Karton mit Zehn-Watt-Hoffnungs-Glühbirnen gefunden

Heute muss es schnell gehen. Ich muss gleich meinen wieder entdeckten Vorrat an Zehn-Watt-Hoffnungs-Glühbirnen unter die Leute bringen. Endlich mal wieder ein bisschen Licht schon in der Woche, ganz zu schweigen vom Spieltag, an denen es in der letzten Zeit für uns alle ja doch ziemlich dunkel geworden war.

Selbst mein Spieltags-3-Watt-Hoffnungsglimmen war allerdings am Samstag während der ersten Halbzeit im Spiel vom MSV gegen Union Berlin auf einen 1-Watt-Rest runtergedimmt. Union spielte einen schön anzusehenden Kombinationsfußball. Das war sehr beeindruckend, wie Unions Spieler jederzeit wussten, in welche freien Räume die Mitspieler zogen, wie die Spieler selbst potentielle Wege des Balles aufnahmen und so ihren Mannschaftskollegen die Gelegenheit gaben, um schnelle Pässe zuzuspitzeln, um selbst scheinbar freie Bälle sofort wieder zu kontrollieren oder per Kopf sehr genau und bewusst abzuspielen. Das sah alles planvoll aus, blieb allerdings für diese Kombinationssicherheit erstaunlich ungefährlich. Sicher, es gab Chancen für Union Berlin. Doch so leicht und dynamisch wie diese Mannschaft sich an den Strafraum heranspielte, so wenig Durchschlagskraft hatte die Mannschaft vor dem Tor des MSV.

Meine Sorge vor diesem Kombinationsfußball erwies sich als zu groß, zumal auch der MSV ohne diesen Kombinationsfußball mit einem viel zufälligeren Spiel zu Chancen kam. Im Grunde sah die Spielweise des MSV nach dem Braunschweig-Spiel sogar in dieser ersten Halbzeit nach einem kleinen Rückschritt aus. Es fehlte der Offensive an Dynamik und der Defensive zu oft der Zugriff auf den Ball. Dennoch stand es zur Halbzeit torlos Unentschieden, dennoch hätte es auch gut 1:1 stehen können.

Die zweite Halbzeit begann, und das Spiel wurde anders. Mit dem Anpfiff war der MSV präsenter. Mit dem Anpfiff stellte sich endlich auch in der Spielanlage ein Gleichgewicht ein. Der MSV wurde besser, Union etwas schlechter und schon sah das Offensivspiel des MSV endlich so planvoll aus, dass meine Hoffnung nicht mehr nur gerichtet war auf das zufällige Herunterfallen eines Balles in Strafraumnähe bei zufälliger gleichzeitiger Anwesenheit eines Spielers im MSV-Trikots und weiteren Zufällen in der Folge. Passend für uns Duisburger kam in diese aufkeimende Hoffnung hinein der Elfmeterpfiff gegen den MSV. Eigentlich wurde ein aus der Ferne gefährlich wirkender Angriff von Union recht souverän geklärt; sofort wurde mit schneller Kombination das Gegenpressing überwunden, der Ball war auf Außen, zeitgleich brachte Rolf Feltscher  im Strafraum einen Spieler Unions zu Fall. War das so? Darf ich mit Recht sagen, selten ein so überflüssiges Foul im Strafraum gesehen zu haben?

Wenige Minuten später führte Union 1:0, und ich begann mir über Fortuna Köln und Auswärtsfahrten in den Osten Deutschlands Gedanken zu machen. Die Mannschaft hingegen war nur kurz irritiert. Sie hatte keine Zeit dazu, denn Victor Obinna und Nico Klotz wurden eingewechselt und schienen sich vorgenommen zu haben, den Ausgleich innerhalb der nächsten Minute zu erzielen. Vielleicht ging es den anderen Spielern auch von Anfang an so, aber dieser brennende Wille beider ragte heraus. Mit dem ersten Ballkontakt brachte Nico Klotz seine Gegenspieler ins Rotieren. Er war so schnell im Dribbling, suchte das Kombinationsspiel und ging mit einer Dynamik auf das Tor zu, die der Defensive von Union Angst machen musste. Ein ähnliches Bild bot Victor Obinna im offensiven Mittelfeld, wo er die freien Räume suchte, die hohen weiten Bälle gut behauptete und sie schnell verarbeitete. Das Spieltempo des MSV hatte angezogen.

Die Tore, die folgten, waren kein Zufall mehr. Diese Tore waren die Konsequenz jenes druckvolleren Spiels, das wir zu sehen bekamen. Den Ausgleich erzielte Stanislav Iljutcenko auf die intuitive Weise eines Weltklassestürmers. Diese Ballannahme im Strafraum mit dem Rücken zum Tor, die eine Selbstvorlage zum Fallrückzieher war, gehört zu den Unberechenbarkeit eines Instinktfußballers. Der 2:1-Führungstreffer fiel nur wenig später durch Nico Klotz, nach schnellem Kombinationsspiel über den linken Flügel, und auch das war ein wunderschön anzusehendes Tor.

Unsere Nerven hätte es beruhigt, wenn einer von zwei vielversprechenden Kontern über den ebenfalls eingewechselten Tim Albutat erfolgreich vollendet worden wären. Ein Freistoß von Union an der Strafraumgrenze auf deren linken Flügel wagte ich kaum mir anzusehen. Knapp strich der Ball über die Latte. Es war die größte Chance zum Ausgleich in einem Spiel, das der Schiedsrichter für unser Gefühl nicht abpfeifen wollte. Vier Minuten Nachspielzeit waren es ohnehin schon. Gefühlte zehn wurden es für mich. Erlösung mit dem Schlusspfiff und die plötzliche Erinnerung an den Karton im Keller mit diesen Zehn-Watt-Hoffungs-Glühbirnen. Die bringe ich jetzt erstmal unter die Leute.

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1 Response to “Karton mit Zehn-Watt-Hoffnungs-Glühbirnen gefunden”



  1. 1 Vorbericht: SC Paderborn 07 gegen MSV Duisburg | Schwarz und Blau Trackback zu 17. März 2016 um 17:29

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