden Gegner offensiv zu begegnen. Die Kölner waren zunächst viel zu sehr damit beschäftig, sich der Angriffe des MSV zu erwehren, als dass sie selbst in die Nähe des Duisburger Strafraums hätten kommen können. Erst nach einiger Zeit gelangen erste Angriffe und in jedem einzelnen Angriff blitzten überlegene individuelle spielerische Qualitäten der Kölner Spieler zwar auf, dennoch gelang es der Defensive des MSV diese Angriffe fast immer in ungefährliche Spielaktionen zu verwandeln.

Die Mannschaft des MSV hat so sehr als Einheit gewirkt, dass ich lange nachdenken muss, um mich an einzelne Spielaktionen zu erinnern. Das Spiel wogte hin und her und war im ständigen Fluss. Auch die Kölner wirkten in dieser ersten Halbzeit als einziger Körper, der sich mal hierhinschiebt und mal dorthin, der sich ausbuchtet, je nachdem, wo sich der Ball gerade befindet. Es gab kaum Ruhephasen. Ständig passierte etwas. Es war ein sehr gutes Pokalspiel, in dem es schließlich auch auf beiden Seiten zu Torchancen kam. Nur bei diesen Torchancen deutete sich der Klassenunterschied an, die der Kölner waren klarer herausgespielt und eine ihrer Chancen war zudem die größte des Spiels. Michael Ratajczak war schon in die eine Ecke gesprungen, während der Ball in die andere Richtung trudelte. Die Fußabwehr sah sehr nach einer Spitzentanzfigur im Liegen aus und womöglich wäre der Ball im Tor gewesen, trüge Michael Ratajczak zwei, drei Größen kleinere Fußballschuhe.

Wie wir erwartetet hatten, versuchte der FC in der zweiten Halbzeit überlegener aufzutreten. Man spürte das Bemühen, mehr Torgefahr zu entfalten und zu zeigen, welche Mannschaft zwei Ligen höher spielt. Ein paar der Kölner Spieler schienen dann genervt davon zu sein, dass sich der MSV Duisburg davon nicht beeindrucken ließ. Den Zebras gelang es immer wieder die vermeintliche spielerische Überlegenheit im Keim zu ersticken, auch wenn es einzelne Situationen gab, in der ein einzelner Kölner Offensivspieler drei, vier Duisburger Defensivspieler beschäftigte. Dennoch begann ich mir Sorgen zu machen, die augenblicklich verschwanden als der eingewechselte Slawomir Peszko die rote Karte erhielt. Ich nehme an, in der nächsten Session wird er als „Doof Nuss“ im Karneval auf die Bühne gehen. Ein Freistoß war den Kölner zugesprochen worden. War es Tim Albutat, der die schnelle Ausführung mit Dazwischenstochern behindern wollte? Peszko hatte schon zum Tritt ausgeholt und zog dann einfach durch, als der Ball wegkullerte und sich das Schienbein Albutats als Ballersatz anbot. Da lässt sich eine wunderbare Slapsticknummer draus machen. Am Timing müsste Tim Albutat dann nur ein wenig arbeiten. Er fiel etwas spät. Sei es drum. Köln spielte fortan mit nur zehn Mann sehr viel defensiver.

Geduldig versuchte der MSV diese dicht gestaffelte zwei Reihen auszuspielen. Für mich war es überraschend, dass das sogar besser gelang als in der 3. Liga. Die Mannschaft ging das Risiko ein, was nötig ist, um mit Pässen freie Räume zu nutzen. Dennoch gelang es nicht, die eine große, unfehlbar auszunutzende Torchance zu erspielen. Es war einfach schwierig, den Druck zu erhöhen und gleichzeitig defensiv keine Blößen zu geben.

Wie gefährlich die Kölner auch in Unterzahl sein können, zeigte sich in der Verlängerung. Ihr präzises Passpiel auch über große Strecken machte ihnen einen Konter möglich, bei dem Michael Ratajczak schon ausgespielt war und der Ball aus halbrechter Position langsam auf das leere Tor zurollte und ich schon verzweifelte über diese nun doch eintretende Enttäuschung, die aber erst einmal noch verschoben wurde. Unfassbar langsam kullerte der Ball an den Pfosten und die Siegchance war noch da.

Unfassbar waren auch die zwei Pfiffe, mit der der Schiedsrichter zwei Spielaktionen von Kingsley Onuegbu nacheinander am Ende der ersten Hälfte der Verlängerung unterband. Eine gelbe Karte zeigte er dem Spieler sogar nach dem ersten Pfiff. Was hat er da gesehen? In beiden Situation setzt sich der „King“ zwar eckig, aber ohne Foulspiel durch. Das waren Pfiffe nach Augenschein, aus Sorge ein kämpferisches Spiel könne in rohe Gewalt umschlagen. Anders kann ich es mir nicht erklären. Aus beiden Spielsituationen hätte Torgefahr entstehen können. Ich darf nicht darüber nachdenken, sonst wird aus Enttäuschung nur wieder Ärger.

Das Siegtor für den MSV fiel nicht mehr. Eine große Chance durch Dennis Grote gab es noch kurz vor Schluss, und als das Spiel abgepfiffen wurde, mischte sich meine Hoffnung bereits mit dem Aufbäumen gegen eine drohende Enttäuschung. Keine guten Voraussetzungen für ein Elfmeterschießen.

Als Trost erträumte ich mir auf dem Heimweg einen sicheren Aufstiegsplatz  ab Mitte März. Vielleicht kann Fabian Schnellhardt ein Gewinner dieses Spiels werden. War doch zum ersten Mal erkennbar, wie sehr der Mannschaft bei engen Räumen seine technischen Fähigkeiten nützen. Vielleicht aber kann auch die gesamte Mannschaft noch etwas gewinnen, wenn sie das Selbstbewusstsein in den Ligaalltag mitnimmt, ein Spiel bei engen Räumen auch gestalten zu können.

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