Archiv für Dezember 2014

Der MSV Duisburg verlässt die Spuren von Roxys Wunderteam

Manchmal weiß ich vor Freude über dieses Leben gar nicht, wohin ich soll mit meiner guten Laune. Besonders dann wenn sich auf mir verblüffende Weise zeigt, dass in dieser Welt wirklich alles mit allem zusammen hängt. Gestern Abend gab es wieder so einen Moment, als ich sah, mein Verein, der MSV Duisburg, und ich, wir haben uns an dem Tag im Grunde mit derselben Sache beschäftigt.

Was im Sportlichen ja die Grundlage unserer Verbindung ist, offenbart sich außerhalb des Stadion sonst doch selten. Auf der Seite vom MSV wurde aber gemeldet: „Weil unsere Zebras spitz gekriegt haben, dass im bisher geplanten Quartier im Wintertrainingslager in Antalya-Lara ein russischer Model-Contest mit 400 (!) Teilnehmerinnen läuft, zieht der MSV-Tross um. Wir wollen uns ja in aller Ruhe auf die Frühjahrsserie vorbereiten können.“

Und welche Szene sieht das Publikum in Roxy und ihr Wunderteam, jenem begeisternden Bühnenstück der Dortmunder Oper, dessen Besuch ich gestern so dringend empfohlen habe?  Dieses Wunderteam kommt im Quartier des Trainingslagers an, möchte die Einzelzimmer beziehen und erfährt von der vermeintlichen Zimmerwirtin, das Haus sei leider unerwartet überbelegt, man müsse zusammenrücken. Eine Gruppe Pensionatsschülerinnen sei kürzlich angekommen.

Das Wunderteam freut sich über die jungen Frauen im Haus allerdings und zieht andere Schlüsse als die Verantwortlichen vom MSV, was auch mit mangelnder Durchsetzungsfähigkeit des entscheidenden Mannschaftskapitäns zu tun hat. Andererseits führt dann die weibliche Nähe zu fröhlichen Feiern und dem neben dem Training für den Erfolg notwendigen Spaß. Nach diesem Trainingslager wird das Wunderteam überhaupt erst zu jener überragenden Mannschaft seiner Zeit.

Muss ich mir jetzt Gedanken machen, dass der MSV die falsche Entscheidung getroffen hat? Aber 400 Modelwettbewerbsteilnehmerinnen? Das bringt schon eine andere Unruhe als eine kleine Gruppe Pensionatsschülerinnen. Und so gut singen und tanzen wie die Wunderteam-Begleiterinnen können die mit Sicherheit nicht. Zumal im Gegensatz zum Bühnen-Wunderteam-Single-Dasein die feste Beziehung ein gängiger Lebensentwurf im Kader des MSV ist. Die Mannschaft des MSV sollte sich doch besser mit dem Besuch der Aufführung in Dortmund zur eigenen Wunderteam-Zukunft inspirieren lassen. Wie gesagt, ich empfehle sehr, sich Roxy und ihr Wunderteam auf der Dortmunder Bühne  anzusehen.

 

Halbzeitpausengespräch: Roxy und ihr Wunderteam – Eine begeisternde Fußballoperette

Nach dem Blick auf die Auslastung der  morgigen Nachmittagsvorstellung von Roxy und ihr Wunderteam an der Dortmunder Oper, will ich meiner ausführlicheren Besprechung einen schnellen, kurzen Hinweis vorangehen lassen. Schließlich gibt es wahrscheinlich genügend Menschen in der Ruhrstadt, denen der Silvesternachmittag zu lang vorkommen könnte, ehe sie die Party ihrer Wahl besuchen. Denen sei geraten, nichts wie hin nach Dortmund, um sich die gute Laune für den Abend bei einem begeisternden Bühnenstück zu holen. Karten sind mit einem Klick weiter beim Theater Dortmund erhältlich.

