Die 3. Liga – Das Paradies für Spieler, die was sagen müssen

So eine 3. Liga wie in dieser Saison kann auch ganz entspannend für die Fußballspieler und Trainer sein. Zumindest vor den Spielen. In dieser Liga braucht zurzeit keiner herumzudrucksen, was er sich für den nächsten Spieltag vornimmt. Ist doch klar: Gewinnen. Ein Sportler will immer gewinnen. In dieser Liga darf das dann auch endlich einmal gesagt werden In dieser Liga, in der am letzten Spieltag der Tabellenvorletzte im Auswärtsspiel einen der Vereine aus der vorderen Tabellenhälfte besiegte, die allesamt mal gerade drei Punkte Rückstand auf den Ersten hatten. Sonst sind die Fußballspieler in Vorberichten immer so vorsichtig, dass die Sprechblase des vorgefassten Nullsatzes über ihren Köpfen jeweils zu sehen ist. Alles ist heikel. Kein falsches Wort darf gesagt werden. Der Skandal lauert schon an der nächsten Ecke. Die Fans. Uhhh. Die Medien. Uhhh. Einmal was Echtes gesagt, schon heißt es, der will gewinnen? Arroganter Schnösel! Spiel erstmal vernünftig. Vor so was haben sie Angst, die Spieler, die Trainer. Aber nicht in unserer 3. Liga.

Was will der SSV Jahn Regensburg beim MSV in Duisburg? Am Mittwoch hieß es drei für drei. Gregory Lorenzi will try to make the best, um „maybe to take the three point“. Fabi Trettenbach schaut, dass sie was mitnehmen, und Daniel Steininger muss in Duisburg drei Punkte holen. Endlich einmal vor dem Spiel sagen dürfen, was des Sportlers Herz wirklich will. Super 3. Liga. Und Steininger! Der Name hat in Duisburg einen so guten Klang. Der junge Daniel dieses großen Steininger-Clans hat dazu bislang ja nichts getan. Wahrscheinlich wird er es nicht einmal wissen. In Passau geboren, gehört er dem bayerischen Zweig des Steininger-Clans an, der sich nach neuesten Überlegungen von mir wohl im 12. Jahrhundert schon von seinen niederdeutschen Verwandten absonderte. Wer das jetzt für fundiertes Archivwissen hält, meldet sich bitte demnächst in meinem Einführungskurs an „Das Internet und die ganze Wahrheit“.

„Pino“ Steininger, das war ein Spieler! Der Mann, der konnte aufsteigen. Nicht alleine, aber mit den Zebras seiner Generation, aus der Oberliga in die Zweite Liga, aus der Zweiten Liga in die Bundesliga und das gleich zweimal. An das Schöne sich erinnern, darauf kommt es an im Leben. Ich komme ins Plaudern, weil auch ich seit dieser Woche so entspannt bin. Vier von sechs Mannschaften, die nach der Hinrunde in der 3. Liga auf dem vierten Platz standen, sind am Ende der Saison aufgestiegen, wenn auch zwei über den Umweg der Relegation. In der 2. Liga hingegen gibt es den Viertplatzierten der Hinrunde als späteren Aufsteiger im selben Zeitraum nicht. Dort sind die Verhältnisse entweder gefestigt: Alle drei späteren Erstplatzierten sind bereits nach der Hinrunde auf diesen drei Plätzen. Oder eine Mannschaft erreicht aus ungünstigerer Tabellensituation, nämlich Fünfter, Achter und Neunter, noch einen der ersten drei Plätze.

Das ist handfeste Soziologie, die ich hier betreibe. Meine These lautet, in der 3. Liga gibt es tendenziell eine Mannschaft, die in der Hinrunde am oberen Rand ihrer Möglichkeiten spielt, während eine weitere Mannschaft ihre zum Aufstieg notwendige Leistung erst im Laufe der Saison immer stabiler abrufen kann. Diese These müsste jetzt in der Feinanalyse geprüft werden. Den Grund für dieses Phänomen herauszubekommen, wäre dann der nächste Schritt. Mir würde es aber auch genügen, meine These im weiteren Saisonverlauf durch die Spielergebnisse des MSV Duisburg bestätigt zu bekommen. Heute Nachmittag könnte damit schon mal begonnen werden, auch damit die Spieler vom SSV Jahn Regensburg nach dem Spiel sich ihre entspannte Zuversicht im Interview bis zur Mitte der nächsten Woche wieder hart erarbeiten müssen.

Dazu als Vorbild für unsere Offensivspieler punkto Treffsicherheit:

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