Archiv für Oktober 2016

Ergebnisorientiert im Ahrtal

Wenn ich sehe, wie steil mancher Weinberg im Ahrtal ist, ist es doch sehr vorteilhaft, nur das Ergebnis der Weinlese trinken zu können und nichts davon mitzubekommen, wie diese Trauben an den Rebstöcken es zum Wein schaffen. Meine Basketballmannschaft hat den Samstag mit einer improvisierten Tagestour auf dem Rotweinwanderweg als Mannschaftsfahrtersatz verbracht und erst gegen 16.30 Uhr habe ich mir die Drittligaergebnisse angesehen. Die Weine bei den zu fliegenden Händlerinnen gewordenen Winzersfrauen waren von gemischter Qualität, was anscheinend dem Spiel des MSV Duisburg in Großaspach entsprach.

Die Stimmen im Netz klingen zwar oft kritischer, doch die Spielberichte in den Printmedien lassen mich diese gemischte Qualität vermuten, sonst hätte der MSV verloren. Manchmal ist es eben gut, wenn man das Ergebnis erfährt und man über das Zustandekommen wenig weiß. Ohne Ärger über die wenigen vergebenen Torchancen und mit dem Vergnügen als kein Trainer die, laut Großaspach-Trainer Oliver Zapel, vor allem für Trainer erkennbare Attraktivität des Spiels verpasst zu haben, finde ich problemlos Gefallen am torlosen Unentschieden. Die Tabellenführung ist gefestigt in einer Liga, in der jeder Verein den anderen schlagen kann. Der Dritte, Ahlen, musste das gerade im Heimspiel gegen den 18., Zwickau, erfahren. Manchmal erweist es sich eben sogar als stimmungsfördernd, wenn die Umstände einen zur Ergebnisorientierung zwingen.

 

Worte über ein Tor so schön wie das Tor selbst

Am Dienstag ist der brasilianische Fußballer Carlos Alberto im Alter von 72 Jahren gestorben. Er war der Mannschaftsführer der brasilianischen Weltmeistermannschaft von 1970 und hat im Endspiel gegen Italien in der 86. Minute das 4:1 für seine Mannschaft erzielt. Mit seinem Nachruf für die Süddeutsche Zeitung hat Javier Cáceres nicht nur den Fußballer auf besondere Weise gewürdigt. Er hat die Beschreibung dieses vierten brasilianischen Tores im Endspiels zu einem kongenialen, poetisch anmutenden Zwischenstück in seinem Nachruf gemacht. Wer diese Worte liest, möchte das Tor unbedingt sehen und behält Carlos Alberto auf wunderbare Weise in Erinnerung.

Das Tor aus der Perspektive beider Geraden:

Zu welchem Saisonerfolg führen 1:0-Siege

Vorab, mit diesem Text trage ich zum Marketing für einen Wettanbieter bei, aber gute Arbeit muss auch einmal belohnt werden, und die Mail vom Mitarbeiter des Wettanbieters an den Zebrastreifenblog war definitiv gute Arbeit. Mit dieser Mail hat der Mitarbeiter mich auf einen Text auf der Seite des Wettanbieters aufmerksam gemacht. Der Bezug des Textes zum MSV mitsamt des Marketingeffekts für den Wettanbieter ergab sich aber nur für jemanden, der sowohl das Fußballgeschehen in Deutschland aufmerksam beobachtete, als auch den Zebrastreifenblog auf dem Schirm hatte. Jemand hatte sich Gedanken gemacht. Aber vielleicht ist der verantwortliche Mitarbeiter auch MSV-Fan, wer weiß?

