Archiv für Dezember 2015

Alles Gute für 2016 mit Big Data von 2015!

Der Zebrastreifenblog mit seiner ganzen Belegschaft wünscht euch alles Gute für das Jahr 2016! Stig ist wie jedes in Aarhus und feiert Silvester mit alten Freunden. Ralf als spiritus rector im Hintergrund braselt weiter mit dem MSV-Buch rum. Auch zwischen den Jahren führt er  seine Interviews und ist in den Tagen selbst zum Ruhrgebietsfußball gefragt. So bleibt das Schreiben wieder an mir hängen.

Wie im letzten Jahr sind unsere Wünsche nicht uneigennützig. Wie im letzten Jahr hoffen wir mit euch allen auf durchschlagende Wunschwirkung auch bei der Mannschaft und den Verantwortlichen vom MSV Duisburg. Ein Paket also auch dorthin geschickt. Allerdings wird es in diesem Jahr schwieriger für den großen Wunschverwalter etwas zu bewirken. Aber man wächst ja an seinen Aufgaben. Gelobt sei die Zuversicht. Gelobt seien die Geschichten mit gutem Ausgang. Gelobt sei der große Wunschverwalter – aber nur wenn er es wieder so hinbiegt, dass auch im Rückblick des nächsten Jahres ein Text rund um eine Erfolgserzählung vom MSV Duisburg einer der fünf meistgeklickten Texte des Jahres ist.

Das war meine große Hoffnung vor einem Jahr, die sich erfüllt hat. Deshalb beginne ich auch mit Platz 4 der meistgeklickten Texte des letzten Jahres, der eine kleine Überraschung für mich ist. Diese Platzierung ist aber gleichzeitig sehr symbolhaft für die Aufstiegssaison. „Was einem 4:1-Sieg nicht alles folgt“ ist der Spielbericht über den Auswärtssieg gegen BVB II, jener Sieg, der in einer besonderen Diss-Erfahrung für mich am Köln-Mülheimer Bahnhof endete. Es war jener Sieg, bei dem zum ersten Mal der Siegeswille der Mannschaft als Aufstiegswille deutlich spürbar war. Es gab noch Rückschläge, doch in Dortmund war eine Mannschaft erkennbar geworden, die kompromissloser war, die Siege erzwingen wollte.

Auf Platz 3  steht Wie man aus aufgeblasenen Skandal-Bannern die Luft rauslässt“. Mit dem Text kommentierte ich die zum wohlfeilen Skandal aufgeblasene Berichterstattung über das Banner im Spiel gegen den FC Schalke 04, mit dem auf die Demenz-Erkrankung von Rudi Assauer angespielt wurde. Noch immer halte ich meine Kritik an der Berichterstattung aufrecht. Noch immer glaube ich, dass solche vom Boulevard inspirierten Geschichte die Seriösität des jeweiligen Mediums untergräbt.

Und nun zum Dauerbrenner dieses Blogs, die Fußballtorten. Die Älteren unter uns werden sich vielleicht an die Schlagerralley bei WDR 2 erinnern. In dieser Radiosendung habe ich zum ersten Mal das Dauerabonnement auf einen ersten Platz erlebt. Zumindest erinnere ich das so. In dieser Hörerhitparade besetzte Bohemian Rapsody von Queen über ein Jahr lang den ersten Platz. Den Jüngeren ist das Phänomen vielleicht von den O-Ton-Charts bei 1live bekannt, wo der Steinflüsterer seit fast zwei Jahren nicht aus den Top 5 verdrängt wird. Als Give-away bekommt ihr hier den Originalauschnitt der TV-Sendung.

Bohemian Rhapsody und Steinflüsterer dieses Blogs sind auf Platz 1 der meistgelesenen Texte im Zebrastreifenblog wie im Vorjahr „Die schönsten Fußballtorten der Welt Folge VI – Borussia Dortmund“, knapp gefolgt auf Platz 2 von „Die schönsten Fußballtorten der Welt Folge XXV – Borussia Dortmund Teil 2″. Jeden Tag kommen per Google und anderen Suchmaschinen die Tortenbäcker zu mir. Überall in der Welt müssen ununterbrochen Borussia-Kuchen gebacken werden. Unabhängig vom sportlichen Erfolg der Mannschaft wird Süßkram gegessen, was das Zeug hält. Warum das in Braunschweig in diesem Jahr ebenfalls so gewesen ist, ist mir ein Rätsel. Den 5. Platz nimmt jedenfalls „Die schönsten Fußballtorten der Welt – XI: Eintracht Braunschweig – Anlässlich des Aufstiegs“ ein. Erneut wird an dieser Platzierung klar, warum jemand auf den Long Tail als Theorie der Internet-Ökonomie gekommen ist.

Auch 2016 werde ich mich nicht auf Backwerke spezialisieren. Auch 2016 werden meine Themen breit gefächert sein. Auch 2016 gucke ich über den Tellerrand des Fußballs und des MSV Duisburg hinaus. Aber wenn ich an die Top 5 des Jahres denke, sollte wieder ein Text über den Fußball des MSV dabei sein. Dann wäre alles gut geworden. Wir werden sehen. Guten Rutsch!

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Die jährliche Speed Improvement Offer Offensive

Zwischen den Jahren wird nicht nur allerorten Rückblick gehalten, zwischen den Jahren ist für die Medienwelt auch eine Hochzeit der kompakten Lebenshilfe. Das muss etwas mit guten Vorsätzen und Leserbindung zu tun haben. Alles soll schließlich besser werden mit dem Jahreswechsel, die Auflagenzahl und auch die Leser des Kölner Stadt-Anzeigers.

Diese Lebenshilfe besitzt einen Wesenskern im Selbstoptimierungswahn unserer Zeit. Schöner als gestern im Beilagenmagazin des Stadt-Anzeigers habe ich diesen Wesenskern noch nie enthüllt gesehen. Unterhaltsam und leicht sollte die Überschrift zur „Lebenhilfe kompakt“ daher kommen. Und nun zeigt sie das Glücklich Sein als Leistungsgebot. Was für eine hübsche Aufgabe für uns alle im nächsten Jahr. Strengt euch bloß an, damit ihr auch noch das letzte Quentchen Glücksgefühl aus euch herauspresst.

 

2015-12-29_gluecklich_best

 

Davon ab können Ilia Gruev und die Spieler vom MSV ein paar der Lebenshilfe-Ratschläge der Lebenshilfe für das konkrete und so ferne Ziel Klassenerhalt sich mal kurz durchlesen und im Hinterkopf behalten.  Da heißt es: Bilanz ziehen und positives Entdecken; Stärken bewusst einsetzen; nicht vergleichen; Schritt für Schritt planen; Schwächen eingestehen; Verantwortung übernehmen. In den restlichen Spielen dieser Saison sehen wir dann, wie das so geht mit der Lebenshilfe. Sie bietet manchmal wahre Sätze, denen die Wirklichkeit vielleicht dazwischenkommt.

Die Zebraherde hilft in Tansania

Ich bemerke gerade Infobedarf zum Hilfsprojekt der Zebraherde und den Tagebucheinträgen von Nicki und Vivi Beaujean. Wer diese Tagebucheinträge gesammelt vorliegen haben möchte, klickt einmal weiter.

Frohe Weihnachten!

Heute morgen sind Ralf, Kees und Stig nicht nur völlig eins, sie sind sich auch noch völlig einig. Frohe Weihnachten, rufen wir euch zu. Feiert, freut euch übers Zusammensein, streitet nicht zu viel, nehmt alten Kram lieber komisch und verschiebt neuen Kram auf morgen. In Meiderich haben sie es vor ein paar Jahren  auch hinbekommen, wie ihr unten seht. In Meiderich! In Meiderich geht viel. Das wollen wir fürs nächste Jahr schon mal ein wenig hoffen.

1950er_geb_nach_weihnachten

Im letzten Moment

Gleich hole ich mir die nötige Einstellung für den Rest der Saison. Einen Teil meiner Weihnachtsgeschenke werde ich heute kaufen, der Rest kommt dann morgen früh. Ich weiß, ich werde es schaffen. Im letzten Moment wird es klappen, weil ich alles gebe und zudem Zuversicht aus der Lage beim SC Paderborn schöpfe. Dort ist die schwarze Pädagogik zum Grundprinzip der Effenbergschen Trainingsarbeit geworden. Der Übertrainer straft ohne Erkärung und festigt Macht. Rätselhaft blieben die „Rauswürfe“ der drei Spieler des SC Paderborn, schreibt die Neue Westfälische. Zwei Legenden des SC Paderborn hat es getroffen.

Ein wenig schmerzt die Entwicklung in der angeheirateten Heimat. Doch das Hemd des MSV ist mir in dem Fall näher als die Paderborner Jacke. Willkür und Schrecken als Basiswerte einer neuen hierarchischen Struktur des Kaders scheinen mir gute Grundlagen für kommenden Misserfolg zu sein. Verkrampft euch, möchte ich den Paderbornern zurufen, das ist normal in solch einem Klima. Ordnet euch unter, bekommt Angst vor Fehlern. Stefan Effenberg weiß jeweils, wer Schuld ist.

Beim TSV 1860 München sorgt derweil Investor Hasan Ismaik für Unruhe. Die Süddeutsche Zeitung wirft Lizenzentzug und Insolvenz in den Raum. Eigentlich ganz gute Nachrichten, um konzentriert den anstehenden Geschenkekauf zu bewältigen. Wir schauen natürlich ansonsten zuerst nur auf uns. Das Wissen um den Zustand bei den anderen schadet aber nicht. Vielleicht erhält das immer weiter, immer weiter dann noch einen Hauch mehr Zuversicht.

Erinnert euch ans „Streifen zeigen“ – Bengalos, Maas und Prügeleien

Einige von euch wissen, dass ich mich gerade für ein Buch sehr intensiv mit den Monaten nach dem Zwangsabstieg beschäftige. Was war das für eine Zeit in diesem Sommer 2013. Was haben alle Menschen rund um den MSV Duisburg damals geleistet. Welchen Einsatz für diesen Verein MSV Duisburg haben die Verantwortlichen, die Mitarbeiter auf allen Ebenen, die Anhänger in diesen Tagen gezeigt. Es gab nur ein Ziel, dieser Verein muss irgendwie weiterleben. Was für einen Zusammenhalt gab es damals.

Anscheinend geht es uns allen mittlerweile wieder zu gut. Wir können unsere eigenen Scharmützel pflegen, uns gegenseitig beschimpfen, die übelsten Motive für ein Handeln dem jeweils anderen unterstellen. Wir müssen nicht mehr respektvoll miteinander umgehen. Der Verein ist ja da. Was stören uns dessen weiterhin vorhandene finanziellen Schwierigkeiten. Wird schon nicht so schlimm werden. Es geht schließlich manchmal auch um mehr als den Verein, es geht um die Wahrheit. Und dagegen ist der MSV Duisburg ein kleines Licht. Denn der MSV Duisburg ist wieder nicht immer der MSV Duisburg. Der MSV Duisburg ist manchmal wieder irgendeiner der Verantwortlichen des Vereins, die ohnehin ihre Arbeit nie so gut machen, wie wir es jederzeit könnten. Und da gibt es keine Kompromissse. Wer meine Wahrheit nicht einsieht, ist mein Feind und schadet der guten Sache. Irgendwie ist diese gute Sache auch  der MSV, aber bitte ohne all diejenigen, die meine Wahrheit nicht einsehen. Die können wir nicht gebrauchen. Deshalb ist es nur richtig mal ordentlich auf die Kacke zu hauen, wenn einem jemand mit seinen anderen bescheuerten Ansichten über das, was richtig und wahr ist, in die Quere kommt.

Zugegeben, das ist nur der Eindruck, der sich im Netz ergibt, wenn die Anhänger des MSV über die Prügelei zwischen den Fans in der eigenen Kurve reden und über Bernd Maas, der mit seinem Gang in die Kurve nach dem Spiel als Auslöser dieser Prügelei gilt. Doch dort im Netz bewegt sich der aktivere Kreis der Anhänger des MSV. Dort entsteht eine Grundstimmung rund um den MSV. Deshalb ist es so enttäuschend für mich während meiner Beschäftigung mit dem Sommer 2013 so viele dieser laut schreienden Stimmen zu lesen.

Die Öffentlichkeit weiß aus der lokalen Presse nur von der Prügelei und nimmt sie schlechtenfalls als Makel für den MSV wahr. Was dahinter steckt, weiß diese Öffentlichkeit nicht. Das interessiert auch die meisten Anhänger dieses Vereins nicht. Den Verein aber muss das interessieren, weil es bei dieser Auseinandersetzung um den Kern der Fanszene geht, weil die öffentliche Wahrnehmung des Vereins durch so etwas in Mitleidenschaft gezogen wird und weil der Vorwurf im Raum steht, der MSV-Geschäftsführer Bernd Maas trage daran Schuld.

Die Fakten zur Prügelei: MSV-Geschäftsführer Bernd Maas geht nach dem Spiel mit einigen Spielern in die Kurve. Wütende Mitglieder der „Kohorte“ werfen Bierbecher in seine Richtung, ein Fahnenhalter fliegt auch. Das Fangnetz hält alles ab. Laut Augenzeugenberichten verstehen das andere noch anwesende Teile der Fanszene als Angriff gegen die Spieler. Die Prügelei beginnt.

Der Hintergrund: Im Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern werden im Gästeblock des MSV Duisburg Bengalos abgefackelt. Bei der DFL wird der MSV als Wiederholungstäter geführt. Noch während des Spiels postet Bernd Maas auf seinem privaten Facebook-Account mit klaren Worten seinen Unmut über die Bengalo-Aktion. Das Posting macht im Netz die Runde. In den Tagen nach dem Spiel bittet der Verein um Mithilfe bei der Identifizierung der Bengalo-Halter. Von Fanseite gibt es den Vorwurf, der Verein rufe zur Denunziation auf. Im Spiel gegen den VfL Bochum wird im Fanblock der Kohorte ein Spruchband hochgehalten mit der Aufschrift: „Gestern noch ‚Gänsehaut‘, heute Täter. MSV ihr Verräter!“ [„MSV“ und „ihr“ ist meine Vermutung, auf dem Foto nicht klar erkennbar] An der Bande hing ein Banner mit der Drohung „Noch so´n Spruch Spielabbruch“.

Es wäre schon viel gewonnen, wenn in dieser Diskussion gerade keine Mutmaßungen über Motive angestellt werden, sondern nur reines Handeln bewertet wird. Das reicht schon, um aus dem Ganzen zu lernen, wenn man es denn will. Vielleicht muss man sich dafür tatsächlich an den Sommer 2013 erinnnern, weil damals außer Frage stand, welches Motiv die Handelnden alle hatten. Das war damals das Wohl des MSV Duisburg. Bei allen unterschiedlichen Meinungen muss das immer mal wieder in Erinnerung gerufen werden, dass das auch heute die Grundlage für das Handeln der Verantwortlichen ist.

Wie ist nun das Handeln von Bernd Maas ohne Mutmaßungen genau zu bewerten? Ich meine, Bernd Maas hat sich unnötigerweise Weise angreifbar gemacht, indem er sich als Privatperson zu dem Bengalo-Vorfall schon in Kaiserslautern geäußert hat. Sein Unmut ist verstehbar. In einem sozialen Netzwerk mit seinem unkontrollierbaren Massenbewegungen sich zu positionieren halte ich aber für falsch. Schließlich ist diese Bengalo-Aktion ja nur symbolische Handlung in einem viel größeren, grundsätzlichen Konflikt, den der offizielle Fußball mit einem Teil der Fanszene bestreitet. Von Anfang an hätte nur der MSV Duisburg sich positionieren dürfen.

