Der MSV braucht Streichresultate in einem Spiel

Fast hätte Stig mir vorhin, die Tastatur unter den Fingern weggerissen. Manchmal spreche ich eben in Gedanken so halblaut Sätze vor mich hin, bevor ich anfange zu schreiben. Ich probiere aus, wie es klingt, so was wie „allmählich gut ins Spiel gekommen während der ersten Halbzeit.“ Es ging natürlich um das Spiel vom MSV beim Karlsruher SC. Dann dachte ich noch, oder müsste nicht im Vordergrund der KSC stehen, der die Zebras immer mehr mitspielen ließ?

Währenddessen fauchte mich Stig schon an: „Hast du sie noch alle?“

Zwar habe ich mich inzwischen an seine raue Herzlichkeit gewöhnt, doch so grimmig ist er auch nicht jeden Tag.

„Und nächste Woche bist du dann wieder bei sieben Minuten, in denen die Mannschaft gezeigt hat, dass sie was kann. Stell dich doch gleich vor so ’ne Sponsorenwand. ‚An diese Leistung müssen wir im nächsten Spiel anknüpfen‘. Als Fußballerkatastrophe bist du ja schon lange genauso gut wie die.“

Die 2:0-Niederlage hat ihm mal wieder das Wochenende versaut. Jetzt sitzt er da am Tisch und zetert immer noch. In so einer Stimmung kann ich ihm nie helfen. Man muss ihn dann lassen.

Also, zum Spiel; bringen wir es hinter uns. Fast die gesamte erste Halbzeit gelang es dem MSV ein torloses Unentschieden beim Karlsruher SC zu halten. Das sah eigentlich gut aus, was die Mannschaft leistete. Nach der kurzen druckvollen Anfangsphase des KSC war es den Zebras gelungen, das Spiel zu beruhigen. Die Mannschaft wirkte in der Defensive zunehmend souverän. Selbstverständlich erwartete ich aber bei jedem Angriff des KSC einen entscheidenden Fehler. Beide Mannschaften arbeiteten bei der nachlassenden Offensivkraft des KSC Fuß in Fuß. Der Fehlpass wurde für einige Zeit zu einem gern genommenen spielerischen Mittel beider Mannschaften. Für fehlende Torraumaktionen des MSV waren allerdings die Duisburger alleine verantwortlich. Wie sollten Tore erzielt werden, wenn jeder konterähnliche Flankenlauf mit einer Reingabe im Nichts endete? Jede, wirklich jede Flanke flog über den Elfmeterraum hinaus ins Torwart-Traumland der Offensiv-Harmlosigkeit. Oft befand sich dort nicht einmal ein Spieler des MSV.

Dagegen wirkte die Defensive im Zweikampf stabil. Jedes Dribbling im eins gegen eins konnte aufgehalten werden, in fast jeden Kurzpass grätschte ein Bein hinein. Lange Bälle wurden erlaufen. Ich hatte dennoch weiter Angst vor dem Fehler. Denn einmal mehr war überaus deutlich, die Karlsruher Führung würde augenblicklich die endgültige Niederlage bedeuten. Im Auswärtsstadion wäre nicht noch einmal so etwas wie im Heimspiel gegen die Arminia möglich, das war klar. Der Fehler geschah kurz vor dem Halbzeitpfiff. Auf dem rechten KSC-Angriffsflügel trafen Torres und Bajic zusammen, und dieses Mal überwand Schnelligkeit das coole erfahrene Stellungsspiel. Die freie Flanke kam in den Strafraum, wo am kurzen Pfosten sich der Rest der MSV-Defensive versammelte, um die Mitte für irgendeinen aus dem Rückraum kommenden Karlsruher einladend frei zu lassen. Dieses Kopfballtor hätte sogar ich mit meiner Brille auf der Nase gemacht, ohne dass sie dabei beschädigt worden wäre.

Diese Tore frustrieren so ungemein, weil ihnen kein wirklicher Druckaufbau des Gegners vorangeht. Deshalb wirkt die Mannschaft in dieser 2. Liga auch komplett chancenlos. Dieses Tor fiel nicht nach einem individuellen Fehler. Viele  Spieler wirkten zusammen, angefangen vom Ballverlust im Spielaufbau bis hin zur Ordnung nach der Flanke. Weil diese Fehler selbst bei dieser grundsätzlich gelingenden defensiven Spielanlage geschehen, müsste die Mannschaft eigentlich offensiver spielen. Dann würde die Defensive allerdings anfälliger. Ein Teufelskreis. Man braucht Mut, um diesen Teufelskreis vom Anpfiff an zu durchbrechen. Allerdings braucht die Mannschaft dann auch Glück dazu.

Den Karlsruhener gab das Tor die Sicherheit für die zweite Halbzeit zurück. Wie zu erwarten war, konnten die Zebras dagegen ihre Spielaktionen Richtung Karlsruher Tor nicht in ein kontinuierliches druckvolles Offensivspiel verwandeln. Das zweite Tor des KSC fiel schon früh nach Wiederanpfiff. Die Niederlage war besiegelt. Dennoch gab es danach einige gelingende Einzelaktionen beim MSV, von denen eine sogar zum Elfmeter hätte führen müssen. Nico Klotz war etwa zehn Minuten vor Spielende innerhalb des Strafraums angespielt worden und wollte mit einer schönen Bewegung an seinem Gegenspieler vorbeiziehen; der aber drückte erst den Ball mit der Hand aus dem Strafraum und streckte sicherheitshalber auch noch sein Bein in den Lauf von Nico Klotz. Der Pfiff blieb aus. Ob ein Elfmeter was geändert hätte? Dass dieser ausgebliebene Elfmeterpfiff nach dem Spiel kaum zum Thema wurde bei Spielern, Gino Lettieri oder auch bei uns Zuschauern, zeigt, wie unterlegen sich Mannschaft und Verantwortliche des MSV gefühlt haben, wie unterlegen wir den MSV wahrgenommen haben.

Die Frage bleibt, wie gelingt der Mannschaft die Balance zwischen Offensive und Defensive? Jeder  neue Rückstand wird zu einer immer höheren Hürde. Wie kann es dieser Mannschaft gelingen in einem Spiel in Führung zu gehen? Wie kann sie offensiv genug sein, um mehr Tore zu erzielen als durch die momentan unweigerlich geschehenden Fehler in der Defensive hereingelassen werden? Natürlich fragt sich inzwischen fast das gesamte Duisburger Publikum, wieso Dustin Bomheuer besser sein soll als Thomas Meißner. Aber dieser Wechsel in der Defensive ist doch nur eine kleine Stellschraube. Fußball ist ein vom Zufall geprägter Sport. Ich beginne gerade sehr auf plötzliches Glück zu hoffen.

Der Stig sitzt da immer noch. Allmählich nervt das. Ich schreibe später zu Ende. Geht das Ding eben erst Montag online.

Endlich ist Kees weg. Ich bin’s, Der Stig, jetzt mal hergehört. Ich sage euch mal was. Egal, was Kees bis hierhin geschrieben hat. Der glaubt selbst nicht dran. Der gute Herr Jaratz hat letzte Woche den Mund nämlich verdammt zu voll genommen. Mehr Zebrastreifenblog für Gino Lettieri und so. Wenn ihr den Kees beim Spiel gegen den KSC gesehen hättet, wüsstet ihr auch Bescheid. Der zwingt sich. Der will  an die Möglichkeiten des MSV glauben. Das kommt nicht von selbst, versteht ihr? In Wahrheit bläst der jede noch so kleine gelungene Aktion zum Überfußball auf und er hofft und hofft und hofft. Fußball ist kein Springreiten. Da gibt es keine Streich-Halbzeiten. 90 Minuten dauert das Spiel. Und 90 Minuten kriegen die das nicht hin. Basta. Da gibt es nichts Positives, egal, was Kees schreibt. Fertig.

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