Glanzlos erledigen, was gemacht werden muss

Ein besseres Ergebnis als das 2:0 des MSV Duisburg im Heimspiel gegen den SSV Jahn Regensburg hätte es nicht geben können. Das sage ich heute. Am Samstag noch ging ich die Stufen der Stehtribüne hoch und grummelte nur halbwegs zufrieden was von einem Kantersieg, den ich so gerne einmal wieder in einem Punktespiel des MSV erleben möchte. Zwei Tore mehr hätten problemlos fallen können. Doch Enis Haijri und Christoph Schorch behielten alleine mit dem Ball auf den Torwart zupreschend nicht die Nerven. Sie haben der Mannschaft und uns einen großen Dienst erwiesen.

Nun befindet sich Gino Lettieri mit uns zusammen nämlich in der angenehmen Lage, ohne schlechte Laune Schwächen der Mannschaft im Blick zu behalten und daran zu arbeiten. Ein Kantersieg hingegen hätte verdecken können, dass das Konterspiel über eine längere Spielfelddistanz weiterhin wenig erfolgreich ist. Nur nah vor dem gegnerischen Tor bringt das schnelle Umschaltspiel den Gegner in Bedrängnis. Ein Konter bei aufgerückter Defensive des Gegners dagegen verläuft fast immer zu ideenlos auf geraden Spuren der nach vorne sprintenden Spieler. Entsprechend rannte sich Kevin Scheidhauer bei solchen Kontern fest. Denn er ist fast immer die erste Anspielstation nach der Balleroberung in der eigenen Hälfte. Momentan mangelt es ihm im eins gegen eins aber noch an Durchsetzungsfähigkeit. Er braucht eigentlich das Abspiel, wenn ihn der erste Defensivspieler stellt. Dazu bieten sich seine Mitspieler aber nicht an. Es fehlen die Richtungswechsel beim Laufen ohne Ball.

Der Sieg gelang mit einfachen Mitteln, weil der MSV Duisburg individuell besser besetzt war als Regensburg und weil der Trainer der Regensburger, Christian Brandner, offensichtlich vor dem Problem steht, dass seine Mannschaft offensiv zu wenig Durchschlagskraft enwickelt, wenn er seine Defensive ligaüblich mit vier Mann aufstellt. Das Problem gab es in Duisburg in der letzten Saison ebenfalls. Nun entschied sich Christian Brandner zu einer offensiveren Taktik. Was zwar ein ansehnliches Regensburger Kombinationsspiel  ermöglichte, die Außenbahnen in der Defensive aber zugleich entblößte. Immer wieder gelang es den Zebras mit einem einfachen langen Pass einen Spieler dort steil zu schicken.  Vor allem für Michael Gardawski war das ein Geschenk. Er lief und lief, als ob es kein morgen gäbe, sprintete zudem beim Pressing in der Gegnerhälfte auch mal quer über den Platz. So viel Raum hat er schon lange nicht mehr in der Liga erhalten.

Die Zebras waren in den Anfangsminuten auf so viel Offensivdruck gar nicht eingerichtet. Hinzu kam ein Enis Haijri, der in der ersten Halbzeit das Spiel durch Fehler spannend machte. Erst seine Mannschaftskollegen erstickten die drohende Gefahr dann jeweils im Keim. Zudem brauchte es in der achten Minute auch einmal Glück, als ein von Haijri verursachter Freistoß per Distanzschuss abgeschlossen wurde und der Ball an der Latte landete. Wenige Minuten später beruhigte Michael Gardawski mit dem Führungstor nach einer Hereingabe von Zlatko Janjic die Lage. Die Regensburger blieben harmlos trotz ihres großen Engagements. Was natürlich auch ein Ergebnis der auf den anderen Positionen starken Duisburger Defensive war.

Nach der Halbzeitpause fiel früh das zweite Tor. Der erneut stark spielende Kingsley Onuegbu eroberte sich den Ball weit in der Regensburger Hälfte, behauptete ihn und steckte ihn durch auf den gestarteten Kevin Scheidhauer, der in den Fünfmeterraum noch einmal zurück legte. Vor wenigen Wochen noch hätte Kingsley Onuegbu diesen Rückpass verstolpert, weil sein Abwehrspieler ihn hart bedrängte. Nun kam er zwar ins Straucheln, doch unbeeindruckt schob er den Ball im Fallen über die Linie. Das sollte wohl reichen und der Auftakt zu einem weiteren Tor werden, dachten wir.

Doch um dieses dritte Tor zu erzielen, hätte der MSV auch weiter Fußball spielen müssen. Stattdessen stellte die Mannschaft das geordnete Zusammenspiel in großen Teilen ein. Defensiv wurden die anfallenden Aufgaben weiter ordentlich erledigt, offensiv wurde das Ganze zunehmend zum Warten auf den Feierabend, bei dem sich einzelne immer mal wieder zu vergeblichen Einzelaktionen aufrafften. Mit entsprechend großem Frustpotential. Nachdem zudem die Einwechselspieler der Regensburger sich akklimatisiert hatten, kam frische Energie in das Offensivspiel des Gegners. Weil die Zebras außerdem nicht mehr aus dieser Haltung des Ergebnisverwaltens herauskamen, geriet Michael Ratajczak zwangsläufig noch einmal unter Druck.

Kurz nur flackerten für mich die alten MSV-Ängste vor dem späten Anschlusstreffer und schnell folgendem Ausgleich auf. Auch ich verwaltete das Ergebnis und regte mich kaum auf. Letztlich haben die Mannschaft und ich mit dem unaufgeregtem Warten auf den Schlusspfiff recht behalten. Trotzdem wissen wir alle, das Spiel hätte auch besser verlaufen können. Die realistische Bewertung des Spiels von Gino Lettieri auf der Pressekonferenz nach dem Sieg bestätigt das und erfreut mich deshalb sehr. Einen besseren Sieg als das 2:0 hätte es also nicht geben können. Die Entwicklung der Mannschaft wird sich fortsetzen.

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