Enttäuschung nach dem letzten Spiel in diesem Jahr

Da hat Der Stig am Freitag den Mund etwas zu voll genommen. Aber einen wie den Stig ficht das überhaupt nicht an. Dem kannst du tausendmal sagen, Spiele werden nicht allein dadurch entschieden, dass man vorher mächtig herumimponiert und mit den Fäusten mal so richtig auf der breiten Brust rumtrommelt. Den besseren Fußball musst du danach auch noch spielen. Der schimpft einfach weiter. Kaum kriegten die ein Gegentor, traute sich die ganze Mannschaft nichts mehr zu. Dann stellten die das Spiel nach vorne glattweg ein. Mit diesem Schimpfen konnte er gar nicht aufhören nach dem Spiel vom MSV Duisburg gegen die zweite Mannschaft von Mainz 05.  Mit Angst, sagte Der Stig, mit Angst als eine der ganz großen Teamstärken ist noch niemand aufgestiegen. Das ist natürlich Unsinn. Die Zebras waren in der ersten Halbzeit vorsichtig, vor Schreck vielleicht. Denn darin war ich mir mit Stig einig, die Angst vor einem Tor der Mainzer in der ersten Halbzeit war zunächst berechtigt. Und auf so was sagt Der Stig nur, eben. So ist er, Der Stig.

So ein Spiel ist tatsächlich ja auch ein Ringen um den psychischen Vorteil auf dem Platz. Wer fühlt sich überlegen, wer beschäftigt den Gegner mehr, wie gefährlich sind die Torchancen? Aber so ein Vorteil entsteht nicht einfach durch Vorsatz. Entscheidend ist auf dem Platz. Die  Mainzer spielten schnell, kombinierten sicher und schlossen schlecht ab. Letzteres stellte sich aber erst mit der Zeit heraus. So spielte die Abschlussschwäche im Ringen um den Vorteil erst keine Rolle. Der MSV Duisburg versuchte mit sehr kontrolliertem Offensivspiel dagegen zu halten. Ballkontrolle beim MSV bedeutet aber zugleich wenig Dynamik im Spiel, lieber einmal mehr den Ball zurecht legen und sicherheitshalber den Pass zur Seite zu spielen. Dementsprechend entstand Dynamik weniger durch schnelles Zusammenspiel als durch das Dribbling einzelner.

Dabei war der MSV Duisburg durch einen Elfmeter früh in Führung gegangen. Für kurze Zeit hatte es so ausgesehen, als könnte sich ein entspanntes Spiel für uns Anhänger der Zebras entwickeln. Zumal nach der Führung tatsächlich ein Konter mit drei Stationen über das halbe Spielfeld gelang und wir alle nur noch auf den letzten Querpass zu den einschussbereiten Spielern im Strafraum warteten. Wer war mitgelaufen? War es Kevin Scheidhauer, dem dieser Pass nicht gelang? Ich weiß es nicht mehr. Der Ausgleich fiel nach einer Ecke zehn Minuten nach der Führung. Schon die sehr genaue, sich länger hinziehende Aufstellung der Mainzer im Strafraum sorgte mich sehr. Es war so offensichtlich, wie die Mainzer ganz exakte Position besetzen wollten. Sie zogen die Gegenspieler weit auseinander. Da blieb viel Raum für das Blocken von Gegenspielern. Das bereitete mir große Bauchschmerzen, weil mir die Gefahr solcher Spielsituationen aus dem Basketball so vertraut sind. Gut ausgeführte Blocks sind nicht wirklich zu verteidigen. Es gibt immer den kurzen Moment, in dem der Gegenspieler frei ist. Ob nun der direkte Gegenspieler um den Block herumläuft oder eine Übergabe erfolgt. Der Ball musste nur präzise genug in die Mitte kommen.

Danach war es um die Leichtigkeit im Spiel des MSV Duisburg geschehen. Sorge bestimmte das Spiel des MSV Duisburg, während die Pass- und Schussgenauigkeit der Mainzer in Strafraumnähe herbe Abstürze erlebte. Zur zweiten Halbzeit zeigte die Mannschaft des MSV Duisburg sofort deutlich, dass sie das Spiel gewinnen wollte. Die Mainzer zogen sich zurück und das Spiel nahm fast durchweg nur eine Richtung. Doch wenn es einmal gelang über die Außenspieler bis zur Grundlinie vorzudringen, gingen die Flanken ins Nichts oder im Strafraum dorthin, wo kein Spieler vom MSV Duisburg stand. Es war auch egal, ob diese Flanken von links oder rechts kamen, auch wenn der Flankenlauf über links, meist von Kevin Wolze, gefälliger anzusehen war.

Als wir in den letzten Minuten dann nach Ballverlust oder vergebener Möglichkeit die beiden Kevins der Mannschaft im Abseits haben stehen bleiben sehen, sah mich Der Stig grimmig triumphierend an. Ich wusste, um so was ging es ihm auch. Die Spieler gaben zu früh auf, sie waren zu früh frustriert. Sie sahen nicht jede Spielsituation als neue Chance. Sie empfanden jede Spielsituation als Möglichkeit zu erneutem Versagen. Ich glaube nur nicht wie Der Stig, dass man sich eine andere Haltung einfach vornehmen kann. Bei den Spielern des MSV Duisburg muss Erfolg für diese Haltung hinzukommen. Das ist natürlich bei allen Sportlern so, aber ein Spieler der 3. Liga braucht zum Selbstbewusstsein wahrscheinlich doch ein wenig mehr Erfolg als ein Spieler der Bundesliga.

So entfaltete der MSV Duisburg zwar Druck in der zweiten Halbzeit. Torgefahr blieb aber weitestgehend aus. Eine Halbchance hatte Kevin Scheidhauer. Unermüdlich suchte er die Räume, lief viel und doch wirkte er bei Abschluss und entscheidendem Pass zum freien Mitspieler immer verunsicherter. Und dann waren da noch zwei Ecken für Mainz 05 kurz vor dem Abpfiff. Die Szene kannte wir aus der ersten Halbzeit. Beide Male hätte gut ein Tor fallen können, doch dieses Mal hatte der MSV  Duisburg Glück. Verdient wäre dieser Sieg für Mainz nicht gewesen, aber auch nur mit Glück hätte der MSV gewinnen können – trotz aller Anstrengung, die es ohne Zweifel von allen Spielern gegeben hat. Es fehlten die spielerischen Möglichkeiten. Einerseits konnte mit diesem Unentschieden der Rückstand auf den zweiten Platz verkürzt werden, andererseits haben drei andere Mannschaften sich nun einen Vorteil gegenüber dem MSV erspielt und es gibt den neuen Punkterückstand auf den dritten Platz. Der zweifellosen Anstrengung folgen einmal mehr die Zweifel über die weiteren Möglichkeiten des MSV in dieser Saison.

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