Archiv für Januar 2015

Ajax-Fans singen uns das Mottolied für die nächsten Spiele

In wenigen Stunden ist Anstoß in Halle. Nehmen wir uns beim MSV Duisburg also die Fans von Ajax Amsterdam zum Vorbild und setzen auf die Botschaft des in Amsterdam zum Stadionsong gewordenen Bob-Marley-Klassikers Three little Birds: „Don’t worry about a thing, ‚cause every little thing gonna be alright“. Wer schon mal fürs Mitsingen üben will, mit einem Klick geht es weiter zum gesamten Text:

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Die erwartungsvolle Spannung nach der Winterpause

Anfang dieser Woche meldete sich bei mir Oliver Leiste, der für die Mitteldeutsche Zeitung über den Halleschen FC berichtet. In Köln riefen sie daraufhin alle, was für eine schöne Tradition. Schließlich sprachen wir schon einmal mehr miteinander, als es für den Kölner und seiner Vorstellung von Tradition nötig ist. Zum vierten Mal spielt der MSV Duisburg um Punkte gegen den Halleschen FC. Hoffentlich ist es das letzte Mal, ging mir durch den Kopf, während wir uns am Telefon begrüßten, und nur einen Moment später hing eine leise Unhöflichkeit in der Luft. Denn diesen Satz hatte einer von uns beiden gerade ausgesprochen, und dieser eine war ohne Zweifel ich. Es ist aus mir einfach als allererstes herausgeplatzt. Der Schaden war aber nicht groß. Inzwischen weiß ich, meine Hoffnung war eine Steilvorlage für seinen Vorbericht in der Mitteldeutschen Zeitung.

Nicht wenigen von euch, deren Zuneigung dem MSV Duisburg gilt, wird es ähnlich gehen. Die Anspannung vor diesem Spiel spüre ich jedes Mal, wenn ich mit jemandem über den MSV rede. Diese Anspannung ist größer, als es nach einer Winterpause in den letzten Jahren jeh war. Um so klarer die Zielvorgabe erkennbar ist, desto größer wird die Hoffnung und entsprechend mächtiger droht zugleich Enttäuschung. Wenn wir beim MSV Duisburg von Fallhöhe sprechen können, so wissen wir, es ist tatsächlich ganz ernst mit dem Vorhaben, aufzusteigen.

Dabei gelingt es dem MSV Duisburg im Moment sehr gut, die Stimmung in und rund um den Verein in der Balance zu halten und gleichzeitig Selbstvertrauen sowie positive Energie auszustrahlen. Das beeindruckt deshalb, weil die Wahrheiten, so weit es irgend geht, auf dem Tisch liegen. Spieler bekennen sich entschieden zu ihrem Aufstiegswillen. Die sportlich Verantwortlichen halten sich etwas zurück, erinnern an Schwierigkeiten auf diesem Weg und bremsen dennoch nicht die Hoffnung auf Erfolg aus. Die Verwaltung in Person von Ingo Wald spricht die finanziellen Folgen eines Nichtaufstiegs ohne Alarmismus an. So wissen wir, die von Ivo Grlics in den Raum gestellte Aussicht von einer Saison Spielraum gibt es weiterhin. Dennoch würde es 2015/2016 schwieriger.

Alles in allem ist der Boden für den Erfolg bereitet. Die Verpflichtung von Martin Dausch war die erste Nachricht, die in der Winterpause als klares Bekenntnis zum Aufstieg gedeutet werden konnte. Die in den Testspielen gezeigten Leistungen gaben weitere Fingerzeige. Pierre De Wit kann wieder spielen. Kingsley Onuegbu scheint die spielerische Klasse seiner ersten Monate in Duisburg zurück gewonnen zu haben und, und, und. Wegen all dem ist meine Anspannung vor dem Spiel gegen Halle so groß. Erst in diesem Spiel wird es wieder ganz echt. Erst in diesem Spiel zeigt sich, was aus all den Simulationen des Wettkampfs in der Winterpause in die Wirklichkeit hineingebracht werden kann.

Bei all dem darf nicht vergessen werden, in den anderen Vereinen wurde auf ähnliche Weise versucht, dem Ziel Aufstieg näher zu kommen. Auch Halle etwa hat Testspiele gewonnen, den mannschaftlichen Zusammenhalt weiter gestärkt und sucht den Erfolg. Am liebsten wäre mir, diesem ersten Eindruck eines anspruchsvollen Gegners folgte im Spiel jene Ernüchterung, die sich beim Betrachten der Pressekonferenz des Vereins einstellt. Was für ein Premier-Pay-TV-Vorspann begegnet dort dem ganz normalen Fußballalltag.

Die Streifen der Zebras

„Warum hat das Zebra Streifen?“, hieß es letzten Montag im Kölner Stadt-Anzeiger. Diese immer wieder aus der Klamottenkiste der Biologie hervorgeholte Frage im unterhaltenden Wissenschaftsjournalismus ist für uns in Duisburg natürlich längst schon völlig uninteressant. Wir gähnen und denken, ach Gott, das schon wieder. Soll man auch denen nun einen Leserbrief schreiben? Sich empören? Das kann doch kein Zufall sein, so ein  Text kurz vor der Ende der Winterpause. Das ist pure Provokation. Samstag geht es endlich wieder los mit den Punktespielen, und schon werden die wildesten Theorien verbreitet.