Zu erleben sind mitreißende Musik, wunderbare Choreografien, große Stimmen, ein Ensemble voller Spielfreude, das boulevardeske  Komik zu nutzen weiß. Henning Hagedorn und Matthias Grimminger haben die Vaudeville-Operette mit der Musik von Paul Abraham der Vergessenheit entrissen. 1937 hatte das Stück seine gefeierte Premiere in Budapest. Ein Jahr später erlebte es in Wien noch einmal eine längere Aufführungsdauer. Für Paul Abraham sind diese Aufführungsorte gleichzeitig Fluchtorte. Die großen Erfolge im Berlin der Weimarer Republik waren für den Komponisten jüdischer Herkunft mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten vorbei. Paul Abraham verbindet in seiner Musik die unterschiedliche Traditionslinien der klassischen Operette, des Schlagers und des Jazz. . Seine Lieder werden zur Popmusik seiner Zeit, die heute nichts an Frische verloren hat.

Der Fußball als Milieu trägt die Handlung, und eine grundsätzliche Frage aller Fußballtrainer treibt diese Handlung voran: Schadet die Liebe der sportlichen Leistung? Roxy ist nämlich die Braut, die sich nicht traute. Aus der Hochzeitsmesse heraus flüchtet sie kurz vor dem Jawort in das Hotelzimmer eines Fußballers. Der hat als Kapitän seiner Mannschaft gerade vom Trainer den Auftrag erhalten, die Vorbereitung auf das nächste Spiel ohne Alkohol und Frauen bei einem Trainingslager in der ungarischen Provinz zu gewährleisten. Nur so könne eine erneute desaströse Niederlage verhindert werden. Klar, dass die Mannschaftskollegen ganz anderer Meinung sind, und ebenso klar, dass der Vormund von Roxy, der schottische Mixed-Pickles-Produzent Cheswick, und ihr an Liebeskummer leidender Bräutigam ihr hinterher kommen.

Der Fußball der Gegenwart ist mit einigen ins Libretto aufgenommenen Spielerzitaten präsent und auch die Borussia erhält ihren aufmunternden Gesang. Roxy und ihr Wunderteam ist lebendige, großartige Ruhrgebietskultur. Beschwingt und begeistert wird man das Dortmunder Theater verlassen.

Bei den Ruhrbaronen gibt es eine weitere Besprechung von Honke Rambow.

Eindrück geben zwei Trailer:

Die Informationen beim Theater Dortmund gibt es mit einem Klick weiter

Wer Silvester nicht ins Theater will, für den gibt es genügend andere Termine:

Sa, 17. Januar 2015
Do, 29. Januar 2015
Sa, 07. Februar 2015
Fr, 13. Februar 2015
Mi, 18. Februar 2015
Fr, 27. Februar 2015
So, 15. März 2015

 

Klickhinweis: Reportage über Markus Kurth als Trainer vom SC Mülheim-Nord

Im Kölner Stadt-Anzeiger lese ich heute in einer längeren Reportage, für Markus Kurth ist der Fußball dieser Saison ein Fußball  an der Basis. Er trainiert in Köln den SC Mülheim-Nord, einen Verein der Kreisliga A. Das Engagement kam durch persönliche Kontakte zustande, und auch wenn freundschaftliche Nähe zu Klubverantwortlichen dahinter steht, so bestätigt das Engagement doch jene auch in Duisburg von Markus Kurth gelebte Bodenständigkeit. Er wusste aus seinen spielerischen Möglichkeiten viel zu machen und war sich dessen immer bewusst. Ein Spieler ohne Allüren, dem die Arbeiter-Mentalität des Ruhrgebiets nicht fremd war. Man hatte manchmal das Gefühl, er kommt auf den Platz und guckt mal rum, was noch so wegrabottet werden muss. Und das hat er dann erledigt – so gut es an dem Tag eben ging.

 

 

Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 10: Ruhrpottkanacken -II-

Gestern erhielt ich nach der Veröffentlichung des „Ruhrpottkanacken Songs“ von Ralf Theinert den Hinweis auf ein weiteres Lied, in dem das Schimpfwort zur stolzen Selbstbezeichnung genutzt wurde. Der Macher von „Ruhrpottkanacken“ bleibt anonym, klein91anni hat das Stück bei youtube online gestellt. Auch hier fehlt jegliche dem Wort innewohnende Aggressivität in Text und Musik, obgleich das gängig Hymnische der Musik das Nachdenken darüber sofort ausbremst. Vielleicht erweist sich mit der Zeit das Ruhrpottkanackenthema ja als eigenständiges Subgenre des Ruhrstadt-Heimatlieds.

Die Bilder des Clips legen nahe, dass das Stück im Umfeld des MSV Duisburg anlässlich der Pokalfinalteilnahme 2011 entstanden ist. Im Text selbst aber wird von der Heimat Ruhrgebiet gesungen. So sieht für mich die Zukunft des Potts aus, die Verwurzelung im Stadtteil bleibt lebendig beim Blick auf die Gemeinsamkeit der Ruhrstadt.

Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

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Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 9: Ralf Theinert – Ruhrpottkanacken Song

Zwischen den Jahren, ohne deutschen Fußball, haben wir Zeit für das Bunte des Fußballs, dem Fußballlied, das heute zugleich Heimatlied der Ruhrstadt ist. Ralf Theinert lebt anscheinend in Bochum. Er textet, schreibt Lyrisches und steht musikalisch in der Liedermacher-Tradition. Auf mich wirkt er wie ein Amateur im besten Sinne. Rührig ist er in Sachen Texten mit Botschaft unterwegs. Auf Die Deutsche Gedichtbibliothek findet sich ein biographischer Eintrag. Er betreibt mit PhantasieRaum.de ein Portal mit angeschlossenem Forum, wo es um „wellness für die seele, geschichten, gedichte, songtexte, zitate, weisheiten, bilder, forum, kommunikation, wettbewerbe, kontakt“ geht.

Von ihm fand ich ein Lied, das kurios anmutet, weil ein eigentlich aggressiv gemeintes Wort in einer Welt der Sanftheit auftaucht: Ruhrpottkanacken. Ich weiß gar nicht, ab wann in den Stadien des Potts die Heimfans begannen, das als Schimpfwort gemeinte Ruhrpottkanacken den gegnerischen Fans zu entwenden und es selbst ihnen stolz entgegen zu singen. „Wir sind die Ruhrpottkanacken“ donnerte es durch die Stadien. Das kennt man von Selbstbezeichnungen stigmatisierter sozialer Gruppen. Nimm den anderen die Wörter und deute sie um. Entscheidend ist der tägliche Gebrauch.

Wenn man so will, hat Ralf Theinert dem Pottfussball eine mögliche Hymne geschrieben. Rein textlich, vor allem mit dem Refrain. Über die sanfte Anmutung des Stückes müsste wahrscheinlich noch mal geredet werden.

Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

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Frohe Weihnachten mit Die schönsten Fußballtorten der Welt – Folge XXIV – MSV Duisburg

Mit freundlicher Unterstützung von „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben musspräsentiert der Zebrastreifenblog in loser Reihe die schönsten Fußballtorten der Welt.

Wie der Fußball in dieser Gesellschaft immer bedeutender wurde, entwickelte sich auch der in seinem Umfeld gebackene Kuchen in den letzten Jahren zu einem immer wichtigeren Teil des deutschen Backwesens. Immer wieder führt Google die Fußballkuchenbäcker auf diese Seite, und wenn ich mir die Suchanfragen ansehe, scheint es den Dortmunder Kuchenbäckern im Moment wie Jürgen Klopp zu gehen. Sie wissen nicht, wie sie es machen sollen. Bäcker von MSV-Duisburg-Kuchen dagegen brauchen keine Hilfe und kein Google für Rezepte, die suchen vielleicht Bilder. Die wissen, wie es geht.

Mit den drei dem MSV Duisburg gewidmeten Kuchen möchte ich euch schöne Weihnachtstage wünschen. Wir sprechen uns dann zwischen den Jahren.

Folgende MSV-Torte hat Bea geschaffen. Beas Backwerk heißt die von ihr bei Facebook eingerichtete Seite, auf der weitaus mehr beeindruckende Konditorenhandwerkskunst als die einer Fußballtorte zu sehen ist. Das Foto stammt vom Anhänger des MSV Mike Dzienus.

2014_MSV_Kuchen_3

Die Alternative zur Torte ist der als Trikot gestaltete Blechkuchen. Schlumpfzicke Schulz hatte diesen Geburtstagskuchen bei Facebook gepostet. Das Foto stammt von der Kuchenbäckerin.

2014_MSV_Kuchen_1

Larissa Weimer hat den folgenden Kuchen gebacken. Auf ihrem Blog „Larissa´s Koch- und Backkkünste“ findet ihr sogar das Rezept. Und hört her: Larissa ist in München zu Hause. Wie ich es verstehe, ist sie nicht selbst Anhängerin der Zebras. Den Kuchen hat ein Freund erhalten, der zu denen gehört, die die Fahnen des MSV im Süden hochhalten.

2014_MSV_Kuchen_2

Sämtliche Folgen von Die schönsten Fußballtorten der Welt findet ihr mit einem Klick weiter.

Enttäuschung nach dem letzten Spiel in diesem Jahr

Da hat Der Stig am Freitag den Mund etwas zu voll genommen. Aber einen wie den Stig ficht das überhaupt nicht an. Dem kannst du tausendmal sagen, Spiele werden nicht allein dadurch entschieden, dass man vorher mächtig herumimponiert und mit den Fäusten mal so richtig auf der breiten Brust rumtrommelt. Den besseren Fußball musst du danach auch noch spielen. Der schimpft einfach weiter. Kaum kriegten die ein Gegentor, traute sich die ganze Mannschaft nichts mehr zu. Dann stellten die das Spiel nach vorne glattweg ein. Mit diesem Schimpfen konnte er gar nicht aufhören nach dem Spiel vom MSV Duisburg gegen die zweite Mannschaft von Mainz 05.  Mit Angst, sagte Der Stig, mit Angst als eine der ganz großen Teamstärken ist noch niemand aufgestiegen. Das ist natürlich Unsinn. Die Zebras waren in der ersten Halbzeit vorsichtig, vor Schreck vielleicht. Denn darin war ich mir mit Stig einig, die Angst vor einem Tor der Mainzer in der ersten Halbzeit war zunächst berechtigt. Und auf so was sagt Der Stig nur, eben. So ist er, Der Stig.

So ein Spiel ist tatsächlich ja auch ein Ringen um den psychischen Vorteil auf dem Platz. Wer fühlt sich überlegen, wer beschäftigt den Gegner mehr, wie gefährlich sind die Torchancen? Aber so ein Vorteil entsteht nicht einfach durch Vorsatz. Entscheidend ist auf dem Platz. Die  Mainzer spielten schnell, kombinierten sicher und schlossen schlecht ab. Letzteres stellte sich aber erst mit der Zeit heraus. So spielte die Abschlussschwäche im Ringen um den Vorteil erst keine Rolle. Der MSV Duisburg versuchte mit sehr kontrolliertem Offensivspiel dagegen zu halten. Ballkontrolle beim MSV bedeutet aber zugleich wenig Dynamik im Spiel, lieber einmal mehr den Ball zurecht legen und sicherheitshalber den Pass zur Seite zu spielen. Dementsprechend entstand Dynamik weniger durch schnelles Zusammenspiel als durch das Dribbling einzelner.

Dabei war der MSV Duisburg durch einen Elfmeter früh in Führung gegangen. Für kurze Zeit hatte es so ausgesehen, als könnte sich ein entspanntes Spiel für uns Anhänger der Zebras entwickeln. Zumal nach der Führung tatsächlich ein Konter mit drei Stationen über das halbe Spielfeld gelang und wir alle nur noch auf den letzten Querpass zu den einschussbereiten Spielern im Strafraum warteten. Wer war mitgelaufen? War es Kevin Scheidhauer, dem dieser Pass nicht gelang? Ich weiß es nicht mehr. Der Ausgleich fiel nach einer Ecke zehn Minuten nach der Führung. Schon die sehr genaue, sich länger hinziehende Aufstellung der Mainzer im Strafraum sorgte mich sehr. Es war so offensichtlich, wie die Mainzer ganz exakte Position besetzen wollten. Sie zogen die Gegenspieler weit auseinander. Da blieb viel Raum für das Blocken von Gegenspielern. Das bereitete mir große Bauchschmerzen, weil mir die Gefahr solcher Spielsituationen aus dem Basketball so vertraut sind. Gut ausgeführte Blocks sind nicht wirklich zu verteidigen. Es gibt immer den kurzen Moment, in dem der Gegenspieler frei ist. Ob nun der direkte Gegenspieler um den Block herumläuft oder eine Übergabe erfolgt. Der Ball musste nur präzise genug in die Mitte kommen.

Danach war es um die Leichtigkeit im Spiel des MSV Duisburg geschehen. Sorge bestimmte das Spiel des MSV Duisburg, während die Pass- und Schussgenauigkeit der Mainzer in Strafraumnähe herbe Abstürze erlebte. Zur zweiten Halbzeit zeigte die Mannschaft des MSV Duisburg sofort deutlich, dass sie das Spiel gewinnen wollte. Die Mainzer zogen sich zurück und das Spiel nahm fast durchweg nur eine Richtung. Doch wenn es einmal gelang über die Außenspieler bis zur Grundlinie vorzudringen, gingen die Flanken ins Nichts oder im Strafraum dorthin, wo kein Spieler vom MSV Duisburg stand. Es war auch egal, ob diese Flanken von links oder rechts kamen, auch wenn der Flankenlauf über links, meist von Kevin Wolze, gefälliger anzusehen war.

Als wir in den letzten Minuten dann nach Ballverlust oder vergebener Möglichkeit die beiden Kevins der Mannschaft im Abseits haben stehen bleiben sehen, sah mich Der Stig grimmig triumphierend an. Ich wusste, um so was ging es ihm auch. Die Spieler gaben zu früh auf, sie waren zu früh frustriert. Sie sahen nicht jede Spielsituation als neue Chance. Sie empfanden jede Spielsituation als Möglichkeit zu erneutem Versagen. Ich glaube nur nicht wie Der Stig, dass man sich eine andere Haltung einfach vornehmen kann. Bei den Spielern des MSV Duisburg muss Erfolg für diese Haltung hinzukommen. Das ist natürlich bei allen Sportlern so, aber ein Spieler der 3. Liga braucht zum Selbstbewusstsein wahrscheinlich doch ein wenig mehr Erfolg als ein Spieler der Bundesliga.

So entfaltete der MSV Duisburg zwar Druck in der zweiten Halbzeit. Torgefahr blieb aber weitestgehend aus. Eine Halbchance hatte Kevin Scheidhauer. Unermüdlich suchte er die Räume, lief viel und doch wirkte er bei Abschluss und entscheidendem Pass zum freien Mitspieler immer verunsicherter. Und dann waren da noch zwei Ecken für Mainz 05 kurz vor dem Abpfiff. Die Szene kannte wir aus der ersten Halbzeit. Beide Male hätte gut ein Tor fallen können, doch dieses Mal hatte der MSV  Duisburg Glück. Verdient wäre dieser Sieg für Mainz nicht gewesen, aber auch nur mit Glück hätte der MSV gewinnen können – trotz aller Anstrengung, die es ohne Zweifel von allen Spielern gegeben hat. Es fehlten die spielerischen Möglichkeiten. Einerseits konnte mit diesem Unentschieden der Rückstand auf den zweiten Platz verkürzt werden, andererseits haben drei andere Mannschaften sich nun einen Vorteil gegenüber dem MSV erspielt und es gibt den neuen Punkterückstand auf den dritten Platz. Der zweifellosen Anstrengung folgen einmal mehr die Zweifel über die weiteren Möglichkeiten des MSV in dieser Saison.

Dänen lügen nicht – Wie? Jetzt will auch noch Mainz gewinnen?