Nun zum Vorwurf des Denunziations-Aufrufs: Indem der MSV Duisburg am Spielbetrieb der DFL teilnimmt, unterliegt er den Regularien der DFL. Der MSV stand nach dem Spiel gegen Kaiserslautern unter Druck beweisen zu müssen, dass er zur Aufklärung des Geschehens seinen Teil leistet, und das öffentlich. Nichts anderes ist geschehen. Der 1. FC Köln hat das in der letzten Saison nach dem Platzsturm seiner Fans in Mönchengladbach auf genau dieselbe Weise gemacht. Damals hat dem 1. FC Köln niemand etwas vorgeworfen. Sollte jemand meinen, es seien auch unterschiedlich schwere Vergehen, so sage ich, das eine ist so verboten wie das andere. Und wer sich etwa an die Pyro-Aktion im Bochumer Block erinnert, wird vielleicht die Leuchtspurmunition noch vor Augen haben, die unter das Tribünendach geschossen wurde und als Querschläger zurückkam. Der Ordner, neben dem diese Munition vielleicht um Schultersbreite niederschlug, wird sicher immer wieder gerne stimmungsvolle Pyro-Technik sehen wollen.

Es war also im Hinblick auf die DFL nicht möglich, in dieser Woche das Geschehen lautlos aufzuklären. Die DFL möchte Signalwirkung, und daran kann ein MSV Duisburg nichts ändern, und schon gar nicht ein Bernd Maas. Der MSV Duisburg hat bei der DFL nicht das Standing, um solche Dinge lautlos zu regeln. Das müssen wir in Duisburg leider festhalten. Es gibt andere Vereine mit anderen Fankulturen, da geht das vielleicht. Ich weiß das nicht. Ich weiß nur, in Duisburg geht es keinesfalls.

Der Gang in die Kurve: Es gab während des Spiels die Banner. Im Grunde gleicht die Kurve den sozialen Netzwerken in der realen Welt. Dort geht es nicht um konstruktiven Austausch, sondern darum Flagge zeigen. Es stellt sich also die Frage, ob der Zeitpunkt richtig war. Gäbe es nicht eine stets  latent vorhandene Konfliktstimmung in der Kurve, wäre es womöglich ein Versuch wert gewesen. Hätte Bernd Maas die zusätzliche Brisanz in dem Moment erkennen müssen?  Im Nachhinein war es ein Fehler in die Kurve zu gehen. Er hat die Situation unterschätzt. Er sah sich zudem wahrscheinlich nicht als Teil eines größeren Konflikts im Fußball. Er sah sich als Teil des MSV, der mit Leuten, die auch Teil des MSV sind, sprechen kann. Das ist nicht mehr immer der Fall. Der Zusammenhalt des Sommers 2013 hört an dieser Stelle auf. Da dürfen wir uns nichts vormachen.

Es nutzt aber auch nichts mit den Fingern auf die Kohorte zu zeigen oder meinetwegen auf die PGDU, um auf diese Weise Schuld auf die andere Seite zu verteilen. Die Ultrabewegung ist ein Teil der Jugendkultur, und in solchen Jugendkulturen geht es immer um absolute Wahrheiten, um Gruppenzugehörigkeit, um soziale Heimat. Repression alleine stärkt dann den Gruppenzusammenhalt.  Diesen Spagat muss der MSV Duisburg leisten: Der Verein muss der DFL genüge tun und durch intensive Fanarbeit den Kontakt zu den Fangruppen nicht verlieren. Diese Fanarbeit wird nicht jeden der Fansszene erreichen. Auch da dürfen wir uns nichts vormachen. Geleistet werden muss sie dennoch. Die Anforderungen der DFL sind erfüllt worden. Nun gilt es, lautloser weiter zu machen, die entstandenen Konflikte wieder zu beruhigen. Die Fansszene des MSV ist zu klein, als dass solche Konflikte unbefriedet bleiben können.

Ohne Tore kann der Beste nicht gewinnen

Eine Szene kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn ich an das Spiel des MSV Duisburg gegen den VfL Bochum denke. Sie kommt mir in den Sinn, während ich Mühe habe, ein paar Worte über dieses torlose Unentschieden gestern zu schreiben.

Erschöpfend war die Enttäuschung, das eine wichtige Tor vom MSV nicht gesehen zu haben. Erschöpfend bis heute morgen, und vielleicht sehe ich wegen dieser Enttäuschung James Holland immer wieder so lebendig vor mir, wie er zum Kopfball hochspringt, vollendet in der Bewegung, perfekt im Timing. Besser lässt sich ein Ball nicht treffen. Mit aller Kraft köpfte er, allerdings stand er vor dem eigenen Tor. Er klärte eine Flanke und köpfte knapp übers Eck. Wie oft sieht man einen verteidigenden Spieler vor dem eigenen Tor in solch einer Weise, die an das Offensivspiel der eigenen Mannschaft erinnert? Irgendwie scheint mir diese Szene sinnbildhaft für das Spiel zu sein.

Warum das so ist, weiß ich gerade nicht. Auf der Hand liegt das nicht. Wahrscheinlich kommt mir verrätseltes literarisches Schreiben in die Quere. Ich sage ja, ich bin zu erschöpft. Da gerät das Handwerkszeug schon mal durcheinander. Es fällt mir nicht leicht zu akzeptieren, dass eine gute Leistung des MSV nicht zum Sieg gereicht hat. Die Mannschaft hatte das Spiel im Griff. Sie begann stark und ließ den Bochumern keinen Raum für das eigene Spiel. Wie lange dauerte es, bis der VfL in den Anfangsminuten überhaupt einmal über die Mittellinie kam? Das war ein Zeichen. Allerdings kam der MSV bei diesem größeren Ballbesitz in dieser ersten Halbzeit dem Bochumer Tor kaum nahe, hingegen wir zweimal bei großem Tohuwabohu im Strafraum Angst hatten, den Bochumern könnte eine Zufallstreffer gelingen. Dem war nicht so, weil jeder Spieler des MSV sich mit großer Entschlossenheit dem Ball in diesen kurzen Szenen, ob bei Pass, Dribbling oder Schussversuch entgegenwarf. An der Stelle lässt sich nicht mehr verlangen. Die Spieler wollten den Sieg. Sie wollten ihn mit ganzem Herzen. Jeder in der Mannschaft.

Dennis Grote hat ja zu alten spielerischen Qualitäten zurückgefunden und war eine der Stützen dieses Spiels. Der ebenfalls stark spielende Tim Albutat hingegen hat sich auf ein Niveau entwickelt, das wir in Duisburg von ihm noch nicht kannten. Wie er gestern auch unter Druck in der Vorwärtsbewegung den Ball immer behauptete und den Anschlusspass noch sicher nach vorne an den Mann brachte, das machte Freude. Überhaupt wirkten alle Spieler wieder gefestigt und selbstbewusst. Ballsicherheit war zurückgekehrt. Ballsicherheit! Dass ich dieses Wort wieder schreiben kann. Eigentlich gab es die Grundlagen für starken Beifall. Wenn nur nicht die Abschlussschwäche gewesen wäre.

Nach der Halbzeitpause war das Spiel sofort offener. Beide Mannschaften versuchten entschiedener in den Strafraum zu dringen. Erneut gelang es dem MSV das Spiel in die Hand zu bekommen, und die Mannschaft schaffte es zu Abschlüssen. Wo zu Beginn der Saison der Gegner ohne Torwart hätte spielen können, musste VfL-Torhüter Manuel Riemann den Ball tatsächlich auch immer wieder aufnehmen. Allerdings hätte auch dessen Vorgänger im Tor, der suspendierte Andreas Luthe, keine Probleme bekommen. Die Torschüssse blieben zu harmlos. Der MSV erspielte sich nun Chancen, von denen die Offensivspieler einer besser platzierten Mannschaft doch sehr wahrscheinlich eine genutzt hätten. Wahrscheinlich ist das der Grund für meine wiederkehrende Erinnerung an die Szene mit James Holland, ein Sinnbild für das Unmögliche im Spiel des MSV gegen den VfL Bochum, ein eigenes Tor zu erzielen.

Wie gehen wir mit einer guten Leistung um, die ohne Sieg bleibt? Wie gehen wir mit einem torlosen Unentschieden um, wenn drei Punkte das Ziel gewesen sind? Rein rechnerisch wird die Chance auf den Relegationsplatz immer kleiner. Die Leistung der Mannschaft kann aber weiter Hoffnung machen. Einmal mehr heißt es, immer weiter, immer weiter. Die Stimme, mit der ich das sage, klingt allerdings noch ziemlich müde.


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