Archiv für Juni 2015

Sommerpausenlektüre – Der elfte Mann von Erich Loest

2015-06_Loest_CoverEin Freund stöbert gerne in Leipziger Antiquariaten. Vor ein paar Wochen hat er mir nach seinem Leipzig-Aufenthalt ein Buch mitgebracht, das eine meiner Sommerpausenlektüren geworden ist: „Der elfte Mann“ von Erich Loest in einer Ausgabe aus der DDR, im Mitteldeutschen Verlag erschienen, die 2. überarbeitete Auflage von 1969. Das Buch riecht nach alten Zeiten. Das Papier fühlt sich so sehr nach alten Zeiten an, dass man glauben kann, nach der Lektüre vom Staub schwarze Finger bekommen zu haben. Auch die Geschichte handelt von alten Zeiten, aber wie und was erzählt wird, ist keineswegs alt und überholt.

Erich Loests Sprache wirkt meist zeitlos und sein Stil mit seinen eingestreuten Einwort- und Kürzestsätzen geradezu modern. Durch seinen Anspruch alltägliche Realität verdichtet abzubilden, wird auch ein Unterhaltungsroman über den Erstligafußball der DDR zu einem Blick auf die Gesellschaft in den 1960er Jahren. Erich Loest erzählt vom Spieler einer Oberligamannschaft mit Aussicht auf die DDR-Fußballerkarriere in der Nationalelf. Er fühlt sich im Konflikt mit den Ansprüchen der Hochschulausbildung und denen der Freundin. Loest zeigt einen Menschen, der seinen Platz in dieser DDR-Gesellschaft sucht, der seinen erhofften beruflichen und sportlichen Erfolg und die dafür notwendigen Anstrengungen mit persönlichem Glück und Zufriedenheit abgleichen muss. 2015-06_Loest_ImpressumSehr gegenwärtige Themen für junge Menschen! Das ging mir durch den Kopf. Die Forderungen in der DDR-Gesellschaft kamen seinerzeit nur nicht von Unternehmen und der „Wirtschaft“ sondern von Vertretern des Staates in den verschiedenen Bereichen dieser DDR-Gesellschaft, ob im Fußball oder in der Wissenschaft. Erich Loest erzählt die ideologische Grundlage dieses DDR-Lebens ganz selbstverständlich mit.

Darüber hinaus wirft er auf sehr gelungene Weise einen Blick auf die Fußballerwelt. Oft misslingt es Autoren ihre Literatur mit dem eigentlichen Sport Fußball, also der Beschreibung seiner Ereignisse sinnvoll zu verbinden. In „Der elfte Mann“ findet Erich Loest für den Spielbericht eine erzählerische Notwendigkeit. Das Erleben eines Fußballspiels aus der Spielersicht macht dem Leser die eigentliche Verbindung dieses Sports mit dem persönlichen Glück des Spielers deutlich. Auf diese Weise kontrastiert Loest geschickt das individuelle Erleben, den individuellen Glücksanspruch mit den Forderungen, die auf den Staat DDR bezogen sind.

Man muss sich vergegenwärtigen. Erich Loest wurde von der Staatsmacht misstrauisch beäugt. Konterrevolutionäre Gruppenbildung hatte man ihm 1957 vorgeworfen. Zu sieben Jahre Haft in Bautzen war er verurteilt worden. Seit 1964 war er wieder auf freiem Fuß und durfte seinen Lebensunterhalt als Schriftsteller verdienen. Konterrevolutionär konnte man schon sein, wenn man die Wirklichkeit der DDR einfach nur genau beschrieb.

Vor einem Jahr habe ich schon einmal einen längeren Text über Erich Loest geschrieben. Dabei standen sein Roman „Nikolaikirche“ und der Erfahrungsbericht zur DDR-Zensur „Der vierte Zensor“ im Mittelpunkt. Ich kann mich nur wiederholen, wer die DDR mit ihrem Alltag im Roman kennenlernen will, lese Erich Loest. Dass man zudem gut unterhalten wird mit der Lektüre, ist ein nicht zu verachtender Nebeneffekt.

Außerdem war Erich Loest seiner Zeit voraus. Er wusste um die Aura dieses einen Wortes, das heute vom DFB zur Marke gemacht wurde: DIE MANNSCHAFT. Über Markenschutz hat er sich damals wahrscheinlich aber keine Gedanken gemacht.

2015-06_Loest_DIE_MANNSCHAFT

 
 

Und ab in den Meidericher Kanon des literarischen Fußballs.

Hocken oder Rücken krümmen? – Mannschaftsfoto-Moden

Zwischen den Spielzeiten bleibt in diesem Jahr sogar Zeit für ein paar Plaudereien über Nebensächlichkeiten dieses Fußballs. Seit längerem schon beschäftigt mich immer mal wieder ein Wandel in der Ästhetik jenes Mannschaftsfotos, zu dem sich eine Mannschaft vor dem Anpfiff der bedeutenden Spiele noch einmal zusammenfindet.

Früher war vielleicht nicht alles besser, aber früher war meiner Erinnerung nach grundsätzlich anders. Immer hockten sich Spieler in der vorderen Reihe auf dem Mannschaftsfoto. So war eine klar erkennbare Abstufung innerhalb dieser zwei Reihen Spieler erkennbar. Ab wann nun haben Spieler von Mannschaften begonnen, sich in dieser vorderen Reihe nicht mehr hinzuhocken, sondern nur noch im Stehen den Rücken zu krümmen? Das sieht unbequemer aus und wirkt auf jeden Fall flüchtiger. Der Orthopäde in mir schüttelt zudem den Kopf und behauptet schlagzeilenträchtig: „Lange Verletzungspause nach falscher Haltung auf Mannschaftsfoto!“

Bevor ich nun weiter nachdenke, welche Zusammenhänge es mit der Entwicklung des Fußballs geben könnte oder sogar mit der in der Gesellschaft, muss ich erst einmal wissen, ob meine Beobachtung statistische Relevanz besitzt. Das Hinhocken auf Mannschaftsfotos gibt es zumindest weiterhin. Noch ist meine Beobachtung also eine anekdotische Notiz. Statistisch relevante Stichproben von Mannschaftsfotos seit der Zeit meiner Stadionanfänge Anfang der 1970er Jahre müssten das belegen.

Weil ich hier nicht wegen Verstößen gegen das Urheberrecht Probleme bekommen möchte, kann ich diese Erinnerung leider nicht entsprechend bebildern. Hier aber könnt ihr euch zum Beispiel weiterklicken zu einem Foto der deutschen Nationalmannschaft, auf dem die traditionelle Hockweise noch sehr lebendig ist und alleine Bastian Schweinsteiger sich als Vorreiter der Moderne des Mannschaftsfoto erweist. Deutlich lässt sich hier bei ihm schon der stilistische Einfluss, mehr Körperhöhe in der vorderen Reihe zu schaffen, erkennen. Allerdings zeigt sich bei genauerem Hinsehen auch Bastian Schweinsteiger noch durch die traditionelle Hock-Form beeinflusst. Wie anders der Anblick der Nationalmannschaft im Jahr 2014. Bastian Schweinsteiger ist auf diesem Mannschaftsfoto nicht dabei. Doch offensichtlich wirkte seine Körperhaltung vorbildhaft. Niemand hockt mehr. Alle beugen den Rücken. Vielleicht deutet sich mit einem nahezu stehenden Mesut Özil bereits die nächste Phase in der Entwicklung des Mannschaftsfotos an. Vielleicht ist sogar diese Entwicklung des Aufstellens zum Mannschaftsfoto der eigentliche Grund, warum bei Spielerverpflichtungen die kleinen, wendigen Spieler in den letzten Jahren besonders gefragt waren. Sie könnten dem Stehen in der vorderen Reihe vollends den Durchbruch bringen und das Mannschaftsfoto noch moderner wirken lassen.

Die Veränderung des Mannschaftsfotos im Fußball wäre doch mal wieder ein schönes Thema für eine Bachelorarbeit, wenn nicht sogar Masterarbeit. Nicht nur die Studenten des Fachbereichs Sport könnten sich mit allerlei soziologischen Befunden austoben. Auch die Kunstgeschichtler könnten aus ihrer Perspektive sicher Gewichtiges zum Thema beitragen.  Wenn ihr mir dann die Ergebnisse zukommen lassen könntet? Dann brauch ich mich nicht selbst um die Datenerhebung und Auswertung zu kümmern.

Heimatlied – Sektion Duisburg – Folge 23: Walter Mossmann

Vor knapp einem Monat, am 29. Mai, ist der Liedermacher Walter Mossmann gestorben. Der gute, knapp gehaltene Wikipedia-Artikel zu seiner Person macht nicht nur mit ihm und seiner Kunst schnell bekannt. Schlaglichtartig erhellt leuchten zudem zentrale politische Themen der 1970er bis 1980er Jahre in der BRD auf, Zeithistorie wird angerissen. Das kommt nicht von Ungefähr. Walter Mossmann verstand sein Liedermachertum als politische Stellungnahme.

Oft stehen seine Lieder in der Tradition des Bänkelgesangs, indem er  einzelne Ereignisse des Zeitgeschehens aufgreift, sie aus links-alternativer Perspektive berichtend in die Öffentlichkeit bringt und sie kritisiert. Auch einem Duisburger Geschehen der 1970er Jahre hat er ein Lied gewidmet. Vor dem Duisburger Arbeitsgericht klagte 1974 ein von Mannesmann entlassener Arbeiter auf Wiedereinstellung. Der Arbeiter war Mitglied der KPD/ML und den Prozess besuchten zur Unterstützung Genossen, unter ihnen Günter Routhier, der an der Bluter-Erkrankung litt. Als der Richter den Prozesssaal nach der Urteilsverkündung von der Polizei räumen ließ, stürzte Günter Routhier auf der Treppe. Etwa zwei Wochen später verstarb er an einer Gehirnblutung.

Die gerichtliche Aufarbeitung dieses Sturzes wirkte auch auf die bürgerliche Presse nicht so, als habe die Wahrheit des Geschehens herausgefunden werden sollen. Polizeigewalt schien vertuscht werden zu sollen. Sieben Jahre später erscheint anlässlich eines weiteren Prozesses zum Geschehen ein Artikel in der ZEIT, in dem der Vorfall selbst, die langen vergeblichen Versuche der Aufarbeitung und die bundesweiten Reaktionen darauf geschildert werden. Eine dieser Reaktionen war ein Lied, das Walter Mossmann zum Tod von Günter Routhier machte: „Die Ballade vom zufälligen Tod in Duisburg.“

Der Eintrag zu Günter Routhier bei Wikipedia findet sich mit einem Klick weiter. Eine Dokumentation der seinerzeit begleitenden Berichterstattung aus radikaler linker Perspektive findet sich im Mao Projekt, der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“, in der „Texte so genannter maoistischer Gruppen sowie anderer radikaler linker Organisationen in der Bundesrepublik Deutschland und in West-Berlin“ gesammelt sind.

Hinweise auf weitere online zu findende Duisburg-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Duisburg – Alle Folgen

Saisonvorbereitung – Worte über und Tore von Brandstetter, Wiegel und Poggenberg

Ob es im Netz Video-Clips gibt, die Tore von Fußballspielern zeigen, hängt ja nicht nur von den Leistungen der Spieler ab. Kameras müssen schließlich dazu überhaupt erst einmal auf ein Spiel gerichtet gewesen sein. Also ist es ab Liga 3 nicht sicher, ob eine gelungene Spielaktion dokumentiert wurde. Maßgeblich ist auch, wie aktiv die Fan-Szene des Vereins ist. Wie oft werden Clips hochgeladen? Dementsprechend gibt es von Andreas Wiegel, Simon Brandstetter und Dan-Patrick Poggenberg nicht viele Clips im Netz, zumal den Fähigkeiten der Defensivspieler wie Poggenberg meist erst in den höheren Ligen besondere Bewegtbildzusammenschnitte gewidmet werden. So kommt es heute zu einer Dreifachbesetzung dieses Teils der Saisonvorbereitung.

