Dänen lügen nicht – Vom Doublebind oder Wer B sagt, war bei den letzten Spielen des MSV

„Stig“, sagt Kees gestern zu mir, „du schreibst jetzt aber nicht auch noch was zum Spiel gegen Oberhausen und zu Lettieri. Wir gucken nach vorne. Wir müssen gegen Cottbus gewinnen. Die Stimmung muss dafür überall wieder besser werden.“ Red du mal, hab ich gedacht und „Nein, tut mir leid, Kees“, gesagt, „die Stimmung wird so und so besser. Ich schreibe mit Sicherheit was nach diesem Vorbericht vom MSV zum Spiel gegen Energie Cottbus“. Was raus will, muss raus. Gibt sonst nur irgendwelche Krankheiten, die keiner kennt.

Für alle, die den Vorbericht noch nicht gesehen haben.

Seitdem ich hier beim Kees mitmache, bin ich wohl zum Mann für grobe Worte geworden. Ich kann auch anders, ich komme nur nicht dazu. Natürlich weiß auch ich, dass das Ziel Aufstieg nur gemeinsam erreicht wird. Aber deshalb zu Gefahren schweigen? Wenn wir alle Samstag im Stadion stehen, wird es ohnehin diesen Zusammenhalt geben. Da bin ich sicher. Das ist Fußball. Es geht immer weiter. Es wird eine andere Mannschaft sein, die antritt und Oberhausen wird vergessen werden.

Nicht vergessen werde ich aber, dass Gino Lettieri und Ivo Grlic große Schwierigkeiten haben sich einzugestehen, dass sie vor dem Spiel gegen Rot-Weiß Oberhausen einen Fehler gemacht haben. Das ist Schnee von gestern, sagen bestimmt schon genügend Leute, sagt Kees ja zähneknirschend auch. Leute, klar, das stimmt. Aber habt ihr euch den Vorbericht jetzt angesehen?

Ich will warnen, vor allem will ich Gino Lettieri und Ivo Grlic helfen. Was die beiden in diesem Vorbericht machen, hat einen Namen in allen Beziehungsratgebern. Das ist der Worst Case aller Krisen. Wer mit zwei widersprüchlichen Botschaften an jemanden appeliert, um ihn emotional zu binden, macht ihn verrückt. Machse etwa wieder „Doublebind“?, sagen wir MSV-Fans zu Lettieri demnächst alle. Wir kennen unsere Beziehungsratgeber und sind alle Fachleute für Kommunikation. Wer sich bei Wikipedia zum „Doublebind“ einlesen will, bitte schön, nur ein Klick.

Man kann nicht den Zusammenhalt beschwören, nachdem man sich als allererstes erneut von den Spielern distanziert hat. Das ist genau das Gegenteil von Zusammenhalt. Wer also mit dem Distanzieren anfängt, gibt den Fans ein Beispiel. Welcher Botschaft sollen wir folgen? Der impliziten? Ich darf sehr wohl sehr sauer über einzelne in unserer MSV-Welt sein und diesen Unmut auch äußern, jeder eben nach seiner Art. Oder der durch Worte transportierten? Wir schaffen den Weg gemeinsam? Dass in Oberhausen genügend Idioten auf den Zebrarängen unterwegs waren, lass ich mal außen vor.

Nun gibts ja ne Menge unter euch, die sagen, Lettieri hat doch recht. Die Spieler spielten schlecht. Wir haben doch ein Recht sauer zu sein. Interessiert an der Stelle aber gar nicht! An der Stelle geht ja es um den Zusammenhalt. Und wer den aufs Schild hebt, muss anders handeln. Und jetzt führe ich euch einen kleinen Zaubertrick vor. Man kann Zusammenhalt beschwören und jemanden in der Gruppe, um die es geht kritisieren, wenn man zuvor den ehrlichen Blick auf sich selbst geworfen hat.

So, und zu diesem ehrlichen Blick gehört eine ganz offensichtliche Aussage, die ich weder von Gino Lettieri noch von Ivo Grlic bislang gehört habe. Beide tragen die Entscheidung für die Aufstellung der Mannschaft des MSV im Spiel gegen Oberhausen. Beide müssten sagen, wir haben nicht erwartet, dass RWO so stark spielt. Das ist unser Fehler gewesen. Erst danach können wir den Zusammenhalt beschwören. Wer die Aufstellung nur damit rechtfertigt, fast alle Spieler der Mannschaft in Oberhausen beanspruchten in der 3. Liga samstags in der ersten Elf zu sein, übertüncht mit dicken Farben die Tatsache, dass diesem Anspruch während der letzten Wochen von den sportlich Verantwortlichen nicht stattgegeben wurde.

Wer Kevin Scheidhauer im Spiel gegen Rostock gesehen hat, kann doch nicht ernsthaft einen überlegen aufspielenden Stürmer erwarten. Wer Michael Gardawski und Dennis Grote in den Punktespielen der letzten Wochen gesehen hat, kann doch nicht ernsthaft erwarten, dass sie sich problemlos gegen sehr motivierte Oberhausener Spieler durchsetzen werden. Dabei hatte ich für die Offensive noch weniger Bedenken als bei der Defensive. RWO hatte in den letzten Wochen einen Lauf. Diese Mannschaft spielte sehr gut zusammen, und das sollte eine Defensive bewältigen, die erstmals in einem Wettbewerb unter Druck geriet? Träumerei!

Wer je über einen längeren Zeitraum Mannschaftssport betrieben hat, wird es kennen, dass selbst bei harter Konkurrenz in der eigenen Mannschaft das Trainingsspiel den einzelnen Spieler weniger beansprucht als das Spiel im Wettbewerb. Das ist normal, denn man spielt mit der eigenen Gruppe. All das sage ich nur noch einmal, weil es mir um den Zusammenhalt geht. Die Leute reden und schreiben sich über die Mannschaftsaufstellung in Rage. Die Meinungsverschiedenheiten haben doch einen Grund, und der ist eine Leerstelle bei den Erklärungen für die Niederlage. Der Zusammenhalt wäre einfacher zu haben, wenn diese Leerstelle durch Selbstkritik von Gino Lettieri und Ivo Grlic gefüllt worden wäre.

Übrigens spielte Cottbus beim Regionalligisten Babelsberg und gewann 2:0. Der Trainer, Stefan Krämer, hat es nach so einem Sieg natürlich einfacher auf der Pressekonferenz. Bei einigen seiner Sätze könnten in Duisburg aber sogar die Ohren klingeln. Er ist sehr froh über den Sieg und ab Minute 2.05 berichtet er, dass sie sich vor dem Länderpokalspiel genauso vorbereitet hätten wie vor einem Drittligaspiel, und dann sagt Stefan Krämer etwas, was in Duisburg jedem, der nur die Spieler kritisiert, aus dem Blick geraten ist: „Es ist nicht selbstverständlich bei einem Regionalligisten 2:0 zu gewinnen.“

Zu Beginn, ab 0.45, spricht Stefan Krämer außerdem zu dem Fußball, der ihm am besten gefällt und gibt einen interessanten Einblick in Mannschaftstaktik.

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