Gino Lettieri und Vertragsverlängerungen mit Trainern

Den Neuanfang des MSV Duisburg nach dem Lizenzentzug bestimmte ein Gedanke, der zwangsläufig erst im zweiten Drittligajahr wirklich zum Tragen kam. Erfolg kann nur durch kontinuierliche Aufbauarbeit erlangt werden. Nun folgt Ivo Grlic diesem Grundprinzip und verlängert den Vertrag mit Gino Lettieri für die kommende Saison. Eine Option auf weitere zwei Jahre gibt es ebenfalls, wenn der MSV Duisburg aufsteigt. Es gibt wahrscheinlich kaum jemanden, der von solch einer Kontinuität nicht geträumt hat – natürlich verbunden mit dem sich ergebenden Erfolg.

Interessant ist nun der Zeitpunkt der Vertragsverlängerung. Nach den mäßigen Leistungen der Mannschaft in den letzten Pflichtspielen ist nicht mehr jeder der am MSV Interessierten vollends davon überzeugt, dass mit Gino Lettieri der Aufstieg zu schaffen ist. Es sind nicht die Niederlagen alleine, die diese Skepsis wecken, sondern die Art und Weise wie die Mannschaft aufgetreten ist. Entsprechend wurde auch ich hellhörig, als Gino Lettieri nach der Niederlage in Stuttgart kommentierte, er sei wohl in den letzten Wochen zu nett gewesen.

In meinem Verständnis von Trainingsarbeit sind solche Aussagen verbunden mit einer folgenden „härteren Gangart“ ungefähr die letzte Maßnahme, um mangelnden Erfolg zu beheben. Das klingt mir zu sehr nach hilfloser „schwarzer“ Pädagogik, wenn die bösen Kinder nicht parieren. So etwas können sich Trainer von Vereinen leisten, deren Spielerkader zwei Fußballmannschaften gleicher Güte hergeben. In einem Kader von der Stärke des MSV Duisburg erhoffe ich mir vom trainierenden Vorgesetzten eine sehr individuelle Ansprache seiner Spieler.

Sprich: weniger der Misserfolg ruft meine Skepsis hervor als die erste Bewertung dieses Misserfolgs durch Gino Lettieri. Andererseits steht die Mannschaft nicht so schlecht da, dass ich dem Trainer grundsätzlich misstraue. Ein Aufstieg in dieser Saison ist weiter möglich. Welches Handeln könnte also realistischer Weise der Skepsis folgen? Wäre die Alternative tatsächlich ein neuer Trainer gewesen, wenn der Aufstieg in dieser Saison nicht gelingt? Ich denke, das wäre  nur der Fall, wenn die Mannschaft in fast allen nun noch kommenden Spielen  versagte. Die Wahrscheinlichkeit dazu ist nicht groß. Nur dann hätte das Risiko einen neuen Trainer zu verpflichten in der richtigen Relation gestanden zum erhofften Gewinn.

Denn eines ist klar, mit jedem neuen Trainer ergäben sich Reibungsverluste durch das gegenseitige Kennenlernen. Solche Reibungsverluste erschweren den Erfolg des Trainers. Eines aber wissen wir alle, spätestens in der nächsten Saison muss der MSV Duisburg aufsteigen, wenn der Verein nicht auf lange Frist in dieser 3. Liga oder gar in der 4. Liga bleiben soll. Demgegenüber steht ein Trainer, der Spieler und Verein kennt, der gewohnte Arbeitsabläufe weiter perfektionieren kann. Nicht zu vergessen, es herrscht Vertrauen zwischen den sportlich Verantwortlichen. Jeder kennt die Schwächen des anderen.

Es gibt Momente im Spiel des MSV Duisburg, in denen der Plan von Gino Lettieri erkennbar wird. Für jemanden, der nicht nah an der Mannschaft ist und nur die Spiele des MSV Revue passieren lässt, gibt es sie nur zu selten. Es ist einfach, eine Entscheidung zu treffen, wenn ein Trainer ganz erfolglos ist oder eben den geforderten Erfolg nachweist. Gino Lettieris Arbeit so eindeutig zu bewerten gelingt von von außen betrachtet nicht. Ivo Grlic aber scheint sich seiner Sache schon seit einiger Zeit sicher gewesen zu sein. So wirkt die Vertragsverlängerung zum jetzigen Zeitpunkt mutig. Ich denke aber, jeder, der die Angelegenheit nüchtern und rational sieht, hätte genauso entschieden. Risiken abwägen und handeln. Aber da Rationalität im Fußball zu den immer gefährdeten Arten gehört, vergeht mein Unwohlsein nicht, und ich bin froh, dass ich nicht die eigentlich notwendige Entscheidung für Kontinuität habe treffen müssen.

 

 

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1 Response to “Gino Lettieri und Vertragsverlängerungen mit Trainern”


  1. 1 Kees Jaratz 12. März 2015 um 16:07

    Auf Facebook erläutert Gino Lettieri, was er gemeint hat mit seiner Aussage zur härteren Gangart. Mit diesen Worten klingt das dann doch nach mehr Substanz beim Training. Er sagt, ihm sei es nicht um den Ton seines Trainings gegangen sondern um die Intensität, die er trotz der wenigen trainingsfähigen Spieler gleich hoch halten wolle.


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