Archiv für November 2014

Auch Funny van Dannen braucht den BVB in Liga 1

Bonobos sind laut Funny van Dannen „diese friedlichen Affen, denen es gelingt ihre Probleme mit Sex aus der Welt zu schaffen.“ Und warum will Funny van Dannen dennoch kein Bonobo sein? Auch weil er es interessanter findet, wenn Schalke und Dortmund gegeneinander kicken, statt immerzu ihr wisst schon. Also, lieber BVB, es gibt verdammt viele Gründe, warum ihr allmählich mal endlich gewinnen solltet. Damit Funny van Dannen seinen Text weitersingen kann, ist nur einer am Rande. Ruhrpott!

Zwei Fassungen, beide live…

… die aus Leipzig mit längerer Vorrede

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Heimatlied – Sektion Duisburg – Folge 14: Cool und Mashallah

Wenn ich es recht verstehe, ist dieses Duisburg-Lied in einem Schulprojekt entstanden. Die Herbert-Grillo-Gesamtschule hat dazu mit dem Medienbunker Marxloh und der Duisburger Werkkiste kooperiert. Duisburg oder der Stadtteilname Marxloh tauchen im Lied selbst nicht auf, alleine im kommentierenden Vorspann wird Marxloh mit seiner über die letzten Jahrzehnte veränderten Lebenswirklichkeit benannt. Im Song werden die gelingenden Momente des Zusammenlebens in Marxloh aufgegriffen, eine Art Lebensrezept wird dazu in die Refrainformel gepackt. Zusammen mit den Bildern des Clips ist so die hoffnungsvolle Energie dieser jungen Marxloher zu spüren. Solche Energie lebendig und in der Stadt zu halten, darum geht es in Duisburg.

Hinweise auf weitere online zu findende Duisburg-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Duisburg – Alle Folgen

Stand dort am Horizont etwa gerade so ein Murmeltier?

Eigentlich bin ich die Jahre über mit meinen verschiedenen Persönlichkeiten gut klar gekommen. Herr Jaratz und Herr Koss pflegen einen freundlichen Umgang miteinander. Sie verstehen sich gut, sind häufig gar einer Meinung, und wenn in letzter Zeit mal Stig  dazu gekommen ist, lassen wir zwei den einfach reden. In dieser Saison aber sieht Herr Jaratz sich immer wieder von einer Gefahr bedroht, die Herr Koss überhaupt nicht nachvollziehen kann. Letzterer ärgert sich im Stadion über mangelnde Torgefahr seiner Mannschaft und denkt nach dem Schlusspfiff höchstens ans nächste Spiel. Herr Jaratz aber sitzt in dieser Saison dann vor seiner Tastatur und beginnt, sich zu wiederholen. Das aber wäre für seine Weise über Fußball zu schreiben das Ende. Es gibt noch Spielraum. Doch zum zweiten Mal in dieser Saison fühlt Herr Jaratz nun, wie klein dieser Spielraum geworden ist. Momentan denkt Herr Jaratz, ihn rettet nur der Aufstieg.

Denn schon in Liga 2 gab es diese Momente in der die Mannschaft keine Tore erzielte. Damals schwebte ebenfalls immer wieder der Aufstieg im Raum, sogar als vermeintliche Rettung vom Finanzkollaps. So ist es knapp zwei Jahre her, dass ich über ungewöhnliche Mittel zur Abhilfe des Tormangels nachdachte. In Eine Hilfe bei zu wenig Toren? wollte ich die wissenschaftlichen Erkenntnisse über optische Täuschungen und ihre Folgen auf die Zielsicherheit von Menschen für den MSV Duisburg fruchtbar machen. Die Anregungen wurden in Magdeburg aufgegriffen, allerdings mangelhaft umgesetzt. Deshalb konnten sie nicht als Hilfe sondern auch als Verhöhnung der eigenen Mannschaft empfunden werden.

Noch ein Jahr weiter zurück liegt ein von mir unveröffentlichter Verweis auf wissenschaftliche Erkenntnisse zur „hot hand“, der heißen Hand eines Basketballspielers, von denen in der Süddeutschen Zeitung zu lesen war und wozu im englischsprachigen Wikipedia ein paar Worte stehen. Meine Aufmerksamkeit für diesen Artikel war von der allerletzten Hoffnung getragen, ob das gute Spiel eines Fußballspielers womöglich der Anfang einer stabilen Leistung sein könnte, die doch noch den Sprung auf einen der ersten drei Plätze möglich macht. „Wenn´s läuft, dann läuft´s – wirklich“ hieß es in der Zeitung und aus eigener Erfahrung mit diesem Basketball kann ich das bestätigen. Gib mir den Ball, egal wo, und ich bring ihn dir ihn den Korb, es gibt so Tage.

