Der Duisburger Gerd Hennig – Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 9

Vor einiger Zeit habe ich begonnen, die Erinnerungen von FIFA-Schiedsrichter Gerd Hennig zu sichten. “Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter” hat Gerd Hennig diese Erinnerungen genannt, die ich nach und nach bearbeite und hier in loser Folge veröffentliche.

Heute geht es um Einsätze von Gerd Hennig bei internationalen Fußballspielen – Teil 2


Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 9
Von Gerd Hennig
Herausgegeben und bearbeitet von Kees Jaratz

Nach der Griechenland-Epoche folgten die  Spieleinsätze in der Türkei. Insgesamt leitete ich sechs Spiele, zwei in Istanbul bei Besiktas und Galatasaray, zwei in Ankara bei Gücu und Demirspor sowie zwei in Izmir bei Göztepe und Altay. Beim Besuch in Izmir erlebte ich eine außergewöhnliche Begebenheit. Am Flughafen nahm ich ein Taxi, um zum Hotel zu kommen. Der Taxifahrer sprach einigermaßen deutsch und nachdem er erfuhr von wo aus Deutschland ich herkam, erzählte er, dass er einige Jahre bei der ATH, der August-Thyssen-Hütte, in Duisburg-Hamborn tätig gewesen war. Mit seiner Familie habe er auf der Bahnhofstraße in Meiderich gewohnt, über dem bekannten Tanzlokal Tröschel, quasi in meiner Nachbarschaft. Das bot auf der von ihm sofort auch organisierten Rückfahrt zum Flughafen genügend Gesprächsstoff, und es zeigt auch, wie klein doch manchmal die Welt ist.

Einmal war ich an einem Wochenende zweimal angesetzt. Am Samstag leitete ich ein Spiel in Istanbul und am Sonntag in Ankara. Danach bat mich der türkische Verbandsbeauftragte um die Übernahme einer weiteren, wichtigen Begegnung am darauf folgenden Mittwoch. Dieser Bitte wäre ich zwar gerne nachgekommen, ohne Zustimmung des DFB konnte ich aber nicht eigenmächtig zusagen. Verschiedene Fomalitäten der Verbände hätten noch erfüllt sein müssen. Zudem hätte ich eine Urlaubsverlängerung bei meinem Arbeitgeber beantragen müssen. So trat ich wie geplant meine Heimreise an.

Interessant ist vielleicht auch die mit solchen Auslandsaufenthalten verbundene Bezahlung. Für die zumeist aus 3 Tagen bestehenden Auslandsreisen erhielt ich den  hierfür  von der UEFA festgelegten Betrag von 125 Schweizer Franken. Der gastgebende Nationalverband war verpflichtet diese Aufwandsentschädigung zu zahlen.

Ich muss noch hinzufügen, während dieser internationalen Einsätze war ich noch kein FIFA-Schiedsrichter. Meine Ungeduld, das FIFA-Emblem auf der Brust tragen zu dürfen, wurde aber immer größer, je mehr internationale Begegnungen ich geleitet hatte. Die Chance auf diesen letzten „Sprung“ kam für mich und den ebenfalls lange vertrösteten, gleichalterigen Günter Linn aus Altendiez 1979.  Zusammen fuhren wir zum ersten Kurs auf FIFA-Ebene nach Zeist, wo der niederländische Fußballverband KNVB eine Sportschule unterhielt.

Günter Linn holte mich mit dem PKW in Duisburg ab. Nachdem wir angekommen waren, bestand unsere erste Verpflichtung in der Sportschule darin, die bereitgelegte Nationalflagge am Mast hochzuziehen. Das war auf Anhieb gar nicht so einfach, aber im Team  gelang es letztendlich bestens. Nach der Begrüßung und Vorstellung aller Teilnehmer war das Tagesprogramm mit Referaten und der Vorstellung allgemeinen Regelneuerungen so ausgefüllt, dass der läuferische Test komplett am 2. Lehrgangstag stattfinden musste. Er bestand aus einem 75 Meter-Sprint, einem 400 Meter-Lauf und dem erstmals geforderten COOPER-Test, bei dem in 12 Minuten die höchstmöglichen Streckenmeter zuückzulegen waren. Wir Deutschen waren in getrennten Läufen eingeteilt. Beide entschieden wir unter den stolzen Augen unseres zum UEFA-Kommitee gehörenden Obmanns Johannes Malka aus Herten diese Läufe mit langen Distanzen ganz souverän für uns. Bei einem gemeinsamen Ausflug in die Umgebung wurde das auch entsprechend gefeiert. Damit
hatte der DFB mit seinen Neulingen wieder einmal einen würdigen Einstieg in das internationale Schiedsrichterwesen geschafft. Um das offizielle FIFA-Emblem endgültig zu erhalten, musste ich allerdings zunächst einmal 3A-Länderspiele zu absolvieren. In schneller Folge leitete ich die Länderspiele Luxemburg – USA in Dudelange, Schweiz – Niederlande in Zürich sowie Belgien – Bulgarien in Brüssel.

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