Sollte mir jemand Illusionen rauben wollen und auf eine Massenversendung über die Mailingliste Fußballblogs des Wettanbieters verweisen, mache ich mir heute Morgen trotzdem die Welt so, wie sie mir gefällt. Denn das muss ich mit Blick auf das Erreichen des Saisonziels vom MSV ohnehin machen, wenn ich die Statistik des Wettanbieters als Prognoseinstrument benutze. Mit Hilfe des Wettanbieters erfahren wir nämlich eine unangenehme Wahrheit über 1:0-Siege in der Bundesliga während der letzten zehn Jahre. Nur einmal ist die Mannschaft mit den meisten 1:0-Siegen in einer Saison auch Meister der Saison geworden. Das war Borussia Dortmund in der Saison 2008/2009. Gut, einmal ist die betreffende Mannschaft mit den meisten 1:0-Siegen der Saison Zweiter geworden. Das würde dem MSV für den direkten Aufstieg ja auch noch reichen. Aber ansonsten, Pustekuchen. In Deutschland führen 1:0-Siege in der Summe nicht zum ganz großen Erfolg.

Wenn ich an die 1:0-Siege des MSV in dieser Saison denke, macht mir allerdings der Gedanke Hoffnung, dass die Wettbewerbsbedingungen in Liga 3 ganz andere sind als in der Bundesliga. Von dieser Liga wird ja immer wieder gerne gesagt, jeder könne jeden schlagen. Dann sind 1:0-Siege vermutlich wahrscheinlicher als in einer Liga, in der die Leistungsunterschiede groß sind und die Mannschaften der oberen Tabellenregion mit der Ausnahme des einen Überraschungsteams schon vor der Saison feststehen. Also, im Grunde spricht die Statistik für den MSV, man muss sie nur richtig zu deuten wissen.

Beim Wettanbieter findet sich die Statistik für alle großen europäischen Ligen. Auch da gibt es Unterschiede bei den Erfolgsaussichten der Minimalisten. Wer sich das ansehen will, weiter mit einem Klick.

Auch enttäuscht sein muss man lernen

Mit dem Abstand von drei Tagen muss über das Spiel selbst vom MSV Duisburg gegen Hansa Rostock nicht mehr viel geschrieben werden. Der MSV trat wie bislang in der Saison auf, die Mannschaft spielte nicht schlecht, sie bestimmte das Spiel und sie hat dennoch 0:1 verloren. Das Gegentor fiel ein paar Minuten vor dem Abpfif. Es war kein unverdientes Tor. Auch wenn der MSV in der zweiten Halbzeit weiter das Spiel meist bestimmte, die Rostocker traten im Gegensatz zu den ersten 45 Minuten mutiger auf. Die Mannschaft verteidigte höher. Die Spieler kombinierten bei den Kontern selbstbewusst und sicher.

Wir auf den Rängen waren enttäuscht, erst über das Tor, dann nach dem Schlusspfiff über die feststehende Niederlage. Auch die Spieler waren enttäuscht, in derselben Abfolge wie bei uns auf den Rängen. Doch wirkte es so, als müssten die Duisburger auf dem Spielfeld bei einem Gegentor noch lernen, was den meisten Duisburgern auf den Rängen nach dem Abpfiff gelang. Die meisten von uns kamen mit der Enttäuschung klar, die Spieler nicht.

Schon nach der Rostocker Führung schienen die Zebras nicht glauben zu wollen, dass dieses Tor tatsächlich geschehen war. Vielleicht haben die Rostocker den Zebras zu sehr das Gefühl gegeben, die Mannschaft spiele überlegen. Hansa wollte ein Tor verhindern, und der MSV versuchte geduldig und kontrolliert die Lücke zum Tor zu finden. Diese Versuche waren erfolglos. Doch schon in der ersten Halbzeit konterte Hansa gefährlich. Vielleicht verliert sich im fortwährenden Ballbesitz das Gefühl für die Möglichkeit der Niederlage. Wenn dann wenige Minuten vor dem Schlusspfiff die Niederlage droht, fühlt sich das ungerecht an.

Es wird die Aufgabe von Trainer und Mannschaft sein, diese Enttäuschung in positive Energie zu verwandeln. Momentan ist so eine Niederlage immer möglich, gerade weil der MSV Duisburg in dieser 3. Liga so gut spielt. Das ist paradox. Aber der MSV ist nicht so überlegen, dass jede gut organisierte Defensive mal eben so auseinander genommen werden kann.

Vielleicht lässt die Enttäuschung, die Spieler die eigenen Grenzen besser einschätzen lernen. Im Grunde haben wir diese Enttäuschung der Spieler in anderer Form schon häufiger gesehen. Wenn die Mannschaft ein Tor erzielte, wirkte sie fast immer bald darauf etwas zu passiv. Enttäuschung und Passivität lassen sich auf dieselbe Selbsteinschätzung zurückführen. Die Mannschaft weiß um ihre spielerische Qualität, um ihr taktisches Wissen, sie kennt aber zum Beispiel noch nicht den immer notwendigen Einsatz genau, um einem Gegner keine Chance zu lassen. Das ist ein intuitives Verhältnis. Im Spiel gegen Rostock mangelte es keineswegs an Einsatz. Die Spieler haben nur ihre momentanen Grenzen genau gespürt.

Hoffen wir, dass die Mannschaft durch die Niederlage wächst. Hoffen wir, dass in den drei Spielen ohne Fabian Schnellhardt der Spielaufbau gelingt, vielleicht mit einer anderen taktischen Ausrichtung. Vielleicht wird der MSV auf diese Weise etwas unberechenbarer. Dann brauchen wir auch nicht mehr auf eine bessere Chancenverwertung zu hoffen. Die könnte sich als Nebeneffekt von selbst ergeben.

Unsicher auf dem Spielfeld? Dann Urlaubsunterkunft buchen

Wir Fußballanhänger verfolgen die Arbeit in den Vereinen unserer Herzen ja in jeglicher Hinsicht. Nicht selten haben wir Ideen, wie etwa Training, Scouting oder Merchandising erfolgreicher gestaltet werden können. Ein Teil von uns gehört zur ehrenamtlichen Consulting-Gilde. Der möchte ich mich heute in Sachen Persönlichkeitsentwicklung der Spieler anschließen.

Wie stärkt ein Trainer das Selbstbewusstsein seiner Spieler? Die großen Vereine mit entsprechendem Saisonetat zweigen dafür inzwischen sogar den Etatposten Psychologen-Honorar ab. Für die finanzschwächeren Vereine habe ich jetzt einen kostengünstigeren Vorschlag: Schenkt euren Spielern eine Übernachtung, die sie selbst mit eigener E-Mail-Adresse buchen. Nicht irgendwo, bei booking.com.

Seitdem ich selbst diesen Anbieter in Anspruch genommen habe, erhalte ich in recht hoher Frequenz Aufforderungen, in meinem Buchungsort zu unglaublich günstigen Konditionen noch einmal zu übernachten. Was mich wenig interessiert, da ein niederländisches Straßendorf abseits der See nicht zu meinen vordringlichsten Zielen der kommenden Zeit gehört. Eine dieser E-Mails aber brachte unlängst ein Strahlen in mein Gesicht. Sie war anders. Ich habe sie mir ausgedruckt und schaue sie täglich an, vor schweren Aufgaben auch mehrmals.

Also, lieber Ilia Gruev, wenn deine Spieler an ihrem Torschuss zweifeln; wenn sie mal wieder das Gefühl haben, kein Pass über zwei Meter kommt an; wenn sie jedes Mal den berühmten Schritt zu spät kommen, sei es beim Gegenspieler, sei es beim Versuch die Flanke des Mitspielers zu erreichen, dann lass sie einmal nur bei booking.com etwas buchen. Kurze später werden sie aufgerichtet und selbstbewusster denn je das nächste Spiel bestreiten. Nicht zuletzt werden sie beim MSV mit der Stadt Duisburg viel zufriedener sein. Ich glaube nämlich nach täglicher Betreff-Lektüre inzwischen nicht mehr, dass es irgendeine Stadt auf der Welt gibt, die so toll ist wie ich selbst.

2016-06_bookingcom_tollwiedu

Den MSV in seinem Lauf hält Regensburg nicht auf

So lässt sich die Welt also betrachten, wenn man einen Lauf hat. Man fühlt sich stark und glaubt alle Fäden beim Gestalten des eigenen Schicksals in der Hand zu halten. Man konzentriert sich auf das Gelingen und ignoriert einfach sämtliche Möglichkeit des Scheiterns. Ich spürte, wie der Druck zunahm. Noch blieben etwa zehn Minuten im Spiel des MSV Duisburg beim SSV Jahn Regensburg bis zum Schlusspfiff. Leichte Aussetzer hatte es in den letzten Minuten schon mehrmals gegeben. Ich kannte das von meinem Laptop. Das Spiel wogte hin und her, und dann fror das Bild tatsächlich ein. Hektisch lud ich die Seite neu, nur um zu lesen, der Livestream stehe im Moment nicht zur Verfügung.

Das Adrenalin schoss durch meinen Körper. Es ging nun um alles. Ich brauchte Bewegtbilder. In solchen Situationen handelt der Mensch instinktiv. Bei der Netzgemeinde um Hilfe rufen, dazu blieb keine Zeit. Ein weiteres verzweifeltes Mal die Seite neu laden – und während der Laptop arbeitete, schaltete ich hastig den Fernseher an. Auch diese Geräte haben inzwischen eine Vorlaufzeit, ehe sie Bilder zeigen. Kurz schaue ich rüber zum Laptop und sehe, wie der Livestream von Bayern 3 wieder funktioniert.  Der MSV mit Ballbesitz im Mittelfeld. Mein Blick geht zurück zum TV, inzwischen mit den Bewegtbildern aus der Drittligakonferenz beim WDR, und ich sehe denselben Ball, der auf dem Laptop auf den linken Flügel geht, in einem Tornetz. Erst als die Kamera auf den jubelnden Stanislav Iljutcenko schwenkt, begreife ich wirklich, dass der MSV nun wieder führt. Das nenne ich einen Lauf, wenn ich im Moment des möglichen Scheiterns meiner bis dahin gelebten Zeit mit einem Mal voraus bin.

Der MSV und ich, wir haben momentan anscheinend einen Lauf. Der Auswärtssieg des MSV war nicht das zwingende Ergebnis einer überlegenen Spielweise. Durch die Spielanlage war zu erahnen, warum die Zebras die Tabelle anführen. Doch wirkte die Mannschaft gegenüber dem Einsatz der Regensburger oft zu passiv. Gerade zu Beginn der  zweiten Halbzeit schienen die Spieler sich zu sehr auf ihre Defensivstärke und die spielerischen Möglichkeiten zu verlassen. Sie setzten dem großen Willen der Regensburger den Ausgleich zu erzielen nicht genug eigenes Engagement entgegen. Der Ausgleich in der 53. Minute war eine absehbare Folge der zu großen Passivität.

In der ersten Halbzeit hatte das sehr kontrollierte Spiel des MSV noch genügt, die frühe Führung durch Tim Albutat zu sichern. Schon dieses Tor lässt sich als Folge des „Laufs“ erzählen. Es glückte, was im Ansatz noch nicht erfolgsversprechend aussah. Die Flanke von rechts erreichte Tim Albutat nicht direkt, sondern nur weil ein Defensivspieler der Regensburger sie unglücklich auf den Kopf von Albutat verlängerte. Wer einen Lauf hat, kann so ein Tor aber auch als ureigenen Verdienst betrachten. Der Fehler geschah nur, weil die Mannschaft von Anfang an wieder dominant auftrat und die Defensivspieler verunsicherte.

Der Rückstand schien die Lebensgeister der Regensburger vollständig zu wecken. Sie erspielten sich fortan eine leichte optische Überlegenheit. Dennoch hätte das Spiel für uns in Duisburg mit mehr Gelassenheit betrachtet werden können. Nach einem weiten, punktgenauen Abschlag von Mark Flekken in den Lauf von Andreas Wiegel, wurde der im Strafraum von einem Regensburger Defensivspieler gefoult. Der Elfmeterpfiff von Robert Kampa blieb aus.