Wie aus der „hot hand“ der „hot foot“ hätte werden können, ist mir immer noch unklar, aber ich denke, ihr versteht das Problem, nicht das der Stürmer vom MSV, sondern das von mir, Kees Jaratz. Ich habe nichts neues über dieses Phänomen der fehlenden Tore zu sagen. Oder doch? Hilft Fred Astaire? Zumindest ein kleines bisschen? Sein Timing beim Tanzen ist unfassbar. In dem Clip unten sind zwei Aufnahmen einer Tanzsequenz nebeneinander gestellt, die im Abstand von einigen Tagen aufgenommen wurden. Wie oft hat er diesen Bewegungsablauf üben müssen, damit er ihn derart identisch wiederholen kann? Wieviel Training steckt dahinter? Immer und immer wieder denselben Bewegungsablauf üben.

Hoffen wir auf entsprechende Arbeit beim Training der Mannschaft mit ähnlichen Folgen für die Zielsicherheit beim Torschuss. Das hätte ich natürlich auch viel kürzer sagen können. Nur wäre dann das Murmeltier am Horizont recht provozierend stehen geblieben.

 

Vor dem Spiel gegen SV Wehen Wiesbaden: Stehblog fragt – Kees Jaratz antwortet

Im Stehblog schreibt Gunnar über „SV Wehen Wiesbaden, FC Bayern München und manchmal Fußball“. Vor dem Spiel des MSV Duisburg am Samstag gegen den Drittligisten in dieser Themenreihe hat er mir ein paar Fragen gestellt. Einen Teil des Interviews nehme ich mit hierhin, weil damit auch Positionsbestimmungen verbunden waren.  Den Anfang des Interviews habe ich mal weggelassen. Wer ich bin, wisst ihr ja, und weitere Worte über mein neues Buch  111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen  braucht ihr wahrscheinlich auch nicht mehr.  Wenn ihr Ergänzungen zu meinen Antworten habt oder etwas anders seht, gerne auch weiterklicken zum Stehblog und dort kommentieren, damit in Wiesbaden das Wissen über den MSV vermehrt werde. Wenn ihr hier kommentieren wollt, kopiere ich es aber gerne auch und poste es dort noch einmal.

Reden wir über den MSV Duisburg. Traditionsverein, Bundesliga-Gründungsmitglied, 28 Jahre in der höchsten Spielklasse zuhause – und jetzt schon im zweiten Jahr nur in der Dritten Liga am Start. Schmerzt das noch sehr oder bist Du froh, dass es nach der Beinahe-Insolvenz im letzten Jahr überhaupt noch Profifußball in Duisburg gibt?

Weder noch, ich mache mir darüber keine Gedanken mehr. Da bin ich ganz bei den Fußballprofis mit ihren Standardantworten nach Niederlagen. Abhaken, Mund abwischen, wir stehen, wo wir stehen, nach vorne sehen. All das. Das ist für mich das Angenehme beim Fußball. Er zwingt in die Gegenwart. Es nutzt kein Blick zurück. Es nutzt kein Blick zwei Spiele weiter. Das nächste Spiel ist immer das, um das es geht.

Hilft bei der Einordnung auch die Erfahrung aus den 80er Jahren, als der MSV schon mal für drei Jahre in die damals drittklassige Oberliga abgetaucht war?

Das mag erst einmal so scheinen. Doch im Grunde ist der Fußball der Gegenwart gegenüber dem von Anfang der 1980er Jahre doch ein anderer Sport geworden. Damals in der dritten Liga, das war in Teilen Sport auf dem Dorf am Niederrhein. Was heute vielleicht fünfte Liga ist. Zudem hatte der Verein seinerzeit einen kontinuierlichen Niedergang durchgemacht und großen Bedeutungsverlust erfahren. Das ist mit der Situation heute nicht vergleichbar. Die Bedeutung des MSV hat sich im letzten Sommer mehr als deutlich gezeigt, und die 3. Liga ist eine professionelle Unternehmung.

Lass mich aber noch etwas sagen, was eigentlich zu weit führt, aber mir automatisch in den Sinn kommt, wenn von der Oberliga-Zeit die Rede ist. In dem Zusammenhang muss einfach der Mann genannt werden, dessen Energie und Tatkraft es überhaupt zu verdanken ist, dass es für den MSV Duisburg wieder nach oben ging: Dieter Fischdick, Meidericher, SPD-Ratsherr, MSV-Anhänger wollte den Niedergang des MSV nicht hinnehmen, wurde MSV-Präsident und organisierte die für Erfolg notwendige Stabilität im Verein. Er starb, gerade mal Ende 50, während einer Pressekonferenz vom MSV. Wenn ich an ihn erinnere, geht es mir darum, dass in Vereinen wie dem MSV Duisburg letztlich solche Menschen Verantwortung tragen müssen, die sich um der Sache Willen einsetzen. Und da sind wir dann doch bei der Orientierungshilfe. Seit dem Sommer letzten Jahres gibt es sie erneut.

Die letzte Saison begann nach der Last-Minute-Rettung turbulent, Trainer Kosta Runjaic verließ den Verein und der Kader konnte erst spät zusammengestellt werden. Trotzdem gelang eine verhältnismäßig ruhige Saison, die der MSV überwiegend in der oberen Tabellenhälfte verbrachte. War das angesichts der Situation das Optimum oder hatte man in Duisburg insgeheim mit der direkten Rückkehr in die Zweite Liga geliebäugelt?

Hoffen darf man als Anhänger seines Vereins so etwas doch immer, und das ansprechende Offensivspiel zu Beginn der Saison übertraf ja alle Erwartungen. Doch eines war klar, das Offensivspiel führte zur scheunentoroffenen Defensive. Die Abwehr wurde dann zwar stabilisiert, die Kosten in der Offensive waren aber zu hoch. Ab Mitte der Saison war abzusehen, eine Entwicklung hin zu einem erfolgreicheren Gleichgewicht wird es nicht geben. Ich kann das nicht beurteilen, ob ein anderer Trainer erfolgreicher gewesen wäre. Sieht man sich die drei Aufsteiger an, scheint es mir aber so: alle drei spielten mit einer stärkeren Besetzung als sie der MSV vorweisen konnte. Das ist in dieser Saison ganz klar anders. Es gibt keine Mannschaften, deren Spielanlage deutlich die der anderen überlegen ist.

Man trennte sich jedenfalls von Trainer Karsten Baumann und holte Gino Lettieri, den wir hier aus seiner Zeit beim SVWW natürlich noch gut kennen. Wie schlägt er sich bisher, wie ist Dein Eindruck von ihm?

Nach der Niederlage in Kiel gibt es zum ersten Mal eine Durststrecke für die Mannschaft und ihn. Grundsätzlich sah es bisher so aus, als habe er der Mannschaft zu einer guten Struktur verholfen. Es fällt allerdings auf, dass das Offensivspiel in den letzten Wochen zu wünschen übrig lässt. Oft wirkt es so, als fehlten klare Bewegungsabläufe.

Als seine Neigung erkennbar wurde, Positionen der Mannschaft immer wieder neu zu besetzen, musste ich an die kritischen Stimmen bei euch denken. Grundsätzlich gehört das ja in Teilen zum modernen Fußball, der Spieler einsetzbar auf allen Positionen, gewöhnungsbedürftig ist es aber dennoch, wenn jedes Spiel die Abwehrreihe neu formiert ist. So lange die Mannschaft erfolgreich ist, gibt es dazu höchstens erstauntes Raunen. Im Misserfolgsfall wurde das in den Foren auch schon thematisiert. Das ist etwas Grundsätzliches, ungewöhnliche Maßnahmen brauchen mehr Kommunikation, damit das Umfeld nicht unruhig wird. Bislang war seine Erklärung, Verletzungen hätten diese Umstellungen notwendig gemacht. Für alle Umstellungen gilt das aber nicht. Da bleibt etwas offen, was nur Erfolg nicht zum Problem werden lässt.

Nicht nur neben, sondern auch auf dem Platz finden wir mit Zlatko Janjic und Steffen Bohl bekannte Gesichter. Was kannst Du uns von den beiden berichten?

Steffen Bohl sollte wahrscheinlich Gino Lettieris wichtigster Spieler sein, gerade auch weil er eben auf jeder Position einsetzbar ist. Es gab ein Spiel, in dem er über die Zeit von der Verteidigerposition über das Mittelfeld in den Sturm gewechselt ist – je nachdem, wer gerade ausgewechselt wurde. Er ist Mannschaftskapitän, aber Oberschenkelprobleme sind nun zum Muskelriss geworden. Er ist also am Samstag nicht dabei.

Für eine Offensive, die mit Einzelaktionen zum Ziel kommen will, ist Zlatko Janjic unverzichtbar. Technisch stark, das wisst ihr selbst. Andererseits schaut er nach meinem Geschmack oft zu früh hilfesuchend zum Schiedsrichter. Das ist natürlich dem mangelnden Mannschaftsspiel in der Offensive geschuldet. Sich gegen drei Leute durchzusetzen, kann überfordern. Ein Teil seiner Tore sind Freistoßtore und Elfmeter gewesen. Wieviel genau, weiß ich jetzt nicht. Auch daran ist zu erkennen, dass es aus dem Spiel heraus momentan hapert.

Janjic ist mit bisher sieben Treffern der beste Torschütze, während Kingsley Onuegbu, der Torjäger der vergangenen Saison, erst ein Tor erzielen konnte. Woran liegt’s? 

Schon in der Rückrunde der letzten Saison spielte Kingsley Onuegbu immer schlechter. Ich will das weniger mit Toren belegen als mit seinem Ballgefühl. Denn dass er nach der starken Hinrunde bei besonderem Augenmerk der Gegner-Defensive weniger Tore erzielt, scheint mir verständlich zu sein. Aber es liegen Welten zwischen seiner Ballannahme in den ersten Monaten in Duisburg und dem, was er momentan kann. Wenn seinerzeit der Ball am Fuß klebte, springt er jetzt meist fort. Warum? Auch das als Unsicherheit wegen vermehrter Arbeit der Defensive? Ich weiß es nicht.

Aktuell liegt der MSV nur auf Platz 10, aber der Abstand zum Tabellenführer Preußen Münster beträgt gerade mal vier Punkte. Sollten Janjic und Onuegbu beide regelmäßig treffen, wäre Duisburg ein ganz heißer Aufstiegsfavorit, oder?

Tatsächlich glaube ich nicht, dass Onuegbu so bald wieder regelmäßig spielt. Kevin Scheidhauer hat ihn erst einmal verdrängt. Du berührst aber den wunden Punkt im Spiel des MSV. Die Mannschaft kommt zu keinen klaren Torchancen. Und starke Abwehrreihen hat diese Liga nun genug. Andererseits fühlt sich die Mannschaft schon selbstbewusst genug, um oben dabei zu sein. Ob mit Recht, ist schwierig vorherzusagen. Momentan fehlt es weniger an Torschützen als an Ideen, Spieler dorthin zu bekommen, wo sie überhaupt Torschützen werden können. Es fällt auf, dass das Offensivspiel oft Stückwerk bleibt und Einzelaktionen zu sehen sind. Ich denke, da ist der Trainer für Lösungen gefragt.

Zum Abschluss noch was ganz anderes. An Stadien mit Sponsorennamen hat man sich ja längst gewöhnt, aber Euer Stadion hat, mit Verlaub, einen der beknacktesten oder wenigstens umständlichsten Namen abbekommen. Sagt irgendein Fan jemals “Schauinsland-Reisen-Arena” oder bleibt es einfach beim Wedaustadion, was vorher an gleicher Stelle stand?

Tja, wenn Unternehmen, die sponsern, lange Namen besitzen, wird das mit dem Stadion-Namen schwierig. Ich kenne niemanden, der das sagt, auch wenn Schauinsland-Reisen es mehr als verdient hätte. Gerald Kassner als Geschäftsführer des Reiseunternehmen ist auch so ein Duisburger, der sein Engagement im Fußball beim MSV auch als Engagement für die Lebensqualität Duisburgs in einen städtischen Zusammenhang bringt. Ihm geht es natürlich auch um eine Werbewirkung, aber wenn man die Mithilfe des Unternehmens bei der Rettung des MSV Duisburg sieht, erkennt man schnell, dass es für Schauinsland-Reisen um sehr viel als um das reine Geschäft gegangen ist. Wedaustadion als Name scheint mir allerdings auch allmählich zu verblassen. Ich habe eher den Eindruck, das Ganze wird namenlos: das Stadion, die Arena. Ich kann mich aber auch täuschen.

Zum Schluss der obligatorische Tipp, wie geht’s am Samstag aus? Und die Bonusfrage: auf welchen Plätzen stehen der MSV und der SVWW, wenn wir uns am 23. Mai zum letzten Saisonspiel wiedersehen?

Damit das Ziel gemeinsamer Aufstieg für den MSV nicht in die Ferne rückt, muss leider Gottes dein Verein am Samstag verlieren. Ein 1:0 ist ja wahrscheinlich. Danach können unsere Vereine dann wieder auf ihren getrennten Wegen am Projekt gemeinsamer Aufstieg weiterarbeiten. Bei der Feier wäre ich dann dabei.

Chargesheimer – Die Ausstellung auf Zollverein

Bis zum 18. Januar ist noch die wunderbare Chargesheimer-Ausstellung im Ruhrmuseum auf Zollverein in Essen zu sehen. Täglich von 10 bis 18 Uhr ist die Ausstellung geöffnet. Jeder, der sich nur halbwegs für die Vergangenheit des Ruhrgebiets interessiert und noch nicht dort war, sollte in den verbleibenden Wochen einen freien Nachmittag finden, um hinzufahren. Chargesheimer hatte 1958 zusammen mit Heinrich Böll den Bildband „Im Ruhrgebiet“ veröffentlicht, dessen spezieller Ausschnitt der Ruhrgebiets-Wirklichkeit von den Meinungsmachern der Region nicht gerne gesehen wurde. Die Ausstellung zeigt 150 bisher unveröffentlichte Fotografien und etwa 50 Fotografien, die im Bildband aufgenommen waren.

Fußball gehörte in diesen Alltag des Ruhrgebiets auch für Chargesheimer – als Straßenfußball der Jugendlichen …

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… und als organisierter Sport vor der Industriekulisse.

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Beide Fotos: Rheinisches Bildarchiv Köln

Weitere Impressionen aus der Ausstellung gibt es drüben bei den Orten im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen

 

Mögliche Folge der Aufregung bei einer Niederlage

Diese anrührende Mediengeschichte hat der MSV Duisburg beim Spiel in Kiel völlig vermasselt. Zwar wäre es nicht gleich der Wunderheilungs-Klassiker gewesen vom Lahmen, der wieder gehen kann, aber „Fieberfrei dank Zebra-Auswärtssieg“ als Schlagzeile klingt doch auch schon nicht schlecht. Stattdessen wurde der Heilungsverlauf meiner heftigen Erkältung verlangsamt durch die zusätzliche Belastung, die die letzten zehn Minuten des Auswärtsspiels bei Holstein Kiel für einen Hörer der Live-Reportage mit sich gebracht haben. Wer den Kieler Reporter hörte, konnte schon ein paar Minuten vor dem Tor Böses ahnen. Die mehr oder weniger dahinplätschernde Reporterstimme hatte die Dauertonlage Aufregung angeommen, während der Ball anscheinend nur noch in Richtung Tor von Michael Ratajczak lief.

Das Tor der Kieler in der 87. Minute war dementsprechend keine Überraschung, und nachdem wenig später die Chance auf den Ausgleich am Pfosten endete, dachte ich noch kurz enttäuscht, warum nicht während des Spiels schon immer wieder mal diesen Druck entfachen und schlief vollkommen erschöpft ein. 1:0 hat der MSV Duisburg bei Holstein Kiel verloren, und hört man Gino Lettieri auf der Pressekonferenz nach der Niederlage, war es das vorhergesagte enge Spiel mit einer zunächst zufrieden stellenden Leistung seiner Mannschaft. Bei WAZ/NRZ ist ein Tag später ein kritischerer Trainer erkennbar. Was sich als Mangel der Spielanlage dieser Mannschaft durch die Saison zieht, wird  auch von ihm benannt: „Bei uns fehlt die Ballsicherheit, wir haben zu viele Fehlpässe produziert“. Dazu kommt ein zweiter großer Mangel: „Fußball geht nicht aus dem Stand. Du musst immer weiter Gas geben. Bei unseren Aktionen gucken wir zwei Mal, zögern und schießen dann.“

Nach solchen Worten kann ich mir ein Bild vom Spiel machen, auch wenn ich nichts gesehen habe. Das kenne ich vom MSV Duisburg in dieser Saison. Nun gehört die erste Bemerkung Gino Lettieris in die Rubrik individueller Fehler. Bei der zweiten Bemerkung aber ist das nicht so eindeutig. Natürlich spielen auch hier individuelle Fertigkeiten eine Rolle, ungeachtet dessen kann es weitere Gründe für dieses Zögern geben. Ich denke an Vorgaben für das mannschaftliche Zusammenspiel, an Risikobereitschaft, an Selbstvertrauen. Spätestens dann ist Gino Lettieri mit im Boot bei der Suche nach Verbesserung.

Schon während des Spiels stellte sich sicher nicht nur für mich die Frage, warum Steffen Bohl spielte, wenn er erneut so früh hat ausgewechselt werden müssen. Das sah nach einer unglücklichen Entscheidung aus. Die Wiederholung einer frühen Auswechslung mag Zufall sein, Vertrauen weckt das nicht. Zudem war ich leicht enttäuscht, als Fabian Schnellhardt nicht von Anfang an spielte. Es gibt Gründe, die gegen seinen Einsatz sprechen. Das ist vor allem der Verlust an Defensivstärke. Dennoch gibt es angesichts der Offensivschwäche der Mannschaft auch Gründe für seinen Einsatz. Das Für und Wider abzuwägen ist sicher schwierig. Zum Thema mache ich ihn nur, weil Gino Lettieri selbst das „Zögern“ beim Abschluss erwähnt. Dabei denke ich an Risikobereitschaft, die einzelne Spieler besitzen, aber die auch der Trainer als Haltung seiner Mannschaft vorgibt. Risikobereitschaft heißt eben auch, bereit sein Fehler zu akzeptieren. Ich spekuliere über Gründe, wohl wahr, zu einem Befund, bei dem wir uns ja alle einig sind, die Mannschaft entwickelt nicht genug Torgefahr. Was im MSVPortal  für das Spiel in Kiel durch Generation Blue übrigens anschaulich zusammengefasst wird.

Es bleibt die Enttäuschung über die Niederlage und die Hoffnung, am nächsten Spieltag mit einem Heimsieg wieder zu beweisen, wie ausgeglichen die Dritte Liga in dieser Saison ist. Dabei fällt mir sogar noch die positive Geschichte über den MSV Duisburg zu diesem Spiel ein. Es geht ja auch so:

MSV Duisburg schafft Lebensqualität!

Hetze prägt normalerweise unseren Alltag. Noch bis vor kurzem galt das auch für den Anhänger des MSV Duisburg, Kees J.  Doch seine Zebras zeigten ihm, dass es auch anders geht. Mit einer schweren Erkältung lag er im Bett, als sein Verein mit 0:1 bei Holstein Kiel verlor. Die Aufregung in den letzten Minuten des Spiels machte Schluss mit jedem Tempo. Der Heilungsverlauf seiner Erkältung wurde endlich entschleunigt. „Seitdem kann ich das Fieber richtig genießen“, sagt Kees heute und lächelt zufrieden.

So erzählt klingt das Verlangsamen der Heilung doch gleich ganz anders. Alles nur eine Frage der Perspektive. Alles wird gut.

So oder so wird das Spiel

Das momentane Tabellenbild in der Dritten Liga bringt die dafür verantwortlichen Fußballer und Trainer in eine kuriose Lage. Wöchendlich müssen sie sich zum nächsten Spiel äußern, Neuigkeiten erzählen und spezielle Informationen zum kommenden Spiel geben. Doch angesichts der ausgeglichenen Spielstärke von mindestens der halben Liga und den mininalen Unterschieden in der Spielanlage der jeweiligen Mannschaften werden Prognosen zum Spielverlauf Glückssache und die Worte der Vergangenheit werden ohnehin immer wieder hervorgeholt.

Auch im Auswärtsspiel gegen Holstein Kiel will der MSV Duisburg hinten kompakt stehen. Das sagt dieses Mal Enis Hajri, wie im Vorbericht des MSV Duisburg zu hören ist. Das Spiel kann sich dann aber so oder so entwickeln. Sein Trainer Gino Lettieri erwartet in demselben Vorbericht ein „offenes Spielabtausch“, eine gelungene Wortschöpfung, die nach meinem Verständnis den ungewissen Spielausgang mit einem unterhaltsamen Hin und Her des Spiels verbindet. Dagegen wird im  Vorbericht beim Kicker Enis Hajri mit den gegenteiligen Erwartungen zitiert. Es könne „für die Zuschauer ein langweiliges Spiel werden, weil beide Teams in erster Linie die Null halten wollen“.

Egal, ob es nun so oder so kommt beim Spielverlauf, mit den Lebensrezepten deutscher Lied- und Schlagertradition à la So oder so ist das Leben

und Ob es so oder so oder anders kommt

kann ich in dem Fall gar nichts anfangen. Als Folge dieses Spielverlaufs sollte es das richtige Ergebnis beim Spiel in Kiel schon sein.

 

 

 

 


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