Morgen, morgen, morgen – Von Hoffnung und Enttäuschung

Eines weiß ich sicher, wenn morgen im Spiel des MSV Duisburg gegen den TSV 1860 München zum Ende hin noch nichts entschieden ist, werde ich es etwas einfacher im Stadion haben als letzten Sonntag vor den Bewegtbildern aus Nürnberg. Ich werde die mögliche Spannung in diesem Spiel besser aushalten können. Ob ich nicht dennoch die Kurve verlassen muss, wird der Tag zeigen. Ich stand schon einmal kurz davor, ohne dass die Bedeutung des Spiels damals die des morgigen Spiels erreichte. Wäre die Bedeutung des Spiels der Maßstab für das Zuschauerinteresse, das Stadion hätte seit Dienstag ausverkauft sein müssen.

Wenn 25.000 Zuschauer kämen, wäre das großartig. Jeder Tausenderschritt mehr wäre sensationell. Der MSV braucht für den Massenzuschauerandrang Erfolg in der Aufwärtsbewegung. Das Ringen um Bewahrung der Klasse und die Existenz ist weniger attraktiv in Duisburg, auch wenn es intensiver berührt und den Stamm des Publikums auf mehr Gemeinsamkeit einschwört – so die Hoffnung groß genug ist. Nun ist die Hoffnung seit Sonntag wieder da, und die immer größere Distanzierung von der Mannschaft durch Teile der Zuschauer wieder verschwunden. Von dieser Distanzierung soll heute aber gar nicht die Rede sein. Sie ist einen eigenen Text wert, weil diese Distanzierung meiner Meinung nach eng  mit dem Selbstbild Duisburgs und dem Selbstbewusstsein der Duisburger bezogen auf ihre Stadt verknüpft ist.

In fast jedem meiner Gespräche über den MSV kommt seit Sonntag diese ungeheure Anspannung des Nürnberg-Spiels zur Sprache. Ich habe noch nie von so vielen Freunden und Bekannten gehört, dass sie in der zweiten Halbzeit, sich das Spiel nicht mehr haben ansehen können, dass sie nur noch das Ergebnis hatten hören wollen, dass diese Drohung enttäuscht zu werden durch einen möglichen Ausgleich einfach zu viel wurde.

Nun stehen wir vor dem Spiel gegen den TSV 1860 München vor genau solchen Gefühlen und wissen nicht, wie wir mit damit umgehen sollen, welche Haltung wir diesem Spiel entgegenbringen sollen, um nicht zwischen Hoffnung und Enttäuschung hin- und hergeschüttelt zu werden. Auch das ist in jedem Gespräch Thema, all die Erinnerungen an die verpassten Gelegenheiten des MSV Duisburg, wenn es wider Erwarten noch die Möglichkeit gab, ein gestecktes Ziel noch zu erreichen. Diese Erinnerungen bedrohen unsere Hoffnung. Plötzlich ist die Chance auf den Klassenerhalt wieder vorhanden. Doch worauf können wir unsere Hoffnung bauen, außer auf das Bild der Tabelle? Zu oft hat die Mannschaft nicht das im Spiel erreichen können, was notwendig war. Das ist der Grund für diese Sorge vor dem Spiel, die in allen Gesprächen aufscheint, dieses Misstrauen, sich dieser Hoffnung tatsächlich voll und ganz zu verschreiben. Natürlich wird das im Stadion vor Ort dann anders sein. Aber so lange die Zeit noch läuft, die Gedanken herumschwirren, sehen wir neben den spielerischen Grundlagen für den Erfolg in Nürnberg auch all die Schwierigkeiten dieser Mannschaft, die es uns so schwer machen.

Das ist menschlich: Wir wollen unsere Hoffnungen groß und ungefährlich zugleich. Wir wollen nicht tief fallen, wenn es doch nicht klappt, was plötzlich wieder möglich scheint. Das gelingt nicht. Zumindest mir nicht und vielen anderen, mit denen ich gesprochen habe. Wir wollen nicht tief fallen, und die einzige Möglichkeit, das zu verhindern ist ein Sieg des MSV Duisburg. Meine Hoffnung ist sehr groß.

Advertisements

0 Responses to “Morgen, morgen, morgen – Von Hoffnung und Enttäuschung”



  1. Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 9,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: