Zebrastreifenblog demnächst mit sportpsychologischem Serviceangebot?

Seit ich gestern im Reviersport das Interview mit dem Sportpsychologen Jürgen Walter gelesen habe, denke ich mal wieder über einen Nebenerwerb nach. Sportpsychologe darf ich mich wahrscheinlich nicht nennen, aber dieser Markt rund um die Psyche bietet ja immer einige Notlösungen. Das muss nur passgenau auf die Ansprüche des Fußballs  hin formuliert werden. Achtsamkeitstrainer etwa hätte keine Chance, auch wenn der Trainer sportnah klingt und der Psychohyghiene-Markt seit einiger Zeit große Wachstumsraten beim Achtsamkeitstraining verzeichnet.

Auch vom reinen Motivationstrainer Daumscher Prägung scheint der Fußball nicht mehr so viel zu halten. Man möchte doch was Seriöses, Berater, die im beruflichen Werdegang durch eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung abgesichert sind. Übrigens ist der Motivationstrainer ohnehin aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwunden. Das hängt mit dem wirtschaftlichen Aufstieg der Achtsamkeitstrainer eng zusammen. Diese Gesellschaft brauchte ein Gegenmittel zu all denen, die ab Ende der 90er für etwa ein Jahrzehnt erzählten, ihr könnt alles schaffen, wenn ihr nur die richtige Einstellung habt. Nun haben fast alle nach all ihren Motivationsseminaren die richtige Einstellung, und dennoch schaffen sie es nicht. Zumindest nicht ohne leidvolle Folgen für alles, was nicht der Beruf war, Gesundheit zum Beispiel.

Aber ich wollte ja eigentlich über meine Karriere als Sportpsychologe erzählen, der nur anders heißen wird. Meine Analysefähigkeiten stehen jedenfalls schon mal außer Frage. Mein Kollege in spe Jürgen Walter hat nämlich dasselbe festgestellt wie ich in der Rückrunde, die Mannschaft des MSV fand erst zu ihrem guten Spiel, wenn sie nichts mehr zu verlieren hatte; in Jürgen Walters Worten, „als dann alles ausweglos schien und die Spieler sich keine Gedanken mehr gemacht haben, haben sie plötzlich frei aufgespielt.“

Allerdings bin ich optimistischer als er. Er fragt sich noch, ob der Flow, in dem sich die Mannschaft nun befindet, in den letzten beiden Spielen anhielte. Die Mannschaft hätte sich an die Konkurrenz herangekämpft, sei nun wieder im Rennen und nun könnten die Spieler wieder ins Nachdenken kommen, eine Gefährdung ihrer Leistung. Ich bin optimistischer, weil das Spiel gegen Fortuna Düsseldorf schon jene Prüfung des Flows gewesen ist, die er erst in Sandhausen auf die Mannschaft zukommen sieht. Die Ausgangslage für die letzten fünf Mannschaften der Tabelle ändert sich nicht mehr an diesem vorletzten Spieltag. Eine Niederlage macht den Abstieg wahrscheinlich. Darüber braucht niemand großartig nachzudenken. Es geht wieder um alles. In dieser Situation zu bestehen, das macht der MSV im Moment verdammt gut. Ob der Flow dann langt, um zu gewinnen, ist schließlich noch  eine andere Frage. Dass der Flow anhält, dessen bin ich sicher.

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