Am meisten lässt sich noch über Andreas Wiegel finden, wenn auch nicht als Bewegtbild. Anscheinend hat er aus seiner Schalker Zeit einen besonderen Fan, der ihm immer wieder mal eine Diashow widmet.  Darüber hinaus ist zu sehen, wie Andreas Wiegel im Spiel von Schalke 04 II gegen Rot-Weiss Essen das Führungstor erzielt. Besonders unterhaltsam ist die Slapstick-Einlage von vier Spielern als Vorbereitung für das Tor. Zusammenprallende Menschen ergeben doch immer wieder einfachste Komik – ab Minute 1.40.

Aus Andreas Wiegels Zeit bei Rot-Weiß Erfurt stammt dieses Tor im Spiel gegen VfB Stuttgart II. Er erzielte die zwischenzeitliche 2:1-Führung – ab Minute 2.07.

Zu Simon Brandstetter habe ich nur einen brauchbaren Clip vom Beginn der letzten Saison gefunden. Sehr schön deutet sich in diesem Spiel von Rot-Weiß Erfurt bei Hansa Rostock die Zukunft an, erzielt Simon Brandstetter sein Tor doch nach Vorarbeit von Andreas Wiegel. Das Zusammenspiel von Brandstetter und Wiegel  gehört zur Fußballgrundschule. Flankenlauf, Flanke, Kopfball, Tor. Gerne in Duisburg regelmäßig wiederholen.

Doch auch Dan-Patrick Poggenberg zeigt während seiner Kieler Zeit in der Saison 2011/12 mit einem Tor im Spiel gegen den 1. FC Magdeburg Offensivkraft und Abschlussstärke. Er erzielt das Siegtor zum 1:0 – ab Minute 3.35.

Saisonvorbereitung – Worte über und Tore der Neuzugänge: Thomas Bröker

Immer wieder mal machen Anliegerstädte des Rheins in NRW erste Schritte, um gemeinsam stark zu werden. Die „Rheinschiene“ wird dann beschworen. Die Zusammensetzung dieser „Rheinschiene“ variiert dabei. Mal sind es Köln und Bonn, die irgendetwas gemeinsam entwickeln wollen, mal Duisburg und Düsseldorf, mal gesellt sich Düsseldorf aber auch zu Köln und Bonn. Das Bemühen um diese gemeinsame Stärke ist gar nicht so einfach, weil in den Städten der Konkurrenzgedanke weiterhin recht lebendig bleibt.

Betrachtet man den Werdegang von Thomas Bröker, wüsste ich schon eine Perspektive nach seiner aktiven Zeit. Durch seine Erfahrungen als Fußballer in Köln, Düsseldorf und nunmehr Duisburg bietet er sich als Berater für solche „Rheinschienen“-Projekte geradezu an. Schließlich mögen sich die Fans dieser Vereine nicht besonders. So musste Thomas Bröker durch Leistung und Persönlichkeit überzeugen, womöglich Vorurteile überwinden, grundsätzliche Abneigungen vergessen machen und diplomatisch sein. Beste Beraterqualitäten.

Nimmt man die hochgeladenen Clips bei youtube zum Maßstab, hat Thomas Bröker in Düsseldorf die stärkste Zeit seiner Karriere erlebt. Auch wenn ich vor ein paar Tagen schon an ein Tor von ihm als Spieler des FC gegen den MSV habe erinnert. Es mag allerdings auch damit zusammen hängen, dass er in Düsseldorf zur Zeit des Aufschwungs der Fortuna Richtung Bundesliga spielte und deshalb seine Tore besonders gewürdigt wurden. Andere als Düsseldorfer Tore habe ich jedenfalls nicht gefunden. Verschossene Elfmeter aus der Kölner Zeit wollte ich jedenfalls zu Beginn seiner Saison in Duisburg nicht hier zeigen. Wir haben in Duisburg ja auch recht sichere Elfmeterschützen.

Bei Fortuna Düsseldorf hat er sich anscheinend so große Sympathie erspielt, dass ihm eigene kleine „Specials“ gewidmet wurden. Leider bestehen die vor allem aus dem Aufwärmen und nur aus wenigen Spielszenen. Deshalb habe ich das zweite „Special“ gar nicht erst hierhin geholt. Beim Aufwärmen zeigt sich spielerische Qualität nun doch eher selten.

Allerdings gibt es das ein oder andere Tor von Thomas Bröker im Netz zu finden. Im Juli 2011 verliert er im Spiel von Fortuna Düsseldorf beim VfL Bochum zunächst beim Dribbling den Ball nahe der Torauslinie. Nachdem die Kollegen den Ball sofort zurück erobert haben, erhält er eine zweite Chance. Sascha Dum ist damals im Getümmel auch dabei.

Aus der Zuschauerperspektive hinter dem Tor sieht sein Torschuss gar nicht mal gefährlich aus.

Fortuna Düsseldorf – KSC, September 2011, Thomas Bröker erzielt die Tore zum 3:1 und 4:1 – ab Minute 0.30

Fortuna Düsseldorf – FC Energie Cottbus, 15. November 2011

Dynamo Dresden – Fortuna Düsseldorf, April 2012, Endergebnis 2:1, Thomas Bröker erzielt den zwischenzeitlichen Ausgleich.

Als Höhepunkt dieser Torreihe erweist sich das Relegationsspiel zur Bundesliga Hertha BSC – Fortuna Düsseldorf, das 1:2 endete und in dem Thomas Bröker ein beeindruckendes Tor erzielte. Er zog in den Strafraum, setzte sich wuchtig gegen mehrere Spieler durch und erzielte den Ausgleich, mit dem das Spiel zugunsten von Fortuna kippte.

Saisonvorbereitung – Worte über und Tore der Neuzugänge: Stanislav Iljutcenko

Stanislav Iljutcenko spielte zwei Jahre beim VfL Osnabrück, hat einen Wikipedia-Eintrag und wurde bei seinem letzten Spiel für Osnabrück groß gefeiert, Teil dieser Feier und Anerkennung in Osnabrück ist bei youtube ein Clip mit dem Jubel zu einem Tor von ihm in diesem Spiel.

Diese Fan-Begeisterung sagt viel über die Persönlichkeit eines Spielers aus, ist sie doch zugleich Abschiedsgruß, denn die Verpflichtung von Stanislav Iljutcenko durch den MSV stand bereits fest. So ein Spieler wird dann nicht nur wegen der Tore für den Verein gefeiert, sondern auch für die Art und Weise, wie er zu seinem Verein gestanden hat. Auch die Osnabrücker Zeitung versteht den Abschied nach zwei Jahren: „Stani“ nutzt, und das ist nur legitim, seinen Entwicklungssprung, den er unter Walpurgis genommen hat, um künftig auf Zweitligabasis besser zu verdienen und seine Familie abzusichern.“ Ihm wird zugetraut, sich in der 2. Liga durchzusetzen.

Einige seiner Tore sind auf Clips bei youtube zu finden. Solche Clips sind ja Momentaufnahmen. So wird in ihnen Stanislav Iljutcenko als ein Spieler erkennbar mit sehr gutem Gespür für den freien Raum, Durchsetzungskraft und Coolness im Abschluss. Er steht an den oder läuft an die richtigen Stellen in den Abwehrketten, um anspielbereit zu sein oder per Kopf zu verwandeln. Er scheint aber auch immer wieder per Dribbling in den Strafraum zu ziehen, um alleine den Abschluss zu suchen.

Das war schon in der Oberliga bei Westfalia Rhynern mit zwei Toren im Spiel gegen Sprockhövel so – ab Minute 0.25 für etwa eine Minute.

Beim VfL Osnabrück erzielt er das dritte Tor für den VfL kurz vor Spielende – ab Minute 1.08.

Zwei Kopfballtreffer erzielt er im Spiel gegen den Chemnitzer FC – ab Minute 4.35 und ab 5.35.

Zwei Tore im Spiel gegen Arminia Bielefeld – ab Minute 1.30 und ab 2.10.

Vielleicht findet ihr noch weitere Clips mit Toren oder Skills von ihm?

Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 22: SNAGA und PILLATH

Kam das finstere In-die-Kamera-Starren eigentlich vom Gangsta-Rap? Ich kenne mich ja in der Geschichte des Raps nicht gut aus, weiß aber, finster Guckenkönnen wird für die Bilderwelt bestimmter Subgenres des Raps so erwartet wie das beseelte Dauerlächeln für die Volksmusik. Oft soll die finstere Miene übertünchen, mit welchen Klischees einer das harte Großstadtleben  berappt. Der Rap dieser Spielart lebt mehr vom Posing als von der Kreativität. Inszenierte Bilder von Macht und Größe erübrigen gute Texte.

Anders bei Snaga und Pillath – sie gucken auch finster in die Kamera. Aber sie rappen gute Gründe dafür. Hier passen die finsteren Mienen, weil hier stellvertretend für das Ruhrgebiet ärgerliche Stimmen die Öffentlichkeit suchen. Snaga und Pillath fordern für das Ruhrgebiet mehr Unterstützung ein. Sie erinnern daran, wie hart in dieser Region körperlich gearbeitet wurde und wie das ganz Deutschland zugute kam. Hier wirkt das genretypische Einfordern von Respekt  nicht als Nabelschau sondern wie eine politische Botschaft.

Mit einem zweiten Ruhrgebiets-Stück covern Snaga und Pillath den  Wolfang-Petry-Ruhrgebiets-Schlager. Dabei versuchen sie sich in einer Identitätsbestimmung mit bekannten Bildern zur Region. Zentrales Grundmotiv des Raps ist der Zusammenhalt in der Heimat.

Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Alle Folgen

Halbzeitpausengespräch: Birlikte 2015 – Bewegtbildschau

Im Netz findet sich eine erste Sammlung von Clips, die nach meinem persönlichen Eindruck vom Montag weitere Eindrücke von Birlikte 2015 vermitteln. Meist wurden die auftretenden Musiker kurz gefilmt, zwei reportageartige Impressionen habe ich aber auch gefunden. Die Clips mit den Musikern habe ich ungefähr in der zeitlichen Abfolge der Auftritte auf all den Bühnen geordnet. Nach und nach werden sicher noch mehr Clips hochgeladen. Wer immer auch hier vorbeikommt und einen weiteren Clip kennt, ist eingeladen, einen Hinweis im Kommentar zu geben.

Reportageartig zusammengeschnittene Eindrücke


Elektro Hafiz

Kent Coda und Sercan

Balkanizer

Denham Smith mit Full Tune Clan

MC Libéral

Bläck Fööss un Fründe

Unser Stammbaum auf Türkisch

En unserem Veedel – Kölsch-Türkische Fassung

Kasalla und Kent Coda

Kasalla auf Türkisch mit Istanbul

Brings und Ecco Fresh

Quotentürke

Brings

Polka, Polka, Polka

Saisonvorbereitung – Die gemeinsame Vergangenheit von Bomheuer und Bröker

Die Vorbereitung auf die kommende Saion in der 2. Bundesliga stellt auch den Zebrastreifenblog vor größere Aufgaben. Gut, dass der Stig hier nicht alleine am Schreibtisch sitzt. Er hat noch keine Erfahrung in der 2. Liga und muss sich erst einmal beweisen.  Gewissermaßen bin ich deshalb der Branimir Bajic des Blogs. Als erfahrener Zweitliga-Blogger weiß ich um den engen Zeitplan in den nächsten Wochen und um die besonderen Anforderungen, die uns erwarten. Auch wir müssen Grundlagen legen: Der Blick auf die Blogger-Kollegen der Liga, die Platzierungen der Aufsteiger in den letzten Jahren, ein paar Worte zu dem einen oder anderen neuen Spieler. Das will alles abgearbeitet werden. Dazu kommen Fragebögen der Kollegen von 11 Freunde, bei deren Sonderheft der MSV nun auch wieder dabei ist. Meinung ist gewünscht, und das kostet Zeit. Das größere Medieninteresse in der 2. Bundesliga gilt eben auch für das Umfeld des MSV.

