Selbst ist der Mann, wenn die Mannschaft chancenlos ist

Noch nicht jede Zweitligamannschaft habe ich ein ganzes Spiel lang gesehen. Das muss ich dringend nachholen. Einzelne Schwächen des Gegners wären schon mal eine erste Grundlage, um meine Hoffnung auf Erfolge des MSV etwas zu stärken. Die Mannschaft alleine gibt mir gerade kaum eine Möglichkeit zu glauben, dass Gino Lettieris Sätze vor dem Auswärtsspiel gegen den VfL Bochum eine realistische Aussicht beschreiben. Sinngemäß sagte er ja, es ginge nur darum, dass am Ende der Saison der MSV vor drei anderen Mannschaften stehen würde. Die Spiele gegen den VfL Bochum und den 1. FC Kaiserslautern stellen die Frage, wie das gelingen soll?

Ich halte es ja immer für möglich, dass etwas gut ausgeht, solange nicht das Gegenteil geschehen ist. Heute muss ich mir diese Hoffnung mit richtiger Arbeit herbeischreiben. Ich muss einzelne Szenen im Spiel des MSV gegen den VfL vergrößern, sie als möglichen Anfangspunkt einer Entwicklung interpretieren. Ich muss die erste Halbzeit von der zweiten trennen. Ich muss zum Spiel vom Samstag noch einzelne Elemente des Spiels gegen den 1. FC Kaiserslautern hinzufügen. Ich brauche Fantasie. Ich muss richtig arbeiten für eine kleine Aussicht auf einen Erfolg des MSV. Selbst ist der Mann. Die Leistung der Mannschaft alleine gibt keine Hoffnung.

Nach dem mutigen, offensiver ausgerichteten Beginn im Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern sahen wir im Spiel gegen den VfL Bochum das Gegenteil. Gino Lettieri ließ Thomas Meißner als fünften, zusätzlichen Spezialisten für abwehrende fußballerische Fähigkeiten auflaufen. Eine Halbzeit lang gelang die Stärkung der Defensive auch ganz gut. Den Bochumern wurde das Leben sehr schwer gemacht. Auch wenn der VfL Bochum das Spiel überlegen gestaltete, kam der Ball nur zwei-, höchstens dreimal etwas gefährlicher in Tornähe. Man konnte das Gefühl bekommen, in der Defensive kommt die Mannschaft des MSV allmählich in der Zweiten Liga an.

Um als Mannschaft insgesamt in der Zweiten Liga zu bestehen, fehlten aber gelungene Offensivaktionen. Wer so defensiv spielt wie der MSV, braucht nach dem Ballgewinn ein präzises Zusammenspiel im Mittelfeld oder Spieler, die sich dank ihrer individuellen Qualitäten in dem großen, durch den Gegner frei gelassenen Raum durchspielen können. Beides gibt es beim MSV momentan nicht. Immer wieder gaben die Spieler des MSV bei der Ballannahme den Bochumern die Zeit, ihre defensiven Aufgaben zum Wohlgefallen ihres Trainers zu erledigen. So wurde in der ersten Halbzeit auch deutlich, ein Tor kann die Mannschaft nur mit großem Glück erzielen. Fiele das Gegentor, wäre das Spiel verloren.

Wenn eine Mannschaft so defensiv spielt, ohne dass ihr Offensivaktionen gelingen, macht sie den Gegner zudem selbstsicherer. Der VfL konnte mit Beginn der zweiten Halbzeit ein immer höheres Risiko eingehen und den Druck auf das Tor des MSV entsprechend verstärken. Deshalb ist der abgefälschte Schuss von Timo Perthel zum Führungstreffer der Bochumer auch kein Pech. Wieder gilt es zu warnen. Dieses Tor war kein Zufall. Die Wahrscheinlichkeit für so ein Tor war größer geworden.

Die Folgen von diesem Tor waren vorherzusehen gewesen. Nach diesem 1:0 wussten die Spieler des MSV, alle Anstrengung war vergebens gewesen. Denn wer so defensiv spielt, sieht sich selbst als sehr unterlegen an. In solch einer Unterlegenheit lässt sich nur schwer zurück schlagen. Stattdessen fielen zwei weitere Tore für den VfL. Dennoch sagte Thomas Bröker nach dem Spiel, „Nadelstiche“ habe man setzen können. Dieser Eindruck gehört aber wohl mehr zu der Rubrik, Mut machen für die Zukunft, als dass damit Momente des Spiels realistisch beschrieben werden. Sicher, es gab zwei oder drei Flügelläufe von Rolf Feltscher, aber die Wahrscheinlichkeit nach einer Flanke ein Tor zu erzielen ist sehr gering. Wenn Offensivaktionen ohnehin selten sind, müsste der Ball eigentlich vor dem Strafraum schon in der Mitte des Spielfelds vorgetragen werden. In dem Fall agierte die Mannschaft weniger mit Nadeln als mit Papprollen zum wilden Herumfuchteln.

Hoffnung für die Zukunft macht die Defensivarbeit der ersten Halbzeit im Spiel gegen den VfL Bochum und die Offensivaktionen der zweiten Halbzeit des Spiels gegen den 1. FC Kaiserslautern. Gino Lettieri wird sich also hoffentlich überlegen, wie beides in einem Spiel zusammen zu bringen ist. Währenddessen halte ich schon mal Ausschau, bei welchen Gegnern wir damit Erfolg haben könnten.

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2 Responses to “Selbst ist der Mann, wenn die Mannschaft chancenlos ist”


  1. 1 Jule 3. August 2015 um 11:32

    Danke, ich suche auch gerade nach dem Strohhalm. mit dem ich nach einem Krümel Optimismus angeln kann. Beim zweiten Ansehen der ersten Halbzeit ist mir aufgefallen, daß das Spiel bis zur 20. Minute recht offen war, erst danach wurden wir in die eigene Hälfte gedrückt. War mir nach der zweiten Halbzeit völlig entfallen, aber die Spielanlage war dann wohl nicht ganz so defensiv gedacht.

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