Ein Spiel des MSV kann sich in Kunst verwandeln

Es ist mal wieder Zeit für experimentelles Schreiben in diesen Räumen hier. Ich habe nämlich keine Lust, angesichts des ärgerlichen Auftretens vom MSV Duisburg in Osnabrück an berichtende Sätze zum Spiel zu denken. Dieses Spiel ist das nicht wert. Schließlich geht es mir auch um die eigene Freude am Schreiben. Es wäre völlige Zeitverschwendung, mit meinen guten Worten etwas in Erinnerung zu rufen, was am besten so schnell wie möglich vergessen werden sollte. Wir sind uns alle einig, zusammen mit den teilnehmenden Fußballern und sportlich Verantwortlichen, diese Mannschaftsleistung der Zebras war mangelhaft.

Die Scham, dass dieser Auftritt der Mannschaft ein 1:1 als Ergebnis hatte, war in Osnabrück bei einigen Anwesenden spürbar. Auf dem Weg zum Unaussprechbaren wollen wir auf keinen Punkt verzichten, aber mit solch großzügigen Gastgeschenken wie bei diesem Auswärtsspiel ist schwer umzugehen. Mancheiner war geradezu fassungslos über die Spielweise des MSV. Gut, dass wenigstens Michael Ratajczak seinen Anteil zum Erreichen dieses Unentschiedens leistete.

Wir Menschen sind soziale Wesen, und so eine schlechte Leistung ist einfach ansteckend. Wieso sollte ich besser schreiben, als die Mannschaft des MSV Fußball gespielt hat?  So dachte ich nach dem Spiel. Beginn doch einfach mal deinen Text verhalten, farblos in der Wortwahl, ohne Mut und eigene Stimme. Vielleicht stellst du probehalber ein Wort wie Zebras in eine eigene Reihe? Dieses „Zebra“ kannst du dann in immer mehr eigenen Reihen halten, und verlierst es schließlich aus den Augen, weil dir ein halbgarer Gedanken dazwischengegrätscht kommt. Ununterbrochen wirst du ankommende E-Mails abwehren. Brachial wird das im Text vermerkt.

Hin und wieder wäre mal ein zaghafter Halbsatz dran, nur damit du mit dem nächsten Halbsatz das Gegenteil behaupten kannst und im überlangen Anschlussatz den Sinn vollends verlierst. Diese überlangen Anschlusssätze sollen natürlich den Text nach vorn bringen, doch ohne einleitenden Nebensatz bleiben sie in der Luft hängen. Du wirst natürlich am Anfang denken, du könntest auf diese Weise alles im Griff haben, doch immer mehr wirst du in Bedrängnis geraten, weil du keinen roten Faden mehr erkennst. In der Not erschaffst du dann als Einzelaktion wahre Wörterkaskaden, die vage eine Bedeutung vorgeben und immer länger anhalten, bis sie in einem Erstochern von Wörtern voller Rechtschreibfehler enden. Kurz blickst du dann erwartungsvoll zum Duden, der natürlich ohne Regung im Regal stehen bleibt. Wenn irgendein Sinn erkennbar ist, dann nur in behäbigen Sätzen.

Unterschiedliche Anfänge von ein paar Sätzen lässt du kommentarlos stehen und schiebst lasch ein paar Wörter an die Satzenden. In dem sich anschließenden freien Raum stellst du plötzlich jeweils Fotos. Sie lassen die große Chance aus, selbst zur Geltung zu kommen. Sie sind unscharf oder verwackelt. Die Ausrufewörter der Comicsprache nutzt du als Befreiungsschläge. Später, in einem ruhigen Moment nennst du sie Interjektion und lässt die gewohnte Souveränität aufblitzen. Zwei Sätze müssen sehr gut sein und als Sentenz einsam eine kluge Einsicht formulieren.

Am Ende bist du dank des MSV Duisburg einen paradoxen Weg gegangen. Denn auf diese Weise entsteht fast schon so etwas wie Bildende Kunst, eine Skulptur aus Wörtern, denn allein durch die Form kommt der Inhalt zum Ausdruck. Nur, Lesen will das keiner mehr. Was einem auf ähnliche Weise ja auch wiederum vom Spiel des MSV bekannt vorkommt.

Am Samstag schloss die Mannschaft des MSV Duisburg nahtlos dort an, wo sie das Spiel gegen Arminia Bielefeld vollends und gegen Fortuna Köln fast aus der Hand gegeben hat. Im Moment kann diese Mannschaft nicht abwartend spielen. Ihr gelingt es dann nicht, in der eigenen Hälfte aus dem Ballbesitz ein kontrolliertes Passspiel zu beginnen. Sicher wirkt das Spiel der Mannschaft nur, wenn die Mannschaft selbst in die Offensive geht und sie den Gegner in dessen eigener Hälfte genügend beschäftigen kann. Meine Hoffnung für das Spiel gegen die Stuttgarter Kickers muss ich mir hart erarbeiten. Sie steht auf tönernen Füßen nach dem, was von der Mannschaft in diesem Jahr zu sehen gewesen ist. Ich habe leise Angst, dass mir bald jegliche Lust zu Worten über den MSV vergeht, weil ich in den Jahren der Zweiten Liga über diese Gefühle der Enttäuschung schon zu oft geschrieben habe. Ich habe leise Angst davor, dass ich meinen Text über das Spiel gegen die Stuttgarter Kickers gar nicht erst schreiben werde, sondern meine Eindrücke vom Spiel zur Abwechslung mal tanzen muss.

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