So oder so wirkt die Niederlage

Dieser MSV macht es einem nicht leicht. Bislang befanden wir uns nämlich in einer Phase der Saison, in der nicht nur das Ergebnis zählte. Zwar redeten wir Anhänger vor den letzten drei Spielen schon anders, wir sagten, jetzt müsse unbedingt ein Sieg her, aber nach der erfolgten Niederlage blieb immer noch eine Hintertür, die Spielweise heißt. Diese Hintertür liegt immer versteckter, aber sie ist noch vorhanden. Nach dem Spiel gegen Paderborn wird sie aber auf jeden Fall fürs erste zugemauert sein.

Mich seht ihr nach der 3:2-Niederlage gegen Union Berlin ständig Richtung Hintertür laufen, ohne dass ich sie wirklich erreiche. Unterwegs verliere ich den Überblick, verirre mich und werde mutlos. Die Erinnerung an die erste Halbzeit in Berlin wird dann übermächtig. Wenn eine Mannschaft im Tabellenkeller hängt, spielbestimmend ist und der Gegner nicht mehr machen muss, als dreimal vor das Tor dieser Mannschaft zu kommen, um drei Tore zu erzielen, dann steigt diese Mannschaft ab. Dann kann sie noch so viel Ballbesitz haben. Dann kann sie noch so viele vom Gegner ungenau gespielte Pässe im Mittelfeld erobern. Dann kann sie noch so oft vor dem gegnerischen Strafraum auftauchen, zumal bei der letzten Aktion, beim Schuss aufs Tor oder beim Pass in den Strafraum, die Präzision fehlte. Wenn jemand sagt, es fehlte das Quäntchen Glück, mag das für die Offensive stimmen. Doch selbst dieses Glück reichte nicht aus, wenn aus drei Chancen des Gegners drei Tore werden.

Schon das erste Tor war in der 4. Minute ein herber Rückschlag. Für mich war es erstaunlich, wie unbeeindruckt die Mannschaft von diesem Tor war. Zwei Standardsituationen führten zu den weiteren zwei Toren. Nicht nur, dass bei dem ersten Freistoß Dustin Bomheuer fehlte, weil er verletzungsbedingt behandelt werden musste und so die neue Zuordnung nicht funktionierte, zudem wissen die gegnerischen Mannschaften natürlich, dass Michael Ratajczak die Linie nicht gerne verlässt, also wird der Ball in den Fünfmeterraum geschlagen, um mal zu gucken, was dort geschieht. Beim dritten Tor kurz vor der Halbzeitpause, erneut nach einem Freistoß, war Branimir Bajic nicht präsent.

Wenn in der Situation des MSV aus drei Chancen drei Tore werden, spielt der MSV als zurückliegende Mannschaft nicht besser als der Gegner. Das klingt für mich falsch, selbst wenn die oberflächliche Betrachtung dieser ersten Halbzeit diesen Eindruck machte. Stände der MSV im gesicherten Mittelfeld ließe sich über solch eine Wertung reden. Bei 2 Punkten nach 9 Spieltagen stimmt sie nicht, auch wenn ich weiß, dass solch eine Wertung Zuversicht herbeischaffen soll.

Ohne Zuversicht geht es nun mal nicht weiter. Die Zuversicht ergibt sich aus dem Spiel nach vorne. Ohne Frage verhilft Victor Obinna dieser Mannschaft zu größerer spielerischer Qualität. Seine Möglichkeiten im eins gegen eins überragen die seiner Mannschaftskollegen. Sie reichen aber natürlich auch nicht aus, um alleine das Offensivspiel zu bestreiten. Mannschaftlich hat das schon ganz ordentlich funktioniert, wenn auch die Angriffe insgesamt immer unter großer Hast ausgespielt wurden. Bislang haben wir aber auch nicht sehen können, dass diese Mannschaft die Fähigkeit zum ruhigen Spielaufbau besitzt. Sie muss so schnell wie möglich den Ball Richtung gegnerisches Tor bringen, und diese Schnelligkeit wird zur Hast, weil die Spieler für diese Schnelligkeit nicht präzise genug sind. Im Grunde steht die Mannschaft vor der Frage, will sie langsam und präzise sein, ohne in den Strafraum einzudringen? Oder will sie schnell und unpäzise sein, um durch die höhere Zahl ungenauer Spielsituationen, die klare Torchance wahrscheinlicher zu machen.

Als in der zweiten Halbzeit das Spiel offener wurde, fielen die Tore für den MSV. Dass Union nun aus dem Spiel heraus ebenfalls zu Chancen kam, konnte nicht ausbleiben. Union schaltete keineswegs einen Gang zurück angesichts der Führung, auch wenn von vielen Anhängern das als Argument für die zwei Tore des MSV angeführt wird. In dieser zweite Halbzeit war das Spiel mehr im Gleichgewicht als in der ersten, und dennoch erzielte der MSV zwei Tore und Union keins. Daher kommt meine Zuversicht. In dieser zweiten Halbzeit war zu sehen, auch die Gegner wie Union sind aus dem Spiel heraus unpräzise, auch diese Gegner machen nicht aus jeder Chance ein Tor. Als Michael Ratajczak in der 75. Minute den Elfmeter hielt und die 4:1-Führung verhinderte, kitzelte noch einmal leise die Hoffnung. Das zweite Tor des MSV fiel 5 Minuten vor dem Ende. Zu spät für den Ausgleich.

Mit dem nächsten Spiel gegen Paderborn befinden wir uns nun tatsächlich erst einmal in jener Phase der Saison, in der nur das Ergebnis zählt. Für Ivo Grlic, Gino Lettieri und die Spieler mag das nach außen hin noch anders sein. Für viele Anhänger nicht. Leise Sorge bereitet mir nämlich, dass sich Enttäuschung allmählich bei einigen in Wut verwandelt. In Berlin waren pfeifende Zuschauer nach dem Spiel noch in der Minderheit, aber deutlich zu hören. Am Zaun ließen einige sogar dieser Wut freien Lauf und überraschten die Spieler damit, die von den meisten anderen mit aufmunternden Worten verabschiedet wurden. Hoffentlich spaltet sich da nicht die Szene. Ein Sieg gegen Paderborn ist wahrscheinlich die einzige sofort wirkende Gegenmaßnahme.

Aus Berliner Sicht der Blick aufs Geschehen bei Textilvergehen – mit einigen Fotos u.a. von gemeinsamer Union-und-Zebra-Nachbetrachtung. Von einer solchen tröstenden Nachbetrachtung beim Fan-Eck am S-Bahnhof Köpenick kann ich auch noch erzählen. Zum einen gab es dort das gemeinsame Leid mit den Xantenern, zum anderen die gemeinsame Hoffnung einiger Union-Fans und uns, dass wir in der nächsten Saison diese Nachbetrachtung wiederholen können. Einem Leben ohne diese Auswärtsfahrt zur Alten Försterei fehlt doch ein immer wieder schönes Wochenende. Vom Ergebnis dieses Mal abgesehen.

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