Halbzeitpausengespräch: WM-Endspiel 2010 in Faule Kredite von Petros Markaris

Im letzten Drittel von „Faule Kredite“, dem 2011 auf deutsch erschienenen Kriminalroman von Petros Markaris, sieht der ermittelnde Kommissar Kostas Charitos zusammen mit seiner Frau Adrinani und Tochter Katerina sowie Schwiegersohn Fanis das WM-Endspiel zwischen Holland und Spanien. In dem Kriminalroman steht die Finanzkrise Griechenlands im Zentrum und mit dieser Begegnung kann Markaris dem EU-Konflikt um die Finanzkrise Griechenlands eine weitere Dimension hinzufügen. Hier muss sich der Süden nicht dem Norden fügen, hier gibt es die Chance auf eigene Weise zu gewinnen. Wenn auch der Kommissar und seine Frau sich nicht für Fußball interessieren, die Sympathien der jungen Generation gehören Spanien.

Gleichzeitig erweist sich dieses kurze Kapitel als weiterer Beleg dafür, wie schwierig es ist, das Erleben von Fußball erzählerisch umzusetzen. Eingeführt wird die Tochter als Fußballfachfrau und Markaris macht ihre Spielkommentare zu einer Karrikatur, obwohl er es offensichtlich ernst meint. Das sind nur zwei von ein paar möglichen Beispielen dafür, wie im Dialog die spannungsgeladene Atmosphäre des Endspiels transportiert werden soll.

„Wenn erst mal ein Tor gefallen ist, kann das Spiel schnell kippen“, lautet Katerinas Antwort. „Die Mannschaft muss die Abwehr aufmachen, wenn sie den Ausgleich erzielen will, und dann kriegt sie bald mal ein paar Gegentreffer bevor sie selbst ein Tor schießt.“

oder

„O nein, verdammt, Robben, zieht an allen vorbei! Gleich gibt´s ein Tor“

Gerade beim zweiten Satz soll Katerina alleine durch diesen Dialogteil aufgeregt wirken, und ich sehe doch nur eine Amateur-Schauspielerin vor mir, die vorgibt bei einem Fußballspiel innerlich dabei zu sein. Erzählter Fußball ist und bleibt schwierig.

Davon ab schildert Petros Markaris in „Faule Kredite“ griechische Wirklichkeit, wie man sie auch in Zeitungsreportagen hat lesen können. Im Roman rückt die Wirklichkeit einem dann noch näher. Renten und Lohnkürzungen, der Überlebenskampf von Immigranten, die Pleiten von Geschäftsleuten und die vollkommene Perspektivlosigkeit für überschuldete Athener, all das wird zum Teil auserzählt, zum Teil angerissen und wirkt lebendig. Das ist die Kunst des Autors.

Allerdings bringt der Roman eine starke Unwucht mit sich. Banker werden ermordet, und natürlich bestimmt die Finanzkrise Griechenlands Gesellschaft und damit die Romanwirklichkeit in jeglicher Hinsicht. Doch immer wieder macht sich mit der Detailsschilderung die Absicht des Autors bemerkbar, die Folgen der Finanzkrise zu schildern. Nicht alle Szenen sind genügend in den Plot integriert. Petros Markaris hat ein Gestaltungsproblem, weil er zu viel Wirklichkeit zeigen möchte und für den eigentlichen Kriminalfall eine zu gewagte Konstruktion wählt. Ohne zu viel zu verraten, sei gesagt, dieser Konstruktion liegt eine Grundidee zugrunde, die qua Genregesetz sich erst auf den letzten Seiten enthüllt und deshalb zu papieren bleibt. Eigentlich ist diese Idee sehr schön und bildhaft. Sie hätte aber mehr Raum im Roman gebraucht, um sich erzählerisch zu entfalten. Denn diese Idee braucht einen Gedankengang zur Erklärung, der um die ein und andere Ecke führt.

Eine positive Besprechung findet sich bei Culturmag.de. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zeigt sich die Rezensentin vom Roman wenig überzeugt.

 

 
 
 
 
 
Petros Markaris: Faule Kredite, Diogenes Verlag 2011
geb. € 22,90
TB € 11,90

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