Heute morgen hatte ich die Schnauze voll. Ich, der Stig. Kees hat heute sowieso keine Zeit oder wenn doch, bin ich schneller. Ich habe jetzt auch genug hospitiert. Letztens habe ich schon gedacht, ich glaube, es hackt, als Kees diesen eiapopeia-paradiesische-3.Liga-Mist rausgehauen hat. Fußballer, die vom gewinnen wollen faseln, brauchen klare Ansagen. Wenn diese Fußballer beim Gegner spielen, verstanden? Das kann ich. Da könnt ihr drauf an. Gerade dann, wenn so ein Gegner-Fußballer vom Abstieg bedroht ist.

Also, was soll das? Der 18. kommt zum Tabellenvierten, und was lese ich bei denen auf der Seite: „Wir müssen so früh wie möglich damit anfangen, daran zu glauben, dass wir es schaffen werden. Und wir glauben auch daran, dass wir am Samstag gewinnen können“. Das sagt der Trainer von denen. Hömma, so heißt das im Pott. Das war mit das erste, was ich hier gelernt habe, als ich aus  Aarhus ankam. Hömma, das gibts in verschiedenen Tonlagen, und jetzt gerade hat mein hömma nun weiß Gott nicht diesen niedlichen dänischen Akzent, der uns für euch Deutsche so harmlos und freundlich wirken lässt.

Versteht ihr in Mainz, was ich damit sagen will? Ich sage es jedem von euch gerne auch einzeln: Hömma! Dieses hömma heißt: Hast du sie noch alle? Euren Glauben könnt ihr euch für die Rettung eurer Seelchen aufbewahren. Die werden das nach dem Spiel morgen nötig haben. Trainer, du trainierst eine Ausbildungsmannschaft. AUSBILDUNG! Weißt du, das steht auch auf eurer Seite. Da müsst ihr euch erst mal hinten anstellen. Mal ein bisschen vorsichtig probieren. Mal den Mund nicht so voll nehmen. Ich sehe doch, was geschieht: Gerade noch Abstiegskandidat in der zweiten Mannschaft, der immer gewinnen will, morgen schon mit oder ohne Führerschein Luxusautos zerfalten und die Flatrate bei den  Outdoor-Fotoautomaten-Aufstellern buchen. Ihr könnt froh sein, wenn ihr nicht mit drei Toren Unterschied vom Duisburger Rasen gejagt werdet. Einer muss es doch mal sagen: Jeder kann jeden schlagen, das ist der größte Unsinn, den ich je gehört haben. Ein MSV Duisburg ist nicht jeder. Verstanden?!

Der Duisburger Gerd Hennig – Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 6

Vor einiger Zeit habe ich begonnen, die Erinnerungen von FIFA-Schiedsrichter Gerd Hennig zu sichten. “Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter” hat Gerd Hennig diese Erinnerungen genannt, die ich nach und nach bearbeite und hier in loser Folge veröffentliche.

Heute geht es um einen typischen Spieltag des Schiedsrichterteams um Gerd Hennig


Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 6
Von Gerd Hennig
Herausgegeben und bearbeitet von Kees Jaratz

Während meiner Laufbahn als Schiedsrichter haben meine beiden Linienrichter, Rüdiger Wuttke sowie Bernd Holste, und ich uns bestimmte Eigenarten und persönliche Gepflogenheiten angewöhnt, wenn wir zur Spielleitung in der Fußball-Bundesliga angesetzt waren. Wir begannen den Spieltag mit einem gemeinsamen Frühstück püntklich um 9.30 Uhr im Restaurant des Hotels, in dem wir am Spielort untergebracht waren. Dann blickten wir zurück auf die vorherige Begegnung, die wir geleitet hatten. Wir machten eine detaillierte, ausführliche Analyse. Dazu hatte ich jeweils den fotokopierten Beobachtungsbogen dabei. Anschließend blickten wir voraus auf das kommende Spiel und besprachen die neue Aufgabe. Bei der anschließenden gemeinsam vorgenommenen  Platzbesichtigung im Stadion konnte diese Vorausschau immer noch ergänzt werden.

Danach hatten wir Zeit für einen gemeinsamen Stadtbummel, dem sich ein kleines sportgerechtes Mittagesssen anschloss. Eine Stunde vor Anstoß fuhren wir mit dem Taxi ins betreffende Stadion.  Noch einmal besichtigten wir das Spielfeld, um die inzwischen  getätigten Aufbauten wie Eckfahnen und Tornetze zu überprüfen. Dann suchten wir den Umkleideraum auf und zogen uns um. Kurz vor dem Einlaufen kamen wir in der Mitte des Raumes zusammen, um den von uns sogenannten „Bärentanz“  zu vollziehen. Wir fassten uns an den Händen und riefen „toi, toi, toi“ –  das Ritual, mit dem wir uns das Glück zu einem guten Teamwork wünschten.

In der Halbzeitpause machten wir eine ausführliche Zwischenanalyse zu den kritischen Situationen der ersten Spielhälfte. Nach erneutem „Bärentanz“ ging es in die zweite Halbzeit. Dem Spielschluß folgte bei uns zunächst ein obligatorischer Sektumtrunk. Den Sekt gehobener Klasse hatten wir zuerst im Hotel gekühlt und später im Waschbecken der Umkleidekabine. Das war in unserem Team einfach Tradition. Die BILD am SONNTAG hatte das sogar einmal in einer knappen Kolumne als eine Besonderheit der Schiedsrichter aufgegriffen.

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Der Duisburger Gerd Hennig – Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 5

Vor einiger Zeit habe ich begonnen, die Erinnerungen von FIFA-Schiedsrichter Gerd Hennig zu sichten. “Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter” hat Gerd Hennig diese Erinnerungen genannt, die ich nach und nach bearbeite und hier in loser Folge veröffentliche.

Heute geht es nicht um den Schiedsrichter Gerd Hennig, sondern um dessen Kindheit und das Leben während des Zweiten Weltkriegs.


Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 5
Von Gerd Hennig
Herausgegeben und bearbeitet von Kees Jaratz

Am 24. April 1935 wurde ich als Sohn des Büroangestellten Otto Hennig und seiner Ehefrau Margaretha auf der Stolzestraße 10 im Duisburger Stadtteil Mittelmeiderich geboren. Meine Eltern waren Jahrgang 1902, und meine Mutter hieß mit Mädchennamen Stratenwerth. 1924 schon war meine ältere Schwester Hildegard zur Welt gekommen. Wir bewohnten in der 2. Etage des Hauses auf der Stolzestraße eine 5-Zimmer-Wohnung, eine für damalige Verhältnisse ungewöhnlich große Wohnung.

Ein normaler Tagesablauf sah damals folgendermaßen aus: Mein Vater verließ bereits gegen 7.30 Uhr das Haus, um zu Fuß seinen nahe gelegen Arbeitsplatz bei einem ansässigen Betrieb der Zinkverarbeitung  zu erreichen. In der Kantine dort aß er zu Mittag. Gegen 18.30 Uhr kam er auf direktem Weg in die Wohnung zurück. Meine Mutter blieb, was seinerzeit normal war, ohne Beruf und versorgte zusammen mit meiner Schwester den gesamten Haushalt. Meine Schwester fand in ihrem jungen Alter damals selbstverständlich keine geeignete Lehrstelle, so dass sie meiner Mutter hilfreich zur Seite stand. Denn das Einkaufen, die Zubereitung der üblichen drei Mahlzeiten sowie die Reinhaltung der mit vielen Fenstern und Türen bestückten Wohnung war sehr aufwändig.

Ich, als kleines Kind, spielte nur innerhalb der eigenen Wände mit einfachem Spielzeug wie Kochtöpfen mit Holzlöffeln und Stampfern oder malte in einem Malbuch mit Buntstiften. Das Spielen auf der Straße war wegen möglicher Gefahren auf Geheiß meiner strengen Mutter absolut verboten. Sie trug für die Erziehung der Kinder die alleinige Verantwortung, da mein Vater fast immer abwesend war und nur selten eingreifen konnte. So spielte sich das ganze Familienleben in der meisten Zeit nur daheim statt, zumal freundschaftliche Begegnungen mit Nachbarn sowie Verwandten und Bekannten kaum stattfanden. Das Familienleben war dementsprechend eintönig.

So freute ich mich schon früh auf den April 1941. Von da an durfte ich als Sechsjähriger die nahegelegene Volksschule an der Stolzestraße besuchen. Meine Schwester hatte mich durch häusliches Vorschulen bereits bestens vorbereitet, so dass ich mit dem Unterricht keinerlei Schwierigkeiten hatte. Weil ich in den geforderten Fächern glänzende Zensuren erhielt, war eine Versetzung in die nächsthöhere Klasse nie infrage gestellt. Auch bei den früher so wichtigen drei Kopfnoten „Führung und Haltung“, „Allgemeines Betragen“ sowie „Beteiligung am Unterricht“ gab es nie Schwierigkeiten. Der Fußball spielte damals noch keine Rolle in meinem Leben, weil auf dem großen Schulhof ein Fußballverbot gab.

Der Krieg bestimmte schon lange unser Leben. In dieser Zeit nahmen die Luftangriffe immer mehr zu. Schließlich wurde unsere Wohnung durch den Einschlag mehrerer Luftminen in die Gärten zwischen Stolze- und Gabelsbergerstraße fast restlos zerstört. Mit den wenigen verbliebenen Resten unseres Besitzes kamen wir zunächst in der zufällig leer gewordenen Wohnung einer Familie Lankhoff, schräg gegenüber liegend, unter. Das war aber nur von kurzer Dauer, weil auch auch diese Behelfswohnung nach dem Abwurf von Brandbomben ausbrannte. So sollten wir zwangsevakuiert werden. Meine Schwester konnte das verhindern, weil sie kurzfristig eine Stellung im Haushalt der Unternehmerfamilie Reinhold, auf der Kardinal-Gahlen-Straße in der Duisburger Stadtmitte, angenommen hatte. Diese Familie verfügte mit der „Villa Alpenblick“ über einen zweiten Wohnsitz in Gailingen am Hochrhein. Meine Schwester arbeitete dort bereits. Auf ihren Wunsch konnten meine Mutter und ich nachkommen. Mein Vater war seinerzeit als Soldat beim Bodenpersonal der Luftwaffe. Von da an war eine Dachgeschosswohnung mit 3 Räumen unser zu Hause.

In Gailingen besuchte ich nach Bezug unseres neuen Domizils sogleich die konfessionsfreie Volksschule in der Ortsmitte. Zwanzig Minuten dauerte es dorthin zu laufen. Ein Fräulein Mayer war die Lehrerin, die den Stoff für alle Klassen und Stufen über den gesamten Tag hinweg den Schülerinnen und Schüler vermitteln musste. Sport war dabei nicht vorgesehen, weil stattdessen die von der Hitlerjugend zwangsweise angeordnete Körperertüchtigungen den Vorzug erhielten. Wieder war von Fußball nie die Rede.

Unser einziges Spielzeug dort war der sogenannte „Bensel“, der aus einem ausrangierten Fahrrad entnommmenen war. Dieser „Bensel“ war eine blanke Felge,  ohne Speichen und Nabe, die mit einem kurzen Holzstab in alle Richtungen von uns bewegt wurde. Auf der harten Dorfstraße machten wir dann allerlei Wettrennen mit dem „Bensel“. Nach Schulschluß konnten mich zum Leidwesen von Mutter und Schwester die zweifellos vorhandenen Annehmlichkeiten im Umfeld der hochherrschaftlichen „Villa Alpenblick“ nicht reizen. Mich zog es zu der etwa 300 Meter weiter wohnenden kinderreiche. Sie lebten in einer dürftigen, kleinen Holzbehausung. Von dort aus fuhr der  Vater Stefan jeden Morgen mit dem Fahrrad 15 Kilometer zu seiner Arbeitsstelle bei den FAHR-Landmaschinenfabriken. Die Mutter Maria blieb zu Hause und kochte an jedem Tag einen Kessel Kartoffeln für ihre fünf Kinder und mich. Dieser Kleinbauernbetrieb mit Hühnern und Puten war  mein Leben und ließ mich die komfortablere Vorteile in der Villa vergessen – auch wenn mich meine Mutter nach der Heimkehr am Abend mit gesammeltem Obst und Beeren aus der freien Natur verwöhnte.

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