In der Warteschleife oder Sind Fußballer die Rockmusiker der Gegenwart?

Gott sei Dank, mir hilft bald wenigstens der Karneval bei diesem Warten auf das erste Spiel des MSV Duisburg nach der Winterpause. Ab dem Wochenende schon. Dann gehts nochmal zur Aftershow-Party der Stunksitzung, dann Pre-Wieverfasteloovend-Planung, dann Wieverfasteloovend-Heiligabend, dann Wieverfasteloovend, dann Geisterzug, Veedeslzoch, dann Spieltag. Endlich. Mich interessiert beim MSV zurzeit nichts. Wasserstandsmeldungen vom Training lege ich beiseite. Mich langweilten Dönekes aus Belek. Die Ergebnisse der Testspiele ließ ich an mir vorbeiziehen. Das Warten auf Tomané tarnte sich in meinem Warten perfekt. Das nennt der Biologe Evolutionsprinzip. Alles unwichtig. Ich denke an fünf Punkte Rückstand, an acht Punkte, an Bielefeld und versuche meine klitzekleine letzte Hoffnung beisammen zu halten während all des Wartens. Doch je länger ich warte, desto schwieriger ist es, sich nicht an das Spiel gegen den VfL Bochum zu erinnern. Warten ist nicht schön.

Das merkt gerade Ivo Grlic ganz besonders. Nicht mal er weiß, warum dieses Fax mit Unterschriften aus Portugal nicht in Duisburger Büroräume endlich reinzirpt – die Freigabe, damit Tomané auch mal einen Ball auf Meidericher Rasen berühren kann. Vom Runden im Eckigen wollen wir vorerst noch ganz schweigen. Wie aber kann man nun auf die Idee kommen, die Blockade durch den abgebenden Verein Vitoria Guimaraes dem MSV anzulasten? Auch nach langem Nachdenken komme ich einfach nicht darauf.  Peinlich ist an dem Vorgang für den MSV überhaupt nichts. Ärgerlich ist das und zwar deshalb, weil ein anderer Verein sich nicht an Verträge hält. So was geschieht. Normalerweise folgt dann der Rechtsweg, was dem MSV momentan nicht sehr viel weiter hilft. All das hat auch mit den finanziellen Möglichkeiten des MSV Duisburg zu tun. Jede Verpflichtung, die sich vom Durchschnittsleistungsniveau des Kaders abheben könnte, birgt ein Risiko. Ob das nun die potentielle Verletztungsanfälligkeit des Spielers ist oder das Geschäftsgebaren der Vertragspartner. Wäre das  nicht so, hätte der MSV keine Chance, diese Spieler zu verpflichten. Der Risikoabschlag macht das Geschäft erst finanzierbar.

Bei Übernachtungspreisen für Fußballvereine ist es seit einiger Zeit genau umgekehrt. Wenn Fußballvereine kommen, steigen die Preise wegen des Vandalismus-Risikos. Ob nun auf Fluren gepinkelt wird, Blumenkübel umgeschmissen werden oder Betten zu Bruch gehen, gerade in Wintertrainingslagern und bei Wochenendübernachtungen zum Saisonende lassen es manche Spieler gerne mal so richtig krachen. Einer muss es ja machen, seitdem der Rockmusikernachwuchs sich mehr dem Leistungsprinzip und der harten Arbeit verpflichtet fühlt als dem Rockmusiker-Rollenmodel der 60er und 70er Jahre. So bin ich Nick Proschwitz sehr dankbar. Wir brauchen solche konservativen Menschen zurzeit. Menschen, die zu alten Werten stehen, damit die Gesellschaft nicht auseinanderfliegt. Davon ab habe ich die Unruhe in Paderborn um seine heruntergelassene Hose mit gewisser Zufriedenheit beobachtet. So was stört die viel beschworene Einheit, und alles, was den Gegner schwächt, hilft dem MSV Duisburg weiter. Ein Hoch auf Nick Proschwitz‘ selbstlose Unterstützung des MSV Duisburg. Dazu ein Hoch auf Kleiderordnungen und Ilia Gruev. Bochum? War da was mit Bochum?

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