Saisonvorbereitung III – Aufstiegsfavorit sein

„Kommt wieder“, so hieß es schon kurz nach Beginn der Sommerpause vom MSV Duisburg. Die Aufforderung an die Fans war eine Botschaft mit bewusst gesetzter Nebenbedeutung. Den MSV als handelndes Subjekt davor gestellt waren diese zwei Worte auch ein Versprechen an die 2. Liga. Das war eine Ansage, was die Mannschaft nächste Saison erreichen soll. So hat sich der MSV Duisburg früh zum direkten Wiederaufstieg bekannt.

Wer sich selbst Ziele setzt, muss damit umgehen, entsprechend wahrgenommen zu werden. Ohne einen Blick auf die sportlichen Voraussetzungen bin ich also seitdem mit einer neuen Rolle beschäftigt. Ich bin Anhänger eines Aufstiegsfavoriten. Tiefe Dunkelheit umgibt die Tage, als es mir das letzte Mal so ging. In den letzten Jahren sind wir immer ganz, ganz vorsichtig gewesen. Ich lerne erst wieder, damit umzugehen.

Andererseits bin ich froh, dass es diese Rolle für den MSV gibt, weil ich mir am Ende der letzten Saison Gedanken gemacht habe, wie es mit dem Zebrastreifenblog weitergehen soll. Ich habe es schon mehrmals angedeutet. Die Dinge beginnen sich zu wiederholen. Was für mich als Anhänger des MSV ohne Bedeutung ist, was für meine Art Schreiben aber große Folgen hat. Ich beginne mich zu langweilen, manche Worte sind zu oft benutzt. Über Fußballspiele zu schreiben, das hätte anders werden müssen. Ich wusste noch nicht wie. Weitere Überlegungen hat mir das Aufstiegsfavoriten-Dasein erspart. Diese Situation ist neu im Zebrastreifenblog. Hurra! Darüber soll geschrieben werden.

Die Ansage des MSV ist auch bei den Trainern der Drittliga-Mannschaften wahrgenommen worden. Liga 3-online hat die entsprechende Trainerumfrage, tabellarisch aufbereitet, unlängst veröffentlicht. Der MSV ist hier nur einer von mehreren Vereinen, denen der Aufstieg zugetraut wird. Absoluter Aufstiegsfavorit – dieses Gütesiegel erhält er nicht, weil der Abstand zu anderen Vereinen zu klein ist. Dennoch wird er neben Chemnitz am meisten genannt.

Die vielen Mitfavoriten sollten die Spieler etwas entspannen, den Druck von ihnen nehmen. Sportlich gesehen sind die Voraussetzungen zwar gut. Der Zweitliga-Kader ist zum großen Teil zusammen geblieben. Spieler dieses Kaders haben – auch ohne Victor Obinna und Giorgi Chanturia – eine ordentliche Zweitliga-Rückrunde gespielt. Den Weggang von Thomas Meißner lasse ich dabei mal außer Acht. Mit dieser Leistung wäre ein gesicherter Platz im Mittelfeld möglich gewesen. Durch gute Leistungen in den Testspielen der Sommerpause wird das bestätigt. Meine Zuversicht ist groß, ich bin gerne Anhänger eines Aufstiegsfavoriten. Wir sind Aufstiegsfavorit.

Weniger Druck ist aber für mich auch ein Thema, weil dieselben Spieler in jenen Momenten der Saison, in denen etwas zu verlieren war, sich selbst häufig im Weg standen. Das ist der leise Zweifel, der schon wieder kitzelt. Oh je, wir sind Aufstiegsfavorit. Um den Aufstieg zu spielen ist aber psychisch einfacher zu bewältigen als das Spiel gegen Abstieg. Etwas gewinnen zu können setzt Kräfte frei, etwas verlieren zu können hemmt.

René Müller, der Trainer des Aufstiegsfavoriten SC Paderborn, weiß um die Köpfe der Spieler. Er nennt den MSV so wie es der Redaktion von Liga 3-online unmöglich war. Für René Müller ist laut Reviersport der MSV Duisburg der „absolute Top-Favorit„. Aber der SC Paderborn eröffnet die Drittligaspielzeit am nächsten Freitag mit einem Auswärtsspiel gegen den MSV. Da gilt es Vorarbeit zu leisten. Druck verteilen. Aufstiegsfavorit sein. Auch damit umzugehen, will gelernt sein.

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