Lasst mich also schnell den Takt aufnehmen, den der Verein mit seinem Trainingsbeginn am Montag vorgegeben hat. Im Eisenacher Trainingslager sollte es gestern mit den Neuzugängen Dustin Bomheuer und Thomas Bröker per Clip menscheln. Weniger durch das Gesagte als durch die Umstände des Drehs hat das auch geklappt. Für Dustin Bomheuer ist solch eine Situation offensichtlich weiterhin ungewohnt und nicht leicht zu bewältigen. Sympathisch, dass er sich dennoch der Aufgabe stellt. Thomas Bröker nimmt die Sache leichter. So haben wir zweimal einen Blick auf Persönlichkeit werfen können. Ein Ziel erreicht, das kann ich festhalten.

Beide verbindet nicht nur ihre Rolle als Neuzugang im Kader. Beide haben sogar eine gemeinsame Vergangenheit in den Geschichtsbüchern des MSV, allerdings auf unterschiedlicher Seite. Für Dustin Bomheuer gibt es ja bereits eine Vergangenheit beim MSV, eine äußerst erfolgreiche in der bislang letzten Zweitligasaison des MSV 2012/2013. Thomas Bröker haben wir seinerzeit ebenfalls schon erfolgreich sehen können –  in der Mannschaft des 1. FC Köln. Vor seiner Verpflichtung begneteten wir ihm das letzte Mal im April 2013. Damals kam der 1. FC Köln nach Duisburg mit der kleinen Hoffnung in einer sehr holprig verlaufenden Saison doch noch den Relegationsplatz zu erreichen. Der MSV war im Mittelfeld der Tabelle angekommen. Zu viel „Nervosität“ auf Duisburger Seite ließ den FC überlegen werden, so schrieb ich damals nach dem Spiel. Früh, in der 23. Minute, erzielte Thomas Bröker das Führungstor für den FC. Dustin Bomheuer aber köpfte in der Nachspielzeit den Ausgleich.

Bei youtube findet sich ein Clip zum Spiel als eine Art besondere Berichterstattung aus Kölner Perspektive. Es ist schon schön, die Freude über das späte Ausgleichstor nachzuschmecken. Mit dem Blick auf die kommende Saison wird es noch schöner, als der Macher des Clips sich nach dem Spiel an das Tor von Thomas Bröker erinnert – ab Minute 2.45. Noch schöner ist es deshalb, weil der Mann mit diesen vom Clip-Macher beschriebenen Fähigkeiten nun im richtigen Trikot spielt. Hoffen wir, dass er an die Leistungen von vor zwei Jahren nach den Verletztungen wieder anknüpfen kann.

Jan Mohnhaupt erzählt die Biografie von Michael Tönnies

Es gibt viele Fußballer wie Michael Tönnies. Sie gehörten nicht zur Leistungsspitze Deutschlands und erregten dennoch für einige Zeit Aufmerksamkeit. Sie konnten sogar zu Helden werden. Michael Tönnies schoss viele Tore, als er für den MSV Duisburg spielte und der siebenjährige Jan Mohnhaupt ihn zum ersten Mal spielen sah. Für Jan Mohnhaupt war er ein ganz großer Fußballer. Alle Fußballer, die diesen sehr persönlichen Helden folgen, werden  von den dann erwachsen gewordenen Fans insgeheim an ihnen gemessen. Die wahren Helden aber bleiben diese Fußballer der Vergangenheit durch das immer währende Erinnern und die Distanz.

