Kaum mehr Spielraum für solche Niederlagen

Wenn eine Mannschaft am Ende der Tabelle steht, wird sie im Verlaufe der Saison klare Niederlagen hinnehmen müssen. Das ist normal. Das sind die Niederlagen, die einzukalkulieren sind, im Kampf gegen den Abstieg. Außerdem wird es knappe Niederlagen geben, allerdings auch das in Spielen, in denen eine Mannschaft sich nur bei einem äußerst günstigen Verlauf etwas ausrechnen kann. Auch solche Niederlagen sind einkalkuliert.

Schließlich aber gibt es die unnötigen Niederlagen, jene Spiele, in deren Verlauf die Mannschaft das Gefühl bekommt, sie könne am Ende erfolgreich sein. Spiele, in denen jeder einzelne Spieler an Grenzen geht und die dennoch verloren werden. Viele solcher Spiele darf sich eine Mannschaft am Tabellenende nicht erlauben. Das sind die Spiele, die zumindest mit einem Punktgewinn beendet werden müssten. Viele Möglichkeiten erfolgreich zu sein erhält eine Mannschaft im Kampf gegen den Abstieg nämlich nicht. Und nicht zuletzt wird es für die Spieler immer schwieriger an sich zu glauben, wenn sie, wie gesagt, vor allem in ihren einzeln genommen Leistungen, alles geben. Wenn selbst das nicht reicht, um erfolgreich zu sein, wie schnell schwindet dann das Selbstbewusstsein?

Beim 1. FC Heidenheim gab es solch eine unnötige Niederlage. In der 83. Minute fiel das einzige Tor es Spiels. Tim Skarke erzielte es für den Gastgeber. Sicher ließe sich einwenden, der MSV Duisburg hat von Glück reden können, etwa die ersten 20 Minuten ohne Gegentor geblieben zu sein, doch danach hatte die Mannschaft das Spiel beruhigen können. Das Tempo des Heidenheimer Offensivspiels hatte sich verflüchtigt, und beide Mannschaften zeigten viel Einsatz, aber kaum mehr klare Aktionen, die in Tornähe führten. Nach der Halbzeitpause brachte der MSV  den 1. FC Heidenheim sogar in Bedrängnis. Die Zebras übernahmen ab ungefähr der 50. Minute für etwa 25 Minuten die Kontrolle des Spiels. Der Gastgeber geriet in die Defensive und kam nur noch vereinzelt vor das Tor des MSV.

Stattdessen drängten die Zebras Richtung Heidenheimer Tor. Dennis Grote hatte zwei große Torchancen. Die eine erarbeitete er sich selbst, indem er einem Heidenheimer Defensivspieler den Ball kurz vor dem Strafraum abjagte. Alleine lief er auf den Torwart zu, der im eins gegen eins erfolgreich blieb und den Schuss neben den Pfosten lenken konnte. Die zweite große Chance ergab sich nach einer Flanke. Oder war es gar eine Ecke? Ich weiß es nicht mehr. Freistehend im Elfmeterraum nahm er den Ball nicht direkt. Schon war die Chance dahin. Kingsley Onuegbu versuchte nach einem langen Ball in den Fünfmeterraum auf links den Abschluss mit rechts, was bei der Geschwindigkeit keine Ballkontrolle ergab. Auch diese große Chance mit einem Schuss links neben den Pfosten vergeben.

Wenn eine Mannschaft mit unterlegener Spielanlage solche Chancen nicht in Tore verwandelt, droht immer das Gegentor des Gegners mit den besseren spielerischen Möglichkeiten. Der 1. FC Heidenheim war grundsätzlich schneller in allen seinen Aktionen. Es wirkte so, als stände die Mannschaft des MSV vor dem Problem für eine vorsichtige, kontrollierte Spielweise zu wenig spielerische Möglichkeiten der Einzelspieler zu besitzen. So wurde aus Ballkontrolle in der ersten Halbzeit zu oft langsame Wirkungslosigkeit. In der zweiten Halbzeit war das anders.

Außerdem kam die Wirkungslosigkeit des MSV bei Standardsituationen hinzu. Auf Freistöße und Eckbälle der Zebras durften sich die Heidenheimer Anhänger freuen, weil die Wahrscheinlichkeit für eine gute Kontersituation groß wurde. Da aber die Mannschaft des MSV inzwischen anscheinend um diese Standardschwäche weiß, war sie auf diese unweigerlich entstehenden Heidenheimer Angriffe gleichfalls gut eingerichtet. Die Konter führten nicht zu Torgefahr.

Die verschiedenen Spielphasen machen es schwierig, die Leistung der Mannschaft einheitlich zu bewerten. Das Tor zur Niederlage bestimmt die Perspektive. Dieses Tor macht sowohl die guten offensiven Ansätze der zweiten Halbzeit vergessen wie auch die Coolness und Stabilität, die im Zentrum der Defensive über weite Strecken des Spiels geherrscht hat. Eines gilt aber mit Sicherheit, wenn der MSV Duisburg in der 2. Liga bleiben will, darf ein Spiel mit solchem Verlauf in Zukunft nicht mehr verloren werden.

Dem Vorbild des erfolgreichen Crowdfundings ist der MSV also nicht gefolgt. Dieses Zwischentief des Vereins unserer Zuneigung soll niemanden davon abhalten, bis 23.59 Uhr mein geplantes Buch über die letzten zwei Jahre des MSV bei startnext vorzubestellen oder ein anderes der dortigen Angebot zu buchen. Jede zusätzliche Einnahme hillft beim Entstehen eines zweiten Buches. Alles Geld über die 8000 Euro hinaus bildet den Grundstock für das „Fangedächtnis des MSV Duisburg“ , eine Art Oral History, also eine erzählte Geschichte des Pottalltags rund um den MSV.

Advertisements

0 Responses to “Kaum mehr Spielraum für solche Niederlagen”



  1. Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 9,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: