Akzente inoffiziell: Wie Fußball Teil der Ruhrstadt-Heimat ist

Wenn ich an die Ruhrstadt denke, gilt für mich seit jeher, wer das Herz dieser Ruhrstadt sucht, wird unweigerlich auch den Fußball finden.  Ein ähnlicher Satz fand seinen Platz im Vorwort von „111 Fußballorten im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“. In dem Buch erzählen wir eher Geschichten, die man gehört haben muss. Doch als das Buch 2012 erschien, war der Verlag noch nicht dazu übergegangen, den Titel der Reihe zu variieren. Heute gibt es diese Titel-Variation, und keine falsche Erwartung wäre geweckt worden.

Natürlich ist etwa ein unscheinbares Haus mit Nagelstudio im Ergeschoss in Mülheim-Speldorf nicht unbedingt ein Ort, den man gesehen haben muss. Aber von dort aus ging nun einmal in den 1930ern Fritz Buchloh die noch unbefestigte Landstraße zur „Blötte“, dem Stadion am Blötter Weg, um im Tor des VfB Speldorf so gut zu halten, dass er es in die Nationalmannschaft schaffte. Mit so einer Geschichte ließ sich der Blick weiten auf grundlegende Lebensverhältnisse im Ruhrgebiet in den unterschiedlichen Zeiten.

Am Lehmbruck-Museum als sehenswertem Fußballort im Buch war weniger auszusetzen, obwohl  dieser Ort nicht im engen Sinn ein Fußballort ist. Mit der Geschichte über eine Werbekampagne für das Museum in den 1970er Jahren ließ sich aber erzählen, wie Fußball und Bildende Kunst gleichzeitig für die Identität der Stadt von Bedeutung sind. Damit ihr euch einen Eindruck machen könnt, stelle ich diesen einen von „111 Fußballorten, die man gesehen haben muss“ als heutigen Programmbeitrag der „Akzente Duisburg inoffiziell“ einmal online.

Kniebeugen für die Kunst

Unter kunstinteressierten Fußballfreunden sei für Duisburg folgender Vergleich erlaubt: Im Werk des 1881 in Meiderich geborenen Bildhauers Wilhelm Lehmbruck ist die »Kniende« wie das Spiel der Spiele von Bernard Dietz, der 1977 fast im Alleingang für den 6:3-Sieg des MSV Duisburg gegen den FC Bayern München sorgte. Anstrengung, das Ringen um das Ergebnis und die Zweifel am Erfolg sieht man dem Endstand genauso wenig mehr an wie der lang gestreckten Skulptur in Überlebensgröße. 1911 entstand ein erster Bronzeguss, und ein weiterer präsentiert sich rechts vom Weg zum Museumseingang, während die Steinskulptur in dessen Räumen betrachtet werden kann.
Ein Werk von solcher Bedeutung für Künstler und Kunstgeschichte wird dann genutzt, wenn wie 1976 das Museum eine Werbekampagne startet. Beauftragt war der Fotograf Gerd Jansen, dem ein doppeldeutiger Slogan einfiel, Zustandsbeschreibung und selbstbewusstes Statement zugleich: »An der Knienden kommt keiner vorbei«. Für die Fotos zum Slogan ließ Gerd Jansen Duisburger aller Gesellschaftsbereiche sich niederknien. Eine Ballerina etwa gab sich anmutsvoll, ein Müllmann massig, und der damals 25-jährige Klaus Thies vom MSV Duisburg zeigte sich an der Seitenlinie im Wedaustadion fußballerisch.
Vielleicht waren es seine glatten, etwas längeren Haare und sein eher hagerer Körperbau, die ihn als Lookalike der »Knienden« geeignet machten. Die Zeit hat die Erinnerung verwischt. Deutlicher konturiert sie sich für MSV-Fans der älteren Jahrgänge beim Namen Thies, obwohl er in der Historie des MSV Duisburg kein bedeutender Spieler wurde. Ihnen fällt sofort das Pokalfinale 1974 1975 gegen Eintracht Frankfurt samt der einen großen Chance zum Führungstreffer ein, die Klaus Thies vergab. Vergessen ist dabei, dass sich der Spieler mit einem Sololauf über das halbe Spielfeld die Chance selbst erarbeitet hatte.

 

Mit einem Klick weiter zu allen Beiträgen des inoffiziellen Akzente-Programms im Zebrastreifenblog.

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