Aus den Angriffsversuchen der Regensburger ergab sich nur eine einzige wirkliche Chance, ein Schuss im Strafraum, den Mark Flekken souverän abwehrte. Ansonsten zwang die MSV-Defensive zu unpräzisen Pässen, sobald der Ball in Tornähe kam, und weiten Bällen, die von den Stürmern nicht genau genug verwertet werden konnten. Ich vermisste dennoch entlastende Offensivaktionen vom MSV. Erst ein paar Minuten vor dem Pausenpfiff kam das Spiel wieder in ein Gleichgewicht.

In der zweiten Halbzeit entwickelte sich ein offenes Spiel, in dem der MSV die klareren Chancen besaß. Schon als Stanislav Iljutcenko in einen Fehlpass kurz hinter der Mittellinie lief und vom Defensivspieler bedrängt auf das Regensburger Tor zusprintete war meine Hoffnung auf eine erneute Führung groß. Doch konnte sich Iljutcenko gegen die vereinten Kräfte von Defensivspieler und Torwart nicht durchsetzen. Diese Spielsituation zeigt übrigens, warum er den Vorzug gegenüber Kingsley Onuegbu erhält. Auch wenn er vor dem Tor momentan nicht so effektiv ist wie in seinen Osnabrücker Zeiten, Iljutcenko ist einfach sprintstärker als der King.

Vielleicht weckt das Kopfballtor zum 2:1  Stanislav Iljutcenkos etwas verschütt gegangenen Torinstinkt. Denn dieses Stürmertor wirkte überraschend. Plötzlich stand er an der richtigen Stelle, dort wo eigentlich kein Platz war zwischen Torwart und Verteidiger. Dort kam er mit dem Kopf an den Ball, ohne sehr hoch zu springen zum Kopfball. Das Tor war verblüffend, und womöglich protestierte der Regensburger Torwart beim Schiedsrichter auch deshalb. Er konnte sich nicht vorstellen, wie man von Stanislav Iljutcenko Platz aus ohne Foulspiel ein Tor hat erzielen können. Stanislav Iljutcenko hat dieses überraschende Tor gemacht. Er, seine Mitspieler und ich, wir haben momentan eindeutig einen Lauf. Am besten denken wir alle nicht drüber nach und machen einfach damit weiter im nächsten Spiel gegen Rostock.

 

Die Bilder zu den Vorbericht-Erinnerungen von Ilia Gruev

Im Vorbericht zum Spiel gegen Regensburg wird Ilia Gruev auf das Elmeterschießen gegen Regensburg im Achtelfinale der Saison 2003/2004 angesprochen. Er selbst hat damals den letzten und entscheidenden Elfmeter geschossen. Beim schnellen Blick ins Netz finden sich Bilder zu diesem Sieg, dessen Spieldaten mit einem Klick weiter zu finden sind.

Schnell online gestellt und dann, auf Wiedersehen, Barcelona.

Erst der Ausgleich in der 90. Minute durch Ahanfouf

Und das Elfmeterschießen

Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 32: Eisenpimmel mit Ruhrpott Rhapsodie

Heute mal eine schnelle Folge der Heimatlied-Sammlung des Potts mit Eisenpimmel, die auch schon früh in der Sektion Duisburg mit einem Song über ihren Herkunfts-Ruhrstadt-Stadteil Duisburg vertreten sind. Für die Ruhrstadt gehört die Band geradezu zur kulturellen Avantgarde, weil sie schon seit Mitte der 1990er die identitätsstiftenden Selbstbeschreibungen der Ruhrstadt und der eigenen Musik in einen ironischen Kontext stellt. Kulturelle Avantgarde deshalb, weil die Band sich von dieser Identität nicht grundsätzlich distanziert. Sie nimmt sie spielerisch. Sie nimmt die Selbst- oder auch Fremdbilder als Material für ihre Songs, ohne einzelne Teile der Identität wie etwa Proletenkult oder den Rückbezug auf Kohle und Industriearbeit zu denunzieren.

Nun haben Eisenpimmelhier der Wikipedia-Eintrag zur Band –  mit Ruhrpott Rhapsodie der gesamten Ruhrstadt ein Lied gewidmet. Entstanden ist eine karikierende Zusammenschau aus Selbst- und Fremdbildern, der man den freundlichen Blick dahinter auf die Ruhrstadt-Wirklichkeit weiter anmerkt.

Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Alle Folgen

Drei Zeilen für den Sieg

Der Niederrhein-Pokal ist nicht mein Wettbewerb, zumindest keiner, über den ich viel schreiben kann. Wenn Tore des MSV fallen, er gar den Niederrhein-Pokal gewinnt, fühle ich mich fremd unter jubelnden Anhängern des MSV. Mir den Fußball anzuschauen und Spaß mit Freunden haben ist das eine, mich zu begeistern ist etwas anderes. Niederrhein-Pokalspiele besaßen für mich vor dem Anpfiff bislang jedes Mal Freundschaftsspielseigenschaften.

Ich las gestern, der MSV hat das Spiel gegen den KFC Uerdingen durch ein Tor von Simon Brandstetter kurz vor dem Schlusspfiff gewonnen. Das freut mich, dann kann ich demnächst vielleicht nach Essen, Oberhausen oder wohin auch immer bei einem Viertel- oder Halbfinale ein wenig Fußballnostalgie der Ruhrstadt genießen. Diese Stadionatmosphäre bei den größeren Vereinen des Pokalwettbewerbs gefällt mir am Niederrhein-Pokal. Deshalb wäre ich auch in Uerdingen dabei gewesen. Allerdings war die Anfahrt mit über 1000 Kilometern etwas weit, und ich habe mich zu einem Alternativprogramm entschieden.

Der Basketball um die Ecke bot beeindruckenden Spitzensport. FC Barcelona Lassa besiegte Saski Baskonia in der Verlängerung mit 98:92. Ein spannendes Spiel in lauter Halle durch zweistündigen Dauersupport und dabei – welch Überraschung – einige Fangesänge, die Cover-Hits von Zebrakurven-Dauerbrennern waren. Vielleicht überlasse ich die Urheberrechtsfrage aber den Musikwissenschaftlern mit dem sonderbaren Spezialinteresse Fangesang,  das Heimatstadiongefühl auch im etwas herunter gekommen wirkenden Palau Blaugrana habe ich jedenfalls kurzzeitig genossen.

Beim KFC wurde tief im Archiv gewühlt

Sonntag spielt der MSV Duisburg im Niederrheinpokal gegen den KFC Uerdingen. Auf seiner Seite hat der KFC zusammen mit einen schönen Rückblick auf die Begegnungen der beiden Mannschaften eine Collage von Eintrittskarten, Spielplakaten und Stadionmagazin-Covern veröffentlicht. So werden Erinnerungen angestoßen, die sich kurioserweise für mich in einem einzigen Spiel bündeln, ein Spiel, das in einem diffusen Ergebnisnebel ohne einen Sieger oder Verlierer endet. Ich kann meine Auswärtsspiele gegen Uerdingen, damals noch Bayer Uerdingen, nicht voneinander trennen.

Meine Auswärtsfahrten in die Nachbarstadt sind mir zu einer geworden. Wenn ich die Spiele nun nachlese, erkenne ich, mit diesem einen Spiel meiner Erinnerung habe ich sämtliche Bundesligabegegnungen gesehen, sowohl den überzeugenden Auswärtssieg 1975 als auch die Niederlage 1980 und das Unentschieden zwischendurch. Die Ergebnisse scheinen mir nicht so wichtig gewesen zu sein, wie etwa eine rote Tribünendachstange, die mir im Niederlagenspiel ständig beim Blick auf ein Tor im Weg war. Die sehe ich noch klar vor mir. Tore nicht. Auch in meiner Erinnerung als Anhänger des MSV ist Krefeld die Nachbarstadt von Duisburg, die ich links liegen gelassen habe – zu weit im Süden für einen Duisburger Jung aus dem Norden.


JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 8,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Sponsored

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: