Der BVB – Stark wie die potemkinsche Mauer oder der Zwergen-Treueschwur-Zaun?

Samstag spielt der MSV Duisburg in Dortmund gegen die zweite Mannschaft vom BVB. Einmal mehr zählt nur der Sieg. Deshalb will ich über das Spiel selbst gar nicht so viele Worte verlieren. Ich möchte nach Dortmund fahren und eine Mannschaft des MSV sehen, die ihre Spielweise weder vom zerfurchten Rasen des Stadions noch von der gegnerischen Mannschaft irritieren lässt und dabei ein Tor mehr als der Gegner erzielt.

bvb_treueschwur_potemkin_1Dann könnte ich auch endlich meinen schon länger in der BVB-Schublade wie neu herumliegenden Vergleich nutzen. Irgendwas wie: Der BVB zeigte sich gerade mal so groß wie der hauseigene Treueschwur-Zaun. Ist der euch schon aufgefallen vor dem August-Lenz-Haus? Zwischen Stadion Rote Erde und dem Westfalenstadion, das unter uns Freunden diversifizierter Fußballunternehmensfinanzierung bekanntermaßen ja auch Dingensversicherungs-Park heißt.

Als ich diesen Zaun gesehen habe, musste ich grinsen. Der Fanshop befand sich damals noch in dem Haus, und ich dachte so vor mich hin, ein schöneres Motiv für ein Symbolfoto zur Kommerzialisierung dieses Fußballs habe ich noch nie gesehen. Zugespitzt zeigt sich hier nicht nur die Komplizenschaft zwischen Fans und Fußballvereinen, sondern der gesamte Wohlfühl-Service-Gedanke, der den Besuch eines Fußballspiels ja zum „Erlebnis“ machen will. Fußball als Ware der Unterhaltungsindustrie, als Konsumgut ist an diesem Ort in Dortmund auf den Punkt gebracht.

Die Liebe ist im Fußball seit einiger Zeit allgegenwärtig. In Dortmund heißt das:  „Echte Liebe“. Kollege Werber sagt dazu, ein „catchy brand slogan“ und begeistert sich anschließend an der Markenstärke des BVB. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, wir Anhänger und die Fußballunternehmen haben uns gegenseitig darin befeuert, eine der wichtigsten Sinngebungsideen der Gegenwart, die romantische Liebe, auf den Fußball auszuweiten. Für das Geschäft ist das eine unfassbare Entwicklung. Denn die flüchtige Liebe braucht unentwegt Beweise ihrer Existenz.

bvb_treueschwur_potemkin_2 So findet der Fußball eben den Anschluss an jede Mode der zwischenmenschlichen Liebe. Schlösser an Brückengeländer hängen, braucht ohne vorhandene Brücke höchstens kreative Lösungsansätze. Warum nicht einen völlig unnützen Drahtzaun in die Gegend stellen? So wirkt es zunächst. Das Symbol deiner „Echten Liebe“ kaufst du im Fanshop, um es an der dir vorgeschriebenen Stellwand sofort anzuschließen. Bequemer geht’s nicht. Wenn überhaupt, wäre der eigentliche Ort für dieses Schloss der Stadionzaun. Doch ich kann mir nicht vorstellen, dass so ein Schloss länger als einen Tag am Zaun vom Dingensversicherungs-Park hinge.

 

bvb_treueschwur_potemkin_3Die Fotos sind knapp ein Jahr alt. Ich weiß nicht, wie das BVB-Unternehmen die Geschäftsidee weiter entwickelt hat. Samstag werde ich mir das ansehen. Ich bin übrigens  auch so ein Anhänger, der das alles mit am Laufen hält. Ich kaufe nur beim Konkurrenzunternehmen MSV Duisburg. Und das wollte ich auch noch sagen: Manchmal ist die Geschichte besser als die Wirklichkeit. Ich bin ziemlich sicher, dass der Zaun nicht erst für die Schlösser dorthin gestellt wurde. Der Zaun schützt eine potemkinsche Mauer in gelb. In Stein steht dort nämlich nichts, das ist Kunststoff, der ohne Gitterzaun wahrscheinlich bald beschädigt wäre. Weiterer Stoff für schöne Vergleiche. Alles nur Fassade, BVB. Ich red gerade wieder vom Spiel am Samstag.

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