Erstaunliche Janjic-Wahrnehmung

Momentan fehlt mir manchmal der Zugang zum Netz. Was mein Schreiben hier aus dem Rhythmus bringt, angesichts der Leistung des MSV am letzten Samstag mir aber zurecht kommt. Gestern Abend bin ich gefragt worden, ob ich im Stadion war. Mir fiel gar nicht sofort ein, dass vom 2:2 gegen Aalen die Rede war. Das Spiel hatte ich schon komplett verdrängt. Ich wollte auch nicht erinnert werden. Zu sehr hatte mich die Spielweise der Mannschaft geärgert.

Nun war es aber geschehen, das Spiel war wieder da, und heute Morgen ging mir dazu noch eines durch den Kopf. Über das Spiel selbst brauchen wir nicht mehr zu reden. Ich möchte aber auf eine kurz aufgeblitzte Einschätzung zu dem Spiel hinweisen, die vielleicht Rückschlüsse zulässt auf die Mannschaftsleistung. Ich weiß nicht, ob darüber schon geschrieben, gesprochen wurde. Gesehen, gehört habe ich nichts.

Mich hat nämlich erstaunt, wie Zlatko Janjic das Spiel wahrgenommen hat, und ich frage mich, ob solche Wahrnehmung nicht Teil des Problems ist. Im Reviersport wird er folgendermaßen zitiert: „Bis zum Ausgleich hatten wir alles im Griff. Danach haben wir komplett die Orientierung verloren, das darf uns einfach nicht passieren. Daran sieht man, dass wir mental noch nicht aus dem Loch raus sind.“

Mir ging das anders. Ich habe keinen MSV gesehen, der das Spiel bis zum Ausgleich im Griff hatte. Die Führung des MSV war doch nicht durch eine gelungene Mannschaftsleistung kontinuierlich erspielt. Diese 1:0-Führung war nicht erwartbar gewesen. Die Mannschaft hatte die Aalener doch nicht im Griff. Diese Aalener kombinierten deutlich sicherer und präziser als die Zebras. Sie waren schneller im Kopf und hatten die klarere Spielanlage. Dass diese Aalener nicht führten, lag alleine an ihrem ebenfalls nicht sonderlich erfolgreichem Torabschluss.

Wenn Zlatko Janjic dennoch auf dem Spielfeld das Gefühl hatte, seine Mannschaft hätte den Gegner im Griff gehabt, liegt eine Vermutung nahe. Der Versuch, das eigene Spiel kontrolliert zu gestalten, steht so sehr im Fokus der einzelnen Spieler, dass für den  Eindruck erfolgreich zu sein, schon der Ballbesitz als solcher genügt oder die Anmutung eines planvollen Vorgehens. Das eigene Spiel wird nicht mehr in Beziehung zum Spiel des Gegners gesetzt. So kommt es mir jedenfalls vor, wenn ich Janjics Worte lese.

Vielleicht muss man ihm deshalb auch die Pfiffe des Publikums übersetzen, wenn ich von seinem Unverständnis für die Pfiffe, zitiert bei „Funkes“, lese.  Diese Pfiffe galten doch nicht zwei, drei misslungenen Aktionen. Diese Pfiffe galten einer vermeintlichen Kontrolle des Spiels, die nichts anderes war als ein häufig viel zu langsames Grundtempo, mit dem die Spieler sowohl mental als auch körperlich auf dem Platz standen. Sinnbild für dieses Grundtempo war das 2:1 der Aalener, als es so aussah, als hätte die eine Hälfte der Mannschaft  das Spielen komplett eingestellt, während die andere vorne darauf wartete, ob Mark Flekken nicht doch im eins gegen eins rettete, was zu retten ist.

Sicher, der MSV ist weiter Tabellenführer, und darüber freue ich mich. Ich würde mich noch mehr freuen, wenn die sportlich Verantwortlichen erkennen, dass bei der Selbstwahrnehmung der eigenen Spielweise schon etwas schief läuft, noch ehe überhaupt von Verunsicherung und mentalen Schwierigkeiten zu sprechen ist.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s





%d Bloggern gefällt das: