Ohne Tore kann der Beste nicht gewinnen

Eine Szene kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn ich an das Spiel des MSV Duisburg gegen den VfL Bochum denke. Sie kommt mir in den Sinn, während ich Mühe habe, ein paar Worte über dieses torlose Unentschieden gestern zu schreiben.

Erschöpfend war die Enttäuschung, das eine wichtige Tor vom MSV nicht gesehen zu haben. Erschöpfend bis heute morgen, und vielleicht sehe ich wegen dieser Enttäuschung James Holland immer wieder so lebendig vor mir, wie er zum Kopfball hochspringt, vollendet in der Bewegung, perfekt im Timing. Besser lässt sich ein Ball nicht treffen. Mit aller Kraft köpfte er, allerdings stand er vor dem eigenen Tor. Er klärte eine Flanke und köpfte knapp übers Eck. Wie oft sieht man einen verteidigenden Spieler vor dem eigenen Tor in solch einer Weise, die an das Offensivspiel der eigenen Mannschaft erinnert? Irgendwie scheint mir diese Szene sinnbildhaft für das Spiel zu sein.

Warum das so ist, weiß ich gerade nicht. Auf der Hand liegt das nicht. Wahrscheinlich kommt mir verrätseltes literarisches Schreiben in die Quere. Ich sage ja, ich bin zu erschöpft. Da gerät das Handwerkszeug schon mal durcheinander. Es fällt mir nicht leicht zu akzeptieren, dass eine gute Leistung des MSV nicht zum Sieg gereicht hat. Die Mannschaft hatte das Spiel im Griff. Sie begann stark und ließ den Bochumern keinen Raum für das eigene Spiel. Wie lange dauerte es, bis der VfL in den Anfangsminuten überhaupt einmal über die Mittellinie kam? Das war ein Zeichen. Allerdings kam der MSV bei diesem größeren Ballbesitz in dieser ersten Halbzeit dem Bochumer Tor kaum nahe, hingegen wir zweimal bei großem Tohuwabohu im Strafraum Angst hatten, den Bochumern könnte eine Zufallstreffer gelingen. Dem war nicht so, weil jeder Spieler des MSV sich mit großer Entschlossenheit dem Ball in diesen kurzen Szenen, ob bei Pass, Dribbling oder Schussversuch entgegenwarf. An der Stelle lässt sich nicht mehr verlangen. Die Spieler wollten den Sieg. Sie wollten ihn mit ganzem Herzen. Jeder in der Mannschaft.

Dennis Grote hat ja zu alten spielerischen Qualitäten zurückgefunden und war eine der Stützen dieses Spiels. Der ebenfalls stark spielende Tim Albutat hingegen hat sich auf ein Niveau entwickelt, das wir in Duisburg von ihm noch nicht kannten. Wie er gestern auch unter Druck in der Vorwärtsbewegung den Ball immer behauptete und den Anschlusspass noch sicher nach vorne an den Mann brachte, das machte Freude. Überhaupt wirkten alle Spieler wieder gefestigt und selbstbewusst. Ballsicherheit war zurückgekehrt. Ballsicherheit! Dass ich dieses Wort wieder schreiben kann. Eigentlich gab es die Grundlagen für starken Beifall. Wenn nur nicht die Abschlussschwäche gewesen wäre.

Nach der Halbzeitpause war das Spiel sofort offener. Beide Mannschaften versuchten entschiedener in den Strafraum zu dringen. Erneut gelang es dem MSV das Spiel in die Hand zu bekommen, und die Mannschaft schaffte es zu Abschlüssen. Wo zu Beginn der Saison der Gegner ohne Torwart hätte spielen können, musste VfL-Torhüter Manuel Riemann den Ball tatsächlich auch immer wieder aufnehmen. Allerdings hätte auch dessen Vorgänger im Tor, der suspendierte Andreas Luthe, keine Probleme bekommen. Die Torschüssse blieben zu harmlos. Der MSV erspielte sich nun Chancen, von denen die Offensivspieler einer besser platzierten Mannschaft doch sehr wahrscheinlich eine genutzt hätten. Wahrscheinlich ist das der Grund für meine wiederkehrende Erinnerung an die Szene mit James Holland, ein Sinnbild für das Unmögliche im Spiel des MSV gegen den VfL Bochum, ein eigenes Tor zu erzielen.

Wie gehen wir mit einer guten Leistung um, die ohne Sieg bleibt? Wie gehen wir mit einem torlosen Unentschieden um, wenn drei Punkte das Ziel gewesen sind? Rein rechnerisch wird die Chance auf den Relegationsplatz immer kleiner. Die Leistung der Mannschaft kann aber weiter Hoffnung machen. Einmal mehr heißt es, immer weiter, immer weiter. Die Stimme, mit der ich das sage, klingt allerdings noch ziemlich müde.

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