Zehn Mann auf des toten Manns Kiste

Bei dieser Tabellenlage muss der MSV Duisburg Punkte nehmen, egal, wie er sie bekommt. Was interessieren noch Details. Mir geht das beim Schreiben momentan nicht anders. Recht bald nach dem 1:1-Unentschieden der Zebras bei der SpVgg Greuther Fürth ging mir ein Lied nicht mehr aus dem Kopf, das beim genauen Hinsehen als Leitmotiv weder für das Spiel noch für den Rest der Saison passt. Egal, wir stehen alle unter Druck.

„Zehn Mann auf des toten Manns Kiste“. Das sang ich leise vor mich hin, als ich vom „Ostende“ aus nach Hause fuhr. Ihr kennt das Lied? Vielleicht sogar  noch aus Robert Louis Stevensons Schatzinsel? Es sind ja eigentlich fünfzehn Mann, und die holt auch noch der Teufel, anstatt dass sie gerettet werden. Aber ich sagte es ja schon, was interessieren Details.

 

 

Erstmal waren also die zehn Mann meiner Version auf dem Sarg ans rettende Ufer gepaddelt. Ich war etwas erschöpft. Eine Halbzeit lang bangten wir um das torlose Unentschieden und überstanden dabei drei sehr große Fürther Chancen ohne weitere gesundheitliche Probleme. Michael Ratajczaks gute Reflexe hielten die Mannschaft im Spiel.

Gleichzeitig begann ich sogar schon in dieser ersten Halbzeit immer mächtiger zu hoffen, Punkte mitnehmen zu können. Den Fürthern gelang es nicht, ihre Überlegenheit vor dem Tor des MSV in dauerhaften Druck zu verwandeln. Immer wieder gelang es den Zebras, sich ein wenig zu befreien und den Ball für einige Zeit auch in den eigenen Reihen zu halten. Hin und wieder gelang sogar etwas, was als Offensivaktion ohne Torgefahr hat bezeichnet werden können. Nicht mal allzu viel Wohlwollen brauchte ich.

Ich gebe zu, meine Ansprüche an den MSV sind inzwischen nicht mehr sehr groß. Wie gesagt, der Verein und ich wir sind in einer Situation, in der wir ein halbgares Geschehen auch einmal in die uns genehme Wirklichkeit zwingen müssen, um überhaupt noch weiter zu machen. Wir nehmen etwas nahe Liegendes, schauen uns an, ob damit vielleicht was geht und den Rest muss bis auf Weiteres das  Glück erledigen.

Auf diese Weise fiel das 1:0 für den MSV Duisburg kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit. Von halbrechts flankte Zlatko Janjic einen Freistoß in den Strafraum. Der Ball fiel nach der Kopfballabwehr in den leeren Raum zentral vor dem Strafraum, wo Kevin Wolze lauerte. Sein harter Schuss passte perfekt, um vom Torwart aufgenommen zu werden. Doch ein Abwehrspieler lenkte den Ball ins Netz ab. Großer Jubel. Immer kleiner werdende Hoffnung für 20 Minuten.

Denn während dieser 20 Minuten war erkennbar, mit dem nun manchmal vorhandenen freien Raum in der Fürther Hälfte konnten die Spieler des MSV nicht allzu viel anfangen. Auf Konter brauchten wir nicht zu hoffen. Es ging nur ums Überstehen der Fürther Angriffsversuche. 20 torlose Minuten waren bei einer Restspielzeit von 43 Minuten aber eindeutig zu kurz, um das Spiel zu gewinnen. Ein Fürther Angriff nahm Fahrt auf mit einem Doppelpass in den Strafraum hinein. Im Ansatz wurde der Angriff von Branimir Bajic fast unterbunden. Doch aus dem Stören wurde eine Verlängerung der Doppelpasseinleitung. Ihm flipperte der Ball weg gegen das Bein von James Holland, der den Ball in den Lauf des Fürther Stürmers verlängerte. Holland ging hinterher, fingerte an der Schulter, der Fürther fiel. Elfmeter und rote Karte für Holland waren die Folgen.

23 Minuten plus Nachspielzeit waren nun zu überstehen. Das gelang in der Defensive gut. Weiterhin war der Raum in der Fürther Hälfte riesig. Zwei-, dreimal wurde sogar ein Ball in diesen freien Raum gepasst und von Tomané oder Thomas Bröker aufgenommen. Irgendeine nennenswerte Offensivaktion ergab sich daraus aber nicht. Trotz des Wissens um das Risiko, wenn Spieler der Zebras nachgerückt wären, kitzelte die Enttäuschung, die Konter nicht versucht zu haben. Den Fürthern gelang es allerdings auch nicht mehr, ihre Überlegenheit zur Torgefahr zu machen. Das Spiel plätscherte unter unserer Anspannung dem Ende entgegen. Die Nachspielzeit schien endlos. Es blieb bei einem Punkt für die Moral.

Anscheinend spielen der MSV, der SC Paderborn und der TSV 1860 München den Relegationsplatz in einer Art Mini-Turnier untereinander aus. Im Gleichschritt der Ergebniss sehen wir den Spieltagen mit den direkten Begegnungen entgegen. Es wäre schön, wenn sich die Erwartungen der Zuschauer des MSV bis dahin auch den Gegebenheiten anpassen könnten. Zu lesen ist vom Spieler-Dissen der mitgereisten Fans nach dem Spiel. Das kann ich nicht verstehen. Die Spieler haben sich angestrengt. Sie können es nicht besser, und nach dem völligen Tiefpunkt im Spiel gegen den KSC kann es nicht mehr schlechter werden. Wir müssen nehmen, was kommt und irgendetwas daraus machen. Wenn dann noch Glück hinzu kommt, sind wir im Relegationsplatz-Qualifikationsturnier trotz der schlechtesten Ausgangsposititon der drei Mannschaften wieder drin.

Kurz_Hermann

Hermann Kurz – Ohne Titel

Im „Ostende“ habe ich das Spiel übrigens im Kreis des MSV-Hermann-Kurz-Gedächtnis-Fanclubs gesehen, der sich selbstverständlich am 19. 2. eines jeden Jahres trifft. Duisburger Künstler haben den Fanclub zum Gedenken an den 2006 verstorbenen Hermann Kurz gegründet, ein Künstler, der MSV-Fan gewesen ist und mehrere Bilder mit vom Fußball inspirierten Motiven gemalt hat. Mit einem Klick geht es zu einer Seite über Hermann Kurz mit kurzen biografischen Daten und einer kleine Galerie mit Werken von ihm.

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