Die erste Etappe auf der Route zum Klassenerhalt

Sagte ich vor dem Spiel nicht, ein Unentschieden im Heimspiel gegen Arminia Bielefeld stimmte mich unzufrieden? Gut, dass es die Wirklichkeit gibt, die mich vom Gegenteil überzeugen kann. Nach diesem Spiel des MSV Duisburg gegen Arminia Bielefeld bin ich mit dem 2:2-Unentschieden nicht nur zufrieden, in diesem Spiel gegen Arminia Bielefeld habe ich sogar zum ersten Mal in dieser Saison einen MSV gesehen, der mir ein Bild vom Klassenerhalt am Ende der Saison gibt. Wenn ich die Gespräche auf dem Weg und im Stadionbus richtig deute, können nicht viele Zuschauer dieses Spiels diese Meinung teilen. Die Anfangsphase des Spiels etwa ist durch die Hilflosigkeit und Angst der Spieler im zweiten Teil der ersten Halbzeit völlig aus dem Blick geraten. Allmählich gewöhne ich mich aber an meine Minderheitenmeinung.

Im Verlauf der ersten Halbzeit begann es schon damit. Ich musste mich nicht nur über das schlechte Spiel meiner Mannschaft ärgern, sondern auch noch über die Zuschauer des MSV. Also: Wer kräftig austeilt, muss auch einstecken können. Ich meine jene Zuschauer des MSV, die ihren Unmut über das Spiel der Mannschaft im Stadion schnell zum Ausdruck bringen mussten. Im dritten Punktespiel dieser Saison eine völlig verunsicherte Mannschaft auspfeifen, das ist das Publikum des MSV, das ich schon lange kenne. Da zeigten sich Seiten, die so gar nichts mit dem viel beschworenen „Alles für den Verein“ zu tun haben. Das hat mehr mit dem Blick auf sich selbst zu tun. Den kann ich beizeiten verstehen, aber nicht zu Beginn der Saison. So etwas gefällt mir ebensowenig wie ein Zlatko Janjic, der einen halben Meter neben einem Bielefelder steht, der gerade den Ball erobert hat und der vorsichtshalber nochmal zwei Meter weg läuft, um nicht in den Zweikampf gehen zu müssen. Vielleicht hat er sich ja sogar etwas dabei gedacht, wie sich die Zuschauer etwas beim Pfeifen dachten. Erfolg verspricht beides nicht.

Denn solche Gedanken trugen nicht zum Wiedererstarken der Mannschaft bei. Wer in dieser ersten Halbzeit den „Wir-wollen-euch-kämpfen-sehen“-Klassiker anstimmt, stellt mich vor die Frage, wieviel er gerade vom Spiel wahrnimmt. Trotz ihrer Verunsicherung, trotz ihrer Angst vor weiteren Fehlern gab es auf dem Spielfeld immer wieder Pässe als Risiko in den Augen der Spieler. Zumal die offensiv ausgerichteten Pässe dann meist zum Gegner gingen. Es gab Dribbling im eins gegen eins. Es gab Tackling. Was es nicht gab, ein klares Spiel, Spielzüge. Die meisten der Spieler des MSV kämpften an zwei Fronten, zum einen gegen ihre eigene Angst vor weiteren Fehlern, zum anderen gegen den Gegner. Ich sah das Ringen des MSV, Kontrolle über die eigene Spielweise zu gewinnen. Bei all dem wirkten die Spieler des MSV überfordert. Das Timing beim Defensivverhalten stimmte nicht. Es schien so, als sei jedes Anlaufen des Gegners zugleich von der Angst bestimmt, eine Lücke hinter sich zu lassen, die genutzt werden könnte. So entstand natürlich kein Druck auf das Bielefelder Spiel, gleichzeitig gab es die Lücken dennoch, weil die Bielefelder eben zu viel Raum hatten. Die Hilflosigkeit des MSV war  nicht zu übersehn. Mit diesem Niveau der Mannschaft hat das Publikum des MSV aber in der ersten Halbzeit mühelos mitgehalten.

Kurzum, ein Tor der Arminia aus dem Nichts erschütterte in der 8. Minute die zuvor gezeigte Absicht des MSV die Oberhand in diesem Spiel zu gewinnen. Ein weiter Ball in Richtung Strafraumgrenze wirkte harmlos, ebenso die Kopfballbogenlampe Richtung Tor. Dummerweise wurde das Kopfballduell nicht nur verloren, ebenso stand Michael Ratajczak weit vor der Linie. Es sah so aus, als ob keiner der Defensivspieler rund um den Ball exakt dort stand, wo es für diesen Angriff hätte sinnvoll sein können. Das Freistoßtor circa eine Viertelstunde später gab dem MSV vermeintlich den Rest. Eroberte Bälle wurden sofort wieder abgegeben. Verlegenheitspässe landeten im Nichts oder trieben den umtriebigen Simon Brandstetter in aufreibende Zweikämpfe. Aufbauspiel gab es kaum mehr. Auch die Einwechslung von Kingsley Onuegbu konnte meine Hoffnung auf einen Anschlusstreffer nicht erhöhen. Ich sehnte die Halbzeitpause herbei und hoffte auf eine Neuausrichtung des Spiels durch Gino Lettieris Anweisungen. Ich hoffte darauf, dass der MSV sich die Arminia zum Vorbild nehmen könnte, als sie in der letzten Saison das Spiel gegen den MSV nach dessen 2:o-Führung noch drehte.

Ganz reichte es dazu dann nicht. Die Einwechslung von Nico Klotz brachte etwas mehr Schwung in die Offensive. Doch hohe Bälle auf Onuegbu in den Strafraum hatten wie in den Spielen zuvor kein Potential. Im Mittelfeld aber bot er die bekannte Anspielstation und hatte nun auch Mitspieler, auf die er ablegen konnte. Dort wirkte er so gefährlich, dass der Bielefelder Brian Behrendt ihn trotz einer bereits erhaltenen gelben Karte umriss. Gelb-rot war die Folge. Diese Karte war ein Signal. Nicht weil aus der Überzahl als solcher sich ein überlegenes Spiel ergab. Auf mich wirkte es so, als befreite diese Überzahl von Angst. Hinzu kam die Einwechslung von Stanislav Iljutcenko für Zlatko Janjic. Mit einem Mal wurde der MSV nun in seinen Offensivaktionen sicherer, Kombinationen gelangen, der Druck auf das Tor von Bielefeld wurde größer.

In der 70. Minute gelang dann Kingsley Onuegbu der Anschlusstreffer. Halbhoch wurde er an der Strafraumgrenze angespielt, Ballkontrolle, Drehung und Volleyschuss waren eine einzige fließenden Bewegung. Ein wunderbares Tor, technisch perfekt. Großartig. Der Ausgleich fiel nur wenige Minuten später: Flanke auf den langen Pfosten, Kopfball Iljutchenko. Für etwas mehr als zehn Minuten war nun alles möglich. Der MSV drückte weiter und wollte das dritte Tor. Gleichzeitig fürchtete ich die Konter der Bielefelder. Zweimal kamen sie noch vor das Duisburger Tor. Doch die Kraft fehlte für präzise Abschlüsse. Eine Direktabnahme von Thomas Bröker (?) außerhalb des Strafraums hätte der Siegtreffer noch sein können. Ein Abwehrspieler schmiss sich dem in den Weg. Danach schienen beide Mannschaften am Ende ihrer Kräfte. Das Publikum vom MSV schien wieder versöhnt. Die Emotionen waren hochgekocht. Erst auf dem Heimweg hörte ich wieder die Unzufriedenheit. Für mich wirkt dieses Unentschieden so, als habe die Mannschaft endlich eine Karte aufgeschlagen, auf der die Route zum Klassenerhalt eingetragen ist. Die erste kleine Etappe auf dieser Route ist nun zurück gelegt. Den Weg muss die Mannschaft jetzt weitergehen.

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