Archiv für April 2016

Die Aura einer Eintrittskarte

Über die Bilanz des MSV Duisburg gegen Fortuna Düsseldorf in den 1970er Jahren muss man sich vor dem heutigen Spiel gegen diesen Gegner jeden Gedanken verbieten. Es sei denn, wir blicken auf die Ausnahme als großes Vorbild für den heutigen Abend. In der Saison 1976/77 gewann der MSV am 27. Spieltag durch ein Tor in der 17. Minute von Ronnie Worm mit 1:0. Beim Kicker finden sich die Eckdaten des Spiels. Konkrete Erinnerungen an das Spiel habe ich nicht mehr. Doch die Aura des Sieges trägt meine Eintrittskarte von damals in die Gegenwart hinein. Ich nehme sie heute Abend mal vorsichtshalber mit. Man weiß ja nie.

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Tagesaktueller Freund, Köln, du Feind unseres Feindes – Kein Schwein will ein Alt

Es ist nicht nur die Saisonphase angebrochen, in der wir Tore in anderen Stadien manchmal genauso bejubeln wie die Tore unserer eigenen Mannschaft, es ist auch jene Saisonphase, in der die Nervosität vor den Spielen mich kaum zur Ruhe kommen lässt. In jeder ruhigen Minute stelle ich komplizierte Rechnungen auf, in welchem schlechten Fall beim nächsten Spiel des MSV dennoch alles gut ausgehen kann. Das hält den Kopf frisch. Wir Anhänger der Zebras brauchen keine Magazin-Tipps, um mit Sudoku, Rätsel und allerlei Hirn-Training auch im Alter geistig fit zu bleiben. Wir haben den Saisonverlauf unserer Mannschaft. Das reicht vollends. Vielleicht sollten Krankenkassen das Fantum beim MSV mal in ihre Präventionskonzepte aufnehmen. Rückenschule, Entspannungskurse und so ein Kram wird ja auch oft bezuschusst. Warum nicht eine Dauerkarte beim MSV als Prävention gegen Altersdemenz?

Außerdem erfordern besondere Spiele besondere Maßnahmen. Jede Möglichkeit ist uns recht, die das Selbstbewusstsein unseres Düsseldorfer Gegners morgen untergraben wird. Schauen wir uns nach Verbündeten um, die uns dabei zu Hilfe kommen. Getreu dem Motto, der Feind unseres Feindes kann durchaus trotz sonstiger Abneigung auch mal Freund sein, bin ich in Köln fündig geworden. Dort gehört das behagliche Dissen der Landeshauptstadt ja ebenso zur Brauchtumspflege wie die besondere Verbundenheit zur lokalen Biersorte. Wenn beides zusammenkommt, wird daraus bei Köbes Underground das Max-Rabe-Cover „Kein Schwein will ein Alt“. Als einzelnen, kompletten Song habe ich das Stück nicht gefunden. Hier aber ab 1.39, im kurzen Ausschnitt. Mit einem Klick weiter zum Text. Bitte schön, Kein Schwein will ein Alt. geschweige denn einen Sieg der Fortuna oder ein Unentschieden.

 

Übrigens habe ich mich als einer der Peter Neururers unter uns Anhängern des MSV schon vor Längerem dazu entschlossen, nicht mehr zum Friseur zu gehen, solange uns der direkte Klassenerhalt möglich ist. Wir sind in der heißen Phase der Saison. Wir müssen jede Möglichkeit des Einflusses auf das Schicksal des MSV in Erwägung ziehen.

Noch und eine letzte Chance will ich nicht lesen

Da an einem Dienstag der Freitag immer noch nicht übermogen ist, braucht mein magisches Denken jede Unterstützung. Hilfreich kann die Macht der Sprache wirken. Deshalb müssen wir vorsichtig sein, welche Sätze wir in unsere Köpfe lassen. „MSV Duisburg hat gegen Düsseldorf noch eine letzte Chance“ wird bei WAZ/NRZ  ein früher Vorbericht zum Spiel betitelt. Obwohl ich gestern ebenfalls von der Pflicht des MSV zum Sieg geschrieben habe, bringt dieser Titel meine Stimmung vor dem Spiel nicht auf den Punkt. Mehr noch, diese Überschrift nimmt mir Energie für das Spiel.

Der Titel rückt die Schwäche der Mannschaft in den Blick. Mit dem „noch“ klingt an, dass niemand beim MSV selbst verantwortet hat, wozu es am Freitag  nun kommen wird. Scheinbar schicksalhaft ergibt sich in der Überschrift die Bedeutung des Spiels gegen Düsseldorf. Wenn ich diese Bedeutung  auf den Punkt bringen soll, möchte ich, dass die Leistung der Mannschaft in den meisten der letzten Spiele mit anklingt. Ich möchte nur Sätze lesen, in denen die Spieler als handelnde, aktive Personen mitgedacht sind. Die Spieler sollen nicht etwas ausgesetzt sein wie eben der letzten Chance.

Die Spieler sollen am Freitag das Spiel gestalten, und nur Sätze, in denen so etwas anklingt, sind erlaubte Sätze – zumindest für die Spieler-Köpfe und meinen, wenn ich die Zeit bis Freitag in größtmöglicher Zuversicht verbringen will.

Soll und Haben im Tabellenrechner – 31. Spieltag

Alten Traditionen folgend werde ich bis zu endgültigen Entscheidungen über das Schicksal des Vereins unserer Zuneigung die Wirklichkeit und meine Fieberfantasien mit dem Tabellenrechner gegenüberstellen. In der Klammer steht meine Punkteprognose am Ende der Saison, dann folgt inwiefern die bisherigen Ergebnisse von meiner Prognose abweichen.

Auf den ersten Blick sieht alles so aus, als folge die Wirklichkeit noch meinem Plan. Besser noch, der FSV Frankfurt gesellt sich als ernsthafter Anwärter auf einen direkten Abstiegsplatz hinzu. Gut, Paderborn sammelt mehr Punkte als gedacht, aber da ist noch immer Luft bis der MSV erreicht wird, wenn der MSV macht, was wir uns wünschen. Unangenehm war der Heimsieg des TSV 1860 München, weil sich daraus hoffentlich nicht ein Aufwärtstrend durch den Trainerwechsel einstellt. Passiert ist nichts, weil die Mannschaft vorher zwei Punkte wider Erwarten verloren hatte. Ich habe diesen neuen Stand in die Tabellen unten nochmals eingerechnet.

Es gibt einen Vorteil für den MSV an den letzten beiden Spieltagen. Die Konkurrenten im Abstiegskampf spielen noch gegeneinander. Von diesen Spielen wird der MSV bei jedem Spielergebnis profitieren, wenn, ja wenn der MSV am Freitag gegen Fortuna Düsseldorf gewinnt. Das ist notwendig. Am Freitag heißt es für den MSV wieder, Endspielstimmung, ein Sieg muss her. Sonst müsste aus einem Heilungswunder eines der Wiederauferstehung von den Toten werden.

14. Fortuna Düsseldorf:  29 (31)   +/- 0
15. FSV Frankfurt 29 (32) +/- 0
16. TSV 1860 München:  28 (32)  +/- 0
17. SCP Paderborn: 28 (28)  +/- 0
18. MSV Duisburg:  25 (32) +/- 0

Nachdem ich den Tabellenrechner seine Arbeit hatte machen lassen, endete die Saison für mich wie unten. Beim gegenwärtigen Stand der Dinge und wenn sich die Vereine an meine weiteren angenommenen Ergebnisse hielten, stände der MSV Duisburg nun sogar auf dem 15. Platz. Es wird knapp. Das Torverhältnis kann entscheiden.

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Auch erwartete Niederlagen vermiesen die Laune – nur kürzer

Die Niederlage gegen den SC Freiburg ist in meinem Klassenerhaltsszenario einkalkuliert gewesen. Was mich natürlich nicht daran hinderte, auf einen anderen Ausgang des Auswärtsspiels zu hoffen. Verstohlen hatte ich auf die zu vergebenden Punkte geschielt und zugleich an das 2:2-Unentschieden der Freiburger in Braunschweig gedacht, nach einem Rückstand von 0:2. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass die spielstarken Freiburger sich ein zweites Mal die Aufstiegsstimmung trüben lassen wollten. Ich hoffte dennoch und mit mir das überfüllte „Ostende“ in Duisburg.

Schon die ersten Spielminuten dämpften allerdings meine Erwartungen. Der SC Freiburg wirkte weitaus stabiler in allen Mannschaftsteilen als die Nürnberger vor 14 Tagen. Nach etwa fünfzehn Minuten Spielzeit war für mich ein Unentschieden das Glück verheißende Ziel, für das der MSV aber auch eben viel Glück gebraucht hätte. Sicher, die Defensive der Zebras stand bis dahin sicher, doch die Freiburger gaben sich keinerlei Blöße. Souverän und früh wurde jede offensiv gemeinte Spielaktion des MSV unterbunden. Ruhig, zugleich im Tempo variierend wurde das eigene Offensivspiel aufgezogen. Noch wurde es vor dem Tor des MSV nicht wirklich brenzlig, doch wie oft der Ball in halbgefährliche Zonen der MSV-Defensive gebracht werden konnte, machte mir keine Freude. Nur durch große gemeinsame Anstrengung der MSV-Defensive konnten etwa Angriffe durch die Mitte aufgehalten werden. Zwei, drei Defensivspieler brauchte es manchmal um einen einzigen technisch starken Angreifer der Freiburger aufzuhalten. Der alternative Weg über die Flügel wurde ebenso versucht. Zwingend wurden die einzelnen Aktionen weiterhin nicht.

Wenn dann aber zum individuellen Können schnelles Passspiel hinzu kommt, reicht auch die konzertierte Defensivaktion nicht mehr. Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass jemand zu spät für das Grätschen ohne Foul kommt. Gegen diese MSV-Defensive ging es in der Spielphase für die Freiburger gar nicht darum, aus dem Spiel heraus ein Tor zu erzielen. Aussichtsreiche Standardsituationen als Ende einer Spielaktion waren auch ein Mittel für Torgefahr. Das 1:0 fiel nach einem Freistoß aus einer Distanz, die für eine Mannschaft wie den MSV gar nicht so vielversprechend gewesen wäre. Die Freiburger haben aber einen Freistoßschützen wie Vincenco Grifo. Für ihn hätten in der Mauer mindestens zwei Spieler mehr stehen müssen. Dann hätten allerdings im Strafraum Defensivspieler gefehlt. Die Aufstellung der Spieler des MSV war eine schwierige Entscheidung bei dieser Freistoßdistanz. In dem Fall blieb Grifo für den Freistoß genügend Raum neben der Mauer. Das 1:0 fiel.

Nun hätte das Schicksal nicht nur eine Tür dem MSV für den Erfolg im Spiel öffnen müssen. Ein großes Einfallstor hätte es nun gebraucht und dazu am besten noch zwei, drei Hintertüren. An eine Torchance erinnere ich mich, knapp ging ein Schuss von Hajri (?) aus dem Getümmel im Strafraum heraus am Pfosten vorbei. Es ist bezeichnend für meine aufgekommene Resignation, dass ich nicht mal mehr weiß, ob das der Ausgleich hätte sein können oder später der Anschlusstreffer nach dem 2:0. Bezeichnend für das Gefühl der Unterlegenheit ist auch, wie unaufgeregt die meisten im „Ostende“ und die Mannschaft dieses 2:0 nach einem Eckstoß haben hingenommen. Schließlich stand ein Freiburger Stürmer im Abseits versetzt neben Michael Ratajczak. So etwas wird auch schon mal als Sichtbehinderung und aktives Abseits ausgelegt. Darüber aufregen, dass das nicht geschah? Fehlanzeige.

Ich hatte den Eindruck, die Mannschaft und wir vor dem Bildschirm begannen uns mit der Niederlage anzufreunden. Sie war uns als Wahrscheinlichkeit vor dem Spiel vertraut.  Bei mir rief sie eine Mischung aus Enttäuschung und Schicksalsergebenheit hervor, die nach der Halbzeitpause mit irrationalem Hoffnungsschimmer garniert wurde. Die Spieler versuchten noch einmal alles zu geben, doch dieser große Einsatz brachte der Mannschaft und uns keine Ahnung, wie ein Unentschieden noch erreichbar hätte sein können.

Wir befinden uns nun in jener Saisonphase, in der Tore in anderen Stadien manchmal genauso gefeiert werden wie die eigenen. So blieb der MSV zwar chancenlos nach dem Wiederanpfiff, gejubelt wurde dennoch. In Düsseldorf hatte die Fortuna 1:0 geführt. Nun fiel endlich der Ausgleich für St. Pauli. Auch dieses Unentschieden hatte ich im Abstiegsszenario einkalkuliert. Läuft doch alles nach Plan, dachte ich.

Bleibt noch die rote Karte für Enis Hajri zu erwähnen. Auch diese rote Karte nahm ich nur halbwegs verärgert hin. Der einzig wichtige Gedanke dabei schien mir, am Freitag ist Branimir Bajic wieder fit für 90 Minuten. Hajri hatte im Strafraum am Trikot des an ihm vorbeiziehenden Freiburgers allenfalls etwas gezuppelt. Das war mehr eine freundschaftliche Geste, die Bewegung des Arms von Hajri war dennoch offensichtlich und die Reaktion des Schiedsrichters entsprechend. Der Elfmeter war obligatorisch. Danach stand es 3:0. Zwei Tore weniger wären mir lieber gewesen.

Die Enttäuschung hielt nur kurz an. Lasst mich aber lieber nicht länger darüber nachdenken warum. Sonst könnte ich womöglich an der Wirksamkeit meines Tabellenrechners zweifeln. Eine halbe Stunde nach Abpfiff schien es mir nämlich so, als passe sich die Wirklichkeit meinem geplanten Saisonverlauf an. In meinem Kopf sind die jeweiligen Spieltagsprognosen momentan schon das Geschehen der Vergangenheit, eine unveränderbare Wirklichkeit, die für den MSV Duisburg und uns keine unangenehmen Erfahrungen an den letzten drei Spieltagen mehr bereit hält. Wir befinden uns in einer Phase der Saison, in der magisches Denken immer mächtiger wird. Zumindestens mir hilft es, die Zeit bis zum nächsten Spiel auszuhalten.

Die schönsten Fußballtorten der Welt – XXVIII – Hertha BSC

Mit freundlicher Unterstützung von „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben musspräsentiert der Zebrastreifenblog in loser Reihe die schönsten Fußballtorten der Welt.

Heute Abend ist Hertha BSC sehr nah daran, endlich einmal das DFB-Pokalfinale auch für die Profi-Mannschaft des Vereins zu einem ihrer Heimspiele  zu machen. Borussia Dortmund will das verhindern. Waren die Chancen der Hertha überhaupt jemals so gut wie heute Abend? So genau kenne ich die Vereinshistorie in Berlin nicht. Wir in Duisburg sind gerade auch mitten drin in einem solchen Hoffnungs-Szenario, bei dem etwas erreichbar scheint, was lange Zeit unvorstellbar war. Das spannt die Nerven an, und der tiefe Fall droht.

Sollte das Vorhaben nicht gelingen, hilft ablenkende Beschäftigung und Süßkram als Nervennahrung. Deshalb mein Service für den Niederlagenfall: die ausführliche Anleitung, um ein Fußballtortenkunstwerk im Zeichen der Hertha zu schaffen. Schon das Betrachten der Anleitungen wirkt meditativ und hilft, selbst Niederlagen nach Elfmeterschießen zu verarbeiten. Ich empfehle vor allem die Anleitung für den Schal.

Der Ball ist der Kuchen ist der Ball

So gelingt der Schal

So gelingt das Logo

 

 

Tortentalk

Soll und Haben im Tabellenrechner – 30. Spieltag

Nach dem Sieg gegen den TSV 1860 München werde ich alten Traditionen folgen und bis zu endgültigen Entscheidungen über das Schicksal des Vereins unserer Zuneigung die Wirklichkeit und meine Fieberfantasien mit dem Tabellenrechner gegenüberstellen. In der Klammer steht meine Punkteprognose am Ende der Saison, dann folgt inwiefern die bisherigen Ergebnisse von meiner Prognose abweichen.

14. FSV Frankfurt 29 (33)  -1
15. Fortuna Düsseldorf:  28 (32)   +/- 0
16. SCP Paderborn: 27 (27)  +1
17. TSV 1860 München:  25 (30)  – 2
18. MSV Duisburg:  25 (32) +/- 0

Nachdem ich den Tabellenrechner seine Arbeit hatte machen lassen, endete die Saison für mich wie unten. Beim gegenwärtigen Stand der Dinge und wenn sich die Vereine an meine weiteren angenommenen Ergebnisse hielten, stände der MSV Duisburg nun sogar auf dem 15. Platz.

Weil der Übergang vom 32. auf den 33. Spieltag Irritationen hervorgerufen hat, eine Erklärung:  Im ersten Anlauf bin ich mit einem doch zu ungünstigen Ergebnis für den Verein unserer Zuneigung gelandet. Deshalb bin ich noch mal zurück zum Spieltag 33, um an einer Stellschraube zu drehen. In der Tabelle wurde der 34. Spieltag aber nicht gelöscht, was ich erst mitbekam, nachdem ich die Screenshots angefertigt hatte.

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