Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft

Die erste Einsicht: So verschieden fühlen sich 1:1-Unentschieden an. Was am Sonntag in Osnabrück im Glück des späten Ausgleichtores völlig unterging, dem war gestern nach demselben Ergebnis durch eine andere Torfolge nicht mehr auszuweichen. Das war ein vergebener Sieg. Es überwog bei mir und allen um mich herum das Bedauern, dieses Spiel gegen Preußen Münster nicht gewonnen zu haben. Zwei Punkte wurden verschenkt, weil dem MSV das zweite Tor nicht gelang. Die Chancen dazu hatte es gegeben. Es waren nicht allzu viele, doch es waren genug.

Preußen Münster war verunsichert, das Heimpublikum war ungeduldig und wie in Osnabrück hatte der MSV das Spiel in der ersten Halbzeit im Griff. Es sah einfach nicht so aus, als könnten die Preußen in diesem Spiel ein Tor erzielen, es sei denn, der Zufall käme ihnen zu Hilfe. Ihre Offensiv-Bemühungen endeten in Stockfehlern, Fehlpässen und einer souveränen Defensive des MSV. Wenn dann mal ein Zufall zu einem Distanzschuss führte, gab es Mark Flekken im Tor, der schnell genug in der Ecke lag, um den Ball zu halten.

Das Führungstor des MSV in der 20. Minute entsprach dem kontrollierten Spiel der Mannschaft. Den von Zlatko Janjic getretenen Eckball köpfte Dustin Bomheuer ins Tor. Ein ruhender Ball bringt die Führung. Wir erhielten eine Ahnung davon, wie es aussehen kann, wenn eine abgeklärte Mannschaft gegen einen eifrigen, aufgeregten Gegner spielt. Ich weiß, ich übertreibe mit dem Bild, aber es war nun mal nach einiger Zeit da, jenes klassische Filmmotiv „Ein größerer Mann hält vollkommen entspannt und ruhig einen wild um sich schlagenden kleinen Jungen oder Mann auf Distanz, indem er ihn am Kopf von sich weghält“.  Eine Vision ist im Spiel des MSV erkennbar. Für die erfolgreiche Umsetzung über 90 Minuten fehlt die Präzision bei jedem Angriff und letztlich die Abschlusssicherheit.

Es gab die Chancen zum zweiten Tor in der zweiten Halbzeit nach Kontern. Die besser postierten Mitspieler wurden nicht gesehen, und als mit Zlatko Janjic der Mann der Offensive den Ball zum Konter bekam, dem dieses Tor hätte gelingen können, wälzte sich jener Preußen-Spieler am Boden, der den Ball beim eigenen Angriff gerade verloren hatte. Was für ein erbärmliches Schauspiel! Natürlich steht er auf, als Janjic den Ball ins Aus spielt. Janjic war alleine am linken Flügel gewesen, freie Bahn zum Tor. War das auch Preußens Bischoff, der zuvor schon gerne auch mal herummeckerte? Ich weiß das nicht mehr. Ich weiß nur noch, selbst das Ball überlassen danach geriet zum Nachteil des MSV, weil der Angriff natürlich nicht an der Stelle fortgesetzt wurde, sondern die Preußen den Ball weit in die Hälfte des MSV schlugen. Was für eine Unsitte im deutschen Fußball, die manchmal auch noch als faire Geste betrachtet wird.

Als Krönung dieser Szene erweist sich allerdings, dass der darauf abgefangene halbherzige Angriff des MSV in jene Offensiv-Aktion der Preußen mündete, die zum Elfmeterpfiff führte. Ob Kevin Wolze gezogen wurde, konnte ich nicht erkennen. Fabio Leutenecker hat es nach dem Spiel wohl so gesagt. Er empörte sich über den Pfiff. Was am Ausgleich nichts ändert. Wenn die Vision der Spielweise schon wirklich wäre, hätte dieses Tor nicht viel verändert. In der Vision fällt kurze Zeit später das zweite Tor des MSV. Bis das Spiel des MSV diese Qualität besitzt, braucht es noch etwas Zeit. In der letzten Viertelstunde war das Spiel offen. Die Preußen hatten noch eine große Chance. Deshalb lässt sich mit dem Unentschieden leben. Eine weitere Erkenntnis bringt dieses Spiel aber auch: Fünf neue Spieler standen in der Startelf und in der Spielweise der Mannschaft war kein Bruch zu erkennen. Die Qualität der Mannschaft blieb stabil. Auf die Saison bezogen ist das für mich die Erkenntnis dieses Spiels. Der breite Kader beruhigt sehr. Visionen wollen verwirklicht werden.

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2 Responses to “Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft”


  1. 1 Trainer Baade 11. August 2016 um 09:44

    Beinahe skandalös, dass der Linienrichter das Ziehen des Münsteraners an Wolze nicht sah. Nur deshalb drehte sich Wolzes Körper so, dass er mit der Hand an den Ball geriet. Ich stand genau auf Höhe des Ereignisses und trotz Fanbrille meine ich, dass es nicht zu übersehen war, dass es schlicht ein Stürmerfoul war. Deshalb ja auch völlig zu Recht die ausschweifenden Proteste der MSV-Spieler.

    Im Übrigen stimme ich der restlichen Spieleinschätzung wie so oft vollkommen zu und fuhr deshalb trotz zweier verlorener Punkte nicht unglücklich nach Hause.

    Demnächst könnten wir dann aber gerne vielleicht mal zusammen fahren, mindestens nach Lotte.

    • 2 Kees Jaratz 11. August 2016 um 09:58

      Lotte steht schon im Kalender, gute Idee.
      Außerdem steht noch im Plan: Wenn die Sicherheit beim Abschluss endlich da ist, werden wir Fehlentscheidungen nur noch ignorieren.


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