Das soll Unruhe in Duisburg schaffen, das soll doch Kräfte binden, die eigentlich für den sportlichen Erfolg gebraucht werden. Wenn da nicht mal der Hallesche FC selbst was in der Presse lanciert hat. Für die fängt der Pott doch bestimmt schon in Bonn an. Ist doch überall in Deutschland so. Alles eins an Rhein und Ruhr. Da kann es schon mal vorkommen, dass der falsche Kontakt zur Presse anbeißt.

Und dann wird gemächlich das alte Spiel gespielt: Statt mal Leute zu fragen, die es wissen, werden wieder sogenannte Experten zitiert. Warum geht es eigentlich nicht in diese Biologenköpfe hinein, dass auch einmal die nahe liegende Antwort eine wissenschaftliche Wahrheit ist? Es wird gemutmaßt über den Krankheitsschutz und die Wärmeregulierung. Was für ein Unsinn! Fragt uns! Ein Zebra hat Streifen, damit es weiß, dass es ein Zebra ist und Fußball spielt. Hätte es keine Streifen, glaubte es nachher noch, es hätte Flügel und müsse Eishockey spielen. Wie schnell hält sich ein streifenloses Zebra für einen Löwen mit geringem Haarwuchs und versucht dann erfolglos auf Körbe zu werfen? So einfach ist das, Zebras wollen wissen, dass sie Zebras sind und einen Ball ins Tor schießen können. Das nächste Mal am Samstag in Halle – trotz aller Störfeuer!

Zum Ende der Winterpause: Auch wenn Humor hilft, Leid lässt sich nicht immer weglachen

Jahrestag! Viele von euch wissen es: So lange ich diesen Blog schreibe, stelle ich zum Ende der Winterpause diesen alten Text von mir online. Er ist zeitlos. In ihm geht es nicht um Fußball. Er ist so viel länger als Texte in diesem Medium Blog normalerweise sind. Dieser Text hat schon vielen Menschen geholfen, und er soll weiter helfen. In dem Text habe ich mir über den Umgang dieser Gesellschaft mit dem Leid von Menschen Gedanken gemacht. Anlass waren eigene Erfahrungen in jener Zeit, in der ich an Krebs erkrankt war. Es gibt mehrere Fassungen dieses Textes, die in unterschiedlichen Zeitungen erschienen sind. Ein Vortrag für die Medizinische Fakultät der Kölner Universität entstand aus den Zeitungstexten. In diesem Jahr stelle ich erneut jene Fassung online, die als erste im August 2000 in der Süddeutschen Zeitung erschienen ist.

Leid lässt sich nicht weglachen
Die Zumutung Krebs oder das Missverständnis vom positiven Denken

Dieses Mal geschah es wieder einmal überraschend. Obwohl ich seit drei Jahren wieder gesund bin, spülte die kurze Glosse im Feuilleton der Tageszeitung alles für einen Moment hoch; das Leid der Krankheit – meiner Krankheit, Krebs. Der Journalist hatte bemerkt, Elend und Leid zeigten sich in der Öffentlichkeit immer häufiger nur noch als Parodie des Erfolgs. Bettler würden zu Kleinunternehmern; selbst die Erkrankung an Krebs, die Bedrohung durch den Tod würden in der heutigen Zeit zur „Chance“. Der Journalist war über das Motto eines Medizinerkongresses gestolpert. Ich konnte ihn verstehen. Auch mir hat man erklärt, dass ich meiner Erkrankung Gutes abgewinnen müsste. Ich spürte den alten Ärger wieder und die zwiespältigen Gefühle, wenn auf Buchumschlägen der Ratgeberliteratur zum Krebs fröhlich lachende Menschen mit Glatze pure Lebensfreude signalisierten.

Während immer neue Bilder der Vergangenheit aufblitzten, suchte ich nach ersten Sätzen meiner Geschichte. Doch stets stellte sich das Gefühl ein, dieser erste Satz brauche zuvor noch eine Erläuterung. Denn wenn ich von meinen Erfahrungen erzähle, stehe ich wieder auf der Seite der Kranken. Als Kranker aber bin ich vorsichtig geworden. Zu oft wurde ich in Gesprächen enttäuscht und begegnete nur vermeintlicher Offenheit. Mehr und mehr Ungeduld spürte ich mit der Zeit. Der Grund für die Ungeduld mit mir war mein andauerndes Leid. Dieses Leid wurde zur Zumutung.

Da gab es diese Begegnung mit einem Bekannten etwa ein Jahr nach Ende der Therapie. Er freute sich für mich, dass alles vorbei sei. Es war nicht vorbei. Ich litt weiterhin unter Nebenwirkungen der Behandlung, und manchmal gab es auch Momente der Angst. Doch bei ihm spürte ich den Wunsch nach einer anderen Auskunft. Immer drängender sprach er auf mich ein. Er redete und wollte überzeugen. Nicht mein Erleben interessierte ihn, obwohl er gefragt hatte. Er wollte nur davon hören, dass die Zeit, die ich durchlebt hatte, mich weitergebracht hätte. Ich sei gesund. Er sprach von tieferer Erkenntnis. Und man dürfe sich doch nicht nur auf die negativen Momente des Lebens versteifen. So kam ich – nicht zum ersten Mal – in die Lage, gleichsam mein Recht auf Leid zu verteidigen.

Eine groteske Situation. Ich sollte mich dafür rechtfertigen, dass es mir schlecht gegangen war und dass daran erst mal nichts Gutes ist. Wahrscheinlich war das Gespräch von Anfang an ein Missverständnis. Wir redeten aneinander vorbei. Bereits mit seiner ersten Frage hatte er begonnen, von seiner Angst zu sprechen; als könne er durch einen fanatisierten Umgang mit Leid sich selbst retten. Wenn man sich wie er verhielte, so hoffte er, werde alles nicht so schlimm. Und ich erzählte ihm nun, es war trotz allem tatsächlich schlimm gewesen. Und manchmal war es das noch immer. Den Trost brauchte er in dem Moment.

Die Krankheit Krebs steht nicht mehr im Zentrum meines Lebens. Seit drei Jahren bin ich geheilt. Mein Arzt meinte bei der letzten Nachsorgeuntersuchung, die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls sei nunmehr nur noch sehr gering. Ich war an Morbus Hodgkin erkrankt, ein Lymphdrüsenkrebs mit sehr hoher Heilungsrate. In den Zeitungsberichten lese ich, inzwischen liege sie bei 90 Prozent. Damals sprach man von 70 bis 80. Die aufnehmende Ärztin der Uniklinik gab sich optimistisch: es gäbe Mediziner, die zögen die Erkrankung an Morbus Hodgkin einem Herzinfarkt vor. Ich hatte dennoch Angst, sterben zu müssen. Zehn Monate insgesamt dauerten erst Chemo-, dann Strahlentherapie. Alles geschah ambulant. Als ich die Krebsdiagnose erhielt, war ich 34 Jahre. Ich war verheiratet, arbeitete mit Erfolg, und unser Sohn war gerade sechs Monate auf der Welt.

Aus meiner Geschichte lassen sich keine allgemeinen Schlüsse ziehen. Zu verschieden sind die Krebsarten, zu verschieden die Perspektiven der Kranken. Alle aber teilen das Bedürfnis, das durch die Erkrankung hervorgerufene Leid zu bewältigen. Es auszuhalten. Es zu lindern. Ihm etwas entgegenzusetzen. Es zu überwinden. Hier geht es um mehr, als um sprachliche Nuancen ein und desselben Vorgangs. Was sich in diesen unterschiedlichen Begriffen andeutet, sind verschiedene Zustände eines komplexen Prozesses. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit aber richtet sich auf das Überwinden. Dabei wirken Kulturmuster mit, die dem Leid kaum eine Daseinsberechtigung lassen.

„Positives Denken“ heißt das Schlagwort, das die vorherrschende Haltung gegenüber dem Leid charakterisiert. Es ist der weltliche Trost einer Gegenwart ohne Hoffnung auf das Paradies im Jenseits. Der Mensch muss nun auf Erden von seinem Leid erlöst werden, und erleichtert sehen die Gesunden, wie es funktioniert. Kranke finden ihr Heil. Man muss nur „positiv denken“, dann bekommt alles wieder seinen Sinn und Leid wird zum Motiv einer Erfolgsgeschichte. Sicher wird mit diesem Schlagwort auch etwas Wahres beschrieben. Zuversicht und Freude sind Lebensqualität im Jetzt; und die hat positive Wirkung auf das Immunsystem; was wiederum die Bemühung der Ärzte unterstützt.

Doch im verkürzten Gebrauch wird die Wahrheit des positiven Denkens zur Lüge; und kehrt so auch im Reden der Kranken wieder – eine magische Beschwörungsformel, um sich selbst und der Welt zu beweisen, man lasse sich nicht unterkriegen. Als Ausdruck der Hoffnung auf Heilung hat das seine Berechtigung. Doch liegt ein Missverständnis nahe. Denn leicht reduziert sich „positives Denken“ auf ein Sein, in dem Angst, Unsicherheit und Trauer zu etwas werden, was die Heilung verhindert. Der vom Leid des Kranken beunruhigte Gesunde nennt solche Gefühle schnell fehlerhafte, falsche Einstellungen, die der Kranke selbst zu verantworten habe. Dieser könnte anders, wenn er nur wollte. Und dann wäre alles besser.

