Auch am zweiten Spieltag noch ein Aufstiegsfavorit

In welcher Liga spielen wir nochmal? War da nicht irgendwas mit Abstieg in der letzten Saison? Als ich Freitag am Stadion ankam, vernichtete die Gegenwart jede Erinnerung an den Mai. Gerade eben noch hatte ich im Bus von den Würzburg Kickers gehört, einen Verein gegen den der MSV anscheinend vor kurzem gespielt haben musste. Nach den wenigen Metern Fußweg Richtung Stadion vermutete ich, es musste ein unwichtiges Spiel gewesen sein.

Was für eine intensive Vorfreude auf das Eröffnungsspiel der Saison gegen den SC Paderborn war rund um das Stadion zu spüren.  So viele Anhänger des MSV waren früh gekommen. Erwartungsfroh vibrierte die Luft. Endlich ging es wieder los. Endlich war wieder der richtige Fußball zu sehen, nicht diese Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft, wo es um nichts geht. Endlich wieder am einzigen Ort sein können, wo jedes Spiel seine tiefe Wirkung hinterlässt – das war so deutlich zu spüren vor dem Stadion, beim Aufwärmprogramm der Mannschaften und auch noch in der ersten Viertelstunde des Spiels.

Vielleicht hängt alles mit der Zuversicht zusammen, die ebenfalls spürbar war. Der MSV Duisburg beginnt die Saison als ein Favorit dieser Liga. Er beginnt die Spiele mit dem Selbstbewusstsein, erfolgreich sein zu können. Für uns auf den Rängen ist das ein Versprechen, dem wir glauben wollten und das offensichtlich gute Laune machte.

Die gute Laune verging nicht nach einer Viertelstunde des Spiels, aber die Wirklichkeit des Alltags verläuft dann doch nicht ganz so reibungslos. Freie Bahn für endgültige Europhie war erst einmal nicht möglich. Was andererseits seinen Vorteil hat, weil das Eröffnungsspiel nur eines von 38 Spielen ist. Es käme einem Wunder gleich, wenn der Aufstiegsfavorit MSV Duisburg schon innerhalb der ersten Wochen die Liga deutlich dominieren würde. Wie selten solche Wunder sind, haben wir ja in der letzten Saison erst selbst erleben müssen.

In der ersten Viertelstunde des Spiels war zwar das Selbstbewusstsein der Mannschaft zu erkennen. Die Absicht wurde deutlich, das Spiel zu bestimmen, doch brauchte die Mannschaft diese Zeit, um ein etwas zerfahrenes Beginnen des Spiels in kontinuierlich erkennbare Ordnung zu verwandeln. Das ging beiden Mannschaften so. Doch ebenso war selbst in diesen etwas zerfahrenen Minuten eines zu erkennen, wieviel Potential der MSV Duisburg in seinem kontrollierten Spielaufbau besitzt. Es war erkennbar, diese Mannschaft lässt auf eine größere Spielstärke hoffen als es in den beiden anderen Drittligaspielzeiten der Fall war. Diesen Satz nach einer Viertelstunde des ersten Spiels auszusprechen, war nicht gewagt.

Die Mannschaft strahlte eine Sicherheit aus, die ich so früh in den beiden anderen Spielzeiten nicht habe erkennen können. Diese Mannschaft beginnt die Saison auf einem anderen spielerischen Niveau als selbst jene Mannschaft in der Aufstiegssaison. Diese Mannschaft möchte selbst bestimmen, wie das Spiel verläuft. Natürlich gelang das trotz des 1:o-Sieges nicht durchweg. Die Mannschaft muss sich verbessern, doch für die zu erwartenden Spiele mit vielen tief stehenden Gegnern war die mögliche Grundlage für Erfolg zu erkennen.

Es gibt einen kontrollierten Spielaufbau, mit dem tatsächlich immer wieder auch Druck auf den Gegner ausgeübt wird. Das war in den beiden anderen Drittligaspielzeiten kaum einmal möglich. Selbst gegen die dichte Paderborner Defensive gelangen überraschende Pässe in den Strafraum, die die Möglichkeiten der Zukunft andeuteten. Diese Pässe kamen nicht alle an. Dass sie überhaupt gespielt werden, macht die Hoffnung aus. Fabian Schnellhardt erwies sich als der Spieler, dem solche überraschenden Pässe gelingen. Er ist der Spieler, der aus der ruhigen Kontrolle heraus das Spiel beschleunigen kann.

Dazu kommen schnelle Umschaltaktionen aus der eigenen Defensive heraus.  Mark Flekken als neue Nummer 1 im Tor beschleunigt die Aktionen in die Offensive. Andreas Wiegel bringt Dynamik ins Spiel, auch wenn er sich manchmal noch auf den Außenbahnen festlief. Dennoch erhält Zlatko Janjic durch diese Umschaltaktionen Raum, seine technischen Qualiäten auszuspielen. Vielleicht ist aber die 3. Liga seine wahre fußballerische Heimat. Sein Tor zur Führung in der zweiten Halbzeit und letzlich zum Sieg kam nicht von Ungefähr. Schon in der ersten Halbzeit nutzte er freie Räume, gelang es ihm im Kurzpasspiel und nach langen schnellen Bällen zum Abschluss zu kommen.

René Müller, der Trainer des SC Paderborn, hatte vor dem Spiel bekundet, der MSV sei Favorit des Spiels, aber der SC Paderborn wolle in Duisburg gewinnen. Viel war von diesem Ziel zunächst nicht zu erkennen. Das änderte sich erst, nachdem der MSV in Führung gegangen war. Allerdings lag das weniger an einem verbesserten Spiel der Paderborner als an der defensiveren Ausrichtung des MSV. So geriet der Sieg noch in Gefahr. Die zwei Chancen zum Ausgleich waren zwei zu viel für die eigentlich schwachen Paderborner.

Es gibt also Verbesserungsbedarf beim MSV Duisburg. Dennoch wurde die Mannschaft mit einem verdienten Sieg ihrer Favoritenrolle gerecht. Wie es ist, mit einem Sieg in die Saison zu starten, das hatte ich schon ganz vergessen. Mit drei Punkten nach dem ersten Spieltag lässt sich doch ganz entspannt auf Schwächen der Mannschaft schauen – zumal wenn diese Schwächen nichts grundsätzlich in Frage stellen. Diese Mannschaft hat in ihrem ersten Spiel gezeigt, sie könnte nach langer Zeit eine Mannschaft des MSV Duisburg werden, die ein Versprechen souverän halten kann.

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