Der MSV, ein halbfertiges IKEA-Teil

Wenigstens der Schrank meines Sohnes steht nun in seiner neuen Münsteraner Studentenbude. Der Teil des gestrigen Vorhabens hat also geklappt.  Was hätte das für ein schöner Tag in Münster werden können, erst gemeinsam von Köln aus anfahren, ins Stadion gehen, einen schönen Auswärtssieg sehen, danach dem Sohn helfen und sich nicht die gute Laune von IKEA-Bauanleitungen vermiesen lassen. Nun war es genau anders herum, jede Inbusschlüsseldrehung half das gerade Gesehene zu vergessen. Jeder Blick auf den wachsenden Schrank sagte mir, Pläne können auch wirklich werden. Alle Bohrlöcher waren an der vorgesehen Stelle, und sogar die zwei vermissten Schubladenböden waren im Pack dabei gewesen. Wir hatten sie nur zwischendurch gedankenlos auf die Fensterbank gelegt. Erwachsen ist mein Sohn also noch nicht. Ohne Wut über das halbfertige IKEA-Teil wird niemand ein Mann.

Wir Anhänger des MSV Duisburg kennen allerdings auch das Spiel der Mannschaft unserer Zuneigung als halbfertiges IKEA-Teil. Auch für so ein Spiel wie das gegen Preußen Münster gibt es ja einen schön skizzierten Plan. Dann beginnt das Spiel, ansatzweise ist zu erkennen, die Spieler haben sich ein paar Bauteile für einen Erfolg zurecht gelegt und fangen mal an. Für ein paar Minuten sah ich deshalb eine selbstbewusste Mannschaft, die mit kontrolliertem Spielaufbau versucht, den Gegner zu beeindrucken. Dummerweise ließ sich der Gegner nur wenig beeindrucken. Dieser Gegner hatte ebenfalls einen Plan und der fußte auf dem beliebten schnellen Umschaltspiel. Nach der Balleroberung war den Spielern von Preußen Münster klar, wohin der Pass zu spielen war. Die Räume waren frei und die Außenstürmer sehr schnell. Das führte in den ersten 30 Minuten zu zwei, drei immer gefährlicheren Strafraumsituationen, hingegen dem MSV Duisburg die Offensivkraft völlig abhanden kam.

Es sah so aus, als ob für den Bauplan ab der dritten oder vierten Seite entscheidende Teile fehlten. Zu oft blieben die Versuche im Spiel nach vorne Stückwerk, zu oft verhedderten sich einzelne Spieler nach zwei, drei Ballkontakten der Mannschaft im eins gegen eins. Sie haderten wie der kraftlos spielende Zlatko Janjic mal wieder mit dem Schiedsrichter. Sie wirkten ratlos in ihrem Bemühen. Oft schien es an Wachheit zu fehlen. Oft schien die innere Anspannung in einer Spielsituation nicht lange genug gehalten werden zu können. Immer wieder gaben einzelne zu früh auf. Eine Mannschaft mit solch einer Ausstrahlung kann kaum einen Rückstand aufholen.

Preußen Münster führte aber ab der 30. Minute durch ein Elfmetertor. Zum Gesamtbild der Mannschaft passt die Strafraumsituation, die zum Elfmeter führte. Dennis Grote holte übermotiviert den schnellen Marcus Piossek von den Beinen, obwohl Michael Ratajczak den Ball fast schon sicher aufgenommen hatte. Dieser isoliert handelnde Dennis Grote entsprach mit seiner Defensivaktion den häufig als Einzelaktionen wirkenden Offensivbemühungen. War die Mannschaft im Spiel gegen den FC noch eine gut funktionierende Einheit, wirkte sie im Spiel gegen Preußen Münster zerteilt und ohne Abstimmung. So gab es auch Spielsituationen, in denen  Preußen Münster  aufgerückt war. Doch ein schneller Angriff des MSV geschah nach der Balleroberung nicht. Klare Spielvorgaben waren nicht mehr zu erkennen. Ball führende Spieler rannten sich fest.  Eine positive Beobachtung war dennoch zu machen. Thomas Meißner entwickelt sich zu einem spieleröffnenden Innenverteidiger und damit meine ich nicht den langen Pass. Thomas Meißner führte ein paar Mal den Ball per Dribbling ins Mittelfeld und löste auf diese Weise souverän enge Spielsituationen.

Mich erinnerte dieses Spiel sehr an die zurück liegenden Zweitligaspielzeiten in der Helllmich-Ära, als der Aufstieg eigentlich Pflicht war und dann im Verlauf der Saison immer deutlicher wurde, das erhoffte Ziel rückt in weite Ferne. Es ist erst nur ein flüchtiges Gefühl des Wiedererkennens, und ich hoffe nicht, dass sich in den nächsten drei Wochen eine Aufstiegsgruppe von fünf, sechs Mannschaften ohne den MSV Duisburg von einem entstehenden Mittelfeld der Tabelle absetzt. Momentan hilft mir die Mannschaft nicht, dieses Gefühl beiseite zu schieben. Dazu gab es zu viele Spiele, die Zweifel am Funktionieren der Einheit wecken. Dieses Gefühl verschwindet momentan von alleine, nur durch die Kraft meiner grundsätzlichen Zuversicht ins Leben. Schließlich steht ein halbfertiges IKEA-Teil am Ende ja doch fertiggebaut in der Wohnung. Von den fehlenden Teile hat IKEA ja satt und genug. Man muss nur ein weiteres Mal hingehen und sie mitnehmen. Wo allerdings die Mannschaft für das Spiel gegen Rot Weiß Erfurt die vom Spielplan verlangten und gestern fehlenden Teile herbekommt, weiß ich nicht. Ich kann nur hoffen, Gino Lettieri hat da eine vernünftige Idee.

Advertisements

0 Responses to “Der MSV, ein halbfertiges IKEA-Teil”



  1. Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 9,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: