Mögliche Folge der Aufregung bei einer Niederlage

Diese anrührende Mediengeschichte hat der MSV Duisburg beim Spiel in Kiel völlig vermasselt. Zwar wäre es nicht gleich der Wunderheilungs-Klassiker gewesen vom Lahmen, der wieder gehen kann, aber „Fieberfrei dank Zebra-Auswärtssieg“ als Schlagzeile klingt doch auch schon nicht schlecht. Stattdessen wurde der Heilungsverlauf meiner heftigen Erkältung verlangsamt durch die zusätzliche Belastung, die die letzten zehn Minuten des Auswärtsspiels bei Holstein Kiel für einen Hörer der Live-Reportage mit sich gebracht haben. Wer den Kieler Reporter hörte, konnte schon ein paar Minuten vor dem Tor Böses ahnen. Die mehr oder weniger dahinplätschernde Reporterstimme hatte die Dauertonlage Aufregung angeommen, während der Ball anscheinend nur noch in Richtung Tor von Michael Ratajczak lief.

Das Tor der Kieler in der 87. Minute war dementsprechend keine Überraschung, und nachdem wenig später die Chance auf den Ausgleich am Pfosten endete, dachte ich noch kurz enttäuscht, warum nicht während des Spiels schon immer wieder mal diesen Druck entfachen und schlief vollkommen erschöpft ein. 1:0 hat der MSV Duisburg bei Holstein Kiel verloren, und hört man Gino Lettieri auf der Pressekonferenz nach der Niederlage, war es das vorhergesagte enge Spiel mit einer zunächst zufrieden stellenden Leistung seiner Mannschaft. Bei WAZ/NRZ ist ein Tag später ein kritischerer Trainer erkennbar. Was sich als Mangel der Spielanlage dieser Mannschaft durch die Saison zieht, wird  auch von ihm benannt: „Bei uns fehlt die Ballsicherheit, wir haben zu viele Fehlpässe produziert“. Dazu kommt ein zweiter großer Mangel: „Fußball geht nicht aus dem Stand. Du musst immer weiter Gas geben. Bei unseren Aktionen gucken wir zwei Mal, zögern und schießen dann.“

Nach solchen Worten kann ich mir ein Bild vom Spiel machen, auch wenn ich nichts gesehen habe. Das kenne ich vom MSV Duisburg in dieser Saison. Nun gehört die erste Bemerkung Gino Lettieris in die Rubrik individueller Fehler. Bei der zweiten Bemerkung aber ist das nicht so eindeutig. Natürlich spielen auch hier individuelle Fertigkeiten eine Rolle, ungeachtet dessen kann es weitere Gründe für dieses Zögern geben. Ich denke an Vorgaben für das mannschaftliche Zusammenspiel, an Risikobereitschaft, an Selbstvertrauen. Spätestens dann ist Gino Lettieri mit im Boot bei der Suche nach Verbesserung.

Schon während des Spiels stellte sich sicher nicht nur für mich die Frage, warum Steffen Bohl spielte, wenn er erneut so früh hat ausgewechselt werden müssen. Das sah nach einer unglücklichen Entscheidung aus. Die Wiederholung einer frühen Auswechslung mag Zufall sein, Vertrauen weckt das nicht. Zudem war ich leicht enttäuscht, als Fabian Schnellhardt nicht von Anfang an spielte. Es gibt Gründe, die gegen seinen Einsatz sprechen. Das ist vor allem der Verlust an Defensivstärke. Dennoch gibt es angesichts der Offensivschwäche der Mannschaft auch Gründe für seinen Einsatz. Das Für und Wider abzuwägen ist sicher schwierig. Zum Thema mache ich ihn nur, weil Gino Lettieri selbst das „Zögern“ beim Abschluss erwähnt. Dabei denke ich an Risikobereitschaft, die einzelne Spieler besitzen, aber die auch der Trainer als Haltung seiner Mannschaft vorgibt. Risikobereitschaft heißt eben auch, bereit sein Fehler zu akzeptieren. Ich spekuliere über Gründe, wohl wahr, zu einem Befund, bei dem wir uns ja alle einig sind, die Mannschaft entwickelt nicht genug Torgefahr. Was im MSVPortal  für das Spiel in Kiel durch Generation Blue übrigens anschaulich zusammengefasst wird.

Es bleibt die Enttäuschung über die Niederlage und die Hoffnung, am nächsten Spieltag mit einem Heimsieg wieder zu beweisen, wie ausgeglichen die Dritte Liga in dieser Saison ist. Dabei fällt mir sogar noch die positive Geschichte über den MSV Duisburg zu diesem Spiel ein. Es geht ja auch so:

MSV Duisburg schafft Lebensqualität!

Hetze prägt normalerweise unseren Alltag. Noch bis vor kurzem galt das auch für den Anhänger des MSV Duisburg, Kees J.  Doch seine Zebras zeigten ihm, dass es auch anders geht. Mit einer schweren Erkältung lag er im Bett, als sein Verein mit 0:1 bei Holstein Kiel verlor. Die Aufregung in den letzten Minuten des Spiels machte Schluss mit jedem Tempo. Der Heilungsverlauf seiner Erkältung wurde endlich entschleunigt. „Seitdem kann ich das Fieber richtig genießen“, sagt Kees heute und lächelt zufrieden.

So erzählt klingt das Verlangsamen der Heilung doch gleich ganz anders. Alles nur eine Frage der Perspektive. Alles wird gut.

Advertisements

0 Responses to “Mögliche Folge der Aufregung bei einer Niederlage”



  1. Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 9,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: