Die Losung der Stunde nach dem Heimsieg

Damit eines vorab klar ist, Kingsley Onuegbu erzielte nicht nur zwei Tore an diesem Spieltag und war wieder einer der besten Spieler auf dem Rasen. Er sprach zudem die wichtigsten Worte dieser Zeit nach dem Spiel. Seine Worte unterschreibe ich sofort: „Für mich ist es ganz wichtig, ich will diese schöne Spiele nicht mehr, sondern für mich ist es ganz wichtig, dass wir drei Punkte holen. Egal wie, ob mit der Hand, ob mit dem Fuß, egal, Hauptsache das Ball geht rein, scheißegal wie, Hauptsache drei Punkte, egal wie, immer.“ (Ab Minute 5.44)

Rumms! Das war eine klare Ansage. Deutlich in der Wortwahl und offen im Bekenntnis zum Ganzkörpereinsatz bei gleichzeitigem Schiedsrichter-Blackout. Aber wir wissen, wie er es gemeint hat, und wir wissen auch, der King hat recht. Wenn solche Worte momentan ein Spieler dieser Mannschaft sagen darf, dann ist es Kingsley Onuegbu. Denn für das Verkünden solcher Worte gibt es unausgesprochene Regeln. Paradoxerweise gehört dazu, dass einzelne Spieler einer Mannschaft auch mal besonders gut und damit oft auch schön spielen, und diese Spieler können dann problemlos solche Worte sagen – selbst wenn damit die Wahrheit des gerade vergangenen Spiels stellenweise verschleiert wird.

2:0 hat der MSV Duisburg gegen Fortuna Köln gewonnen. Dieser Sieg war ein Pflichtsieg. Er war besonders wichtig, weil der MSV Duisburg bislang schon zu oft seine Pflicht in Spielen gegen Mannschaften der unteren Tabellenhälfte nicht erfüllte und sich mit einem Unentschieden begnügen musste. Der MSV Duisburg spielte tatsächlich nicht schön, genauer gesagt, der MSV spielte einen Teil der zweiten Halbzeit nicht schön. Doch eigentlich müssen wir noch genauer sein. Für eine halbe Stunde etwa spielte der MSV Duisburg nicht „nicht schön“ sondern schlecht. Und das ist ein beträchtlicher Unterschied, den auch MSV-Trainer Gino Lettieri wahrnimmt, wie auf der Pressekonferenz nach dem Spiel erkennbar wird.

Dabei sahen wir die erste Halbzeit ganz entspannt. Die Zebras hatten das Spiel im Griff, und die Fortuna strahlte aus dem Spiel heraus keinerlei Gefahr aus. Der MSV ging seine Pflichten also konzentriert an, auch wenn Torgefahr zunächst ausblieb. Ich hatte den Eindruck, die Defensive der Fortunen ließ den Zebras nach deren Balleroberungen geradezu zu viel Raum. Es schien mir, als hätten die jeweiligen Ball führenden Spieler, je näher sie zum Straufraum kamen, zu viele Möglichkeiten den Angriff abzuschließen. Selbst gehen, den nächst stehenden Mann anpassen oder doch den noch freieren übernächsten Spieler? Zu solchen Gedanken schienen die Offensivspieler die Zeit zu haben, und schnelle Spielzüge wurden nicht sauber ausgespielt. Entsprechend fiel das Führungstor durch den King auch nach einem weiten Ball, der einmal aufsprang und den er danach über den herauseilenden Torwart hinwegspitzelte. Ein Tor begleitet von einem Hauch Überraschung und Kuriosität.

Gefährlich wurde Fortuna Köln nur nach Einwürfen in die Nähe des Fünfmeterraums. Denn diese Bälle fielen oft erst einmal zu Boden. Gestocher in dieser Zone wirkt immer gefährlich. Wir konnten ja nicht wissen, dass die Fortuna dieses Mal ohne Spieler anreiste, die wissen, wie aufs Tor geschossen wird und wo man dazu stehen muss. Diesem Manko alleine ist es zu verdanken, dass in der zweiten Halbzeit der Ausgleich nicht fiel.

Wenn Fortunas Trainer Uwe Koschinat auf der Pressekonferenz von einem für den MSV ruhigen Nachmittag im Strafraum spricht, hätte er mal von der 50. bis zur 83. Minute bei uns auf den Rängen stehen sollen. Da war aber jegliche Gelassenheit der blanken Sorge gewichen, dass wieder einmal einem spielerisch so limitierten Gegner der Ausgleich gelingt. Dieser Ausgleich schien in diesen Minuten jederzeit möglich. Denn der Ball kam viel zu oft in die Nähe des  Duisburger Fünfmeterraums. Irgendein zufällig herbeistolpernder Fortune hätte genügt, um ein Tor zu machen. Souverän war der MSV zu dieser Zeit nicht mehr. Nicht durch die eigene Leistung wurde die Führung gehalten, sondern durch die katastrophale Qualität der Fortuna beim Offensivspiel an diesem Tag.

Vereinzelt kam der MSV nur noch vor das Tor der Fortuna, obgleich bei jedem Angriff die Hoffnung auf das zweite Tor für den sicheren Sieg bei uns groß war. Schließlich schien das Können der einzelnen Spieler des MSV so viel größer zu sein als das von den Spielern der Fortuna. Dennoch brauchte es einen Freistoß für das zweite Tor in Verbindung mit  der Unsicherheit des Linienrichters, ob Steffen Bohl den von Martin Dausch getretenen Freistoß noch berührte und damit Kingsley Onuegbu im Abseits stand. Das Tor wurde gegeben, und die Erleichterung auf den Rängen war überall spürbar. Zwischendurch hatte es zwei-, dreimal auch dort dieses Aufbäumen gegeben. Plötzlich war das Stadion da und versuchte die Mannschaft zu wecken, sie ihrem zu langsamen Tempo zu entreißen, sie aus diesem gefährlichen Trott herauszuschreien, den jeder Mannschaftssportler kennt.

In solchen Momenten weiß man als Spieler, eigentlich ist das eigene Tempo für dieses Spiel zu gering. Eigentlich muss man intensiver spielen, schneller sein. Im Kopf und auf den Beinen. Doch ständig kommt man irgendwo auf dem Spielfeld einen Schritt zu spät, eigene Pässe kommen einfach nicht mehr an, man lässt sich einfach überspielen, und anstatt sich aufzuschwingen, wird man immer weiter herabgezogen. Auch auf den Rängen wissen wir also, um was es geht. Wir brauchen kein schönes Spiel, wir wollen drei Punkte. Immer. Damit das Unaussprechliche wirklich wird, egal wie, egal mit welchem Begleitprogramm. Mickie Krauses Drohung wiederzukommen beim Unaussprechlichen, zeigt mir, auch wir auf den Rängen müssen eben alles geben. Wenn es sein muss, höre ich mir also den Typen vor, während und nach jedem der kommenden Spiel an. Alles für den MSV, alles für das Unaussprechliche.

Advertisements

0 Responses to “Die Losung der Stunde nach dem Heimsieg”



  1. Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 9,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: