Die SIR-Arena – Wellnessoase im Duisburger Süden

Willkommen in einem der entspannendsten Orte des Ruhrgebiets! Willkommen in der Schauinsland-Reisen-Arena! Willkommen beim MSV Duisburg. Hier genießen sie den Samstagnachmittag mit Freunden und Familie beim Fußball. Hier lässt sich bei gemeinsamen Gesang und freundlicher Betrachtung von schönen Toren der Alltag vergessen. Hier werden bei Bier und Bratwurst sämtliche Sinne angeregt. Lächeln sie beim Blick auf Spielzüge des MSV und harmlose Gegner ihre Sorgen weg. Streichen sie Stress aus ihrem Wortschatz. Willkommen in der Entspannung pur!

Demnächst sollte mal jemand vom MSV Duisburg bei jener Kommission vorstellig werden, die über die Zulassung von Heilmitteln entscheidet. Spiele des MSV auf Rezept statt Tabletten gegen Bluthochdruck. Das ließe ich mir diese Saison mal gefallen. Immer wieder bringt mich der MSV momentan in völlig ungewohnte Situationen. So entspannt wie am Samstag habe ich mir Spiele meines Vereins in den letzten Jahren nur angesehen, wenn der Abstieg schon festgestanden hatte.

Von der ersten Minute an setzte der MSV die U23 von Werder Bremen unter Druck. Ein schnelles Tor sollte her. Ein schnelles Tor war möglich. Wir standen auf unseren Plätzen und staunten. Das war also der Gegner, bei dem wir vorsichtig sein mussten, weil der VfL Osnabrück besiegt worden war. Dieser Gegner behielt den Ball kaum einmal länger als über zwei, drei Pässe. Gut, im Verlauf der ersten Halbzeit kam Bremen sogar ein paar seltene Male in jene Räume, die man mit guten Willen auch die Nähe des Duisburger Strafraums nennen kann. Aber jeder Ball dort wurde auf eine solch souveräne Weise von der Duisburger Defensive in die eigenen Reihen zurückgeholt, dass ich ins Schwärmen geriet.

Wie wir mit dem Wort Chancenverwertung in Zukunft umgehen sollen, wird sich daran entscheiden, ob 1:0-Siege die Regel sein werden oder ob späte, glückliche Ausgleichstore dem Wort weiterhin seine Berechtigung lassen. Der Reihe nach: Chancenverwertung, die erste, Zlatko Janjic wiederholt schon früh eine Spielaktion aus dem letzten Heimspiel. Flankenlauf dieses Mal über rechts, scharfe Hereingabe parallel zur Torauslinie, der Torwart am vorderen Pfosten kommt nicht an den Ball, am hinteren Pfosten rutscht Janjic heran, das Tor ist leer, er trifft den Ball nicht richtig, der Ball geht am leeren Tor vorbei. Die Mannschaft irritiert das nicht. Der Druck wird weiter hoch gehalten. Bremen erhält kaum Raum für irgendeine Möglichkeit des eigenen Spiels, egal ob kurze, mittellange oder lange Pässe, spätestens nach dem zweiten oder dritten Ballkontakt ist Schluss.

Der MSV variiert den Rhythmus der eigenen Offensivaktionen beeindruckend souverän. Gelingt nach der Balleroberung nicht der schnelle, direkte Zug zum Tor, erfolgt erst einmal der Pass in den nahen Rückraum. Geduldig wird aus der beruhigten Situation der kontrollierte Angriff aufgebaut. Plötzlich wird das Tempo erhöht, die Offensivspieler kreuzen vor dem Strafraum, Anspielstationen entstehen. Es folgen Doppelpass durch die Mitte, Sprint oder Doppelpass über die Flügel. Der Druck auf die Bremer Defensive wird kontinuierlich hoch gehalten. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, wann das Tor fällt. Tugrul Erat erzielt es, nachdem die scharfe Flanke dieses Mal etwas mehr in den Rückraum gelangte. In der Mitte verpasste, wer nochmal? Stanislav Iljutcenko?, doch Tugrul Erat stand am hinteren Pfosten bereit, war völlig frei und schoss trocken ein.

Nun hätte der MSV bis zum Halbzeitpfiff die Führung ausbauen können. Dreimal habe ich den Ball im Tor gesehen – entweder hielt der Torwart mit einem Reflex, ging der Ball gegen die Latte oder knapp vorbei. Zlatko Janjic war zweimal von drei Chancen dabei. Ihm gelang sein Tor einfach nicht. Das haken wir jetzt ab, auf dass seine Intuition ungefährdet bleibt und die Feinjustierung seiner Fußstellung beim Schuss wie von selbst geschieht.

Es war vorauszusehen, dass dieser Druck in der zweiten Halbzeit nicht aufrecht zu erhalten war. Werder bemühte sich mehr, und der MSV organisierte sich etwas defensiver. Dadurch verlagerte sich das Spiel in die Mitte des Feldes, gefährlich wurde es für den MSV nicht. Der Strafraum des MSV blieb für die Bremer weiter ein unwirtliches Land, in dem nichts gedeihen konnte, was sie anpackten. Ein zweites Tor zur Mitte dieser zweiten Halbzeit für den MSV wäre dennoch schön gewesen. Die Mannschaft spielte keineswegs auf eine Ergebnissicherung hin. Sie wollte das Spiel in der Hand behalten. Ohne den großen Druck kam es aber nur zu einer einzigen Tormöglichkeit bis kurz vor Ende des Spiels. Dass die vergeben wurde, versteht sich von selbst. Sonst hätte die Chancenverwertung gemeckert. So ein Wort vermisst schnell das Rampenlicht.

So kitzelte zumindest der Gedanke an den späten Ausgleich. Meine Tiefenentspannung verließ mich allerdings nicht, auch wenn ein Glückstor des Gegners immer fallen kann, zumal in den letzten Spielminuten alles nach vorne geworfen wird. Doch selbst in diesen letzten fünf Minuten wurde es nicht wirklich gefährlich für den MSV. Stattdessen setzte sich der eingewechselte Kingsley Onuegbu im Strafraum durch, schoss aus der Drehung und traf den Pfosten – einmal mehr in diesem Spiel kein Tor. Chancenverwertung, die letzte. Wobei gerade diese Situation eigentlich nicht in diese Reihe passt, weil der King sich diesen Schuss hart erarbeitet hatte und seine Position nicht günstig war. Er hat nur das Pech, dass seine Mitspieler bei viel klareren Gelegenheiten die Tore nicht erzielten.

Chancenverwertung – so lange der MSV die Gegner derart eindrucksvoll dominiert, kann sich das Wort gerne im Rampenlicht sonnen. Die Wahrscheinlichkeit für Siege wird sich am Ende des Saison am Tabellenstand ablesen lassen. Aber mal sehen, welche Karriere dieses Wort im weiteren Verlauf der Saison nimmt, und welchen Einfluss das auf meine Tiefenentspannung hat. Momentan heißt es jedenfalls für mich: Willkommen in der Wellnessoase Schauinsland-Reisen-Arena! Und wenn ich ehrlich bin, kann das eine Saison lang auch mal für mich so bleiben.

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