Druck entsteht, und unversehens verschieben sich die Gewichte. Leid ist nur noch auf abstrakte Weise ein Teil des menschlichen Lebens. Jedes konkrete Erleben von Leid aber erinnert an ein Scheitern. Der noch immer tief in uns wurzelnde Glaube an das Heil durch ständigen Fortschritt wird im Alltag wieder einmal enttäuscht. Nebenbei gesagt, das öffentliche Interesse verlagert sich in solchen Fällen immer wieder aufs Neue in die Zukunft. Und siehe da, heute kündigt die Gentechnik bessere Zeiten an. Für einzelne Menschen mag das stimmen; für die Menschheit nicht. Das Leid wird an anderer Stelle auftauchen.

Ohne Anerkennung des Leids in der Gegenwart bleibt keine Möglichkeit zu wirklichem Trost. Diese Anerkennung geschieht aber nicht, indem man auf abstrakte Weise bejaht, die Erkrankung an Krebs sei ein schreckliches Schicksal, um sich dann ausschließlich den Techniken zur Überwindung dieses Schicksals zuzuwenden. Diese Anerkennung des Leids geschieht nur in der direkten Begegnung mit dem Kranken.

Zu solch einer Begegnung bedarf es Kraft. Man muss Verzweiflung, Ungerechtigkeit, Angst und Trauer aushalten. Man muss es aushalten, dass einem für eine Zeit vielleicht der Sinn des Lebens verloren geht. Man muss es aushalten, nichts machen zu können, außer da zu sein. Ohne Worte, die vorschnell etwas zudecken. Und genau das reicht. Und genau das ist überaus schwer. Wenn meine Frau mit mir zusammen Angst und Trauer ertrug und nicht wegredete, verschwand Verzweiflung in einer grenzenlosen Leere. Sie verwandelte sich nicht in ein glückliches Gefühl, aber ich fand meine Ruhe wieder. So eine Begegnung erfordert gegenseitigen Respekt vor den jeweiligen Grenzen der Kraft. Ihre Voraussetzung ist nicht die vorher schon vorhandene Nähe, sondern eine innere Haltung der Akzeptanz vom Gegenüber.

Dieses Sein ist etwas ganz anderes als das „positive Denken“, dem ich in seiner trivialisierten Form immer mehr begegnete. Je länger die Krankheit andauerte, desto häufiger. Ganz zu schweigen von der Zeit, nachdem die Therapie abgeschlossen war. Von da an gab es in meinem Alltag keine Aktivitäten mehr, die jedem verdeutlichten, dass mein Leben durch die Krankheit Krebs beeinflusst war. Die Therapieroutinen lagen hinter mir, was noch an die Erkrankung erinnerte, war ich selbst. Mein Erzählen holte sie in die Gegenwart. Ich drängte mich niemanden auf, aber da man mich nach meinem Befinden fragte, antwortete ich. Und diese Antworten ertrugen nur noch wenige. Denn anstatt nur vom Glück der Heilung zu reden, redete ich auch davon, wie sich das Vertrauen in meine Gesundheit erst wieder entwickeln musste.

Ich fühlte mich über Monate weiterhin sehr schnell erschöpft. Es gab Krisen, von Angst begleitet, in denen sich Krankheitssymptome einstellten. Mehr als während der Therapie entfernte ich mich innerlich von manchen Menschen. Doch immer wieder ging es mir um das Aufgehobensein mit allen meinen Erfahrungen in der Welt. Es ging um Verstehen. Jede vorschnelle Zuschreibung und Deutung des Leids durch das Gegenüber zerstörte dann die Fäden, die den Leidenden mit dem Nicht-Leidenden verbinden.

Um keinen falschen Eindruck entsehen zu lassen; es gab immer auch Freunde. Ich war eingebunden in ein Netz von Liebe und Zuneigung. Das waren Menschen, die sich mir zuwendeten, ohne zu werten. Zudem half es gerade in dieser Zeit anderen Kranken und Genesenen zu begegnen, von ähnlichen Erfahrungen zu hören und sich nicht ständig erklären zu müssen. Erklärungen, die oft nicht wirklich gehört wurden.

Gerade weil in unserer Gesellschaft die Menschen mit aller Energie daran arbeiten, Leiden zu verhindern, gerät der Leidende selbst oft in die Defensive. Deshalb halte ich auch fröhlich lachende Krebskranke auf einem Buchumschlag der Ratgeberliteratur für einen Missgriff des Verlags. Nicht weil Krebskranke zu sehr leiden, um zu lachen, sondern weil diese lachenden Gesichter mit ihrer Präsenz im öffentlichen Raum helfen, das vorhandene Leid zu verdecken. In diesem Lachen steckt weniger ein Mut machender Appell an die Kranken als ein beruhigender Trost für die Gesunden. Doch sobald ein Gesunder sich vom Leid des Kranken zu sehr bedrängt fühlt, kann sich ein solcher Trost in einen Vorwurf verwandeln. Dann fragt der Gesunde, warum geht es dir nicht so wie denen?

Symptomatisch für das Verdrängen ist auch das Gerede von der „Chance“. Selbstverständlich kann jemand durch die Konfrontation mit dem möglichen Tod zu Einsichten kommen, die ihn sein Leben lebenswerter machen. In einer ausführlichen Lebensgeschichte hat solch eine Deutung der Erkrankung dann ihre Berechtigung. Die Verkürzung zum Motto aber trägt dazu bei, die Gewichte zu verschieben. Zunächst wird das Leid der Erkrankung vielleicht noch mitgedacht. Dann rückt es allmählich aus dem Blick. Chance, das ist Zukunft. Da denkt man nicht mehr an das, was der Chance vorausgeht. Und das ist eine ganz andere Erzählung von der Krankheit. In dieser Erzählung muss man Abschied nehmen von Fähigkeiten, von Träumen und von Zielen. In solcher Erzählung geht es zunächst um Trauer. Das hört man weniger gern, als wenn jemand einen tieferen Sinn in seiner Erkrankung gefunden hat.

Sinn macht Leid erträglich, doch ungeschehen wird es dadurch nicht. Körperliche Schmerzen sind nichts als Schmerzen. Und der Tod beendet tatsächlich ein Leben. Deshalb bleibt Leid im Jetzt, auf das reagiert werden muss. Je weniger leidvoll das gesellschaftliche Bild des Leids aber ist, desto größer wird die Kluft, die den Leidenden von den Menschen um ihn herum trennt. Angehörige, Freunde, Bekannte werden zu Fremden. Der Leidende bleibt unter seinesgleichen oder allein. Da es kaum mehr lebendige kulturelle Formen gibt, die bei der Begegnung von Leidenden und Nicht-Leidenden Halt bieten, muss jeder, auf sich selbst zurückgeworfen, für das Gelingen einer solchen Begegnung einstehen.

Noch einmal: Das ist schwer. Und es ist schwierig, weil diese Begegnungen zweier Wirklichkeiten so empfindlich gegenüber Störungen und Missverständnissen sind. Darum ist das geduldige Bemühen um Verstehen so wichtig. Mir half es auch, wenn mein Rhythmus und mein Tempo geachtet wurden. Es half, wenn jemand in der Orientierungslosigkeit zwar die kleinen Auswege wahrnahm, sie aber nicht erzwingen wollte. Es half, wenn jemand seine eigene Angst erkannte und zu ihr stand. Ich merke, ich beginne, den glücklichen Teil meiner Geschichte zu erzählen. Es gibt ihn – und die Erfahrungen des Leids.

Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 13: Kumpel Anton

Manchmal fische ich im steten Strom neuer Tweets und Facebook-Postings etwas gedankenlos heraus. Es ist mein Versuch auf den Zufall in dieser Netzwelt zu beharren. Heute war es allerdings mehr ein geleiteter Zufall bei Twitter, dem ich dieses Heimatlied aus der Ruhrstadtsektion verdanke. An einer Band, die sich Kumpel Anton nennt, geht mein Blick jedenfalls nicht vorbei. Liedermacher, Singer Songwriter, das dürften in etwa die Kategorien sein, die die drei Musiker am ehesten beschreiben. Bei Facebook sind sie mit einer Seite zu finden.

An Liebchen ade bin ich hängen geblieben, weil dieses Stück mit einer in der Ruhrgebietskultur selten zu findenden Haltung geschrieben wurde. Es ist durch und durch ironisch gestaltet. Die Liedform des Shanty wird genommen, um den Strukturwandel der Region, das endgültige Schließen von Werkstoren im Gestus eines Liebeslieds zu kommentieren. Ob in einer Region, zu deren Selbstverständnis Direktheit und eine klare Sprache wesentlich gehören, sich ein Publikum für eine solche Haltung findet? Das ist nicht nur Kumpel Anton zu wünschen, sondern auch der Ruhrstadt selbst.

 

 

Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

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Der Duisburger Gerd Hennig – Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 9

Vor einiger Zeit habe ich begonnen, die Erinnerungen von FIFA-Schiedsrichter Gerd Hennig zu sichten. “Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter” hat Gerd Hennig diese Erinnerungen genannt, die ich nach und nach bearbeite und hier in loser Folge veröffentliche.

Heute geht es um Einsätze von Gerd Hennig bei internationalen Fußballspielen – Teil 2


Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 9
Von Gerd Hennig
Herausgegeben und bearbeitet von Kees Jaratz

Nach der Griechenland-Epoche folgten die  Spieleinsätze in der Türkei. Insgesamt leitete ich sechs Spiele, zwei in Istanbul bei Besiktas und Galatasaray, zwei in Ankara bei Gücu und Demirspor sowie zwei in Izmir bei Göztepe und Altay. Beim Besuch in Izmir erlebte ich eine außergewöhnliche Begebenheit. Am Flughafen nahm ich ein Taxi, um zum Hotel zu kommen. Der Taxifahrer sprach einigermaßen deutsch und nachdem er erfuhr von wo aus Deutschland ich herkam, erzählte er, dass er einige Jahre bei der ATH, der August-Thyssen-Hütte, in Duisburg-Hamborn tätig gewesen war. Mit seiner Familie habe er auf der Bahnhofstraße in Meiderich gewohnt, über dem bekannten Tanzlokal Tröschel, quasi in meiner Nachbarschaft. Das bot auf der von ihm sofort auch organisierten Rückfahrt zum Flughafen genügend Gesprächsstoff, und es zeigt auch, wie klein doch manchmal die Welt ist.

Einmal war ich an einem Wochenende zweimal angesetzt. Am Samstag leitete ich ein Spiel in Istanbul und am Sonntag in Ankara. Danach bat mich der türkische Verbandsbeauftragte um die Übernahme einer weiteren, wichtigen Begegnung am darauf folgenden Mittwoch. Dieser Bitte wäre ich zwar gerne nachgekommen, ohne Zustimmung des DFB konnte ich aber nicht eigenmächtig zusagen. Verschiedene Fomalitäten der Verbände hätten noch erfüllt sein müssen. Zudem hätte ich eine Urlaubsverlängerung bei meinem Arbeitgeber beantragen müssen. So trat ich wie geplant meine Heimreise an.

Interessant ist vielleicht auch die mit solchen Auslandsaufenthalten verbundene Bezahlung. Für die zumeist aus 3 Tagen bestehenden Auslandsreisen erhielt ich den  hierfür  von der UEFA festgelegten Betrag von 125 Schweizer Franken. Der gastgebende Nationalverband war verpflichtet diese Aufwandsentschädigung zu zahlen.

Ich muss noch hinzufügen, während dieser internationalen Einsätze war ich noch kein FIFA-Schiedsrichter. Meine Ungeduld, das FIFA-Emblem auf der Brust tragen zu dürfen, wurde aber immer größer, je mehr internationale Begegnungen ich geleitet hatte. Die Chance auf diesen letzten „Sprung“ kam für mich und den ebenfalls lange vertrösteten, gleichalterigen Günter Linn aus Altendiez 1979.  Zusammen fuhren wir zum ersten Kurs auf FIFA-Ebene nach Zeist, wo der niederländische Fußballverband KNVB eine Sportschule unterhielt.

Günter Linn holte mich mit dem PKW in Duisburg ab. Nachdem wir angekommen waren, bestand unsere erste Verpflichtung in der Sportschule darin, die bereitgelegte Nationalflagge am Mast hochzuziehen. Das war auf Anhieb gar nicht so einfach, aber im Team  gelang es letztendlich bestens. Nach der Begrüßung und Vorstellung aller Teilnehmer war das Tagesprogramm mit Referaten und der Vorstellung allgemeinen Regelneuerungen so ausgefüllt, dass der läuferische Test komplett am 2. Lehrgangstag stattfinden musste. Er bestand aus einem 75 Meter-Sprint, einem 400 Meter-Lauf und dem erstmals geforderten COOPER-Test, bei dem in 12 Minuten die höchstmöglichen Streckenmeter zuückzulegen waren. Wir Deutschen waren in getrennten Läufen eingeteilt. Beide entschieden wir unter den stolzen Augen unseres zum UEFA-Kommitee gehörenden Obmanns Johannes Malka aus Herten diese Läufe mit langen Distanzen ganz souverän für uns. Bei einem gemeinsamen Ausflug in die Umgebung wurde das auch entsprechend gefeiert. Damit
hatte der DFB mit seinen Neulingen wieder einmal einen würdigen Einstieg in das internationale Schiedsrichterwesen geschafft. Um das offizielle FIFA-Emblem endgültig zu erhalten, musste ich allerdings zunächst einmal 3A-Länderspiele zu absolvieren. In schneller Folge leitete ich die Länderspiele Luxemburg – USA in Dudelange, Schweiz – Niederlande in Zürich sowie Belgien – Bulgarien in Brüssel.

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Der Duisburger Gerd Hennig – Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 8

Vor einiger Zeit habe ich begonnen, die Erinnerungen von FIFA-Schiedsrichter Gerd Hennig zu sichten. “Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter” hat Gerd Hennig diese Erinnerungen genannt, die ich nach und nach bearbeite und hier in loser Folge veröffentliche.

Heute geht es um Einsätze von Gerd Hennig bei internationalen Fußballspielen.


Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 8
Von Gerd Hennig
Herausgegeben und bearbeitet von Kees Jaratz

Nachdem ich mich bei den Schiedsrichterbeobachtern des aus den drei Landesverbänden Westfalen, Mittelrhein und Niederrhein bestehenden Regionalverbandes West zur vollen Zufriedenheit bewährt hatte, wurde ich dem DFB gemeldet. Ich kam auf die Liste der Schiedsrichter, die auch für internationale Aufgaben vorgesehen waren. In dieser Zeit hatte ich am Niederrhein auch noch regelmäßige Einsätze in der Verbandsliga, in den drei Landesligen bis hinab zur Bezirksklasse. So war ein wöchentliches Programm mit Spielleitungen und gleichzeitigem, mehrmaligen Training in der Woche gewährleistet.

Die internationalen Berufungen wurden vom DFB bestimmt. Sie führten mich zunächst an die Linie vorrangig zusammen mit den damals unumstrittenen „Internationalen“ Walter Eschweiler (Euskirchen), Günter Baumgärtel (Hagen) sowie Jochen Weyland (Oberhausen), die die Spiele leiteten. Reichlich Erfahrung sammelte ich in den Stadien europäischer Spitzenclubs wie dem CF Barcelona, Celtic Glasgow, Manchester City, Juventus Turin, AS St. Etienne, Olympique Lyon oder Steua Bukarest, um nur die bekanntesten Vereine zu nennen. Auch bei Ararat im fernen Eriwan wurde ich eingesetzt.

Besonders eindrücklich blieben mir die zwei Begegnungen in Barcelona in Erinnerung. Beide Male war ich im Team mit Walter Eschweiler bei Begegnungen vor ausverkauftem Haus. Einmal spielte Barcelona im Supercup gegen Nottingham Forest. Das andere Mal war es das Europapokal-Rückspiel gegen den RSC Anderlecht. Das Hinspiel hatten die Spanier 3:0 verloren. Nun aber mit der Publikumsunterstützung entschieden sie dieses Rückspiel noch 5:3 im Elfmeterschießen für sich. Die Macht der Massen gab sicherlich den Ausschlag. Jeder Belgier wurde beim Gang von der Mitte zum Strafstoßpunkt gnadenlos ausgepfiffen. Die Hausherren hingegen gingen dem Ausführungsort enthusiastisch gefeiert entgegen. Die damals vom bekannten Frank Goethals trainierten Belgier hatten keine Chance.

Neben den Aufgaben als Linienrichter kann ich auch auf eigene Spielleitungen zuückblicken. Meinen ersten internationalen Einsatz als Schiedsrichter hatte ich beim Nordland-Turnier der Skandinavier. Der DFB war dort ebenfalls stets mit einer Junioren-Auswahl vertreten. 1962 wurde das Turnier von Schweden in Uddevalla, in der Nähe von Göteborg ausgerichtet. Neben dem Gastgeber Schweden waren noch Dänemark, Norwegen, Island und natürlich die als Gast geladene DFB-Auswahl am Start.

Während einer Woche fanden in kleinen idyllisch gelegenen Spielorten rund um Göteborg die Spiele statt, zu denen jeder Teilnehmer auch einen Schiedsrichter stellte. Ich erinnere mich, mit mir waren auch Bertil Andersen vom Ausrichter Schweden, Jorgen Mortensen aus Dänemark, Per Arne Larsgard aus Norwegen und Arnthor Oskarsson aus Island im Einsatz. Am Abend trafen wir uns dann regelmäßig wechselweise auf einem unserer Zimmer, um im gemütlichen Plausch untereinander das Erlebte zu diskutieren. Wir sprachen Englisch, eine der drei FIFA-Sprachen, was lediglich für mich von Bedeutung war, da die Nordländer unter sich sprachlich wenig Probleme hatten und sich landesgemäß beim „skol“ bestens verstanden.

Danach wurde ich als Schiedsrichter zunächst in Griechenland, dann auch in der Türkei eingesetzt. Zu allen bedeutsamen, auf dem Totoschein stehenden Spielen der heimischen Liga forderten die dortigen Verbände damals Referees aus anderen  europäischen Staaten an, um Spielmanipulationen auszuschließen. Es hatte starke Verdachtsmomente für Ergebnisabsprachen seinerzeit gegeben. Der DFB entsandte fast an jedem Wochenende seine Kandidaten in diese Länder. Zunächst ging es dann nach Athen und Istanbul, wo die jeweiligen Unparteiischen am Abend vor dem Spiel in einem von den Verbänden gut abgeschirmten Hotel zu den entsprechenden Begegnungen eingeteilt wurden. So brachten mich meine sechs Ansetzungen in der Region zweimal direkt nach Athen beziehungsweise Piräus, zweimal nach Saloniki sowie je einmal nach Katarine, in der Nähe von Saloniki und nach Trikkala, was sich in der Landesmitte zwischen Athen und Saloniki befindet und nur mit dem Taxi erreichbar war.

Von diesen Reisen sind mir zwei Erlebnisse in besonderer Erinnerung geblieben. Nach einer Spielleitung in Athen saß auf dem Rückflug mit der Olympic Airways nach Düsseldorf via Paris eine gut aussehende Griechin an meiner Seite. Als wir ins Gespräch kamen, erfuhr ich, ihr Name war Naftali. Sie wollte ihren Mann in Paris besuchen, der beim Bodenpersonal auf dem Flughafen in Orly beschäftigt war. Dann offenbarte sie mir, dass sie unter Flugangst leide, besonders wenn sich irgendwelche Luftturbulenzen bemerkbar machen sollten. Es wurde tatsächlich ein unruhiger Flug, bei dem ich ihr tröstend die Hand hielt. Aus Dankbarbeit lud sie mich ein, bei einem erneuten Griechenland-Aufenthalt sie in Saloniki zu besuchen.

Schon bei meinem nächsten Trip nach Griechenland erhielt ich durch den Verbandsbeauftragten vor Ort die Order: „Morgen früh geht es mit dem Taxi zum Airport und und dann weiter mit deinen Linienrichtern nach Saloniki.“So bot sich die Gelegenheit, meine Fluggefährtin tatsächlich wiederzusehen. Auf dem Hinflug tat ich das meinen griechischen Gefährten kund. Sofort waren sie auch bereit, mir dabei zu helfen, zur angegebenen Adresse zu gelangen. Nach Spielschluss nahmen wir ein Taxi. Leider gab es den Straßennamen zweimal in der Stadt, und natürlich erreichten wir erst beim zweiten Versuch die richtige Straße.

Dort sah ich Naftali im ersten Stock eines schicken Hauses am Fenster stehen. Als ich aus dem Taxi stieg, erkannte sie mich sofort wieder und lud mich mit ausgebreiteten Armen nach oben ein. Meine beiden Linienrichter forderte ich daraufhin auf, zum Flughafen weiter zu fahren. Ich wollte mit einem anderen Taxi pünktlich nachkommen. Das aber stieß auf erheblichen Widerstand. Die vorher so hilfsbereiten Kollegen gönnten mir es nicht, mit ihrer Landsfrau alleine Zeit zu verbringen. Gemeinsam suchten wir die Wohnung auf und schauten uns zusammen bei Tee und Gebäck die Familienfotos der großen Familie an. Großzügig ließ man mich dabei direkt neben Naftali sitzen.

Mein letzter Spielauftrag bei den Griechen führte mich ins Landesinnere nach Trikkala. Am Spieltag traf ich mich morgens früh um sieben Uhr mit meinen beiden griechischen Linienrichtern und einem Verbandsvertreter morgens früh um sieben Uhr, um mit dem Taxi zum Spielort zu fahren. Auf der Fahrt ließen meine drei Griechen den Taxifahrer an jedem Bethäuschen rechts und links der Landstraße anhalten. Dann verschwanden sie für etwa zehn Minuten aus dem Wagen und ließen mich alleine zurück. So verlief der Tag zunächst für mich recht eintönig. Etwa auf der Mitte der Strecke steuerten wir verspätet eine spärliche Gaststätte an, um einen kleinen Imbiss einzunehmen und eine kurze Ruhepause zu verbringen. Meine Begleiter machten sich keine Sorgen wegen der Verspätung. Anstoßzeiten spielten in diesem Land anscheinend keine Rolle. Für mich fiel die Ruhepause weniger erquicklich aus, weil in dem mir zugedachten Doppelzimmer der Taxifahrer lag. Richtig zur Ruhe kam ich auf der schmalen Betthälfte neben ihm nicht.

Inzwischen hatte heftiger Regen eingesetzt, so dass wir nach unserer Weiterfahrt zwei Stunden später als vorgesehen in dem kleinen Städtchen zum Abstiegsderby von Trikkala gegen den Rivalen Niki Volos ankamen. Dort mussten wir aber feststellen, dass der rote Aschenplatz völlig unter Wasser stand. Der Spielausfall hätte eigentlich die völlig gerechtfertitgte Folge sein müssen. Seltsamerweise wollten beide Vereine und auch mein Verbandsbeauftragter das nicht einsehen. Händeringend baten sie mich darum, noch eine weitere Stunde zu warten. Der Platz trockne dank einer guten Drainage schnell auf. Wegen meiner weiten Anreise und den damit verbundenen hohen Kosten, ließ ich mich darauf ein. Tatsächlich konnte ich mit Stunden Verspätung zur Freude aller Beteiligten die Begegnung anpfeifen. Zur Zufriedenheit beider Mannschaften endete die Partie torlos.

Nach dem Spiel erlebte ich die nächste Überraschung. Da in unserer Umkleidekabine keine Duschen vorhanden waren,  präsentierte man uns in der Mitte des Raumes eine mit Regenwasser gefüllte Zinkwanne. Um diese Wanne herum stellten sich beide Vereinsvertreter und die zu unserer Sicherheit anwesenden etwa 25 bis 30 Polizisten im Kreis auf. Zur Überbrückung der Zeit bot ich ihnen zwei Packungen meiner im Duty-Free-Shop erworbenen Zigaretten an. Bald vernebelte der Qualm dieser Zigaretten den kleinen Raum so sehr, dass wir unsere Kleidung an den Wänden nur noch mühsam wiederfanden.

Draußen war inzwischen die Dunkelheit hereingebrochen. Durch riesige Pfützen brachte uns unser Begleitschutz zu dem weit entfernt stehenden Taxi und verabschiedeten sich mit einer Verbeugung. Auf der etwa siebenstündigen Heimfahrt wurde erneut kein Beethäuschen ausgelassen. Nach Mitternacht kehrten wir endlich in unser Hotel zurück, wo uns mein schmunzelnder deutscher Kollege Walter Horstmann erst einmal zu einem verdienten Ouzo einlud. Dann konnte ich endlich die Nachtruhe antreten.

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