Eine Niederlage wie ein Unglück

Das Spiel des MSV Duisburg gegen RB Leipzig war zu Ende, und ich musste raus. Ich musste mich bewegen. Ich musste auf andere Gedanken kommen. 4:2 hatte der MSV verloren, nachdem die 2:1-Führung in der 80. Minute geglückt war; nachdem die Mannschaft in der ersten Halbzeit ein 1:1-Unentschieden gegen alle Wahrscheinlichkeiten gehalten hatte; nachdem RB Leipzig innerhalb der letzten 5 Minuten 3 Tore erzielte. Diese Niederlage des MSV Duisburg gegen RB Leipzig fühlte sich nach dem Schlusspfiff für mich wie ein großes Unglück an. Ich fuhr nach Altenberg, wo an diesem zweiten Adventswochenende traditionellerweise das halbe Umland zum Weihnachtsmarkt zusammenkommt.

Es war voll, ich sah ein paar Kölner Bekannte, doch das Unglück dauerte an. Ihr kennt diesen ungläubigen Schrecken vielleicht, wenn man mit etwas Gegenwärtigem beschäftigt ist und dann urplötzlich das verdrängte Geschehen wieder in den Sinn kommt? Ein Blick hin zum Altenberger Dom, und rumms sprang eine vier mir in den Sinn. Doch alles in mir sträubte sich an die Wirklichkeit der Niederlage zu glauben. Für einen winzigen Moment befand sich das Spiel dann in einem Niemandsland zwischen Ungeschehenem und Irrealem. Für einen winzigen Moment fühlte es sich so an, als hätte es diese Niederlage nie gegeben. Den twitternden Onlineredakteuren der Funke-Gruppe ging es übrigens ebenso.

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Dieser winzige Moment verging und mit großer Wucht traf mich erneut die Enttäuschung. RB Leipzig spielte in der ersten Halbzeit klar besser als der MSV, dennoch hielt der MSV mit sehr viel Glück und entschlossener Defensive dagegen. Die einzige Torchance nutzte Kevin Wolze mit einem wunderbaren Distanzschuss von knapp außerhalb des Strafraums zur Führung. Wenn man es sich recht überlegt, deutete sich schon in dieser ersten Halbzeit an, dass die Mannschaft mit einer Führung nicht gut klar kam. Sie hatte unverhofft einen Schatz in der Hand und von da an bekam sie Angst, diesen sagenhaften Schatz wieder zu verlieren. RB Leipzig spielte ungerührt weiter und versuchte sich im schnellen Kombinationsspiel in den Strafraum zu spielen. Das gelang für diese spielerische Überlegenheit eigentlich nicht oft genug. Was wiederum für die defensiven Qualitäten des MSV sprach.

Nach der Führung aber verschwand der kleine Rest Mut zur Offensive vollends. Vor dem Ausgleich hatte RB Leipzig vier oder fünfmal erfolglos versucht sich an die Strafraumgrenze zu spielen. Doch jeder vom MSV eroberte Ball wurde sofort wieder abgegeben. Überhastet gingen sämtliche kurzen Pässe direkt zurück zum Gegner. Es gab keine Atempause mehr für die Defensive und es war nur eine Frage der Zeit bis zum Ausgleich.

Als der Ausgleich gefallen war, war alles wieder gut. RB Leipzig spielte zwar überlegen weiter, doch Pässe des MSV kamen zumindest bei einer weiteren Station wieder an, ehe der Ball wieder verloren ging. So blieb genügend Zeit, um die Defensive wieder zu sammeln. Nach der Halbzeitpause wurde es noch besser. Thomas Meißner war für Giorgi Chanturia gekommen. Die spielerische Überlegenheit von RB Leipzig verpuffte nun fast vollends. Die Mannschaft kam aus dem Spiel heraus kaum mehr gefährlich vor das Duisburger Tor. War es eine klare Leipziger Chance noch, bei der dem MSV die Abschlussschwäche von David Selke beim Kopfball zu Hilfe kam? So konnte um das Unentschieden mit einer Hoffnung auf das gute Ende gezittert werden. Als dann Kevin Scheidhauer nach einem wunderbaren Konter über Tim Albutat sogar das 2:1 erzielte, schien diese Hoffnung noch berechtigter.

Fünf Minuten hielt die Führung. Dann kam die erste Ecke, nach der der Ausgleich fiel. Es schien mir so, als ob in dieser Standardsituation einfach zu viel Zeit blieb, in der die Spieler Angst vor Fehlern entwickeln konnten. Sie wirkten nicht entschlossen genug bei diesen Standards. Die Enttäuschung über den Ausgleich war der Mannschaft anzumerken. Noch einmal hatten sie diesen sagenhaften Schatz schon in der Hand gehabt, und nun wurde dieser Schatz der Mannschaft erneut entrissen. Deshalb war auch das Unentschieden kaum mehr zu halten, weil diese Enttäuschung die Konzentration gefährdete. Zwei Minuten später folgte der nächste Eckstoß und das Führungstor der Leipziger fiel. Der Schatz des Auswärtssieges war endgültig zum schönen Traum geworden, nicht einmal mehr ein Rest Goldstaub war geblieben. Das vierte Tor der Leipziger war nur noch das Sahnehäubchen für das Heimpublikum. Ein Ausgleich wäre nie und nimmer gelungen.

Angesichts des Spielverlaufs ist das Ergebnis eine große Enttäuschung, eben ein Unglück, das ich nicht wahrhaben wollte. Realistisch betrachtet habe ich mit keinem Punkt gerechnet. Also, Perspektivwechsel ist angesagt für die Mannschaft und für uns, damit berechtigtes Selbstvertrauen auch aus diesem Spiel gewonnen werden kann.

Zum ausführlichen, sehr guten Spielbericht aus Leipziger Sicht beim Rotebrauseblogger mit einem Klick

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