Wann beginnt nochmal der Dauerkartenverkauf für die nächste Saison?

Mir ist noch nicht klar, ob ich zum Rückspiel der Relegation vom MSV gegen die Würzburger Kickers gestern noch etwas schreiben werde.  Im Zebrastreifenblog sind die Fakten des Spiels ja nur Grundlage für etwas anderes. Mit meinem Schreiben über Fußball möchte ich immer über den Fußball hinausweisen. Für reine Sportberichterstattung gibt es Leute, die dafür bezahlt werden. Mich langweilt das auch. Dieses Spiel gestern bietet keine Geschichte. Dieses Spiel war mit dem Ausgleich vorbei, und dieser Ausgleich fiel früh. Das gilt sowohl für den zeitlichen Abstand zum Führungstor als auch für den Zeitpunkt im Spiel. Die 40. Minute war noch nicht einmal angebrochen. Es war früh, und ich ärgerte mich nur kurz. Zu mehr war ich nicht mehr fähig.

Beide Spiele der Relegation bieten in ihrem Ablauf nichts für eine Geschichte. Die gesamte Relegation bietet nichts für eine Geschichte. Das liegt vor allem daran, dass die anderen Geschichten in den Wochen zuvor über den MSV Duisburg zusammen mit uns auf den Rängen so ungeheuer dramatisch waren. Die Mannschaft führte uns in emotionale Höhen und ließ uns von dort im freien Fall mehrere Male hart in der vermeintlichen Tiefe des Abgrunds aufschlagen. Das schmerzte so sehr, dass wir uns schon am Ende dieser Saison wähnten, der Aussichtslosigkeit des Abstiegs. Doch die Tiefe des Abgrunds erwies sich mehrmals als Felsvorsprung auf halbem Weg. Die Mannschaft und wir auf den Rängen standen auf. Wir kletterten wieder hoch. Das war unglaublich. Staunend sahen wir uns immer wieder an, wenn wir die plane Fläche direkt neben dem Abgrund erreichten.

Der Mensch ist auf dieser Erde deshalb so eine erfolgreiche Spezie der Säugetiere geworden, weil es keine andere konkurrierende Art zu einer derartigen Meisterschaft der Anpassung gebracht hat. Egal bei welchen Lebensbedingungen, der Mensch pegelt seinen Zustand auf dieser Welt auf Normalität ein. Das gelingt über Generationen, wenn es um klimatische Bedingungen geht. Das macht jeder für sich selbst, wenn es um die Emotionen geht. Anscheinend war der Ausnahmezustand Fall in den Abgrund für mich so normal geworden, dass ich gestern staunend merkte, wie nervenschonend ich mir dieses Spiel anschauen konnte. Der Grund war nicht nur die Chancenlosigkeit des MSV in diesem Spiel. Wir hatten den Abstieg in dieser Saison schon oft genug erlebt. Als Zwischenresultat in einem einzigen Spiel, aber auch als Gefühl, wenn nach dem Abpfiff die Niederlage feststand. Für mich ist dieses Erleben anscheinend so normal geworden, dass ich nicht mehr mit größeren Gefühlsausschlägen reagiert habe.

Der MSV Duisburg ist abgestiegen. Mich schmerzt das heute nicht sehr. Heute Nacht, als ich nach Hause kam, war ich leer. Ich fand keine Worte für diesen Verlauf der Relegation. Ich sah nur dieses Missverhältnis zwischen der ungeheuren Intensität in den letzten Wochen der regulären Saison und dem, was in den beiden Relegationsspiele von der Mannschaft zu sehen war und was ich selbst dabei empfand. So viel Anstrengung für so wenig, fast nichts in der Relegation. Auf dem Rasen war Freitag und gestern von der Intensität der entscheidenden Meisterschaftspiele kaum etwas zu spüren. Jeder einzelne Spieler kämpfte, das war sichtbar. Diese Einzelanstrengungen konnten aber nicht zusammen geführt werden zu einem geschlossenen Ringen und Kämpfen gegen den Abstieg. Die Mannschaft hat gestern die Stimmung im Stadion zu Anfang des Spiels nicht aufgenommen. Der Versuch, das Spiel zu kontrollieren, stand dem im Weg. Das kontrollierte Spiel des MSV emotionalisiert nicht, unkontrolliertes Spiel birgt aber unkontrollierte Risiken. Vielleicht hätte man die eingehen müssen? Vielleicht hätte Würzburg dann schon nach zehn Minuten wieder geführt? Müßige Fragen.

Der MSV Duisburg ist abgestiegen nach nur einer Saison in der 2. Liga. Die finanzielle Lage macht die Zukunft schwierig. Uns beschäftigt also einmal mehr die Frage, erhält der Verein die Lizenz für die 3. Liga. Welche Aussichten gibt es in der nächsten Saison mit welchem Etat? Einmal mehr wissen wir,  der sofortige Wiederaufstieg müsste das Ziel sein. Der Teufelskreis Schuldenanstieg und abnehmende Kaderqualität droht wieder. Ist er schon Wirklichkeit? Diese Fragen sind gestern Abend nach dem Schlusspfiff aufgetaucht.

Heute aber denke ich schon wieder: MSV Duisburg. Der Verein ist da, und das ist verdammt nochmal großartig. Vor knapp 3 Jahren konnte das niemand sicher sagen. Die Rettung des Vereins damals zeigte, der MSV Duisburg, das ist mehr als der Wettkampfsport Fußball. Der MSV, das sind die Menschen, die von diesem Verein bewegt werden. Der MSV, das ist die Verbundenheit zwischen diesen Menschen. Der MSV, das ist das soziale Engagement dieser Menschen für Kinder in Duisburg, die in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen aufwachsen Der MSV, das ist das grenzüberschreitende Engagement seiner Anhänger für elternlose Kinder in Afrika. Der MSV, das ist der Einsatz seiner Anhänger für Gerechtigkeit und Toleranz in der Stadtgesellschaft Duisburgs. Der Fußball des MSV Duisburg ist nur Anlass für all das. Deshalb ist der MSV Duisburg sehr viel mehr als dieser Wettkampfsport. Deshalb ist dieser MSV mehr als die Niederlage im Kampf um den Klassenerhalt.

Wann beginnt der Dauerkartenverkauf? Ich beginne mich auf die nächste Saison zu freuen. Klingt komisch, ist aber so.

 

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