So war es Chance und Risiko zugleich, dass Jan Mohnhaupt sich entschloss eine Biografie über seinen Helden Michael Tönnies zu schreiben. Es war eine Gelegenheit, dem eigenen Helden ein Denkmal zu setzen. Nah darf man seinem Helden dann kommen. Die Distanz verliert sich, und die Gefahr ist da, dass alles Heldentum in sich zusammenstürzt. Das langweilige alltägliche Leben eines jeden taucht auf. Oder dieses Leben reduziert sich auf launige Anekdoten aus der Fußballerwelt. Gerade für letztere Biografievariante gibt es genügend Beispiel, die nichts anderes sind als mühsam ausgewalzter Klatsch.

Das sage ich, um hervorzuheben, wie sehr sich Jan Mohnhaupts Tönnies-Biografie von solcher Fußballerbuchware abhebt. Dazu beigetragen hat die große Offenheit von Michael Tönnies, der über jedes Scheitern und jeden Fehler seines Lebens vorbehaltlos erzählte. Die Voraussetzung dazu ist vielleicht die Erfahrung von Michael Tönnies, dem Tod durch seine Lungenerkrankung so nah gewesen zu sein. Vielleicht ist es aber auch schon die Bodenständigkeit, mit der Michael Tönnies, zu all dem steht, was ihn ausmacht; was aber gemeinhin für ein gelingendes Leben nicht gut geheißen wird.

So kann Jan Mohnhaupt das Leben von Michael Tönnies zunächst als eine große Geschichte des Scheitern an sich selbst erzählen. Ob Fußball oder Privatleben, immer wieder entscheidet sich Michael Tönnies für den falschen Weg. Immer wieder passen Persönlichkeit und Ansprüche an ihn nicht zusammen. Die Zeiten des Glücks wie beim MSV Duisburg sind kurz. Erst in der jüngsten Vergangenheit wird diese Erzählung eines Lebens mit der Vorbereitung auf die Lungentransplantantion zur Wandlungsgeschichte. Michael Tönnies wird ein anderer Mensch. Lange hatte es so gewirkt, als fühlte er sich von den Ansprüchen des Lebens überfordert und nutzte alle  Möglichkeiten, um vor diesen Ansprüchen zu flüchten. Nun blieb nur noch eine Möglichkeit zur Flucht, eine endgültige Flucht: der Tod. Sogar das schien ihm lange Zeit der einfachste Weg gewesen zu sein. Erst als MSV-Fans eine Mutmach-Aktion für ihn organisierten, begann er zu spüren, dass es sich doch lohnen könnte, dieses eine endgültige Mal nicht zu flüchten. Der Rest der Geschichte ist uns allen bekannt.

Jan Mohnhaupt erzählt das immergleiche Geschehen des Scheiterns spannend, pointiert und in klarer, vorantreibender Sprache. Regelmäßig werden O-Töne von Michael Tönnies eingefügt, die das deutende Erzählen von Jan Mohnhaupt durch ein bekennendes Sprechen von Michael Tönnies erweitern. Der Blick auf den professionellen Fußball der 1980er bis 1990er Jahre überrascht zuweilen wegen der Nähe dieses Fußballs zum Amateurfußball der unteren Klassen. Damals unterschieden sich viele der Fußballer vor allem in ihrem Talent und weniger in ihrer Einstellung zum Sport. Krönend belegt durch die Anekdote aus der Schweinfurter Zeit von Michael Tönnies, als der Trainer Lothar Emmerich zum Trainieren bei Regen nie Lust hatte.

Erst Jan Mohnhaupts Deutung des Lebens von Michael Tönnies, sein Gespür für den Rhythmus der Erzählung und sein Stil verwandeln die Abfolge des Immergleichen und die wenig spektakuläre Fußballerkarriere in eine lesenwerte Biografie. Mit „Auf der Kippe“ ist Jan Mohnhaupt das Kunststück gelungen, seinen Helden der Kindheit als scheiternden Menschen auf den Boden des normalen Lebens zu holen und zugleich den Respekt vor diesem Helden, seiner Leistung und dessen Leben auf jeder Seite spürbar zu machen.

Auf der Kippe

Die zwei Leben des Michael Tönnies. 232 Seiten. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2015

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ISBN: 978-3-7307-0165-2

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