Auch enttäuscht sein muss man lernen

Mit dem Abstand von drei Tagen muss über das Spiel selbst vom MSV Duisburg gegen Hansa Rostock nicht mehr viel geschrieben werden. Der MSV trat wie bislang in der Saison auf, die Mannschaft spielte nicht schlecht, sie bestimmte das Spiel und sie hat dennoch 0:1 verloren. Das Gegentor fiel ein paar Minuten vor dem Abpfif. Es war kein unverdientes Tor. Auch wenn der MSV in der zweiten Halbzeit weiter das Spiel meist bestimmte, die Rostocker traten im Gegensatz zu den ersten 45 Minuten mutiger auf. Die Mannschaft verteidigte höher. Die Spieler kombinierten bei den Kontern selbstbewusst und sicher.

Wir auf den Rängen waren enttäuscht, erst über das Tor, dann nach dem Schlusspfiff über die feststehende Niederlage. Auch die Spieler waren enttäuscht, in derselben Abfolge wie bei uns auf den Rängen. Doch wirkte es so, als müssten die Duisburger auf dem Spielfeld bei einem Gegentor noch lernen, was den meisten Duisburgern auf den Rängen nach dem Abpfiff gelang. Die meisten von uns kamen mit der Enttäuschung klar, die Spieler nicht.

Schon nach der Rostocker Führung schienen die Zebras nicht glauben zu wollen, dass dieses Tor tatsächlich geschehen war. Vielleicht haben die Rostocker den Zebras zu sehr das Gefühl gegeben, die Mannschaft spiele überlegen. Hansa wollte ein Tor verhindern, und der MSV versuchte geduldig und kontrolliert die Lücke zum Tor zu finden. Diese Versuche waren erfolglos. Doch schon in der ersten Halbzeit konterte Hansa gefährlich. Vielleicht verliert sich im fortwährenden Ballbesitz das Gefühl für die Möglichkeit der Niederlage. Wenn dann wenige Minuten vor dem Schlusspfiff die Niederlage droht, fühlt sich das ungerecht an.

Es wird die Aufgabe von Trainer und Mannschaft sein, diese Enttäuschung in positive Energie zu verwandeln. Momentan ist so eine Niederlage immer möglich, gerade weil der MSV Duisburg in dieser 3. Liga so gut spielt. Das ist paradox. Aber der MSV ist nicht so überlegen, dass jede gut organisierte Defensive mal eben so auseinander genommen werden kann.

Vielleicht lässt die Enttäuschung, die Spieler die eigenen Grenzen besser einschätzen lernen. Im Grunde haben wir diese Enttäuschung der Spieler in anderer Form schon häufiger gesehen. Wenn die Mannschaft ein Tor erzielte, wirkte sie fast immer bald darauf etwas zu passiv. Enttäuschung und Passivität lassen sich auf dieselbe Selbsteinschätzung zurückführen. Die Mannschaft weiß um ihre spielerische Qualität, um ihr taktisches Wissen, sie kennt aber zum Beispiel noch nicht den immer notwendigen Einsatz genau, um einem Gegner keine Chance zu lassen. Das ist ein intuitives Verhältnis. Im Spiel gegen Rostock mangelte es keineswegs an Einsatz. Die Spieler haben nur ihre momentanen Grenzen genau gespürt.

Hoffen wir, dass die Mannschaft durch die Niederlage wächst. Hoffen wir, dass in den drei Spielen ohne Fabian Schnellhardt der Spielaufbau gelingt, vielleicht mit einer anderen taktischen Ausrichtung. Vielleicht wird der MSV auf diese Weise etwas unberechenbarer. Dann brauchen wir auch nicht mehr auf eine bessere Chancenverwertung zu hoffen. Die könnte sich als Nebeneffekt von selbst ergeben.

Advertisements

0 Responses to “Auch enttäuscht sein muss man lernen”



  1. Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 9,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: